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Heike Thormann 29. August 2008

Geschickt „Nein“ sagen

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„Nein“ sagen zu kön­nen, ist eine ele­men­ta­re Fähigkeit, um sei­ne eige­nen Interessen durch­zu­set­zen. Vielen fällt ein „Nein“ aber auch schwer. Schließlich will man es sich mit Freunden nicht ver­der­ben oder Kunden und Vorgesetzte ver­är­gern. Ein paar Tipps, wie Sie den­noch geschickt „Nein“ sagen, bekom­men Sie hier.

Hätten Sie gedacht, dass die Tatsache, nicht „Nein“ sagen zu kön­nen, einer der Top 10-Zeitfresser ist? Nein? Ist er aber.

Überlegen Sie selbst,

  • wann Sie wie­der eine Überstunde gescho­ben haben, weil Vorgesetzte oder Kollegen noch „eben schnell“ etwas von Ihnen woll­ten
  • wann Sie sich über eine Firmenentscheidung geär­gert haben, zu der Sie aber wider bes­se­res Wissen kei­ne Einwände vor­ge­bracht haben
  • wann Sie sich von einem Kunden zu einer klit­ze­klei­nen „letz­ten Überarbeitung“ haben breit­schla­gen las­sen, die Ihre Kalkulation für den Auftrag ins Bodenlose sin­ken ließ. Und Ähnliches mehr.

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„Nein“ sagen zu kön­nen, ist eine ele­men­ta­re Fähigkeit, um sei­ne eige­nen Interessen zu wah­ren. Darum sind ein paar Tipps zusam­men­ge­stellt, wie Sie geschickt „Nein“ sagen kön­nen.

Um Bedenkzeit bitten

Zügeln Sie Ihren Impuls, unbe­dacht „Ja“ zu sagen. Wenn Sie nicht sicher sind, dass Sie wirk­lich zustim­men wol­len, bit­ten Sie lie­ber um Bedenkzeit.

Zu oft fal­len wir in alte Rollenmuster zurück und sagen „Ja“, wenn wir eigent­lich „Nein“ mei­nen. Aus Reflex oder weil wir den ande­ren nicht ent­täu­schen wol­len. Der Aufschub hilft Ihnen dann, Ihre eige­nen Wünsche bes­ser zu erken­nen und sich im Fall des Falles auf Ihr „Nein“ vor­zu­be­rei­ten.

Lassen Sie sich auch nicht unter Druck set­zen. Die Bedenkzeit ist gege­be­nen­falls auch gut geeig­net, Tempo aus Verhandlungen, Gesprächen und Co. zu neh­men, um Ihnen etwas Luft zu ver­schaf­fen. Sagen Sie Ihrem Gegenüber, wann er mit Ihrer Antwort rech­nen kann, und hal­ten Sie sich dann an die­se Zeitangabe.

So haben bei­de etwas davon: Sie die Möglichkeit zu einem „Nein“. Und der ande­re die Chance auf ein über­zeug­tes „Ja“ oder zumin­dest auf ein weni­ger har­tes, an den Kopf gewor­fe­nes „Nein“.

2. Die berühmten Rahmenbedingungen

Nein, ein Candlelight-Dinner habe ich nicht im Auge. Aber was für Heiratsanträge und Co. der Kerzenschein, das kön­nen für Ihre Ablehnung die pas­sen­den inne­ren und äuße­ren Bedingungen sein.

Also etwa: Stimmen Sie sich men­tal auf Ihr „Nein“ ein. Machen Sie sich klar, dass Sie ein Recht dar­auf haben, nicht mani­pu­liert und zu einem „Ja“ gedrängt zu wer­den. Achten Sie auf eine freund­li­che, aber fes­te Stimme bezie­hungs­wei­se Schriftkonversation, ohne Hin-und-Her-Schwanken und „ich / wir könnte(n) ja mal“ oder Ähnliches.

Haben Sie direk­ten Kontakt zu Ihrem Gegenüber? Dann kann es hel­fen, sich für Ihr „Nein“ auf­recht hin­zu­stel­len. So ver­mei­den Sie schon rein äußer­lich ein Unterlegenheitsgefühl, und selbst am Telefon wirkt Ihre Stimme kraft­vol­ler und damit über­zeu­gen­der.

3. Nett verpacken

Wie heißt es so schön: der Ton macht die Musik und die Verpackung das Geschenk – oder die Ablehnung. Wenn also Vorgesetzte und Kollegen das nächs­te Mal ein Attentat auf Ihren Feierabend vor­ha­ben, dann lei­ten Sie Ihr „Nein“ mit ein paar Verpackungen net­ter ein. Zum Beispiel:

  • Bedanken Sie sich für das Angebot / die Aufgabe
  • zei­gen Sie Verständnis für den ande­ren und sei­ne Situation
  • beto­nen Sie Ihre Wertschätzung oder Freundschaft zum ande­ren
  • stel­len Sie Ihrem „Nein“ ein „Ahm“ oder ande­re klei­ne Pausen vor­an,

… bevor Sie dann, wie erwähnt, freund­lich aber bestimmt ableh­nen.

Damit ste­hen Sie nach wie vor fest zu Ihrer Ablehnung. Gleichzeitig machen Sie aber auch deut­lich, dass Sie wirk­lich über die Anfrage nach­ge­dacht haben, Ihr Gegenüber schät­zen und Ihre Ablehnung nur etwas mit der Sache, aber nichts mit der Person zu tun hat.

4. Ich mach’ das aus Prinzip nicht

Das geht in die glei­che Richtung: Menschen kön­nen eine Absage leich­ter weg­ste­cken, wenn sie die­se nicht per­sön­lich neh­men müs­sen. Ideal ist es des­halb, wenn Sie grund­sätz­lich nicht tun, wor­um man Sie bit­tet.

Das heißt, wenn Sie zum Beispiel aus Prinzip lie­ber nichts am Telefon kau­fen, auf­grund schlech­ter Erfahrung die Finger von der Hardware eines Rechners las­sen oder eine Niete in Excel sind, dann kön­nen Sie dem ande­ren gar nicht hel­fen. Ihre Ablehnung ist also kei­ne Wertung, son­dern eine schlich­te Tatsache.

5. Zu Erklärungen greifen

Erklärungen sind ein biss­chen umstrit­ten. Manche mei­nen, dass man sich damit nur unnö­tig in Diskussionen ver­wi­ckeln las­sen kann. Andere, dass man damit den Eindruck von Schwäche und Sich-Entschuldigen-Müssen zurück­lässt und dem for­dern­den Gegenüber einen Angriffspunkt bie­tet.

Ich schlie­ße mich der Partei an, die Absagen mit einer kur­zen Begründung ein­fach für höf­li­cher hal­ten als ein nack­tes „Nein“.

Nicht zuletzt haben Sie hier auch wie­der die Möglichkeit, dem ande­ren klar­zu­ma­chen, war­um Sie etwas ableh­nen. Beispiel: Weil Sie gera­de eine ande­re wich­ti­ge Aufgabe über­nom­men haben, Ihre Prioritäten anders gesteckt haben, etwas finan­zi­ell noch nicht drinsitzt oder ande­res mehr.

Achtung: Greifen Sie bes­ser nicht zu Notlügen. Lügen haben bekannt­lich nicht nur kur­ze Beine und wer­den frü­her oder spä­ter doch ent­tarnt. Wenn Sie der Meinung sind, zu Lügen grei­fen zu müs­sen, spricht das auch nicht gera­de für Ihre Fähigkeit, selbst­be­wusst „Nein“ sagen zu kön­nen. Von hier ist der Weg dann nicht mehr weit, sich doch noch zu etwas „breit­schla­gen“ zu las­sen.

Geschickt argumentieren

Wer sagt, dass Ihr „Nein“ für den ande­ren nur nega­tiv sein muss? Sie wis­sen schließ­lich selbst am bes­ten, wo Ihre Grenzen sind und war­um Ihr Gegenüber sich bes­ser einen ande­ren für sein Anliegen suchen soll­te. In die­sem Sinne: Machen Sie ihm die­se Gründe klar. Dann ist Ihr „Nein“ auch kein blo­ßes „Nein“ mehr, son­dern Schutz vor einer Fehlentscheidung und Fehldelegation.

Beispiel: Sie sol­len für einen Kunden die Website erstel­len, obwohl Sie die Branche und ihre Gewohnheiten nicht ken­nen und Ihnen die­ses Know-how bei der Gestaltung der Seite viel­leicht feh­len wür­de.

Oder: Sie sol­len den Kundendienst für den Online-Shop Ihres Unternehmens über­neh­men, könn­ten dafür aber sinn­voll nur ein paar Stunden am Tag bei­steu­ern. Dann argu­men­tie­ren Sie, dass dar­un­ter even­tu­ell das Ideal eines guten Kundenservice, näm­lich erreich­bar zu sein, und damit auch das Image der Firma lei­den wür­de. Sie sehen das Prinzip?

Verpassen Sie dem ande­ren nicht ein­fach nur ein „Nein“, son­dern machen Sie deut­lich, war­um es eine bes­se­re Lösung geben kann und muss. Dann kön­nen Sie auch gleich noch zu einem letz­ten Mittel grei­fen und …

7. Alternativen bieten

… Ihre Argumentation mit Alternativen auf­wer­ten.

Also: Vielleicht ken­nen Sie einen Kollegen, der das Branchen-Know-how für die Kunden-Website mit­bringt. Dann emp­feh­len Sie ihn. Oder schla­gen Sie für den Kundendienst des Online-Shops ein Rotationssystem mit Vertretungen auf Abruf vor. Oder wenn Sie eine Aufgabe nicht auf eine bestimm­te Weise zu einem bestimm­ten Zeitpunkt erle­di­gen kön­nen, dann sagen Sie, in wel­cher Form Sie sie statt­des­sen frü­hest­mög­lich ablie­fern kön­nen. Und so wei­ter, und so fort.

Betätigen Sie sich als Problemhelfer und bie­ten Sie Lösungen an. Selbst Vorgesetzte dürf­ten jetzt kaum noch etwas an Ihrem „Nein“ aus­zu­set­zen haben.

8. Was Sie besser nicht tun sollten

Ja, auch das gibt es: Stolperfallen beim Nein-Sagen, die Ihnen und Ihrer Sache nur scha­den kön­nen. Die Notlügen von Punkt 5 oben sind so ein Fall.

Weitere wären:

  • Sich zu einem „Ja“ über­re­den zu las­sen, und die Arbeit / Bitte dann schlam­pig oder gar nicht zu erle­di­gen; ganz zu schwei­gen davon, sich bei ande­ren zu beschwe­ren, dass man Sie immer aus­nutzt
  • ähn­lich: Zuerst zuzu­sa­gen, um den ande­ren nicht ent­täu­schen zu müs­sen oder sich des­sen Ärger zuzu­zie­hen und die­se Zusage dann bei erst­bes­ter Gelegenheit (am bes­ten klamm­heim­lich) fal­len zu las­sen
  • oder auch unbe­re­chen­bar mal so und mal so zu ent­schei­den, Ihr „Nein“ aus hei­te­rem Himmel wie­der zurück­zu­zie­hen
  • „Nein“ zu sagen und eigent­lich nur zu einem „Ja“ über­re­det, bezie­hungs­wei­se besto­chen wer­den zu wol­len
  • zu Rechtfertigungen zu grei­fen und mit dem Finger auf ande­re zu zei­gen, nach dem Motto „der braucht das ja auch nicht“ (eine gute Basis für den schöns­ten Unfrieden).

Und Ähnliches mehr, Ihnen wer­den sicher noch wei­te­re Gelegenheiten ein­fal­len.

In die­sem Sinne: Ein Nein ist ein Nein, und wenn Sie es geschickt rüber­brin­gen und dazu ste­hen, bleibt es auch ein „Nein“. (tm)

Erstveröffentlichung 29.08.2008

Heike Thormann

Heike Thormann ist Trainerin, Redakteurin und Autorin. Ihr Schwerpunkt sind kreative Schreib-, Denk-, Lern- und Arbeitstechniken. Sie schreibt für verschiedene Fachmagazine und gibt mit ihrer Website ein Online-Magazin zu ihren Fachthemen heraus.

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