Dieter Petereit 11. Oktober 2013

Google Web Designer räumt auf mit Flash in Online-Anzeigen, mehr aber nicht

Googles neuestes, kostenloses Tool hört auf den vielversprechenden Namen Google Web Designer. Schnell ist Verdacht geschöpft, man könne es hier mit einem Konkurrenten des altehrwürdigen Dreamweaver zu tun bekommen. Tatsächlich lassen sich mit Google Web Designer theoretisch beliebige HTML-Seiten erstellen. Aber komfortabel oder auch nur praxisnah ist anders. Für die Gestaltung von bewegten Anzeigen in (vornehmlich) Googles Anzeigennetzwerk ist das Tool hingegen bestens geeignet.

google-webdesigner-logo

Google Web Designer: Abonniert auf Animationen

Was interessieren mich Anzeigebanner, denke ich so, als ich den kostenlosen Download des für Mac und Windows erhältlichen Werkzeugs anstoße. Vielleicht ist der Web Designer ja tatsächlich für das Web Design geeignet. Immerhin legt der Name es nun wirklich näher als nahe. Und deshalb versuche ich gleich gar nicht, eine Anzeige zu definieren, sondern eine beliebige HTML-Datei aus einem meiner Projekte zu öffnen.

google-webdesigner-landing

Ernüchterung stellt sich ein. Das geht nicht. Der Web Designer kann keine HTML-Dateien öffnen, die er nicht selbst erstellt hat. Sicherlich, die Beschränkung lässt sich durch Änderungen im Header oder schlichtes Copy and Paste umgehen, aber hier wird schon deutlich, dass ich es eben nicht mit einem HTML-Editor alter Schule zu tun habe.

Ich gebe nicht auf. Nachdem ich einen Quellcode aus einem meiner letzten Beiträge über die Zwischenablage in Googles Tool gezwungen habe, wechsele ich aus der Codeansicht in die Designansicht. Wieder stellt sich Ernüchterung ein. Während in der Codeansicht noch ein wirklich überzeugendes Syntax-Highlighting mitsamt automatischer Einrückung Freude verbreitet, ist die Designansicht doch eher etwas zum Abgewöhnen. Dies jedenfalls, wenn es um das Website-Design gehen würde.

google-webdesigner-codeview

Erneut winkt Google Web Designer mit dem Zaunpfahl. Es ist in der Tat nicht für das Design herkömmlicher HTML-Seiten gemacht. Der Zugriff erfolgt über die HTML-Elemente (body, p, etc.). Jedes einzelne Element kann dann über ein Eigenschaften-Panel auf der linken Seite des Tools umfangreich manipuliert werden.

Dabei spielt Google Web Designer insbesondere da massive Stärken aus, wo es um Animationen in alle Richtungen, auch dreidimensionaler Art geht. Schneller als in jedem anderen Werkzeug, das ich kenne, hat man eine Rotation definiert und auf eine Timeline gebracht. Die Timeline erinnert mich an die gute alte DHTML-Timeline aus dem ersten oder zweiten Dreamweaver und natürlich ebenfalls an die klassischen Vorgehensweisen bei Adobes Flash.

An dieser Stelle beschließe ich, nicht länger zu versuchen, Google Web Designer beim Namen zu nehmen und erkenne an, dass es einfach ein tolles Werkzeug für die Werbebranche ist. Und die hat tolle Werkzeuge, die zeitgemäß sind, auch wirklich nötig. Denn immer noch dominiert im Netz das zwar nicht gute, aber immerhin alte Flashformat. Was im Desktop-Browser noch kein Problem darstellt, kann die mobile Nutzererfahrung komplett zerhäckseln.

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Responsives Ad-Design mit dem Google Web Designer

Google Web Designer: Ändert alles?

Die rasante Verbreitung mobiler Endgeräte, davon ein gutes Teil iOS-Devices, die bekanntlich vom Start weg Flash verweigerten, zwingt eigentlich zu Alternativen. Leider hinkt die Werbebranche dem Trend deutlich hinterher und verlässt sich lieber auf etablierte, wenn auch veraltete Produktionsverfahren für ihre Klick-Kampagnen.

Google Web Designer zeigt, dass der Umstieg nicht schwierig oder schmerzhaft sein muss, sondern sogar Freude bereiten kann. Googles Tool verlangt keine Coding-Kenntnisse und erlaubt auch Umsteigern in gewissem Umfang Erfolgserlebnisse. Schlussendlich kommt man aber nicht nur nicht um die Code-Erfahrung drum herum, will man das Optimum aus seinem Entwurf holen. Auch bei der Parametrisierung der Eigenschaften in den diversen Panels dürften völlige Code-Noobs nur mäßige Erfolge feiern.

So ist Google Web Designer in seiner jetzigen Inkarnation weder eine Komplettlösung für Web Designer, noch etwas für Banner-Neulinge. Wer aber schon über solide Kenntnisse in der Erstellung bewegter Anzeigenkampagnen für Netzbewohner verfügt, der kann mit Googles Tool recht schnell Fahrt aufnehmen und wird nach meiner Einschätzung nur wenig vermissen.

google-webdesigner-ui

Die UI erinnert schwer an die Adobe-Produktlinie

Das gilt auf jeden Fall, solange man AdMob oder DoubleClick anvisiert. Anzeigen für andere Anzeigennetzwerke lassen sich als "Generic" erstellen, bedürfen dann aber weiterer Anpassungen.

Der Code, den das Werkzeug generiert, kann sich, man glaubt es kaum, durchaus sehen lassen. Wir haben es nicht mit einem Frontpage für Bannerschrauber zu tun.

Fazit: Lassen Sie sich weder vom Namen, noch von der sehr an Photoshop und Dreamweaver erinnernden UI täuschen. Google Web Designer ist kein Tool für Einsteiger, weder für solche ins Webdesign, noch für solche ins Ad-Design. Denjenigen, die sich in letzterem bereits auskennen, sei das Werkzeug hingegen ans Herz gelegt. Für mich wär’s demnach auch nix…

Im Nachgang sei noch erwähnt, dass das Projekt umfangreich durch dokumentiert ist. Zusätzlich erläutert ein ganzer Reigen von Videos die individuellen Features des Werkzeugs im Detail. Wer sich also einarbeiten will, der findet beste Voraussetzungen vor. Einen ersten Überblick verschaffen Sie sich mit dem folgenden Video:

Links zum Beitrag

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.
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8 Kommentare

  1. Gibt es eine Möglichkeit andere HTML-Seiten zu öffnen, die nicht in Google Web Designer erstellt wurden?

    Kann man die HTML-Dateien zusammen mit einer CSS-Datei verknüpfen? Danke!

  2. … ür Web Ads vielleicht brauchbar!

  3. Ich denke, Apple wird zu Flash zurückkehren, ich habe das ziemlich eindeutige Singale von den Apple-Entwicklern gesehen. Freue mich drauf, Apple hat mit seinem voreiligen Schritt fast eiine ganze Branche ruiniert.

  4. Danke Sehr!
    Ich werde GWD gern probieren und schreibe hier später über meine Eindrücke.

  5. Das Tool klingt vielversprechend und das beste daran ist, dass es gratis ist. Ich werde es auf jeden Fall mal antesten :)

  6. Der Name Web Designer ist etwas missverständlich.
    So wie ich GWD verstehe, ist es ein Tool, das sich mit Adobe Edge und Tumult Hype (Tipp: unbedingt ansehen!!) in die Reihe der HTML5-Animation-Maschinen einreiht.

  7. Interessant. Bin am überlegen, ob ich da mal rein schnuppern sollte. Erinnert mich auf den ersten Blick jedoch stark an Edge Animate – ansehen davon, dass dort kein 3D möglich ist.

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