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Dieter Petereit 31. Mai 2017

Homepage-Baukästen: Stirbt der Beruf des Webdesigners aus?

Die Nervosität steigt. Kaum ein Surfgang in den Weiten des Netzes ist noch mög­lich, ohne dabei über Werbung eines der gro­ßen Homepage-Baukastenanbieter zu stol­pern. „Do it yours­elf” ist schwer im Kommen, so scheint es. Sterben Webdesigner aus?

Ganz zu Beginn, die Antwort

Die Frage danach, ob der Beruf des Webdesigners in abseh­ba­rer Zeit aus­ster­ben wird, lässt sich mit einem kla­ren Ja und einem kla­ren Nein beant­wor­ten. Es ist ein biss­chen wie bei Radio Eriwan. Es kommt dar­auf an. Es kommt näm­lich dar­auf an, wie man den Beruf defi­niert.

Webdesign Anno Tuck

In der Vergangenheit war Webdesign schon des­halb eine Goldgrube, weil es kaum jeman­den gab, der es tat. Schön war auch, dass es kei­nen Ausbildungsberuf gab und gibt, so dass sich jeder ein­fach Webdesigner nen­nen konn­te (und kann). Es dau­er­te daher nicht lang, da hat­ten sich gelern­te Köche, Ausbildungsabbrecher und drei­zehn­jäh­ri­ge Gymnasiasten zu Webdesignern erklärt und bau­ten die ers­ten, aus heu­ti­ger Sicht, fürch­ter­li­chen Bretterbuden des Internet zusam­men.

Mit der Zeit ver­fei­ner­te sich das gra­fi­sche Skillset vie­ler, wenn auch nicht aller Marktteilnehmer, und Web-Kompetenzen fan­den Einzug in Studium und Ausbildung. Eine Professionalisierung setz­te ein.

Mit dem Start der Web-Programmierung wie­der­um begann die Appisierung des Netzes. Von nun an muss­ten Websites nicht mehr nur gut aus­se­hen, sie muss­ten auch aller­lei kön­nen. Content Management Systeme, wie etwa WordPress, tra­ten an, um die Inhalteverwaltung im Netz für jeder­mann zugäng­lich zu machen.

Erstaunlicherweise griff die Webdesignerzunft das Thema CMS jedoch eher unter dem Aspekt der Theme-Entwicklung auf und ruck­zuck ent­stand eine unüber­schau­ba­re Zahl schi­cker und weni­ger schi­cker Mäntelchen, die der geneig­te Kunde sei­nem CMS umwer­fen konn­te.

Schicke Mäntelchen erfreu­ten sich gro­ßer Beliebtheit und tun das bis heu­te. Manch einer kann gut davon leben, ein sol­ches Schneiderlein zu sein, die Mehrzahl nicht.

Der Aufstieg der Baukasten-Systeme

Für all jene, die sich mit der Technik eines CMS nicht aus­ein­an­der­set­zen wol­len oder kön­nen, aber auch nicht bereit sind, einen Webdesigner zu beauf­tra­gen, ent­stand die Industrie der Homepage-Baukästen. Deren Fähigkeiten wuch­sen schnell. So kön­nen Website-Builder heut­zu­ta­ge mit Features auf­war­ten, die kaum noch Wünsche offen las­sen.

Auch die Code-Qualität hat sich von grot­ten­schlecht zu top gewan­delt; nicht bei jedem, aber bei den füh­ren­den Baukasten-Systemen. Die Codequalität ist sogar teil­wei­se so gut, dass sie ein Handcoder nicht mehr ver­bes­sern könn­te. Ach, du Schreck.

Vom Design her, soweit wir dar­un­ter Schönheit im Ausdruck ver­ste­hen, gibt es an Baukasten-Websites eben­falls nichts mehr zu kri­ti­sie­ren. Da sich Websites optisch ohne­hin immer mehr anein­an­der anglei­chen, ist über das Design, die Gestaltung kaum noch eine dar­stell­ba­re Abgrenzung mög­lich.

Das erschreckt einen Gutteil der Zunft. „Wenn der Kunde über einen Baukasten eine eben­so schö­ne Website, wie ich sie ihm bau­en wür­de, viel bil­li­ger erhal­ten kann, wie­so soll­te er mich dann noch beauf­tra­gen?” Das ist auf den ers­ten Blick eine berech­tig­te Frage.

„Ach, da musst du ein­fach Zusatzleistungen anbie­ten,” sagen man­che und mei­nen damit das tech­ni­sche Hosting, also das klas­si­sche Webmastertum. Immer mehr set­zen auch auf die Suchmaschinenoptimierung als für jeden Kunden wich­ti­ge Dienstleistung. Andere wie­der­um spe­zia­li­sie­ren sich auf eine Programmiersprache, mit der sie dem Kunden qua­si jeden pro­gramm­lo­gi­schen Wunsch von den Augen able­sen kön­nen. Immer weni­ger ver­su­chen den Kunden davon zu über­zeu­gen, dass doch noch immer ein Maßanzug bes­ser als ein Anzug von der Stange ist. Und immer weni­ger Kunden glau­ben das.

All die­sen Webdesignern ist eines gemein. Sie sehen Webdesign als eine gestal­te­ri­sche und tech­ni­sche Aufgabenstellung. Webdesigner, die so den­ken, wer­den vom Markt ver­schwin­den. Ja, die ster­ben aus.

Des Kaisers neue Kleider

Lass mich dir an die­ser Stelle eine Frage stel­len: „Was glaubst du? Wird der Maier aus der Poststelle, wenn ich ihm den glei­chen Anzug kau­fe wie unse­rem Topverkäufer Schmidt aus dem Vertrieb, ein eben­so guter Verkäufer wer­den wie der Schmidt?”

Du denkst viel­leicht, das wäre eine dum­me Frage, und du hast Recht. Und wenn du das erkennst, dann hast du auch erkannt, wo der Beurteilungsfehler im Verhältnis Webdesigner zu Baukastensystem liegt. Glaubst du, dein Kunde will ein schö­nes Mäntelchen für sei­ne Website und dazu ein paar SEO-Tricks nebst zuver­läs­si­gem Hosting?

Natürlich will er das, aber es ist nicht sein pri­mä­res Ziel. Bei den aller­meis­ten Kunden wird doch das Ziel der Website dar­in bestehen, Produkte oder Dienstleistungen zu ver­kau­fen. Klar kann unser Topverkäufer Schmidt nicht nackig zu den Kunden gehen. Er braucht schon einen reprä­sen­ta­ti­ven Anzug, aber viel wich­ti­ger sind und blei­ben sei­ne Fähigkeiten als Verkäufer.

Kein Homepage-Baukasten und auch kein CMS setzt an die­sem Punkt an. Sie sind in der Lage eine Struktur und eine Optik zu bie­ten, aber das war es. Du als Designer bist es, der aus die­ser Grundmasse, die­sem Teig, ein Produkt, einen Kuchen backen kann, der sich ver­kau­fen lässt. Verkaufen geht damals wie heu­te mit Worten und mit Bildern.

Weg von the Roots

Betrachte daher dei­nen Designjob weit­aus raum­grei­fen­der. Natürlich musst du eine tech­nisch zuver­läs­si­ge, optisch anspre­chen­de Grundumgebung schaf­fen. Aber, um die Ziele dei­ner Kunden zu errei­chen, musst du in ers­ter Linie deren Marketing unter­stüt­zen.

Es ist daher wohl nicht über­trie­ben, zu behaup­ten, die Zukunft des Designers läge in den Worten. Moderne Websites erzäh­len Geschichten von Produkten und Dienstleistungen und Personen, die die­se Produkte und Dienstleistungen in Anspruch neh­men. Mit Blick auf den Designer der Zukunft wür­de ich daher sagen: „Wer schreibt, der bleibt.”

Aufgrund der ten­den­zi­el­len Gleichförmigkeit moder­ner Websites kommt dem UX-Design stei­gen­de Bedeutung zu. Der Weg des Kunden durch die Website muss best­mög­lich aus­ge­schil­dert und gepflas­tert sein. Ein Kauf muss sich natür­lich anfüh­len und schnell und rei­bungs­frei ablau­fen. Microinteractions, also Mikrointeraktionen, sind wich­ti­ger als je zuvor. Schau dir ver­schie­de­ne Apps mit glei­chem Zweck an. Am belieb­tes­ten ist stets die­je­ni­ge App, die den zu erle­di­gen­den Task so ange­nehm und ein­fach wie mög­lich erle­digt. Lies dazu auch mei­nen Artikel drü­ben bei t3n.

Individualisieren kannst du Websites mit Bildern, Illustrationen, Worten, Videos und beson­ders durch­dach­ten UX-Features, wie den eben genann­ten Microinteractions. Über all die­se Aspekte kannst du dich von Homepage-Baukästen, egal wie groß­ar­tig die ansons­ten sein mögen, abset­zen.

Der Rahmen, inner­halb des­sen du das alles tust, ist eine zeit­ge­mä­ße Website. Egal, wer die zur Verfügung stellt. Wenn du dei­nen Job so defi­nierst, wirst du nicht zu jenen gehö­ren, die vom Aussterben bedroht sind.

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

21 Kommentare

  1. Interessant und gut auf den Punkt gebracht. Was haben wir Designer uns gefürch­tet, als die ers­ten brauch­ba­ren Baukästen den Markt erober­ten. Doch was grenzt die Arbeit eines erfolg­rei­chen Designers, Kreativen oder Developers ab von der Masse? Das Konzept, die Strategie, die Positionierung des Kunden und sei­ner Dienstleitungen/Produkte. Letztendlich ist doch das Tool egal und spielt ver­mehrt eine unter­ge­ord­ne­te Rolle. Klar, ein Teil der frü­he­ren Kunden ver­schwin­det, aber die­se gehör­ten auch zu der Schicht “Es darf nichts kos­ten”. Ich sehe in dem Trend eher die Bestätiung mei­nes Berufs und dem war­um mei­ne Kunden mei­ne Arbeit schät­zen. Das war doch das Gleiche im Printbereich, als 99design auf dem Markt kam und Fiverr. Trotzdem habe ich Kunden, die ein Logo von mir erstellt haben wol­len. Weil Ideen und Geschichten mit Erfahrung und Weitblick auf zukünf­ti­ge Aktionen in die Gestaltung mit ein­flie­ßen. Wir soll­ten uns von sol­chen neu­en Techniken nicht ein­schüch­tern las­sen. Es gibt genug Potential und Webseiten sind längst nicht mehr dum­me Inhaltsbasierte digi­ta­le Seiten. Es wird eine Ausdünnung geben und die Qualität der Seiten wird sich ver­bes­sern. Ich kann nur sagen, dass sich mei­ne Tätigkeit so ver­än­dert hat, dass mich Kunden nach Ideen fra­gen, erst­mal eine Beratung benö­ti­gen und dar­aus ergibt sich dann ein Produkt, dass der Kunde braucht. Es ist eine Weiterentwicklung und wir müs­sen uns mit wei­ter­ent­wi­ckeln. Wie bei allen ande­ren Berufen auch.

  2. Ja, wie schon mehr­fach ange­merkt: Die Berufe ent­wi­ckeln sich stän­dig wei­ter – auch der des Webdesigners, -pro­gram­mie­rers oder ent­wick­lers. Und des­halb soll­te man auch über sei­nen Tellerrand hin­aus gucken. Sich ledig­lich auf’s Programmieren von KMU-Seiten zu kon­ze­trie­ren macht in Zukunft wenig Sinn und ver­kackt. Da sind die Baukästen güns­ti­ger (m.E. aber nicht zwin­gend bes­ser). Dennoch soll­te man auch noch ande­re Dinge in Petto haben. Konzepte sind hier gefragt. Der Webdesigner, der eben sol­che in der Hinterhand hat und auch bera­tend zur Seite steht, wird wei­ter­hin gefragt sein. Dessen Aufgabe ist es näm­lich die Positionierung eines Unternhemens her­aus­zu­kit­zeln und sich von den Robot-Sites abzu­gren­zen. Aber auch der Webseiten-Umsetzer wird noch – zumin­dest tem­po­rär – zu tun haben. Hier wer­den näm­lich (poten­zi­el­le) Kunden an den Baukästen kläg­lich schei­tern, weil ihnen ein­fach der Zugang zu die­sem “neu­mo­di­schen Kram” fehlt. Oder ein­fach die Zeit…

  3. Ich den­ke nicht, dass es so schlimm ist. Also klar, es ist schlimm, aber nicht so schlimm, dass man vom Aussterben reden könn­te. Es gibt noch immer genug Menschen, die lie­ber etwas hät­ten, was auf ihre Bedürfnisse zuge­schnit­ten ist. So ist das auch mit Klamotten. es gibt die Menschen, die wol­len eine Marke tra­gen und es gibt die, die tra­gen halt lie­ber Massenware. Beides völ­lig in Ordnung.

    PS: Das neue Design ist super – das Lesen macht hier nun wesent­lich mehr Spaß als vor­her!

  4. Interessanter Artikel, vie­len Dank.
    Veränderungen in die­sem Job machen wir “Webdesigner” per­ma­nent mit. Eigentlich kann ich gar nicht mehr behaup­ten, ein “Webdesigner” zu sein, denn dahin­ter steht viel viel mehr, als das Design und die Programmierung. Ein “Webdesigner” ist heut­zu­ta­ge in ers­ter Linie Mädchen für Alles im Webprojekt, weil das der Kunde for­dert. Von der indi­vi­du­el­len Beratung über die maß­ge­schnei­der­te Konzeption, dem mög­lichst exklu­si­ven Design, der Entwicklung in den den Anforderungen ent­spre­chen­den Programmiersprachen und Systemen sowie der Nachsorge, dem opti­ma­len Hosting, dem KnowHow über die ein­zu­set­zen­de Hardware, muss ein sog. “Webdesigner” heu­te Wissen über Marketing, Projektmanagement, Suchmaschinen-Auffindbarkeit, Ansätze des Internetrechts, opti­ma­le Anwendungssysteme für den Kunden, Sozial-Media-Marketing und viel mehr wis­sen.
    Ich für mei­nen Teil mache den Job seit 20 Jahren und ver­su­che stän­dig und mit hohem Zeitaufwand den Anforderungen zu fol­gen. Das alles kön­nen Baukastensysteme nur zu einem klei­nen Bruchteil abde­cken. Der Kunde, der tat­säch­lich eine Website für sein Unternehmen mit einem Baukastensystem plant und/oder umsetzt ist für den pro­fes­sio­nel­le “Webdesigner”
    a.) wirt­schaft­lich unin­ter­es­sant, weil er eine pro­fes­sio­nel­le Lösung nicht bezah­len kann oder wil,
    b.) sehr schwie­rig, weil viel Einbildung über Halbwissen sowohl der Kunden/Webdesigner-Beziehung als auch dem Projekt scha­det,
    c.) der Kunde am Ende häu­fig doch zum Profi geht, weil er sich wegen des hohen Aufwandes nicht mehr auf sein Kerngeschäft kon­zen­trie­ren kann und alle vor­her gege­be­nen Liebesmühen des Entwicklers bis dort­hin ver­geb­lich sind.
    Wer mehr als eine Webvisitenkarte mit Startseite, Blog, Fotogalerie, Impressum und Kontaktformular im Web anbie­ten will und neben­her noch von sei­nem Gewerbe exis­tie­ren muss, wird nach wie vor den Profi kon­sul­tie­ren.
    Es gibt viel zu vie­le schlecht gestal­te­te, kon­zep­tio­nier­te und pro­g­arm­mier­te Geschäftswebsites, meist erstellt von Menschen mit dem Glauben, dies zu kön­nen oder nur die rich­ti­ge App dafür gekauft zu haben, als das der sog. “Webdesigner” Angst vorm Aussterben haben müss­te.
    Der Webdesigner, wie er am Anfang des Webs exis­tiert hat ist schon lan­ge tot und eigent­lich auch sei­ne Berufsbezeichnung.

  5. Na, die Frage war ja nicht, ob gute Verkäufer aus­ster­ben, son­dern ob Webdesigner in der Masse von Online Baukästen in ihrer Grundtätigkeit gefähr­det wer­den. Und da heißt die Antwort ganz klar : Ja. Ebenso wie Dieter bin ich seit 1993 im Netz als Gestalter unter­wegs und vor­her als Gestalter für Print. Und genau­so wie dort unter­liegt der Beruf einer Wandlung. Und immer ist es so, dass Gestalter sich ein­fach Zusatzfähigkeiten aneig­nen, die aber eigent­lich nichts mit Ihrer Grundtätigkeit zu tun haben. Sie sind kei­ne Schriftsetzer, Programmierer, Drucker, Sie sind kei­ne Marketing exper­ten, kei­ne Texter und erst recht kei­ne Verkäufer. Sie sind Gestalter. Und dafür wird das Eis mäch­tig dünn. Alles ande­re sind zusatz­wua­li­fi­ka­tio­nen, die aber mit dem eigent­li­chen Talent nichts zu tun haben. Sie blei­ben daher über­all eines: Laien. Ich mache es mitt­ler­weei­le so. Ich den­ke mir eine Geschichte aus, suche mir einen Baukasten, rea­li­sie­re das damit und ver­än­de­re die Templates in den ent­spre­chen­den Stellen. Das befrie­digt mich nicht, füllt aber das Portmonnaie. Dennoch wür­de ich lie­ber mei­nem urei­ge­nen Talent fol­gen.… Gute Verkäufer wer­den nie aus­ster­ben. Aber das war ja nicht die Frage. Die sind seit jeher gefragt beim ver­kau­fen­den Kunden.

    • Vielleicht habe ich mich etwas miss­ver­ständ­lich aus­ge­drückt. Ich mein­te, die Website ist in der Regel der Verkäufer für den Kunden und wir gestal­ten den per­fek­ten Verkäufer. Da der immer indi­vi­du­ell ist, kann kein Baukasten das leis­ten.

      • Ja, da hast du Recht! Jetzt muss dies nur noch der Kunde ver­in­ner­li­chen! ;-) Denn wenn ich mir die gan­zen Websites von Fintech-Unternehmen angu­cken, dann unter­schei­det sich kei­nes vom ande­ren. Aber gut… ich habe die Hoffung, dass der Kunde da von allei­ne drauf kommt!! ;-)

  6. Sicher ster­ben wir aus. Aber nicht so bald und schon gar­nicht wegen der Homepage-Baukästen:-) Die sind zwar ganz wit­zig, spre­chen jedoch ein Klientel an, die Agenturen wohl kaum als Kunden gewin­nen könn­ten. Da geht es nur um bil­lig. Scheiß auf die Qualität, Hauptsache bil­lig. Solche Kunden will ich nicht und den Pfusch ande­rer Leute mache ich auch nicht gern weg. Davon ab bie­ten sich so vie­le Möglichkeiten für Agenturen – gute Shops zu erstel­len, zum Beispiel. Oder hoch­kom­ple­xe Websites jeg­li­cher Art. Denn bei­des lässt sich wohl kaum ver­nünf­tig mit den Baukästen rea­li­sie­ren.

  7. Ich wage zu wider­spre­chen. Am Montag erst habe ich dazu einen Vortrag gehal­ten und das Feedback ent­sprach in etwa die­sem Artikel hier. Ich fand es schon sehr inter­es­sant.

    Es ist eine Frage des Verständnisses. Eine Webseite ist heu­te nicht mehr pri­mär ein Medium, des­sen Message nicht mehr zieht, son­dern immer auch ein Anwendungsfall. Wir spre­chen hier häu­fig über Handel und Verkauf. Das ist nicht zu ver­wech­seln mit Werbung, die immer noch gebraucht wird, auch online. Und mit Werbung mei­ne ich nicht die ver­kaufs­op­ti­mier­te Reklame in Banner-Form son­dern das klas­si­sche Umwerben eines Kunden mit einer Haltung. Werbung emo­tio­na­li­siert und kann über Erlebnisse lang­fris­tig eine Kundenbindung bewir­ken. Das ist auch bei Webseiten immer noch so. Das man jetzt dank UX ein gutes Erlebnis mit einem Online-Shop hat, heißt nicht dass der Kunde sich an den Online-Shop gebun­den fühlt. Wohl aber an die Marke, die dahin­ter steht. Und da sind Webseiten immer noch im Interaktionsbereich ein gutes Mittel. Wenn man so will ist die Investition in eine Webseite eine Frage der Nachhaltigkeit in der Marken-Politik. Alles ande­re ist ein Job für Berater.

  8. Artikel für Noobs.
    Websites glei­chen sich immer mehr an, da aus WP etc. Themes genutzt wer­den. Malermeister Hämpel könnte/wollte auch nichts ande­res bezah­len. Aber das ist ja auch die Zielgruppe. Von Unternehmen bekom­me ich Anrufe wie die­se: “Hilfe, wir kön­nen die­se oder jene Funktion, oder genau das Aussehen nicht rea­li­sie­ren”. Ich schau mit den Quellcode an: WP – Tja, wie­der ist ein Unternehmen auf so einen Frickel-Fredi rein­ge­fal­len ohne Hintergrundwissen. WP ist natür­lich per se nicht dar­an Schuld, ich sehe mit Bestürzung das vie­le Frickel-Fredis nicht mal mehr HTML5 und CSS beherr­schen. Hauptsache, die Seite ist voll mit irgend­wel­chen PlugIns. Von Sicherheitslücken will ich gar nicht reden.
    Dennoch, ich mer­ke natür­lich das das Marktsegment ins­ge­samt immer klei­ner wird. Natürlich gibt es eine Übersättigung.

  9. Meine Meinung mag sicher­lich anti­qiert sein, aber als Webdesigner/Webentwickler hal­te ich nicht viel von den Homepage-Baukästen. Mir ist aller­dings bewusst, dass es hier­für eine Zielgruppe gibt und die­se in den letz­ten Jahren auch zuge­nom­men hat. Für den Friseur oder Blumenhändler um die Ecke mag die­ses Konzept preis­lich inter­es­sant und umsetz­bar sein, aber hier feh­len eben die bereits genann­ten Vorteile eines ‘Full-Services’.

    Schwierig wird es für den Baukasten-Benutzer, wenn er mit dem System an die Grenzen des Machbaren stösst, oder schlim­mer noch, der Baukasten von heut auf mor­gen ein­ge­stampft wird. Kann bei einer Agentur ähn­lich pas­sie­ren, aber da ist das meist noch hän­del­bar.

  10. Als Web- und Medienagentur mit 18 Jahren Markterfahrung kann ich bestä­ti­gen, dass die Kundenanfragen trotz immer bes­se­rer Baukasten Systemen zuneh­men. Es sind ein­fach ver­schie­de­ne Anforderungen und jeder Kunde / Interessent wird sich mit denen aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Wir emp­feh­len Kunden mit sehr gerin­gem Budget und genug Zeit durch­aus auch einen Baukasten, bekom­men Anfragen von Interessenten, wel­che frus­triert die Grenzen der Baukasten Seiten erfah­ren haben und ver­lie­ren teil­wei­se Kunden, wel­che bei einem Relaunch Wunsch es selbst pro­bie­ren wol­len.
    Das ist alles in Ordnung, aber die Summe an Anfragen ist eben gestie­gen.
    Beide Systeme (Agentur / Webdesigner bzw. Baukasten) haben Vorteile und Berechtigungen.

    Der ein­zi­ge “Kritikpunkt” ist für mich, dass oft die fal­schen Dinge ver­gli­chen, bzw. die “Folgen” nicht rich­tig erkannt wer­den.
    Support, Design, SEO, Kompatibilität und Flexibilität bei Erweiterungen sind im Baukasten in der Regel eine Schwachstelle.
    Das merkt man lei­der nicht zum Projektstart und nicht jeder Interessent hat die Nerven, sich mit einem guten System so aus­ein­an­der zu set­zen, dass ein reprä­sen­ta­ti­ver Auftritt bei rum kommt.

    Im Grunde: Wandel und Wechsel liebt, wer lebt. Und ver­än­der­te Marktsituationen sind doch immer Bestandteil der Selbstständigkeit.
    Als Agentur punk­ten wir eben mit Erfahrung und Individualleistungen, Beratung und einer brei­ten Aufstellung (Redakteure, Social Media Marketing, Videoproduktionen…). Ein Baukasten ist auch immer nur so gut, wie der Bediener dahin­ter :-)

  11. Als pro­fes­sio­nel­le Webdesigner mit jah­re­lan­ger, fun­dier­ter Erfahrung und recht­zei­ti­gem Erkennen, was Ui / Ux für Potential hat … heu­te, als Web- Ui- Ux-Designer ist man oft sogar von Headhunter gesucht ;-)
    Selbst bei einem Baukastensystem wie Jimdo braucht ein(e) AuftraggeberIn jeman­den der das Grunddesign erstellt, sich um SEO küm­mert etc. … inso­fern kann bei­des gut neben­ein­an­der exis­tie­ren, der Designer muss sich eben mehr als “Designberater” ver­kau­fen (kön­nen).

  12. Hallo,

    inter­es­san­te Frage/n Antworte/n. Baukästen gab es schon 1998 z.B. bei 1+1. Da hat­te man viel vor, durch­ge­setzt hat sich das bei pro­fes­sio­nell den­ken­den Unternehmen aber lei­der nicht. Man hat sicher mal hier und da Dinge ver­sucht, stell­te dann aber irgend­wann fest, dass man doch nicht das Auge fürs Detail hat. Es ist halt immer eine Frage, was einem als Unternehmen selbst reicht. Die glei­che Frage, ob es den Webdesigner noch gibt, müss­te man dann ja auch in Richtung Entwickler / Programmierer stel­len, da vie­le Online-Editoren heu­te Code im Hintergrund schrei­ben und die wich­tigs­ten SEO Services etc. etc. gleich noch mit anbie­ten. Da ist es eini­gen Unternehmen sicher Wurscht, wie der Code im Hintergrund aus­schaut, Wurscht wird aber nicht sein, wie sie sich nach außen dar­stel­len. Und da Unternehmen sowie­so erst immer an das Verschönern der äuße­ren Oberfläche den­ken, anstatt mal mit dem Inneren zu begin­nen, wird das wohl immer so ein Thema blei­ben. Wo sind die Grenzen? Was reicht mir aus? Oder brau­che ich dann doch wie­der irgend­wann einen Designer, der das mit einem geschei­ten Entwickler mal rich­ti­ge gera­de zieht.

    Würden die Unternehmen ihre Marke aller­dings von innen her­aus auf­bau­en, wür­den sich sol­che Fragen viel­leicht schon im Vorfeld erüb­ri­gen. Denn wer es rich­tig machen möch­te, kommt irgend­wann immer wie­der an einen Punkt der Individualität heisst. Und da hat das selbst bau­en ein­fach irgend­wo sei­ne nor­ma­len Grenzen. Unternehmen sol­len sich doch lie­ber mit den Dingen aus­ein­an­der set­zen, die ihr Geschäft vor­an brin­gen und mit denen sie sich per­fekt aus­ken­nen, damit sie ein bestimm­tes und auch bestän­di­ges Level von Qualität über­haupt errei­chen kön­nen. Wer sich dar­um wirk­lich rich­tig küm­mert, hat eigent­lich gar kei­ne Zeit, um selbst Hand anzu­le­gen. Das sind dann meist jene Menschen, die ein­mal eine sol­che Selbsterfahrung gemacht haben und dazu gelernt haben, dass jeder Beruf und jede Ausbildung auch irgend­wo sei­ne Berechtigung hat.

    Flotten Tag
    Toby O. Rink

  13. Interessanter Artikel, Danke. Vor ca. 35 Jahren muss­te ich mir anhö­ren: Was Du lernst Schriftsetzer? Der Beruf (damals noch Bleisatz) stirbt doch aus! Nein, er ver­än­der­te sich nur per­ma­nent. Diesen Veränderungen muss man eben fol­gen (Bleisatz > Fotosatz > DTP > Webentwicklung…) und zusätz­li­che Bereiche für sich selbst erschlie­ßen. Neben Corporate Design kommt Marketing hin­zu, Texterstellung, viel­leicht noch Fotografie und Filmherstellung, wer weiß. Es ist also eigent­lich nix Neues, dass Berufe ohne per­ma­nen­te Veränderungen vom Aussterben bedroht sind.

  14. Da gebe ich dir recht, nur das erstel­len einer Website (technisch/gestalterisch) reicht nicht aus.
    Meine Kunden fra­gen dann noch wei­te­res an, wie Bildbearbeitung, anpas­sen, Gestaltung der Bilder (zum Glück habe ich die gewünsch­ten Kenntnisse in Inkscape), Anpassung und seit kur­zem auch ob ich WebApps pro­gram­mie­ren kann.
    Heißt, bei mir ist es not­wen­dig ver­schie­de­ne Sachen aus einer Hand zu bie­ten. Die Qualität muss jeder selbst ein­schät­zen, ob man das selbst in der gelie­fer­ten Qualität haben wol­len wür­de. Wo ich auch ange­spro­chen wur­de ob zusätz­lich auch Videobearbeitung kann, habe ich ganz klar nein gesagt, das ich dafür der Falsche Mann bin.
    Der Kunde wünscht sich mög­lichst viel aus einer Hand und kein Chaos oder unnö­ti­ges Rechnung schrei­ben etc.
    Nur eins anbie­ten, wie zb. WordPress ein­rich­ten, da ist man ein Sandkorn auf einem Strand. Je mehr man kann, des­to bes­ser ist es, da man Zusatz Leistungen anbie­ten kann.

  15. Nur weil jeder ne 12MP + Kamera in sei­nem Handy hat, stirbt noch längst nicht der Job des Fotografen aus. Der Markt ver­än­dert sich und die Spreu trennt sich vom Weizen. Das pas­siert auch in ande­ren Branchen.

    • Ich bin (war) Fotograf. Der Beruf hat eine ekla­tan­te Ausdünnung erlebt, vie­le pro­fes­sio­nel­le Studios gibt es nicht mehr. Das ist so und so wird es auch dem Erstellen von Websites sein. Das kann kei­ner auf­hal­ten, wir fah­ren ja auch nicht mehr mit der Pferdedroschke …

      • Das ist auch nicht weg­zu­dis­ku­tie­ren. :) Allerdings bil­den sich neue Wege und eben mehr Fokus auf den Weg der Qualität. Mehr poten­zi­el­le Fotografen, bedeu­tet ja im Umkehrschluss auch, mehr Bildungsbedarf, was man am exor­bi­tan­ten Zuwachs an Onlinekursen etc. ja sieht.

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