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Redaktion Dr. Web 7. Mai 2014

Heikel: Wie verwende ich Bilder im Internet ohne Abmahnrisiko?

Die Nutzung von Fotos im Internet ist immer wie­der ein heiß dis­ku­tier­tes Thema. Nicht zuletzt aus die­sem Grund bestehen auch auf Seiten der Verwender häu­fig gro­ße Rechtsunsicherheiten, wie zum Beispiel bei die­sen Fragen. Darf ich die Fotos auch in mei­nem Social Media Portal nut­zen? Wie muss ich den Urheber benen­nen? Was ist, wenn der Fotograf nach­träg­lich die Lizenzbedingungen ändert? – um nur eini­ge zu nen­nen. Dieser Artikel soll einen kur­zen Überblick dar­über geben, wel­che Punkte aus recht­li­cher Sicht bei der Verwendung von Bildern im Internet unbe­dingt zu beach­ten sind.

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Keine Verwendung von Fotos ohne Lizenz!

Auch wenn es für den einen oder ande­ren selbst­ver­ständ­lich ist, sich vor der Verwendung von Bildern im Internet um die ent­spre­chen­den Nutzungsrechte hier­an zu bemü­hen, so sehen wir es doch immer wie­der in unse­rer Praxis, dass häu­fig schlicht­weg nach bestimm­ten Motiven, die gera­de benö­tigt wer­den, „gegoog­let“ wird und die­se Fotos bei­spiels­wei­se auf die eige­ne Website auf Facebook oder aber in Broschüren ein­ge­bun­den wer­den.

Dies ist der ers­te kapi­ta­le Fehler, den man bei der Verwendung von Fotografien im Internet bege­hen kann. Beim schlich­ten Kopieren der Fotos kön­nen selbst­ver­ständ­lich kei­ne Nutzungsrechte hier­an ein­ge­räumt wer­den, es han­delt sich daher um eine kla­re Urheberverletzung, die von dem jewei­li­gen Urheber der Fotografie bzw. den Inhaber der Rechte an die­ser Fotografie abge­mahnt wer­den kön­nen. Der ers­te Schritt um sich vor Abmahnungen zu schüt­zen ist also, sich um die ent­spre­chen­den Nutzungsrechte an den jewei­li­gen Bildern zu bemü­hen.

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Dies gilt auch dann, wenn man bei­spiels­wei­se bei einer Recherche im Internet nicht direkt den Urheber fin­det. Auch wenn kein Urheber bei den jewei­li­gen Fotografien benannt ist, gibt es immer einen Ersteller der Fotografie, der nach dem deut­schen Recht Urheber ist und der die Rechte an die­ser Fotografie inne­hat.

Lediglich bei sehr alten Fotografien kann es vor­kom­men, dass die Bilder nicht mehr dem Urheberrechtschutz unter­lie­gen. Bei ein­fa­chen Fotografien ist dies nach 50 Jahren ihrer ers­ten Veröffentlichung bzw. ihrer Entstehung gege­ben, bei soge­nann­ten Lichtbildwerken besteht der Urheberrechtschutz bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Die Abgrenzung, ob es sich um ein ein­fa­ches Lichtbild oder aber um ein soge­nann­tes Lichtbildwerk han­delt, bei dem der lan­ge Urheberrechtschutz gilt, ist nicht immer ein­fach. Dem Verwender ist daher anzu­ra­ten, sich im Zweifelsfall immer um die jewei­li­gen Rechte zu bemü­hen, um sich nicht unnö­tig der Gefahr einer Abmahnung aus­zu­set­zen.

Wichtig ist, bei den jewei­li­gen Vereinbarungen über die Nutzung der Fotografien klar und deut­lich in den jewei­li­gen Vertrag auf­zu­neh­men, zu wel­chem Zweck die Fotografien genutzt wer­den dür­fen, um dies ent­spre­chend im Unternehmen im Rahmen eines Lizenzmanagements vor­zu­hal­ten. Wenn der Fotograf bei­spiels­wei­se Fotografien für eine Printbroschüre erstellt und ver­trag­lich nicht gere­gelt ist, dass die­se Fotografien auch für den Online-Auftritt des Unternehmens genutzt wer­den dür­fen, müs­sen wei­te­re Lizenzrechte ein­ge­holt wer­den. Ansonsten besteht wie­der­um die Gefahr einer Abmahnung. Hierin zeigt sich, wie wich­tig ein Lizenzmanagement ist, um klar nach­voll­zie­hen zu kön­nen, wel­che Rechte an ver­wen­de­ten Fotografien bestehen. Beispielsweise kön­nen auch Lizenzrechte an Fotografien zeit­lich oder auch räum­lich (z. B. für Verwendungen inner­halb der EU) ver­ein­bart wer­den oder aber bei­spiels­wei­se beschränkt auf die Nutzung inner­halb einer bestimm­ten Branche oder auf bestimm­ten Plattformen.

Was ist bei der Verwendung von Bildern einer Bildagentur zu beachten?

Grundsätzlich gilt hier auch das zuvor gesag­te. Wichtig für Unternehmen ist es, hier ein ent­spre­chen­des Lizenzmanagement vor­zu­hal­ten. Bei dem Erwerb von Rechten an einer Fotografie durch eine Bildagentur, wie zum Beispiel Pixelio oder Getty Images, soll­te immer doku­men­tiert wer­den, wel­che Rechte erwor­ben wur­den. So kann auch bei einer nach­träg­li­chen Änderung der Lizenzbedingungen auf der Website nach­ge­wie­sen wer­den, wel­che Rechte tat­säch­lich an dem jewei­li­gen Bild erwor­ben wur­den. Noch bes­ser ist es natür­lich, wenn klar doku­men­tiert wer­den kann, wel­ches Bild zu wel­chen Bedingungen ein­ge­kauft wur­de. Ergibt sich dies bei­spiels­wei­se nicht ein­deu­tig aus der Rechnung der jewei­li­gen Bildagentur, soll­te hier noch ein­mal um einen ent­spre­chen­den Nachweis gebe­ten wer­den.

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Nur so kön­nen Unternehmen sicher­stel­len, einen legi­ti­men Nachweis ihrer Rechte im Streitfall zu haben. Nicht sel­ten ist es in der Praxis so, dass Fotografen Bilder bei Bildagenturen (ins­be­son­de­re kos­ten­lo­se) ein­stel­len und die­se zunächst welt­weit anbie­ten und spä­ter bei­spiels­wei­se auf die USA oder Kanada beschrän­ken. Dies führt häu­fig dazu, dass Unternehmen abge­mahnt wer­den, die dann die ent­spre­chen­den Fotografien auch in Europa nut­zen. Ist kein ent­spre­chen­des Lizenzmanagement vor­han­den, ist es für das Unternehmen bei einer Abmahnung schwer, tat­säch­lich nach­zu­wei­sen, dass die ent­spre­chen­den Rechte erwor­ben wur­den. Zur Not soll­te die Dokumentation wenigs­tens mit­tels eines Screenshots erfol­gen, der Datum und Uhrzeit mit ent­hält. Das ist zwar streng genom­men recht­lich irrele­vant, aber ein gutes Indiz im Streitfall und in jedem Falle bes­ser als gar nichts.

Nach der Rechtsprechung ist es grund­sätz­lich so, dass die Verwerter eines urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Werkes ver­pflich­tet sind, sich über die bestehen­den Rechte zu ver­si­chern. Insofern ist es für Verwender uner­läss­lich, hier die Nutzungsbedingungen und Lizenzbestimmungen von Bildagenturen genau­es­tens zu prü­fen.

Was ist bei der Verwendung von Fotografien auf Social Media Plattformen zu beachten?

Die meis­ten Social Media Plattformen, wie zum Beispiel Facebook, Twitter & Co. las­sen sich die Nutzungsrechte an dort ein­ge­stell­ten Inhalten, also auch Fotografien, über­tra­gen. Dies ist dann ein Problem, wenn das jewei­li­ge Unternehmen nicht das Recht hat, die Bilder ent­spre­chend an Dritte wei­ter­zu­ge­ben und somit unter­zu­li­zen­sie­ren.

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Genau das ist bei den meis­ten Bildagenturen der Fall. Zumeist sind die dort erwor­be­nen Rechte nicht über­trag­bar. Wenn ein Verwender also eine sol­che Fotografie bei einer Social Media Plattform ein­stellt, ver­stößt er bei Nichtvorliegen eines Rechts zur Unterlizensierung/Weiterübertragung ein­deu­tig gegen die Lizenzbestimmungen und auch die­ser Verstoß wäre wie­der­um abmahn­fä­hig.

Der Fall PIXELIO: Muss man den Urheber der Fotografie benennen?

Auch hier kommt es wie­der auf den jewei­li­gen Vertrag/die Lizenzbestimmung an und auch dies soll­te im Lizenzmanagement eines Unternehmens fest­ge­hal­ten wer­den.

Die Diskussion zu die­sem Punkt ist auf­grund eines kürz­lich ergan­ge­nen Urteils des Landgerichts Köln stark auf­ge­heizt. Hierbei ging es um die Verwendung von Fotos aus der kos­ten­lo­sen Bilddatenbank Pixelio. Anders als bei vie­len kos­ten­pflich­ti­gen Bilddatenbanken sehen die Nutzungsbedingungen von Pixelio vor, dass die Nutzer die not­we­ni­gen Rechte an den Fotos direkt von den Urhebern erhal­ten, die die Bilder bei Pixelio ein­stel­len. Als eine Art „Gegenleistung“ ist der Urheber ent­spre­chend den Nutzungsbedingungen von Pixelio zu benen­nen.

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Pixelio infor­miert pro­ak­tiv zu dem Verfahren (Screenshot: Pixelio-Website)

In der Praxis wur­de dies bis­her so umge­setzt, dass der Urhebervermerk am Bild, bzw. unter­halb des Bildes bzw. am Seitenende ange­bracht wur­de und zusätz­lich im Impressum. Nunmehr hat das Landgericht Köln ent­schie­den, dass die­ser Urheberrechtsvermerk auch direkt an der Bilddatei vor­han­den sein muss, sofern das Bild per Direktlink als Vollbild auf­ruf­bar ist. Die Entscheidung ist bis­her noch nicht rechts­kräf­tig und über­zeugt im Ergebnis nicht. Laut der Nutzungsbedingung von Pixelio ist es ledig­lich erfor­der­lich, den Urheberrechtsvermerk am Bild anzu­brin­gen, soweit dies tech­nisch mög­lich ist. Damit ist nach unse­rer Auffassung ledig­lich gemeint, dass die Benennung des Urhebers auf der Seite am Bild erfol­gen soll, nicht jedoch inner­halb des Bildes selbst. Wir gehen daher davon aus, dass die bis­he­ri­ge Praxis durch­aus zuläs­sig ist. Wer hier jedoch auf der 100 %ig siche­ren Seite sein will und kei­ne Abmahnung auf Grundlage des zitier­tes Urteils erhal­ten will, soll­te sei­ne Bilder mit einem Urheberrechtsvermerk im Bild ver­se­hen.

Für alle übri­gen Bilddatenbanken gilt wie­der­um, dass der Verwender die Nutzungsbedingung gründ­lich lesen und ent­spre­chend in sei­nem Lizenzmanagement fest­hal­ten soll­te, wie der Urheber zu benen­nen ist und dies auch tat­säch­lich tun. Bei indi­vi­du­el­len Verträgen mit Fotografen oder Rechteinhabern soll­te die­ser Punkt auch ein­deu­tig geklärt wer­den, da ansons­ten dem Urheber Schadenersatz auf­grund der Nicht- oder Falschbenennung zuste­hen kann.

Die Autorin:

Die Rechtsanwältin Kathrin Schürmann ist seit 2007 in der Kanzlei Schürmann Wolschendorf Dreyer tätig und berät Unternehmen schwer­punkt­mä­ßig in Fragen des IT- und Datenschutzrechts sowie des Wettbewerbsrechts. Ein beson­de­rer Fokus liegt dabei auf Unternehmen aus dem E-Business.

Die Expertin für Datenschutz und IT-Recht ist seit 2010 exter­ne Datenschutzbeauftragte eines gro­ßen Online-Händlers.

In ihrer Funktion als Datenschutzexpertin arbei­tet Kathrin Schürmann auch als Beraterin für die ISiCO Datenschutz GmbH, ein Unternehmen, wel­ches Analyse, Auditierung, Beratung und Mitarbeiterschulung in den Bereichen Datenschutz, Datenschutz-Compliance und IT-Sicherheit anbie­tet.

(Bildquellen: Alle Bilder stam­men von Picjumbo und ste­hen unter CC0)

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Redaktion Dr. Web

Unter der Bezeichnung "Redaktion Dr. Web" findest du Beiträge, die von mehreren Autorinnen und Autoren kollaborativ erstellt wurden. Auch Beiträge von Gastautoren sind hier zu finden. Beachte dann bitte die zusätzlichen Informationen zum Autor oder zur Autorin im Beitrag selbst.

10 Kommentare

  1. Als Grafikerin habe ich auch immer wie­der mit dem Thema zu tun. Wenn mög­lich ver­su­che ich Bilder sel­ber zu machen, was aber natür­lich nicht immer für jedes Projekt und Thema rea­lis­tisch ist..

    Weil ich sel­ber auch immer wie­der ger­ne auf Public Domain Bilder usw zurück­grei­fe, habe ich vor kur­zem damit ange­fan­gen, mei­ne eige­nen Bilder auch in einer kos­ten­lo­sen Bilddatenbank frei­zu­ge­ben. Im Moment sind es rund 300 Bilder, viel­leicht ist für den einen oder ande­ren ja schon etwas dabei: http://www.titania-foto.com

  2. Ich ver­wen­de ger­ne die Bilder von Pixabay. Da gibts zwar nicht die mas­si­ge Auswahl, doch mit ein biß­chen Fotoshop kann man sei­ne eige­nen Bilder zau­bern.

  3. “…han­delt sich daher um eine kla­re Urheberverletzung”
    Der Urheber bleibt hof­fent­lich unver­letzt, wenn jemand sei­ne Bilder kopiert. Verletzt wer­den sei­ne Rechte.

  4. Sehr guter Artikel!
    Was mir noch nicht ganz klar ist:
    Auf vie­len Blogs sieht man z.B. Produktbilder oder auch gele­ak­te Bilder eines neu­en Smartphones, Kamera o.ä. die von ande­ren Webseiten stam­men.
    Manchmal ist zwar eine Quelle ange­ge­ben, aber das reicht doch nicht!?
    Nur weil ange­ge­ben wird wo man das Bild “geklaut” hat, kann man es doch nicht ein­fach ver­wen­den.
    Aber schein­bar ist das gän­gi­ge Praxis…

  5. Viele Lizenzbestimmungen sind ver­al­tet und nicht mehr zeit­ge­mäß, genau wie das Urheberrecht. Niemand kann garan­tie­ren, dass kei­ne Abmahnung auf ein bei Facebook geteil­tes Bild erfolgt – das gar nicht dort ein­ge­stellt wur­de, son­dern in einem Artikel auf einer Website.

    Deshalb ver­wen­de ich nur Public Domain Bilder. Natürlich ist ein Lizenzmanagement wich­tig. Abmahner haben jedoch kei­ne Grundlage, bei sol­chen Bildern durch die Verbreitung in Social Media-Kanälen abzu­mah­nen.

    Trotzdem benen­ne ich min­des­tens im Impressum den Autor auch bei Public Domain Bildern. Nicht, weil ich es muss. Diejenigen, die kos­ten­los und ohne Einschränkungen ihre Werke tei­len, ver­die­nen so viel Gegenleistung wie mög­lich.

    Ein paar Bookmarks dazu:
    – pixabay.com (dürf­te weit­ge­hend bekannt sein)
    – splitshire.com (von Daniel Nanescu aus Italien)
    – unsplash.com (seit neu­es­tem auch auf Pixabay)
    – gratisography.com (von Bells Design)
    – littlevisuals.co

  6. Vielen Dank, ein sehr guter Artikel! Gerade klei­ne Unternehmen haben mit die­sem Thema ja zu kämp­fen. Klar ist eine rich­ti­ge Bilddatenbank auf jeden Fall vor­zu­zie­hen, aber die Ausgaben dafür hat ja lan­ge nicht jeder finan­zi­ell im Kreuz, der etwas ver­öf­fent­licht. Deshalb eine Frage dazu: Können Sie eine kos­ten­güns­ti­ge Lösung emp­feh­len, die brauch­ba­re Rechtssicherheit bie­tet? Womöglich etwas Cloud-basier­tes. Ich hab bei mei­nen Recherchen bis­her nichts wirk­lich brauch­ba­res fin­den kön­nen.
    AK

    • Moin Achim,

      hier in den Kommentaren und auf drweb fin­dest du bereits eini­ge Adressen mit kos­ten­frei­er Nutzung (z.B. Pixaby.de), dort stel­le ich auch vie­le mei­ner Bilder kos­ten­los zur Verfügung (http://bit.ly/1ipAyhp).

      Was aber die kos­ten­pflich­ti­gen Bildagenturen angeht, so kann ich vor allem http://www.photocase.de/ emp­feh­len. Hochwertige Fotografie und von den Preisen her: Wer sich ein Bier leis­ten kann, kann sich die Bilder dort auch leis­ten.

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