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Idiotensicher: CouchCMS, das Redaktionssystem für jedermann?

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Immer, wenn ich mit Kollegen ins Plaudern komme, schweifen wir nach steigendem Bierkonsum irgendwann vom Level, auf dem wir natürlich alle nur gigantische Großprojekte zu bearbeiten haben, ab und kommen in die Wirklichkeit zurück. Da stellt sich regelmäßig die Frage: Wie kann ich dieses Kundenprojekt so rationell wie möglich abwickeln, weil der Kunde einen Igel in der Tisch hat und welches CMS setze ich dafür am sinnvollsten ein? In den vergangenen Jahren haben wir hier bei Dr. Web immer wieder CMS für Kleinprojekte vorgestellt, unser heutiger Vertreter war jedoch bislang nicht dabei. Begrüßen Sie CouchCMS.

CouchCMS: CMS unkompliziert!

CouchCMS ist ein CMS unter Open Source-Lizenz, das sich ausdrücklich an Designer richtet, die nur über wenig Codeerfahrung in Sprachen wie PHP verfügen. Ebenso ausdrücklich richtet es sich indes an Designer, die über Code-Kenntnisse verfügen. Sie benötigen mithin keine PHP-Kenntnisse, aber, wenn Sie sie haben, dann ist das auch nicht schlecht. CouchCMS unterstützt Sie so oder so. Im Standard nutzt das System XHTML-Tags, um statische HTML-Templates in dynamische Websites zu konvertieren.

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Ein erster Überblick

Lassen Sie uns zunächst einen Blick auf die wesentlichen Features werfen, die CouchCMS in den Ring wirft. Da sich dieses CMS auch an Non-Coder richtet und bestens für Endkunden geeignet ist, erwarten Sie an dieser Stelle keine großen Worte zu APIs oder Extensions oder Plugins.

  • Wie bereits erwähnt, arbeitet CouchCMS mit gewöhnlichen Templates auf Basis von HTML und CSS. Dann verwendet man XHTML, um bestimmte Bereiche dieser Templates bearbeitbar zu machen. Außerdem verwendet CouchCMS die sogenannten Cloned Pages, um spezielle Features, wie einen Blog, ein Portfolio oder eine Galerie zu ermöglichen.
  • Um den Einstieg zu erleichtern und die essentiellen Bedarfe schnell zu befriedigen, kommt CouchCMS mit einem kleinen Satz fertiger Tools, wie etwa der Google Maps Integration, einem Kalender, einer Kommentarmoderation, SEO, Rss-Feeds und einigen anderen Basics für die zeitgemäße Homepage.
  • CouchCMS erlaubt eine gute Zusammenarbeit mit PayPal.
  • Es gibt weder ein Repository für Plugins, noch eines für Themes. Als Theme können Sie jedes HTML/CSS-Tenmplate nehmen und diesem via XHTML Beine machen. Und Plugins gibt es über die Basis-Tools hinaus auch nicht. Kommt man mit dem gegebenen Featureset nicht aus, sollte man ohnehin eine andere Lösung in Betracht ziehen, denn in diesem Falle wird CouchCMS eher unterdimensioniert sein.

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Cunningham’s Pharmacy: eine real existierende, nicht mal kleine Website auf Basis von CouchCMS

CouchCMS: ein etwas tieferer Blick

CouchCMS verfügt über eine ausgesprochen gute und ausführliche Dokumentation, die man sogar komplett herunterladen und offline konsumieren und/oder seinen Kunden an die Hand geben kann. Der Einstieg wird erleichtert durch einen separaten Dokumentationsteil, der "Core Concepts" benannt ist und die Grundlagen abdeckt.

Die Foren sind nicht unbedingt hyperaktiv, aber nicht so ruhig, wie man aus dem Umstand schließen könnte, dass CouchCMS nur etwas mehr als 200 Twitter-Follower hat. Es gibt zwar keine vollwertige Online-Demo, aber eine kleine präpopulierte Demo-Website mit Beispielinhalten. Wer mehr auf Learning by Doing steht, kann die Demoseite gut als lebendiges Tutorial verwenden.

CouchCMS gibt es in zwei Varianten, nämlich einer kostenlosen Version als Open Source und einer kostenpflichtigen Lizenz. Die Unterschiede sind für den Profi durchaus namhaft, der Gelegenheitsnutzer wird das anders sehen.

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Die Open Source-Version von CouchCMS steht unter der Common Public Attribution License 1.0. Diese erlaubt sowohl die Verwendung, die Veränderung und die Distribution, als auch den Einsatz in kommerziellen Projekten. Das ist schon mal ein Pfund. Der Haken an der Sache ist, die kleine Bedingung:

You must keep a legible and unobscured hyperlink back to www.couchcms.com on all pages rendered by the CMS.

Sie müssen also von jeder Seite aus, die das System verwaltet, einen gut lesbaren, nicht versteckten Link zu CouchCMS implementieren, der im Standard als “Powered by CouchCMS” erscheint. Daran führt kein Weg vorbei, will man die Lösung legal einsetzen. Bestenfalls kann man noch die Darstellung des Links etwas anhübschen, aber anbringen muss man ihn.

Die kostenpflichtige Lizenz hingegen, erlaubt Ihnen nicht nur das Entfernen dieses Links, sondern sogar die komepltte Anpassung des Systems als White-Label-Version, sogar mit Ihrem eigenen Branding. Diese Erlaubnis lässt sich der Entwickler mit überschaubaren 39 Dollar versüßen, für die er dann auch noch drei Monate kostenlosen Support per Forum, E-Mail und sogar Instant Messaging leistet.

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CouchCMS und der Backlink

Die Backlink-Pflicht der Open Source-Version wird teilweise kritisch gesehen. Unser eigener Autor Sufyan Bin Uzayr ging in seinem Review des Systems sogar so weit, zu empfehlen, bei Concrete5 oder WordPress zu bleiben, wenn man kein Geld für sein CMS ausgeben wolle. Für Bin Uzayr sei CouchCMS Open Source "nicht verwendbar". Ein erzwungener Backlink käme für ihn nicht in Frage, sowas müsse schon freiwillig bleiben. Insofern sei die freie Version von CouchCMs eher so etwas wie eine Demo. Bei positivem Eindruck solle man die kommerzielle Version kaufen. Hier regte sich Bin Uzar dann darüber auf, dass CouchCMS keine Entwicklerlizenzen anbietet, die einem etwa erlauben, es einmal zu kaufen und beliebig oft zu implementieren. Stattdessen müsse man umständlicherweise jede Domain für 39 Dollar neu lizenzieren.

In den Kommentaren zu diesem Beitrag erntete Bin Uzayr eher mäßige Zustimmung. Die große Mehrzahl der regen Kommentatoren schilderte ausführlich, was für ein großartiges System CouchCMS sei und dass man ohnehin quasi verpflichtet sei, den Entwickler mit dem geringen Betrag von knapp 40 Dollar bei der Fortentwicklung zu unterstützen.

Der Betrag wurde durchweg als zu vernachlässigen, insbesondere im Gesamtkontext eines Webprojektes angesehen. Manch Kommentator ging so weit, CouchCMS geradezu als seine wirtschaftliche Basis zu bezeichnen, die ihm eine erfolgreiche Existenz als Webdesigner überhaupt erst ermöglicht. Dabei wurde der Support, der in weiten Teilen vom Entwickler selbst geleistet wird, in den höchsten Tönen gelobt. CouchCMS hat auf jeden Fall eine loyale Kundenbasis.

Auch hinsichtlich des Featureset und der Einfachheit der Verwendung erhielt CouchCMS durchweg Bestnoten. Dabei wurde am häufigsten darauf abgestellt, dass das System auch dem Endkunden, der letztlich etwa seinen Blog damit betreibt, nicht die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Zudem seien die bearbeitbaren Bereiche so gut beschränkbar, dass der Endkunde nicht einmal aus Versehen den Hammer der Zerstörung schwingen könnte.

CouchCMS: Pro und Kontra im Überblick

Pro

  • Leicht zu erlernen
  • Sehr gute Dokumentation
  • Überaus engagierter Support
  • Keine Code-Kenntnisse erforderlich
  • Die kommerzielle Variante kann man de-branden, also als White Label-Version benutzen.

Kontra

  • Nicht wirklich ein Kontra, aber man sollte es schon im Auge behalten: Die Open Source-Version erfordert einen Backlink von jeder Seite der erstellten Website aus
  • Es gibt keine Mehrfach-Lizenzen, jede Domain muss einzeln gekauft werden
  • Die Nutzerbasis ist vergleichsweise kleiner, Gleichgesinnte, die einem helfen können, sind entsprechend schwerer zu finden. Dafür ist dem Vernehmen nach die Qualität der Antworten sehr hoch.
  • Über den Werkszustand hinaus gewünschte Erweiterungen müssen entweder selbst programmiert werden oder führen dazu, dass ein alternatives System ausgewählt wird.

Was halten Sie von CouchCMS? Kommt es für Ihre Projekte in Frage? Der Kommentarbereich wartet auf Sie!

(Der Text ist in anderer Form zuerst erschienen im Noupe Design Magazine und wurde in seiner ursprünglichen Fassung geschrieben von Sufyan Bin Uzayr. Textliche Ergänzungen und Veränderungen von Dieter Petereit)

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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5 Kommentare auf "Idiotensicher: CouchCMS, das Redaktionssystem für jedermann?"

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Lars Mielke
Gast

Ich bin bei diesen Ein-Entwickler-Produkten und -Systemen immer skeptisch.
Zum Probieren oder für private Projekte sicherlich durchaus zu verwenden, aber für einen “kommerziellen” Auftritt: nein.

Für jede Installation nochmal berappen müssen? Nee, das geht mit Entwicklerlizenzen durchaus besser zu lösen.

Insgesamt also kein Kandidat für mich.

Alex
Gast

Hab’s installiert – concrete5 ist deutlich einfacher gerade für den Endkunden – unbedingt anschauen: concrete5.org oder concrete5-cms.de

Luca
Gast

Alternative: http://www.onedit.de

MNML
Gast

Ich frage mich immer warum PHP als Template-Engine umgangen werden muss?!

Ich kann doch als Frontend-Entwickler mit den Grundlagen von PHP mehr anfangen, als eine Projektspezifische Template-Engine zu lernen.
Im Endeffekt wird das ganze wahrscheinlich eh mit PHP verarbeitet. Warum also nicht gleich PHP verwenden?

Martin Mehner
Gast

Hallo Dieter,

ich bin mir nicht ganz schlüssig was der richtige Begriff für das ist, was ich aktuell suche. Für die Website die ich hier angegeben habe bin ich auf der Suche nach einer Möglichkeit ein Formular mit Datenabfrage in den WordPress Blog einzubinden und die daraus gewonnenen Daten zu verarbeiten, bzw. auf einer weiteren Seite als Übersicht darzustellen.

Wie nennt man sowas? Ist das vllt sogar ein CMS?

Über deine Hilfe würde ich mich freuen.

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