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Dieter Petereit 25. Januar 2018

So geht Design für das Internet of Things

Das Internet der Dinge benö­tigt eine ande­re, erwei­ter­te Art von Design. Dabei gilt es, eine Handvoll Prinzipien (und Tausende von Kleinigkeiten) zu beach­ten.

Das Internet of Things ist die nächste Evolutionsstufe des Netzes

Lasst uns an vor­ders­ter Stelle die Frage klä­ren, wie der Designbegriff im fol­gen­den Beitrag zu defi­nie­ren ist. In ers­ter Linie wer­den wir und mit dem Design der Benutzererfahrung, also dem soge­nann­ten UX-Design, beschäf­ti­gen. Das Internet of Things macht es uns indes nicht so leicht, dass wir uns auf die­sen Aspekt beschrän­ken könn­ten.

Vielmehr ist das Internet of Things als nächs­te Evolutionsstufe des Netzes zu ver­ste­hen. In den Neunzigern reich­te es, das Internet mit gra­fi­schen Oberflächen zu ver­se­hen, die sel­ten mehr taten als Inhalte mit­ein­an­der zu ver­lin­ken. Diese gra­fi­sche Gestaltung war damals das, was wir unter Design für das welt­wei­te Netz ver­stan­den. Es war eine Art abge­speck­tes Grafikdesign, bezo­gen auf ein ein­zel­nes Medium. Die Ausbildung, die Printdesigner mit­brach­ten, war gera­de­zu eine per­fek­te Voraussetzung, den Job gut zu machen.

In den Nullern kamen wir selbst als (visu­el­le) Designer nicht umhin, uns mit Programmierung, wenigs­tens im Sinne von Scripting zu beschäf­ti­gen. PHP war das Thema der Stunde. Heutzutage gibt es weit mehr Alternativen, aber auch ein ste­tig wach­sen­des Erfordernis, JavaScript zu beherr­schen.

Arduino: Beliebtes Experimentiergelände für IoT-Einsteiger (Bildquelle: LenaertsDaan auf Pixabay)

Seit gut zehn Jahren, mit dem Aufstieg der Smartphones, könnt ihr mit rein visu­el­lem Design allein gar nichts mehr anfan­gen, wenn es um die Gestaltung für gro­ße oder klei­ne Bildschirme geht. In grö­ße­ren Agenturen mag es noch die Unterscheidung in Abteilung für die­ses oder jenes Spezialgebiet geben. Als Freelancer könnt ihr euch die­sen Luxus nicht leis­ten. Von daher ist die exak­te Definition der unter­schied­li­chen Designdisziplinen eher theo­re­ti­scher Natur und ihr müsst über den Tellerrand hin­aus nicht nur schau­en, son­dern auch den­ken.

Nicht recht­ecki­ge Designgedanken kön­nen beängs­ti­gen oder befrei­en. Wenn ihr bis­lang auschließ­lich für Bildschirme gestal­tet habt, sind bei­de Reaktionen auf zukünf­ti­ge Anforderungen, die sich aus dem Design des Internet of Things (IoT) erge­ben, mög­lich. Unsere Empfehlung kann nur lau­ten, offen an die Sache her­an zu gehen, denn die Umstände wer­den sich uns nicht anpas­sen. Es wird nur umge­kehrt funk­tio­nie­ren.

Betrachten wir aber zunächst die Anforderungen an das IoT-Design, die sich vor­nehm­lich den Herstellern sol­cher Devices stel­len.

Ihr müsst nicht alles machen, bloß weil es geht

Fusspilzerkennung über con­nec­ted Socken? Das könn­te gehen, aber erscheint das sinn­voll? Wie auch immer ihr die­se Frage für euch beant­wor­tet, sie ist bereits falsch gestellt. Denn die Frage soll­te nicht lau­ten, was könn­ten wir noch alles mit dem Internet ver­bin­den. Vielmehr geht es dar­um, das per­fek­te Produkt, oder genau­er, die per­fek­te Lösung für ein bestehen­des Problem zu schaf­fen. Und nur, wenn es der Perfektion die­ser Lösung nutzt, soll­ten wir dar­über nach­den­ken, wie wir das Internet zur Optimierung ein­bin­den kön­nen.

Connected Socks sind übri­gens nicht bloß ein lus­ti­ges Beispiel. Die gibt es wirk­lich. (Bildquelle: Sensoria)

Das Produkt muss auch ohne Datenverbindung funktionieren

Die Verbindung zum Netz der Netze ist bei wei­tem nicht über­all gege­ben. Je nach Produkt ist sie eher sogar meis­tens nicht gege­ben. Von daher ist es wich­tig, Produkte für das IoT so zu gestal­ten, dass sie auch ohne oder bei schlech­ter Datenverbindung mög­lichst umfäng­lich funk­tio­nie­ren.

Das betrifft zwei Aspekte. Zum einen muss die Datenhaltung groß­teils lokal erfol­gen, um erfor­der­li­chen­falls Betriebsdaten auch dann nut­zen zu kön­nen, wenn kei­ne Netzverbindung besteht. Zum ande­ren ist der Fokus auf loka­le Datenhaltung auch des­halb wich­tig, weil Netzverbindungen unter­schied­lich schnell sein kön­nen, der Nutzer aber stets ver­zö­ge­rungs­freie Leistung erwar­tet. Verzögerungen durch schlech­te Verbindungen las­sen das Produkt unzu­ver­läs­sig erschei­nen. Die Benutzererfahrung lei­det.

Das Produkt muss sicher und updatefähig sein

Wie es scheint, setz­ten die Hersteller von IoT-Devices in der Vergangenheit weder auf Sicherheit, noch auf Updatefähigkeit. Verständlich war das schon bis­her nicht, denn IoT-Geräte haben ganz ande­re Lebensdauern als etwa Smartphones, blei­ben also deut­lich län­ger im Verkehr und soll­ten sich daher wech­seln­den Anforderungen anpas­sen kön­nen.

Wie es Herstellern in den Sinn gelan­gen konn­te, Heere von unsi­che­ren, voll ver­netz­ten Devices zu erschaf­fen, die nicht mal durch Updates siche­rer gemacht wer­den konn­ten, bleibt wohl eines der gro­ßen Geheimnisse des real exis­tie­ren­den Kapitalismus. Akzeptabel ist es nicht.

Vor allem Webcams waren Teil der bekann­ten Botnet-Attacke aus Ende 2016. (Bildquelle: Photo-Mix auf Pixabay)

Damit aus einem ans Internet ange­schlos­se­nen Gerät tat­säch­lich ein Teilnehmer des Internet of Things wird, muss es eine API (eine Programmierschnittstelle) haben. Nur so kann es zu ande­ren Geräten und Diensten Kontakt auf­neh­men, nur so besteht die Möglichkeit, dass ein Nutzer frei­er als initi­al vom Hersteller vor­ge­dacht, mit einem Gerät inter­agie­ren kann. Stellt euch den Echo von Amazon ohne API vor. Das Ding wäre schon jetzt Geschichte.

Besonders der letzt­ge­nann­te Punkt ist es, der uns alle als Designer wie­der mit ins Boot holt. Denn wir kön­nen das Internet of Things für unse­re eige­nen Lösungen nut­zen und mit einer ganz eige­nen Benutzererfahrung prä­gen.

Schaffe Anwendungen, die vom Kontext profitieren

Das Stichwort lau­tet Kontext. Nicht der ein­zel­ne IoT-Teilnehmer ist inter­es­sant, son­dern die Gesamtheit, respek­ti­ve zusam­men­hän­gen­de Teile des­sen. Dabei kön­nen Anwendungen ent­ste­hen, die ver­ges­sen las­sen, dass der Nutzer es eigent­lich mit einem Dutzend von­ein­an­der unab­hän­gi­ger Geräte zu tun hat. Design webt aus den Einzelkomponenten ein neu­es Netz.

Würde es dir rei­chen, wenn du jede dei­ner Smart Lamps ein­zeln regeln könn­test? Und wie­der eine ande­re Steuerung die Smart Rolläden kon­trol­lier­te, wäh­rend eine wei­te­re Steuerung dei­ne Heizung hoch- und run­ter­fährt? Die Antwortet lau­tet natür­lich „Nein”.

Kein Wunder, dass das Smart Home schon seit fast zwan­zig Jahren die Bauindustrie fas­zi­niert. Das Problem der schwa­chen Marktdurchdringung begrün­de­te sich von Beginn an nicht in man­geln­den Ideen, son­dern in man­geln­den tech­ni­schen Umsetzungsmöglichkeiten. Erst das schnel­ler wer­den­de Internet und sei­ne brei­te Verfügbarkeit, nebst der damit direkt in Verbindung ste­hen­den Technologien, wie WiFi oder Bluetooth, erlau­ben sinn­vol­le Lösungen. Und obschon Smart Home sicher­lich das pro­mi­nen­tes­te Beispiel sein dürf­te, ist es bei wei­tem nicht das ein­zi­ge.

Screenshots aus der App MIA Airport Official. (Bildquelle: iTunes)

So beschreibt Sergio Ortiz in sei­nem BeitragIOT gives rise to intel­li­gent & per­so­na­li­zed design” das Beispiel des Flughafens von Miami. Dieser wur­de im Verlaufe des Jahres 2016 mit über 400 Beacons bestückt. Diese wer­den über eine App, die die Flughafen-Besucher auf ihren Smartphones instal­lie­ren kön­nen, zu einer Gesamtlösung. An jeder Stelle des Airport erhal­ten Verwendung orts­be­zo­ge­ne Informationen, etwa dar­über wel­cher Laden oder wel­cher Checkpoint wo und wie weit ent­fernt ist. Darüber hin­aus bie­tet die App kun­den­be­zo­ge­ne Informationen, wie Aufrufe zum Check-in oder die Navigation zum kon­kre­ten Gate. Das Ziel besteht dar­in, den Besucher voll­um­fäng­lich mit nutz­wer­ti­gen Informationen zu ver­sor­gen.

Das Flughafen-Beispiel ist recht leicht fass­bar und erscheint auf Anhieb logisch und sinn­voll. Schwieriger wird es, wenn der Kontext sich so stark erwei­tert, dass er nicht mehr auf eine Örtlichkeit bezo­gen wer­den kann. So könn­te der Kontext in sei­ner kom­ple­xes­ten Form durch­aus der Nutzer sel­ber mit sei­nen diver­sen Bedürfnissen und Notwendigkeiten sein. Allein schon, die­se zu erken­nen, ist eine der Herausforderungen der Zukunft.

IoT-Device zum Üben, der Echo. (Bildquelle: Amazon)

Um Kontext zu desi­gnen, bedarf es des Zugriffs auf die ent­spre­chen­de API. Wenn wir also lang­sam anfan­gen wol­len, uns mit Zukunftsthemen zu beschäf­ti­gen, dann ist die bes­te Empfehlung, sich inten­siv mit Produkten zu befas­sen, die eine sol­che bie­ten. Amazon etwa rühmt sich damit, dass für das Produkt Echo, einen Lautsprecher mit Alexa-Sprachassistent, bereits 15.000 soge­nann­te Skills zur Verfügung ste­hen.

Skills sind klei­ne oder grö­ße­re „Apps”, die mit­tels Sprachbedienung auf den Echo-Geräten funk­tio­nie­ren, aber nicht von Amazon bereit­ge­stellt wer­den. Hier spie­len offen­bar bereits etli­che mit der ent­spre­chen­den API. Und, wir wol­len es nicht beschö­ni­gen, durch­aus häu­fig mit reich­lich wenig Erfolg.

Aber, wir ste­hen halt am Anfang. Irgendworan müs­sen wir ja auch ler­nen dür­fen.

Beiträge zum Weiterlesen:

  • UX Design for the Internet of Things | Medium
  • The role of design in the Internet of Things | Creative Bloq
  • What does being an IoT UX Designer mean? | Medium
  • The IoT Design Principles | SOMO Imagineers
  • Design: Was für Sprachinterfaces der Zukunft wich­tig ist | Dr. Web
Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

Ein Kommentar

  1. Hallo Dieter,

    ein sehr schö­ner Blogartikel. Ich for­sche sel­ber aktu­ell im Bereich Schnittstellen und Schnittstellenmanagement für indus­tri­el­les IoT und stel­le fest, dass spe­zi­ell in die­sem Bereich es ziem­lich weni­ge wiss. Veröffentlichungen gibt. Und das obwohl mit der Vernetzung der Produktion der Bedarf in den letz­ten Jahren mas­siv gestie­gen ist (sie­he Leitmotive aller Industriemessen).

    In die­sem Sinne – schö­ner und ver­ständ­li­cher Artikel, der sich auch so auf das indus­tri­el­le Internet der Dinge anwen­den lässt :-)

    Viele Grüße

    Dimitri

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