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Dieter Petereit 22. September 2009

GetSimple – XML-basiertes CMS ohne Datenbank

Langsam wird es unübersichtlich im Wettbewerberfeld der CMS-Anbieter für kleine Websites. Es scheint sich herum zu sprechen, dass das größte Auftragspotenzial für Webentwickler in kleinen Websites steckt. Zwar sind die Projekte klein, die Budgets auch und die Erwartungen der Kunden viel zu hoch, aber über die schiere Masse lässt sich auch auskömmlich verdienen. Wichtig dabei ist ein CMS, dass den Entwicklungsprozess beschleunigt. Tut GetSimple das?

Zielgruppe

GetSimple richtet sich an Webentwickler mit einer eher kleinunternehmerischen Kundenstruktur.

Der Schreiner, Installateur, Automechaniker, Musiklehrer, Tierarzt mit regionalem Wirkungskreis steht auch im Jahr 2009 der Errichtung einer eigenen Website ausgabenkritisch gegenüber; sprich: Er will zwar eine haben, dafür aber kaum was bezahlen.

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Der Webentwickler im Gegensatz dazu, hat nur seine Zeit zu verkaufen und muss sehen, dass er eine vernünftige Relation zwischen Zeitaufwand und Umsatzerlösen etabliert und aufrecht erhält. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig das im Umfeld kleiner Unternehmen ist. Ich hatte dabei stets das Glück ein oder zwei Großprojekte betreuen zu können, die quasi die Grundkosten gedeckt haben, so dass ich gewisse kalkulatorische Spielräume bei meinen mit zugenähten Jackentaschen auftretenden Kleinstkunden nutzen konnte.

Jedes Werkzeug, das einem Entwickler behilflich sein kann, gerade im genannten Kundenumfeld die Relation zwischen Aufwand und Ertrag in Richtung Ertrag zu verbessern muss also hoch willkommen sein. Dabei kann gelten: Je einfacher und fokussierter, desto besser.

GetSimple ist unstrittig sehr einfach und sehr fokussiert. GetSimple kommt nur für ganz bestimmte Anwendungsfälle überhaupt in Betracht. Es ist nicht geeignet, wenn ein Blog- oder eine sonstige Nachrichtenpublikation gefragt ist. Es ist auf wenige statische Seiten pro Präsenz ausgerichtet, mithin auf das, was man früher als „Web-Visitenkarte“ bezeichnete. Bereits wenn eine Multilevel-Navigation oder eine über eine Stufe hinausgehende Seitenhierarchie gefragt ist, braucht man GetSimple nicht mal mehr anzusehen. Das kann es nicht!

Dafür lässt es sich rasend schnell in Betrieb nehmen und auf einfache Weise mit dem Kundendesign versehen. Grund genug, das System einmal ernsthaft unter die Lupe zu nehmen…

Grundlegendes

GetSimple ist ein relativ leichtgewichtiges Kleinst-CMS mit angemessen niedrigen Systemvoraussetzungen. So reicht ein PHP ab Version 5.1.3 auf einem Unix-(Derivat-)Host mit Apacheserver betrieben völlig aus. Diese Voraussetzungen dürften 99 Prozent aller Hostingpakete oberhalb von 2,99 Euro monatlich locker erfüllen.

Eine Datenbankanbindung ist ausdrücklich nicht nur nicht erforderlich, sondern auch gar nicht möglich. GetSimple speichert ausschließlich in XML-Dateien. Das Gesamtsystem gehört mit einem Umfang von rund 250 Dateien bei 1,5 MB Speicherplatzbedarf zwar nicht zu den kleinsten, aber immerhin zu den kleineren Kleinlösungen.

Installation

Die Installation ist ähnlich schnell wie eine WordPress-Installation erledigt. Wir gehen den Prozess einmal kurz durch.

Zunächst laden Sie das Installationspaket (rund 620 kb) von der assoziierten Box.net-Website herunter und entpacken es auf der Festplatte, von wo aus Sie es unter Verwendung Ihres Leib-und-Magen-FTP-Clients auf den zu simplifizierenden Webspace schicken. Bevor Sie es durch Aufruf der Domain oder Subdomain aufrufen und damit automatisch in den Installationsprozess einsteigen, gilt es noch Schreibrechte zu prüfen.

Nach Aussage des Programmierers sollte ein 755 auf den Unterverzeichnissen data und backups reichen, um GetSimple betreiben zu können. Probieren Sie es also zunächst auch so aus. In meinem Falle bekam ich eine altbekannte Fehlermeldung:

01-install-01.png

Erst nachdem ich data und backups mit 777 ausgestattet hatte, konnte ich die Installation fortsetzen:

02-install-02.png

Im zweiten Schritt legen Sie lediglich Website-Name, -URL und den Benutzer samt E-Mailadresse fest. Die E-Mailadresse muss gültig sein, denn dorthin wird das automatisch generierte Passwort des Benutzers verschickt. Mehr als einen Benutzer kann das System nicht verwalten. Klicken Sie auf „Install Now“ landen Sie ohne weitere Umschweife zum ersten Male direkt im Backend:

03-backend-nach-install-500px.png

Hier weist Sie GetSimple darauf hin, dass es ratsam wäre, unverzüglich das generierte Passwort anzupassen. Folgen Sie dem Hinweis, gelangen Sie auf eine Übersichtsseite mit wichtigen Konfigurationsoptionen:

04-backend-erste-aenderungen.png

Nicht nur können Sie an dieser Stelle Ihr Passwort anpassen, vielmehr stellen Sie hier auch die Zeitzone ein und verwandeln das Backend in ein deutschsprachiges. GetSimple lässt sich im Lieferzustand auf tschechisch, polnisch, russisch, portugiesisch, spanisch, französisch, deutsch und englisch betreiben. Die Sprachdateien werden gelegentlich angepasst und stehen als separates Languagepack zum Download bereit. Zum Zeitpunkt meines Tests unterschieden sich Languagepack und mitgelieferte Sprachdateien allerdings nicht.

Nach der Erstinstallation wollen Sie sich vielleicht von der ordnungsgemäßen Funktionalität der 49 Kugeln des CMS überzeugen. Zu diesem Zweck klicken Sie rechts oben auf Support und wählen dann den überaus selbstbewusst benannten Navigationspunkt „Website Gesundheitscheck“.

05a-support-navi.png

Sie erhalten eine Übersicht, die im besten Falle der folgenden sehr ähnlich ist:

05-support-healthcheck.png

Das Backend

Das Backend des Systems bietet eine sehr aufgeräumte Hauptnavigation mit den Punkten Seiten, Dateien, Vorlagen und Backups.

06-hauptmenue.png

Dateien

Wie der Name schon vermuten lässt, verbirgt sich hinter diesem Tab ein Filemanager. Dieser ist allerdings untertrieben mit rudimentär zu beschreiben.

dateien-screen.png

Zwar kann man jeglichen Dateityp bis zur Größe des zulässigen Serverlimits hochladen und bei Bildformaten auch eine Lightbox-basierte Ansicht anzeigen lassen, mehr jedoch nicht.

08-dateiupload.png

Die Ansicht in der Hauptübersicht zeigt lediglich den Dateinamen, kein Thumbnail, so dass man auf sehr sprechende Namensvergabe angewiesen ist. Darüberhinaus gibt es keine Form der Kategorisierung, so dass Dateien lediglich in Form einer langen Liste verwaltet werden können. Ein Manko, dass bezogen auf die Zielgruppe vermutlich eher geringer wiegen dürfte.

Noch weniger schön ist, dass jegliche hochgeladene Dateien ausschließlich anhand ihrer URL in Seiten übernommen werden können. Ein Zugriff auf den Filemanager aus dem Editoren heraus ist nicht vorgesehen. Der Editor ist lediglich eine Textarea mit TinyMCE.

Man mag argumentieren, dass Systeme dieser Art ohnehin von kundigen Entwicklern realisiert werden, so dass die Beschränklung auf handgefertigtes HTML kein Problem ist. Allerdings hätte man sich dann das Dateimanagement auch gleich ganz sparen können, denn der kundigfe Entwickler kann auch seinen FTP-Client benutzen, wenn es ohnehin nur darum geht, Dateien auf den Webspace zu hieven.

Backups

Unter dem Punkt Backups erhalten Sie eine Liste verfügbarer Versionsbackups Ihrer im System angelegten, geänderten oder gelöschten Seiten. Um die Funktionalität gangbar zu machen, benötigen Sie die Möglichkeit, Cronjobs anzulegen, was mittlerweile auch bei günstigen Hostingspaces in aller Regel gegeben ist.

Auch über den Sinn dieser Möglichkeit lässt sich trefflich streiten. Bei einem sinnvollen Maximalvolumen von um die 12 verschiedenen Seiten mutet ein Backupsystem doch etwas übertrieben an.

Seiten

Der Tab Seiten beherbergt einen der beiden Kernbereiche des Systems, nämlich die Seitenverwaltung.

09-seitenscreen.png

Von hier aus erstellen, ändern und löschen Sie den Content, die eigentlichen Seiteninhalte. Auch an dieser Stelle bietet GetSimple tatsächlich nur einfachste Möglichkeiten.

10-neue-seite-erstellen.png

Innerhalb des Formulars zur Erstellung einer neuen Seite, das im Übrigen identisch zur Maske für die Änderung einer bestehenden Seite ist, steht Ihnen der bereits angesprochene TinyMCE mit Rudimentärformatierungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Der Button „Datei hochladen“, der sich neben dem Textfeld befindet, suggeriert die Übernahmemöglichkeit der dort hochzuladenden Dateien in die Seite. Dem ist aber nicht so. Ein Klick auf „Editor umschalten“ nimmt der Textarea lediglich den TinyMCE und bringt HTML-Code zum Vorschein. Hier gibt es dann keinerlei Hilfsmittel mehr, alles ist von Hand zu coden.

Mittels des Buttons „Optionen“ öffnet man ein kleines Konfigurationsformular, in dem man die wesentlichen Eigenschaften der aktiven Seite festlegt. So vergibt man hier die anzuzeigende URL, sowie etwa gewünschte Tags/Keywords. Über den Punkt „Übergeordnete Seite“ lässt sich eine zweistufige Hierarchie realisieren. Eine neue Seite kann immer zu einer Seite untergeordnet sein, die ihrerseits nicht untergeordnet ist.

Über die Menüimplementierung oder allgemeiner die Navigation hin zu diesen Seiten muss sich der Entwickler wiederum selber kümmern. GetSimple geht vom Grundsatz davon aus, dass es lediglich gleichberechtigt nebeneinanderstehende Seiten gibt und diese dann auch im Menü angezeigt werden sollen, wobei die Reihenfolge über Prioritätenvergabe geregelt wird, mithin auch im Nachhinein noch geändert werden kann.

11-neueseite-optionen.png

Ein Vorschau-Button erlaubt den direkten Aufruf der neuen Seite über das eingestellte Frontend-Template. Das funktioniert allerdings nur sehr eingeschränkt, weil die Implementierung der Rewrites eine zusätzlich Aktion des Apacheservers erforderlich zu machen scheint, ähnlich wie ein Indexierungslauf. In meinem Test waren neu angelegte Seiten immer erst bis zu zwanzig Minuten nach ihrer Erstellung über die vergebene URL aufrufbar, davor gab es einen 404.

Der Punkt „Vorlage“ bietet lediglich an, die neu erstellte Seite mit einem (mitgelieferten) Kontaktformular zu versehen, weitere können Sie unkompliziert selber anlegen. Dazu später mehr.

Vorlagen

Der Tab „Vorlagen“ im Hauptmenü stellt den Einstieg in die umfangreichste Funktionalität des Systems dar. Von hier aus können vorhandene Themes ausgewählt und bearbeitet werden. Sogar die komplette Code-Arbeit an Themedateien und CSS ist theoretisch von hier aus möglich. Natürlich unter Verzicht auf Farbcodierung im Quelltext etc.

12-vorlagen.png

Interessant ist die Heransgehensweise des Systems an universelle Codeschnipsel, wie etwa den Footer oder die Sidebar. Diese werden als sog. Komponenten abgelegt und mit entsprechenden get_component-Funktionsaufrufen einfach in das Theme eingebunden. Die optische Gestaltung erfolgt über den vergebenen Komponentennamen im CSS.

13-komponenten.png

Sehr einfach lassen sich neben den bereits vorhandenen auch eigene Komponenten, so z.B. Unternavigationen oder ähnliches anlegen und über PHP-Funktionsaufrufe (etwa: get_component=’untermenue‘) an beliebiger Stelle im Theme verankern. Auf diese Weise bleibt das Theme von eigentlich nur contentrelevantem Code frei.

Überhaupt erfolgt das gesamte Theming auf dieser Basis. Es lohnt sich daher, sich einmal diese lange Liste möglicher Calls anzusehen. Aufgrund dieser Konzeption lassen sich insbesondere WordPress-Themes sehr einfach nach GetSimple übertragen.

Im Lieferumfang befinden sich bereits zwei hinreichend unterschiedliche Vorlagen, die als Grundlage für eigene Entwicklungen und Lehrstoff für den Einstieg in die Implementierungslogik mehr als gut geeignet sind. Entwickler wird es freuen, dass das System offen für die Definition und Verwendung eigener Functions ist, ohne dabei den Core zu betreffen. So genügt es, eine Datei mit dem Namen functions.php im Theme abzulegen, um die darin definierten Funktionen verwenden zu können.

Generell werden Themes im Unterverzeichnis theme unter Verwendung des Themenamens gespeichert (Beispiel: getsimple.blogmanufaktur.de/theme/Default_Simple/). Erforderlich ist ein Unterverzeichnis images zur Ablage der im Theme verwendeten grafischen Elemente, sowie eine CSS-Datei (in der regel default.css) und ein Haupttemplate namens template.php.

Benötigen Sie weitere Seitenvorlagen, so legen Sie diese im Verzeichnis unter ihren jeweiligen sprechenden Bezeichnungen, z.B. contact.php für ein Kontaktformular ab. Im bereits erwähnten Optionendialog der Seitenverwaltung ordnen Sie die so erstellten Einzelvorlagen der konkreten Seite dann zu.

Fazit: In der Tat gehört das Theming-Konzept von GetSimple zum intuitivsten, das ich bisher gesehen habe. Ob man mit den Einschränkungen, die das System ansonsten hat, leben kann oder will, wird im Wesentlichen von der eigenen Auftragsstruktur abhängen. Sicherlich ist es nicht wirtschaftlich, sich für einzelne Kleinkunden in GetSimple einzuarbeiten. Da macht es vermutlich mehr Sinn, die vorhandenen Kenntnisse in größeren Systemen zu nutzen und diese dann auf den kleinen Kunden herunter zu brechen. Ist man jedoch der regionale Entwickler für die örtliche Handwerkerschaft, könnte sich GetSimples beschleunigter Workflow schnell in klingende Münze auszahlen…

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

Ein Kommentar

  1. nach einem kurzen Test bin ich doch positiv überrascht! :-) Gerade für kleine, wie Du sie nennst, Web-Visitenkarten, bei denen der Kunde aber auch ggf. selbst kleinere textliche Änderungen vornehmen will, find ich das jetzt echt praktisch. Kleinere Websites erstelle ich schon seit Jahren „zu Fuss“, also mit Texteditor, das krieg ich auch nimmer raus :-D, aber den Kunden konnte man da nicht ranlassen, wenn kleinere Änderungen im Text vorgenommen werden sollten. Werde mir das hier mal in den Speicher legen!

    thanks!

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