Gastautor 22. Juni 2009

GIMP in zehn Schritten erweitern

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Jedem erfahrenen Kenner freier Software ist GIMP ein Begriff. Die einen nennen es ein professionelles Bildbearbeitungsprogramm, die anderen nicht. Im folgenden Teil wird gezeigt, wie man GIMP in neun Schritten gehörig erweitert. Die genannten Erweiterungen sind meist gleichermaßen unter Windows wie den unixoiden Betriebssystemen Linux und Mac einsetzbar.

LESE-TIPP: Best of Gimp: 40 professionelle Tutorials plus erlesene Profi-Tipps

Erweiterungen heben den Grad an Professionalität

Schritt Nr. 1: Photoshop-Plugins und -Pinsel mit GIMP nutzen

Das PSPI-Plugin erlaubt das Nutzen von Photoshop-Plugins unter GIMP. Damit kann man weiterhin Photoshop-Plugins vom Datenträger auswählen und sie unter GIMP installieren. Leider liegt für Linux – fertig kompiliert – nur eine Version für alte Ubuntu-Distributionen vor. Möglichkeiten sind hierzu Wine oder eine VM mit Windows. Das umgewandelte Plugin ist dann später nativ unter Linux einsetzbar. Das Tool ABR2GBR übersetzt Photoshop-Pinsel ins GIMP-Format.

Schritt Nr. 2: Ebenen-Styles

Möchte man Ebenen zum Beispiel mit Schatten, Farbüberlagerungen und innerem Glühen aufwerten, so hole man sich das Layer Effects Plugin. Es gibt davon zwei Versionen: Script-Fu und Python. Die Python-Version erlaubt eine Vorschau der Effekte. Die Installation und Auffindung in der Programmoberfläche verläuft wie vorangegangen.

Schritt Nr. 3: CMYK Farben

Das CMYK-Farbmodell steht für Cyan, Magenta, Yellow und Key (= Schwarz). Dieses ist besonders für den qualitativ hochwertigen Druck interessant. Das Fehlen dieser Farbtrennung wird von vielen bemängelt. Diese lässt sich jedoch mit dem Plugin Separate+ nachrüsten. Unter Ubuntu Linux werden zur Installation nur zwei Befehle benötigt. »apt-get install gimp-seperate« und für die ICC-Profiles »apt-get install icc-profiles«. Zudem gibt es ein vorkompiliertes DEB-Paket für Ubuntu von Seperate+ 0.5.1 für 32-Bit Systeme. Auf allen anderen Systemen bitte immer darauf achten, dass Seperate+ sowie die ICC-Profiles installiert sind. Für die letzten beiden Sätze danke ich meinem Blogleser gnokii.

Schritt Nr. 4: Liquid Rescale

Damit lassen sich Bilder in verschiedene Dimensionen wie 16:9 oder 4:3 skalieren, ohne dass diese verzerrt wirken. Das Plugin ist unter Wikidot erhältlich.

Schritt Nr. 5: Pinsel nachladen

Die Standardpinsel von GIMP sind auf Dauer langweilig. Blendfu.com bietet mehr Pinsel-Sets als man jemals benötigen wird. Dazu kopiert man das entpackte Pinselverzeichnis in das Unterverzeichnis des GIMP-Programmordners mit dem Namen brushes (Linux: .gimp-2.6/brushes im Home-Ordner). Doch Vorsicht: Viele zusätzliche Pinsel verlängern den Programmstart deutlich.

Schritt Nr. 6: Fenster verankern

Ist man es überdrüssig, die drei GIMP-Fenster immer wieder zurechtzurücken, klickt man einfach mit der rechten Maustaste auf die Fenster-Titelleiste und wählt »Immer im Vordergrund«. Danach ist die Werkzeugleiste selbst dann sichtbar, wenn man ein anderes Programm öffnet. Das Kontextmenü eröffnet noch weitere Einstellmöglichkeiten, die das Dreierlei der GIMP-Fenster interessant machen.

Schritt Nr. 7: Animations-Paket

Das GIMP Animation Package (GAP) erlaubt die Erstellung von Animationen. Diese lassen sich gut für animierte Avatare im GIF-Format einsetzen. Bei den meisten Linux-Distributionen ist es bereits innerhalb des Paketmanagers unter der Bezeichnung gimp-gap zu finden und birgt eine Vielzahl an vorgefertigten Effekten.

Schritt Nr. 8: GEGL

Eine der größten Neuerungen in GIMP 2.6 ist GEGL. Damit ist die Anpassungen von Ebenen-Effekten und CMYK- sowie Bit-Tiefen vereinfacht möglich. GEGL ist standardmäßig nicht eingeschaltet; man aktiviert es in der Menüleiste mittels »Farben« – »GEGL verwenden«. Unter Werkzeuge gibt es in der Menüleiste eine Auswahl an GEGL-Operationen.

GEGL birgt eine Vielzahl an Features

Schritt Nr. 9: 117 Effekte

Mit dem Sourceforge-Projekt GIMP FX Foundry wird eine Vielzahl an Effekten angeboten. Zu den Skripten gehören etwa das »Roy Lichtenstein Effect Script«, das Bilder im Stil des Pop-Art-Künstlers aufbereitet und das »Planet Render Script«, welches einen Planeten generiert, dessen Größe und Lichteinstrahlung der Anwender selbst bestimmt. Den Inhalt des Pakets kopiert man unter Linux nach .gimp-2.6/scripts im Homeordner und unter Windows sowie Mac in den Ordner »scripts«, im GIMP-Programmordner. Nach dem Neustart von GIMP findet man in der Menüleiste einen neuen Reiter mit dem Namen FX-Foundry.


Die zahlreichen Effekte laden zum Klicken ein

Schritt Nr. 10: David’s Batch Processor

Das aus Australien stammende Plugin »David’s Batch Processor« bietet eine flexible Stapelverarbeitung. Diese unterstützt das Drehen, Skalieren (relativ und absolut), Verwischen, Einfärben, Beschneiden, Schärfen, Umbenennen und Formatumwandeln (auch in exotischen Formaten wie PAT oder MIFF). Zudem kann eine Vorschau ausgegeben werden. Das Plugin ist für Windows auf der Homepage des Autors erhältlich. Linux-Anwender können das Plugin meist einfach über den Paketmanager installieren. Es befindet sich im AddOn-Paket »gimp-plugin-registry«.

Fazit

Nachdem GIMP in den genannten neun Schritten erweitert wurde, liegt ein professionelles und sehr leistungsfähiges Bildbearbeitungsprogramm vor, mit welchem man mit wenigem Klicken und Testen ein ansprechendes Bild erstellen kann. Möchte man noch mehr Extras für GIMP haben, so sollte man die Website Gimpstuff.org ansurfen. Weiterhin gibt es auf der offiziellen GIMP-Website eine Vielzahl an Tutorials. Damit man jedoch die vollen Möglichkeiten von GIMP nutzen kann, sollte man auf Dauer damit arbeiten. »Learning-by-Doing« heißt hier die Devise.

Besonders möchte ich dem Leser das Buch »GIMP 2.6 für digitale Fotografie« von Jürgen Wolf ans Herz legen, das im Galileo-Verlag erschienen ist und in leicht zu lesender Weise, anhand praktischer Beispiele, die fantastischen Einsatzmöglichkeit dieser freien Software nahe bringt. Auf der Verlagsseite gibt es eine Leseprobe. Zudem liegt dem Buch eine herausnehmbare und übersichtliche Nachschlagevorlage bei, mit der man alle Tastenkürzel stets parat hat. Am Ende bleibt anzumerken, dass Photoshop in Kombination mit einem Mac-Rechner oftmals als das Non-Plus-Ultra in Sachen Bildbearbeitung angesehen wird. Mike Essl zeigt auf seinem Blog anschaulich, dass man diese Ansicht guten Gewissens auch nicht vertreten kann. ™

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17 Kommentare

  1. Super Zusammenfassung, danke!

  2. Das kann ich so nur bestaetigen

  3. Hallo Peter

    ich habe eine frage
    ich habe mir eben gimp& neue brushes runtergeladen aber wenn ich gimp aufmache kommen (zb.) die Flügel ect. nicht!
    Wie kann ich sie aufrufen und wie werden sie angezeigt ??

    lg Sarah

  4. Hi,

    @axxelerate: Für Neueinsteiger und gewerbliche Anwender mit schmalem Geldbeutel ist das sicher interessant. Doch der Einsatz von GIMP ist auch im professionellen Bereich durchaus praktikabel.

    Zumal Photoshop nicht auf Linux läuft, GIMP unter der GPL steht und man sich folglich an der eigentlichen Programmentwicklung aktiver beteiligen kann.

    Viele Grüße,
    Peter

  5. schon toll zu was man dieses programm aufmotzen kann :-)
    bleibe zwar trotzdem bei photoshop aber für neueinsteiger mit schmalem geldbeutel eine echte alternative

  6. Hallo Klaus,

    mit dem Buch von Bettina Lechner habe ich leider keinerlei Erfahrungen. Das von mir genannte Buch behandelt keinen expliziten Teil über Webdesign. Da rate ich dir zu Online-Tutorials.

    Viele Grüße

  7. Hallo Peter,

    danke für den Artikel. Als Webdesigner und Ubuntuuser bin ich immer auf der Suche nach Hilfen, wie ich auch unter Ubuntu produktiv arbeiten kann.

    Das von Dir empfohlene Buch trägt den Titel „digitale Fotografie“ – für mich also nur bedingt interessant oder gibt es auch einen Teil über Webdesign?
    Hast Du Erfahrungen mit dem Buch von Bettina Lechner – GIMP 2.6?

    Viele Grüße
    Klaus

  8. Hallo,

    @Maik: Meines Wissens nach kann GIMP ohne ein entsprechendes Plugin kein JavaScript. Vielleicht gibt es dafür jedoch, wie so oft, ein Plugin. Am besten wirfst du einen Blick auf: http://www.gimpstuff.org.

    Für PDF-Dateien ist zudem das Vektor-Zeichenprogramm Inkscape (http://www.inkscape.org) eine gute OpenSource-Alternative. Vielleicht hilft es dir weiter.

    @dozemode: Der Link zur Seperate+-Homepage ist korrigiert. Habe zusätzlich einen Link zu einem vorkompilierten 32-Bit DEB-Paket in den Artikel gefügt.

    Viele Grüße

  9. @Maik: Wenn das Design visuell nicht zu anspruchsvoll werden wird – warum nimmst du dann nicht einfax LaTeX? AFAIK hat das einen SEHR fortgeschrittenen PDF-Generator (latex2pdf).

    cu, w0lf.

  10. @Mudder: Gemacht habe ich das noch nie, aber ich habe zumindestens mal etwas Javascript mit Photoshop gemacht. Aber mit ein wenigen Erfahrungen würde ich schon sagen, dass es geht. Die Flyer müssen erst im Dezember fertig sein, von daher habe ich noch etwas Zeit. Eine Kombi PHP und Gimp wäre mir natürlich lieber als Javasciprt und Photoshop.

  11. Hallo,

    Danke für die Zusammenstellung.

    Das in Nr. 3 genannte ubuntu-Paket „gimp-separate+“ existiert allerdings nicht im ubuntu-Repository. Auch der Link zur Website funktioniert nicht :-(

  12. @Maik: Ich glaub ein Bericht/Tutorial wie man so ein „Flyer“ mit Stapelverarbeitung/Javascript umsetzt wäre sicher mal interessant.
    Mich würde es jedenfalls interessieren.

  13. Hallo Peter,

    vielen Dank. In naher Zukunft muß ich diverse Flyer mit Reiseangeboten erstellen. Für Photoshop hätte ich das wohl mit Javascript gemacht (ein PHP-Script erzeugt aus meinen Daten/Datenbank ein Javascript – Photoshop kann Javascript – und dieses füllt per Stapelverarbeitung ein vorgefertigtes Photoshop-Tempate mit Inhalt und speichert das ganze als PDF). Wie wäre so etwas mit Gimp möglich? Kann Gimp per PHP, Java etc. gesteuert werden?

    Maik

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