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Christian Ebernickel 9. Mai 2017

Google Analytics für Einsteiger, Teil 9: Tracking von 404-Fehlerseiten

1. Darum solltet Ihr 404-Fehlerseiten überwachen

Keiner mag sie und doch wird man sie nicht los: Die Rede ist von den 404-Fehlerseiten, die ein Webserver aus­lie­fert, wenn unter der ange­for­der­ten URL nichts gefun­den wur­de. Auf unse­ren eige­nen Websites gehen wir davon aus, dass die inter­nen Verlinkungen schon (hof­fent­lich!) alle rich­tig sein wer­den. Schließlich haben wir ja sau­ber gear­bei­tet, oder?

Trotzdem kön­nen 404-Fehler auf­tre­ten: Zum Beispiel, wenn exter­ne Links zu eurer Seite nicht kor­rekt gesetzt wur­den. Oder wenn ihr in euren Werbekampagnen feh­ler­haf­te URLs nutzt. Bei Änderungen der Seitenstruktur tre­ten 404-Fehler ger­ne gehäuft auf, und sind zum Teil nur mit viel Fleißarbeit zu behe­ben.

Ganz ehr­lich: Wie oft kon­trol­liert ihr eure Server-Logs auf 404-Fehlermeldungen? Wahrscheinlich nicht all­zu häu­fig, oder? In vie­len Fällen habt ihr viel­leicht noch nicht ein­mal Zugriff auf die Weblogs und erfahrt von nicht gefun­de­nen Seiten nur aus eige­ner Erfahrung oder durch die Hinweise von Besuchern eurer Website.

Wenn ihr eure Website bereits mit Google Analytics über­wacht, lässt sich das Tracking mit weni­gen Schritten auch auf die 404-Fehlerseiten erwei­tern. So könnt ihr genau über­wa­chen, wann 404-Fehler auf­tre­ten, wel­che feh­ler­haf­te URLs auf­ge­ru­fen wur­den und ggfs. auch, wo sich der falsch gesetz­te Link befin­det.

Natürlich las­sen sich Verlinkungen auch mit Hilfe der Google Search Console oder exter­ner SEO-Werkzeuge zur Onpage-Analyse auf­spü­ren. Doch bei­de Ansätze haben den Nachteil, dass es ins­be­son­de­re bei gro­ßen Websites län­ger dau­ern kann, bis feh­ler­haf­te Verlinkungen in den Fehlermeldungen auf­tau­chen. In der Zwischenzeit haben sich jedoch schon vie­le Besucher über fal­sche Links geär­gert.

In die­sem Artikel zei­ge ich euch, wie ihr 404-Fehlerseiten in Google Analytics tra­cken könnt.

 

2. Vorteile des Trackings mit Google Analytics

  • Schnelle Ergebnisse: Fehlerhafte Links wer­den iden­ti­fi­ziert, sobald ein Besucher auf sie geklickt hat.
  • Priorisierung: Ihr seht in Analytics, wel­che feh­ler­haf­ten Links beson­ders häu­fig 404-Fehlermeldungen ver­ur­sa­chen und des­halb mit Priorität kor­ri­giert wer­den soll­ten.

Ein Nachteil soll nicht uner­wähnt blei­ben: Man wird in der Regel nie alle feh­ler­haf­ten Links mit die­ser Methode erfas­sen kön­nen, weil kein sys­te­ma­ti­sches Crawling der Website erfolgt, son­dern basie­rend auf dem Nutzerverhalten Fehlermeldungen getrackt wer­den. Allerdings bedeu­tet dies umge­kehrt, dass jene feh­ler­haf­ten Verlinkungen, die für die Benutzer beson­ders ärger­lich und damit rele­vant sind, auch zuerst in Google Analytics sicht­bar wer­den.

Los geht’s:

 

3. Einrichten des Trackings im Google Tag Manager

Das Tracking wird im Google Tag Manager ein­ge­rich­tet. Anschließend kön­nen wir in Google Analytics die Aufrufe von 404-Fehlerseiten aus­wer­ten.

Für das Tracking benö­ti­gen wir im Tag Manager eine benut­zer­de­fi­nier­te Variable, einen Trigger und das Tag für die 404-Fehlerseite.

 

3.1. Benutzerdefinierte Variable einrichten

Klickt im Arbeitsbereich eures Tag Managers auf Variablen und unter Benutzerdefinierte Variablen auf NEU.

Google Tag Manager: Benutzerdefinierte Variable einrichten

Google Tag Manager: Benutzerdefinierte Variable ein­rich­ten, Schritt 1

Im sich nun öff­nen­den Fenster wird die Variable defi­niert:

Google Tag Manager: Benutzerdefinierte Variable einrichten, Schritt 2

Google Tag Manager: Benutzerdefinierte Variable ein­rich­ten, Schritt 2

  1. Gebt der Variablen den Namen Page Title.
  2. Die Variable ist vom Typ JavaScript-Variable.
  3. In das Feld Name der glo­ba­len Variablen wird document.title ein­ge­tra­gen.
  4. Abspeichern, und die Variable Page Title ist fer­tig defi­niert.

In der Variablen Page Title haben wir damit den Titel des aktu­ell gela­de­nen Dokumentes ver­füg­bar. Im nächs­ten Schritt nut­zen wir die­se Information und legen einen Trigger an, der aus­ge­löst wird, wenn die 404-Fehlerseite gela­den wird.

 

3.2. Trigger für 404-Fehlerseite einrichten

Klickt im Arbeitsbereich eures Tag Managers auf Trigger und dann auf NEU.

Google Tag Manager: Trigger einrichten, Schritt 1

Google Tag Manager: Trigger ein­rich­ten, Schritt 1

Es öff­net sich ein Fenster, in dem nun der Trigger defi­niert wird:

Google Tag Manager: Trigger einrichten, Schritt 2

Google Tag Manager: Trigger ein­rich­ten, Schritt 2

  1. Der Trigger bekommt den Namen 404 Fehlerseite auf­ge­ru­fen.
  2. Der Typ des Triggers ist Seitenaufruf.
  3. Im Abschnitt Diesen Trigger aus­lö­sen bei: wäh­len wir Einige Seitenaufrufe aus, weil wir jetzt eine Bedingung für das Auslösen des Triggers defi­nie­ren müs­sen.
  4. Jetzt kommt unse­re benut­zer­de­fi­nier­te Variable Page Title zum Einsatz: Wählt im ers­ten Feld Page Title aus, dann ent­hält, und schließ­lich tragt ihr den Titel eurer 404-Fehlerseite ein. Auf mei­ner Website lau­tet der Titel zum Beispiel Seite wur­de nicht gefun­den. 404-Fehler. und genau die­ser Text wird jetzt in das letz­te Feld ein­ge­tra­gen. Bei euch wird die Fehlerseite mit Sicherheit einen ande­ren Titel haben, den Inhalt die­ses Feldes müsst ihr also anpas­sen.
  5. Dann abspei­chern, und der Trigger ist ange­legt.

 

Wichtig: Der Seitentitel der 404-Fehlerseite muss ein­deu­tig sein und darf für kei­ne ande­ren Seiten ver­wen­det wer­den. Ansonsten wür­de der Trigger auch bei Seitenaufrufen aus­lö­sen, die nicht zu einer 404-Fehlerseite gehö­ren.

Jetzt muss nur noch das Tag defi­niert wer­den, und wir haben ein funk­tio­nie­ren­des Tracking für 404-Fehlerseiten.

 

3.3 Tag für 404-Fehlerseite einrichten

Klickt im Arbeitsbereich eures Tag Managers auf Tags und dann auf NEU.

Google Tag Manager: Tag einrichten, Schritt 1

Google Tag Manager: Tag ein­rich­ten, Schritt 1

Im fol­gen­den Fenster wird das Tag ein­ge­rich­tet:

Google Tag Manager: Tag einrichten, Schritt 2

Google Tag Manager: Tag ein­rich­ten, Schritt 2

  1. Das Tag erhält den Namen UA – 404 Fehler. Den Zusatz UA schrei­be ich zwecks der Übersichtlichkeit ger­ne an den Anfang von Universal Analytics Tags, das ist aber nicht not­wen­dig.
  2. Als Tag-Typ wird Universal Analytics aus­ge­wählt.
  3. Im nächs­ten Feld musst Du die Tracking-ID der Analytics Property ein­ge­ge­ben, in die die erfass­ten Daten gesen­det wer­den sol­len. Ich habe die Tracking-ID in der benut­zer­de­fi­nier­ten Variablen {{UA Tracking-ID}} hin­ter­legt, man kann die Tracking-ID natür­lich auch direkt ein­ge­ge­ben.
  4. Der Tracking-Typ wird auf Ereignis geän­dert.
  5. In das Feld Kategorie wird 404 Fehler ein­ge­tra­gen. Unter die­ser Ereigniskategorie sind die Aufrufe der 404-Fehlerseiten spä­ter in Google Analytics zu fin­den.
  6. In das Feld Aktion wird 404 Fehler bei Seitenaufruf: {{Page URL}} ein­ge­tra­gen. Die Variable {{Page URL}} ent­hält die URL der auf­ge­ru­fe­nen Seite, die zu der 404-Fehlermeldung geführt hat.
  7. In das Feld Label wird Referrer: {{Referrer}} ein­ge­tra­gen, damit wir in Analytics sehen kön­nen, woher der Seitenaufruf kam, der die 404-Fehlermeldung ver­ur­sacht hat.
  8. Treffer ohne Interaktion wird auf Wahr gesetzt, damit die­ses Ereignis die Absprungrate nicht posi­tiv beein­flusst.
Google Tag Manager: Tag einrichten, Schritt 3

Google Tag Manager: Tag ein­rich­ten, Schritt 3

  1. Unter Weitere Einstellungen » Festzulegende Felder wird anonymizeIp aus­ge­wählt und auf true gesetzt, um den Anforderungen des Datenschutzes gerecht zu wer­den.
  2. Schließlich muss nur noch der Trigger aus­ge­wählt wer­den, der das Tag aus­lö­sen soll. Wir wäh­len den Trigger 404 Fehlerseite auf­ge­ru­fen aus.
  3. Dann abspei­chern, und das Tag ist fer­tig ein­ge­rich­tet.

 

Nicht ver­ges­sen: Damit das neue Tag und der Trigger wirk­sam wer­den, müs­sen die Änderungen im Google Tag Manager ver­öf­fent­licht wer­den.

Im Tag Manager sind wir damit fer­tig.

 

4. 404-Fehlerseiten in Google Analytics analysieren

Die Daten über 404-Fehler wer­den jetzt an Google Analytics gesen­det. Es ist Zeit, einen genaue­ren Blick auf die­se Daten zu wer­fen. Dafür bie­tet sich in Analytics der Bericht Verhalten » Ereignisse » Übersicht an. Wählt dann die Ereigniskategorie 404 Fehler aus.

Google Analytics: Ereignisberichte

Google Analytics: Ereignisberichte

Ändert auf der Folgeseite die Primäre Dimension auf Ereignisaktion und fügt Ereignislabel als Sekundäre Dimension hin­zu:

Google Analytics: Ereignisbericht für 404-Fehler

Google Analytics: Ereignisbericht für 404-Fehler

Nun kann genau ana­ly­siert wer­den, wel­che Seitenaufrufe zu 404-Fehlermeldungen geführt haben, und wo die ent­spre­chen­de feh­ler­haf­te Verlinkung zu fin­den ist:

Fall 1: Direkte Zugriffe mit fal­schen URLs

Direkte Zugriffe mit fal­schen URLs erschei­nen mit lee­rem Referrer in der Spalte Ereignisaktion. In die­sen Fällen ist zu unter­schei­den:

  • Die Ursache könn­te in einem Tippfehler in der Adresszeile des Browsers lie­gen. Dann muss man nicht wei­ter tätig wer­den.
  • Es kann sich aber auch um eine in den Favoriten des Browsers abge­spei­cher­te URL han­deln, die auf eurem Webserver nicht mehr exis­tiert. Dann soll­tet ihr eine sau­be­re 301-Weiterleitung auf eine mög­lichst gut pas­sen­de ande­re Unterseite ein­rich­ten, damit der Besucher kei­ne 404-Fehlermeldung zu sehen bekommt, son­dern auf eine Seite gelei­tet wird, die sei­ner ursprüng­li­chen Intention ent­spricht.

 

Fall 2: Falsch gesetz­te Backlinks

Falsch gesetz­te Backlinks könnt ihr mit die­ser Methode auch erken­nen. In der Spalte Ereignisaktion wer­den exter­ne URLs eben­falls aus­ge­ben. Wenn mög­lich, soll­tet ihr in die­sen Fällen den Webmaster der ver­lin­ken­den Website kon­tak­tie­ren und um eine Korrektur des Links bit­ten. Alternativ wäre auch hier die Einrichtung einer 301-Weiterleitung mög­lich, um das Problem in den Griff zu bekom­men.

 

Fall 3: Fehlerhafte inter­ne Links

Fehlerhafte inter­ne Links fin­det ihr mit die­ser Methode natür­lich auch. Es ist deut­lich zu erken­nen, dass sich auf der Seite https://www.ebernickel.de/webanalyse/ der Link zu https://www.ebernickel.de/falsch-seite.htm befin­det. Der Link kann dann umge­hend kor­ri­giert wer­den.

 

Fazit

Das Tracking von 404-Fehlermeldungen mit dem Google Tag Manager und Google Analytics ermög­licht das schnel­le Identifizieren feh­ler­haf­ter inter­ner Verlinkungen eben­so wie falsch gesetz­ter Backlinks. Nicht ver­ges­sen: Diese Methode ist von den Interaktionen der Besucher abhän­gig und kann kein voll­stän­di­ges Crawlen der Website nach feh­ler­haf­ten Verlinkungen erset­zen. Allerdings fin­det ihr mit die­sem Ansatz sehr schnell jene fal­schen URLs, deren Korrektur für die Besucher der Website beson­ders rele­vant ist, weil sie viel genutzt wer­den.

Christian Ebernickel

Christian Ebernickel ist Spezialist für Webanalyse und datengetriebenes Online Marketing. Er berät Unternehmen im Einsatz von Google Analytics und Google Tag Manager. In seinem Webanalyse Blog stellt er erweiterte Tracking-Szenarien und Ansätze für die Entwicklung individueller Webanalysepläne vor.

2 Kommentare

  1. Hallo, ist die Art von Tracking auch mög­lich, wenn eine sta­ti­sche 404 von einem Apache-Server kommt?

  2. Schön dass es auch anders geht, ich als IT’ler ver­las­se mich aber lie­ber auf die Serverlogs :)

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