Förder-FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Gründungszuschuss

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Lukas Schlömer

ist ein bekannter Fachautor, der für Dr. Web unter Pseudonym schreibt.

Arbeitslose, die sich selbstständig machen, können seit 1. August 2006 bei der Arbeitsagentur einen so genannten Gründungszuschuss beantragen. Das neue Förderprogramm tritt an die Stelle von Überbrückungsgeld und Existenzgründungszuschuss (“Ich-AG”). Wir liefern Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen.

1. Wie hoch ist der Gründungszuschuss und wie lange bekomme ich ihn?
Die Gesamtförderdauer beträgt höchstens 15 Monate: In den ersten neun Monaten erhalten Gründer einen Zuschuss in Höhe ihres bisherigen Arbeitslosengeldes plus eine Sozialversicherungspauschale in Höhe von 300 Euro. Während der folgenden sechs Monate fließt dann nur noch der Festbetrag von 300 Euro. Die Zahlung erfolgt in beiden Fällen nur, wenn die Anspruchsvoraussetzungen nachgewiesen werden. Bei einem Arbeitslosengeld von 1.250 Euro ergibt sich eine maximale Gesamtfördersumme von knapp 16.000 Euro. Wird der Zuschuss nach den ersten neun Monaten nicht verlängert, liegt der Zuschuss unterm Strich hingegen nur bei rund 14.000 Euro.

2. Ist meine laufende Ich-AG / mein Überbrückungsgeld von den Änderungen betroffen?
Nein, bereits bewilligte Förderungen laufen wie versprochen weiter: Ich-AGs bis längstens Juni 2009, Überbrückungsgeld-Zahlungen bis Januar 2007, in bestimmten Ausnahmefällen sogar bis April 2007.

3. Habe ich einen Rechtsanspruch auf den neuen Gründungszuschuss?
Jein: Auf die Förderung in den ersten neun Monaten haben Sie grundsätzlich zwar einen Anspruch. Durch verschärfte Zugangsvoraussetzungen kommen aber deutlich weniger Arbeitslose in den Genuss der Versicherungsleistung als bisher. Und: Die zweite Förderphase (10. bis 15. Monat) hat der Gesetzgeber von vornherein als Kann-Bestimmung (“Ermessensleistung”) angelegt.

4. Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?
Den Gründungszuschuss können Sie nur erhalten, wenn Sie vor Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit

  • rechtzeitig einen Antrag stellen,
  • noch einen Restanspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 90 Tagen haben,
  • keine Sperrzeiten gegen Sie verhängt wurden,
  • die “Tragfähigkeit” Ihrer Existenzgründung sowie die dafür erforderlichen “Kenntnisse und Fähigkeiten” nachweisen können,
  • in den letzten 24 Monaten keine Ich-AG- oder Überbrückungsgeld-Förderung bekommen und
  • das 65. Lebensjahr noch nicht vollendet haben

5. Mein Restanspruch auf Arbeitslosengeld ist kürzer als 90 Tage: Was nun?
Arbeitslose, die den Gründungszuschuss nur aufgrund eines zu kurzen Restanspruches nicht beantragen können, ansonsten aber alle Voraussetzungen nachweisen, dürfen bis Ende Oktober 2006 ausnahmsweise noch Überbrückungsgeld nach der alten Regelung beantragen. Für diesen Personenkreis ist eigens der Paragraf 343o in das Sozialgesetzbuch III aufgenommen worden.

6. Ich bekomme ALG II: Kann ich trotzdem einen Gründungszuschuss bekommen?
Ausgerechnet Langzeitarbeitslosen und anderen “Hartz-IV-Empfängern” verweigert der Gesetzgeber den Anspruch auf den Gründungszuschuss. Hintergrund: Die Förderung stellt eine “Versicherungsleistung” für zahlende Mitglieder der Arbeitslosenversicherung dar. Das ALG II gilt demgegenüber als “Fürsorgeleistung”, die nur bei Hilfebedürftigkeit gewährt wird. ALG-II-Empfänger, die ihren “Fallmanager” von einer aussichtsreichen Existenzgründung überzeugen, können im Rahmen einer so genannten Eingliederungsvereinbarung aber immerhin ein “Einstiegsgeld” bekommen. Dafür muss ebenfalls ein Eignungsnachweis und ein Tragfähigkeitsgutachten beigebracht werden.

Eine feste Förderhöhe und Dauer gibt es in dem Fall nicht: Das Einstiegsgeld wird in aller Regel nur für 12 Monate auf Basis eines Zuschlags auf den ALG-II-Regelsatz gewährt (Faustformel: 50 Prozent des Regelsatzes plus 10 Prozent pro Person der “Bedarfsgemeinschaft”). Dabei sollen 100 Prozent des Regelsatzes nicht überschritten werden. Zusammen mit dem eigentlichen ALG II kämen so bei einem alleinstehenden Gründer monatlich maximal 690 Euro zusammen. Der Zuschuss wird – nach Abzug der üblichen Freibeträge – durch Einkommen aus der Selbstständigkeit aber wiederum gemindert. Dafür übernimmt der Staat umgekehrt jedoch die Sozialversicherungsbeiträge und gewährt Miet- und Heizkostenzuschüsse.

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7. Welche selbstständigen Tätigkeiten werden mit dem Gründungszuschuss gefördert?
Es gibt keinen bestimmten Tätigkeits- oder Branchenkatalog. Grundsätzlich ist jede gewerbliche und freiberufliche Art der Selbstständigkeit in jeder Rechtsform förderfähig, deren Tragfähigkeit von einer fachkundigen Stelle bescheinigt wird. Damit nicht die Vermutung einer “Scheinselbstständigkeit” aufkommt, muss der Gründer im Zweifel aber seine unternehmerische Freiheit plausibel machen können. Dazu gehört vor allem

  • eigenständiges Auftreten am Markt (eigene Geschäftspapiere, Geschäftsräume, Werbung,)
  • auf Dauer mehr als nur ein Auftraggeber,
  • keine Eingliederung in den Betrieb eines bestimmten Auftraggebers,
  • keine Abhängigkeit von den Weisungen eines Auftraggebers.

Problematisch ist die Tätigkeit als “Subunternehmer” vor allem dann, wenn sie im Betrieb des Auftraggebers normalerweise von abhängig Beschäftigten oder gar beim eigenen bisherigen Arbeitgeber erbracht werden.

8. Wird die Übernahme eines bestehenden Betriebs gefördert?
Normalerweise nicht: Ein eingerichteter Betrieb mit laufendem Geschäftsverkehr, laufenden Aufträgen und vorhandenem Kundenstamm stellt keine Existenzgründung dar. Möglich ist die Zahlung eines Gründungszuschusses bei “Übernahmen” nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel wenn der Geschäftsbetrieb schon eine Weile ruht oder trotz gleicher Lage und Branche ein neues Konzept umgesetzt werden soll. Auch Belegschaftsübernahmen bei Geschäftsaufgabe durch den bisherigen Eigentümer werden manchmal bezuschusst.

9. Kann ich mich mit anderen zusammen selbstständig machen?
Grundsätzlich ja. Allerdings kommt es auch in dem Fall darauf an, dass Sie Ihre “unternehmerische Entscheidungsfreiheit” glaubhaft machen können. Wenn sich ein Webdesigner und ein Programmier zu einer gleichberechtigten GbR zusammenschließen, dann stellt das kein Problem dar. Wenn ein “Gründer” aber lediglich einen 5-prozentigen Mini-Anteil an einer Gesellschaft erwirbt, in der letztlich andere das Sagen haben, dann handelt es sich nicht um eine selbstständige Tätigkeit im Sinne des Gründungszuschuss-Paragrafen 57 SGB III.

10. Wo und wie beantrage ich den Gründungszuschuss?
Sie beantragen die Fördermittel bei Ihrer örtlichen Arbeitsagentur. Sie besprechen das Vorhaben mit Ihrem Arbeitsberater und bekommen ein Antragsformular ausgehändigt. Auf dem müssen Sie die “Tragfähigkeit” Ihres Vorhabens von einer “fachkundigen Stelle” bestätigen lassen. Wichtig: Auch wenn Sie den Antrag weder komplett ausgefüllt noch abgegeben und noch längst nicht alle Voraussetzungen erfüllt haben, gilt der Antrag ab dem Zeitpunkt des Abholens bei der Arbeitsagentur als gestellt. Ihre folgenden Gründungsvorbereitungen stellen somit keine Verletzung des ehernen Förderprinzips “Antrag vor Leistung” dar.

11. Wie weise ich die “Tragfähigkeit” meines Vorhabens nach?
Das geschieht in schriftlicher Form. Sie erstellen einen Lebenslauf, aus dem Ihre Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen erkennbar sind. Außerdem schreiben Sie einen Geschäftsplan, zu dem üblicherweise die folgenden Bestandteile gehören:

  • eine “Kurzbeschreibung” Ihrer Geschäftsidee (vor allem mit Angaben zu Produkten und Dienstleistungen, zu Rechtsform, Kunden, Mitarbeitern, Standort, Werbung).
  • ein “Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan” (das heißt: Welche Investitionen in Maschinen, Anlagen und Betriebsmittel sind nötig und woher kommen die dafür erforderlichen Mittel?) sowie
  • eine “Umsatz- und Rentabilitätsvorschau” (das heißt: Welche Umsätze, laufenden Kosten sowie Gewinne erwarten Sie im ersten Jahr bzw. bei größeren Unternehmen: in den ersten (drei) Jahren?)

Bei Kleinbetrieben und Freiberuflern lässt sich das komplette Text- und Zahlenwerk vielfach auf gut zehn Seiten unterbringen. Das Ganze vielerorts unter der etwas hochtrabenden Bezeichnung “Businessplan”. Bei Licht betrachtet müssen Sie die Gutachter (und vor allem sich selbst) nur davon überzeugen können, dass Sie in der Lage sind, sich ein Bild von den Marktbedingungen Ihrer Branche zu machen und sich mit Ihren Fähigkeiten auf diesem Markt gegen Ihre Konkurrenz durchzusetzen. Wenn Sie das mit halbwegs realistischem Zahlenmaterial unterfüttern können, sind Sie auf der sicheren Seite. Wichtiger als Hochglanzpapiere und hochtrabende Business-Sprache sind eine nüchterne Bestandsaufnahme, möglichst konkrete Vorstellungen vom Geschäftsalltag und nicht zuletzt eine plausible Kalkulation Ihres eigenen Unternehmerlohnes. Denn der stellt zu Anfang ja die entscheidende Basis Ihrer Gewinn- und Umsatzziele dar.

12. Was ist eine “fachkundige Stelle”?
Als fachkundige Stellen nennt der Gesetzgeber:

  • Industrie- und Handelskammern,
  • Handwerkskammern,
  • berufsständische Kammern,
  • Fachverbände und
  • Kreditinstitute.

Sie können Ihre Unterlagen aber auch in einem örtlichen Gründungszentrum oder von einem Steuer- oder Unternehmensberater begutachten lassen. Kammern und Verbände erstellen die Tragfähigkeitsbescheinigungen für Mitglieder oft kostenlos. Sofern eine fachkundige Stelle Gebühren verlangt, müssen Sie die selbst tragen. Die Arbeitsagentur erstattet die Kosten nicht.

13. Wie überprüft die Arbeitsagentur meine Unternehmer-Eignung?
Das ist eine der spannendsten Fragen, die der neue Gründungszuschuss überhaupt aufwirft. Denn wer will sich ernsthaft anmaßen, ein Unternehmer-Examen abzunehmen? Einen erfolgreichen Unternehmer erkennt man nun einmal nicht an Bildungsabschlüssen, guten Arbeitnehmerzeugnissen oder geschliffenen Lehrbuchantworten in mündliche Prüfungen. “Entscheidend ist auf dem Platz”, möchte man den weltfremden Politikern und Ministerialbürokraten in Abwandlung einer Fußballlehrer-Weisheit zurufen. Aus gutem Grund finden sich im Gesetz auch keine konkreten Anforderungen an den Gründer-TÜV. In Paragraf 57 Absatz 2 SGB III heißt es vielmehr butterweich:

“Bestehen begründete Zweifel an den Kenntnissen und Fähigkeiten zur Ausübung der selbstständigen Tätigkeit, kann die Agentur für Arbeit vom Arbeitnehmer die Teilnahme an Maßnahmen zur Eignungsfeststellung oder zur Vorbereitung der Gründung verlangen.”

Dass die Arbeitsagentur Qualifizierungsauflagen erlassen kann, ist nichts Neues und in den meisten Fällen auch kein Anlass zur Rebellion. Im Gegenteil: Die kostenlose Teilnahme an selbst gewählten Info-Veranstaltungen, Seminaren, Workshops und ähnlichen Lern-“Modulen” stellt viel mehr eine begrüßenswerte Leistung dar! Dafür müssen andere Unternehmer oder Freiberufler oft viel Geld auf den Tisch legen. Problematisch dürfte vielmehr das Umgehen mit auftretenden Zweifeln im Rahmen der Eignungsfeststellung werden. Noch lassen sich keine Aussagen über die Verwaltungspraxis machen. Immerhin: Die Beweislast liegt auf Seiten der Arbeitsagentur. Sie muss ihre Zweifel begründen können. Das stärkt die Position abgewiesener Gründungswilliger im Widerspruchsverfahren oder notfalls vor den Sozialgerichten.

14. Wo und wie muss ich mein Unternehmen beantragen?
Beantragen müssen Sie Ihr Unternehmen oder Ihre freiberufliche Tätigkeit in den meisten Fällen gar nicht. In Deutschland herrscht nämlich Gewerbefreiheit. Sieht man einmal von den Ausnahmen im Handwerksrecht und einigen gefährdeten oder gefährlichen Berufen ab, genügt es, wenn Sie die Aufnahme Ihrer selbstständigen Tätigkeit schlicht anmelden. Gewerbetreibende lassen sich auf dem örtlichen Gewerbeamt einen Gewerbeschein ausstellen. Freiberufler benötigen noch nicht einmal den, sie teilen die Aufnahme ihrer selbstständigen Tätigkeit bloß dem Finanzamt mit.

15. Wie beantrage ich die Zuschussverlängerung?
Vorweg: Bei der zweiten Förderphase handelt es sich im eine “Ermessensleistung”. Selbst wenn Sie sämtliche Voraussetzungen für eine Verlängerung erfüllen, kann die Weiterbewilligung versagt werden – zum Beispiel, weil die angespannte Haushaltslage der Bundesagentur oder die Prioritäten Ihrer örtlichen Arbeitsagentur das nicht zulassen.

Davon abgesehen müssen Sie laut Gesetz Ihre “Geschäftstätigkeit anhand geeigneter Unterlagen” darlegen. Einige Zeit vor Auslaufen der Förderung, also etwa nach einem halben Jahr, legen Sie der Arbeitsagentur die Ergebnisse Ihrer betrieblichen Einnahme-Überschussrechnung vor. Lässt sich daraus bereits erkennen, dass in erwartbarem Umfang Umsätze sowie Gewinne erzielt wurden, die den Lebensunterhalt sichern, haben Sie die Voraussetzungen der Weiterbewilligung bereits erfüllt. Anderenfalls müssen Sie plausibel machen können, dass Ihre Geschäftsaktivitäten im Laufe der nächsten Monate zu zählbaren Ergebnissen kommen werden. Das kann zum Beispiel durch Vorlage von Verträgen, Marketingplänen und -unterlagen sowie anderen aussagefähigen Geschäftsunterlagen erfolgen.

16. Kann ich noch andere Fördermittel bekommen?
Ja, da es sich beim Gründungszuschuss um keine betriebliche Subvention handelt (sondern “nur” um einen Zuschuss zum Lebensunterhalt des Gründers), können Sie zusätzlich alle Beihilfen und Darlehensprogramme von EU, Bund, Ländern und Gemeinden in Anspruch nehmen.

Besonders hervorzuheben ist die 100-prozentige Coaching-Förderung auf Basis des “ESF-BA-Programms” (Co-Finanzierung von Bundesagentur und Europäischem Sozialfonds). Damit können Sie sich im ersten Jahr nach der Gründung von einem Berater oder Coach Ihrer Wahl auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleiten lassen. Förderhöhe und Vergabekonditionen sind regional sehr unterschiedlich. Die Obergrenze liegt vielerorts zwischen 1.000 Euro und 2.000 Euro.

17. Werden auch Teilzeit-Selbstständige gefördert?
Ja. Der im Gesetz verwendete Begriff “Existenzgründung” bedeutet keineswegs, dass nur Vollzeit-Existenzen den Gründungszuschuss bekommen können. Förderfähig ist vielmehr jede selbstständige Tätigkeit, die im Hauptberuf ausgeübt wird und durch die die Arbeitslosigkeit beendet wird. Diese Voraussetzung ist bereits gegeben, wenn die wöchentliche Arbeitszeit länger ist als 15 Stunden und keine andere Beschäftigung den wirtschaftlichen Mittelpunkt Ihres Berufslebens darstellt.

Sofern Sie Ihren Betrieb zeitlich mit “halber Kraft” ans Laufen bringen (und halten) können, darf Ihnen das keiner verwehren. Sie müssen aber plausibel machen können, dass Ihr Geschäftsmodell trotz begrenzter Verfügbarkeit oder gar Erreichbarkeit funktioniert und dass Sie Ihren Lebensunterhalt auf Dauer auch ohne den Gründungszuschuss aus den erzielbaren Einkünften bestreiten können. Da die meisten Experten fachkundiger Stellen ein eher klassisches Unternehmerbild haben (“Sind Sie bereit, wöchentlich 60 bis 80 Stunden zu arbeiten und die nächsten fünf Jahre auf Urlaub zu verzichten?”), sollten Sie innovative Lebensentwürfe und Arbeitszeit-Modelle sicherheitshalber nur dann ins Feld führen, wenn es unvermeidlich ist. Ist das Unternehmen erst einmal gegründet und der Zuschuss bewilligt, kann Ihnen niemand mehr dreinreden.

18. Darf ich einen Nebenjob annehmen?
Ja, so lange Ihre Selbstständigkeit der Hauptberuf bleibt, die Arbeitszeit in Ihrem Unternehmen nicht unter 15 Wochenstunden sinkt und Sie die Arbeitsagentur über Ihre Nebentätigkeit informieren, ist das erlaubt. Sie müssen weder Zuschusskürzungen befürchten noch Arbeitszeitnachweise führen. Da die Arbeitszeit im Nebenjob bei Bedarf über den Arbeitgeber feststellbar ist, darf deren Dauer nicht beliebig lang sein. Die Gesamtarbeitszeit sollte die im Arbeitsschutzgesetz genannten Obergrenze von 48 Stunden (zusammen mit Bereitschaftszeiten: 60 Stunden) auf keinen Fall überschreiten. Während ein 400-Euro-Job kaum zu Problemen führen dürfte, ist spätestens bei einer sozialversicherungspflichtigen Halbtagsstelle als Angestellter das kritische Limit erreicht. Weniger ist da oft mehr.

19. Muss ich Sozialversicherungsbeiträge zahlen?
Nein. Selbstständige unterliegen grundsätzlich nicht der Sozialversicherungspflicht. Im Unterschied zur Ich-AG sind auch keine obligatorischen Rentenversicherungsbeiträge fällig. Wenn Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben wollen (zum Beispiel wegen der kostenlosen Mitgliedschaft von Familienangehörigen), zahlen Sie den vollen Beitragssatz von zurzeit 12 bis 15 Prozent. Basis der Beitragsberechnung ist normalerweise der Gewinn nach Abzug der Einkommensteuer. Da der naturgemäß erst frühestens Mitte bis Ende des zweiten Geschäftsjahres vorliegt, helfen sich die Kassen zunächst mit einer fiktiven Berechnungsgrundlage. Die stellt zugleich die Basis des Mindestbeitrags zur Krankenversicherung dar.

Mit 1.225 Euro liegt diese Berechnungsbasis für Bezieher des Gründungszuschusses um ein Drittel niedriger als die für andere Selbstständige (1.837,50 Euro). Damit kommen Sie bei einem Kassen-Beitragssatz von zum Beispiel 13,5 % immer noch auf einen spürbaren Mindestbeitrag von 165 Euro im Monat. Rechnet man den Beitrag für die Pflegeversicherung von 20 bis 25 Euro hinzu, ergibt sich eine Belastung von rund 190 Euro. Sobald die Sonderkonditionen nach dem Ende der Zuschusszahlungen entfallen, beträgt der Mindestbeitrag automatisch 280 bis 300 Euro.

Angesichts dieses Kostenblocks ist der Wechsel in die private Krankenversicherung nahe liegend. Die locken vor allem jüngere, ledige und männliche Mitglieder mit günstigen Tarifen. Vor der Entscheidung für eine private Krankenversicherung sollten Sie einen genauen Konditionenvergleich anstellen: Anders als bei den gesetzlichen Kassen unterscheiden sich die Versicherungsbedingungen der privaten Anbieter nämlich beträchtlich. Denken Sie auch daran, dass Sie bei nicht ohne Weiteres in eine gesetzliche Kasse zurückkehren können. Das wächst sich vor allem für ältere Selbstständige oft zum Problem aus.

20. Gilt der Gründungszuschuss als Einkommen bei der Beitragsberechnung?
Überwiegend ja. Der dem Arbeitslosengeld entsprechende Teil wird als beitragspflichtiges Einkommen angesehen. Nur die “Sozialversicherungspauschale” von 300 Euro bleibt bei der Beitragsberechnung außen vor.

21. Muss ich den Gründungszuschuss versteuern?
Nein, der Gründungszuschuss ist steuerfrei und unterliegt auch nicht dem Progressionsvorbehalt bei der Einkommensteuer.

22. Mein Arbeitsplatz ist gefährdet: Bekomme ich den Gründungszuschuss, wenn ich mich selbstständig mache?
Nein. Den Gründungszuschuss können Sie nur beantragen, wenn Sie damit die Arbeitslosigkeit beenden. Sie müssen sich also mindestens für einen Tag arbeitslos melden. Aber Achtung: Bei Eigenkündigungen “winkt” eine Sperrzeit von drei Monaten.

23. Mein “Laden” läuft nicht: Kann ich mich wieder arbeitslos melden?
Ja, das ist jederzeit möglich. Der Gründungszuschuss wird dann eingestellt. Noch vorhandene Ansprüche auf Arbeitslosengeld können bis zu vier Jahre nach dem Eintreten der ursprünglichen Arbeitslosigkeit geltend gemacht werden. Da die Förderdauer neuerdings auf die Arbeitslosengeld-Ansprüche angerechnet wird, bleibt nach Ablauf der 15-monatigen Gesamtförderdauer allerdings in den meisten Fällen kein großer Restanspruch mehr übrig.

24. Lohnt sich die “Arbeitslosenversicherung für Selbstständige”?
In den meisten Fällen, ja. Mit knapp 40 Euro pro Monat erwerben Sie binnen eines Jahres Arbeitslosengeld-Ansprüche in Höhe von monatlich 750 Euro bis 1.300 Euro für die Dauer von zunächst sechs Monaten. Die Höhe der Leistungen ist dabei von der beruflichen Qualifikation abhängig.

25. Muss ich den Gründungszuschuss zurückzahlen, wenn’s schief geht?
Nein, müssen Sie nicht. Die Zahlung der Gründerbeihilfe ist nicht erfolgsabhängig. (Sie müssen ja auch das Arbeitslosengeld nicht zurückzahlen, wenn Sie keinen Job finden…

26. Und wo ist nun der Unterschied zwischen Gründungszuschuss, Ich-AG und Überbrückungsgeld?
Zunächst einmal überwiegen die Gemeinsamkeiten. Der neue Gründungszuschuss wird gezahlt, wenn Arbeitslose eine “selbstständige, hauptberufliche Tätigkeit” aufnehmen und so ihre Arbeitslosigkeit beenden. Die Beihilfe ist als Beitrag zum Lebensunterhalt und zur sozialen Sicherung gedacht. Die Bewilligung ist weiterhin an die Tragfähigkeitsbescheinigung einer fachkundigen Stelle geknüpft. Anders als bei der Ich-AG entfällt die Gewinn-Obergrenze von 25.000 Euro pro Jahr. Außerdem fließt der Gesamtzuschuss in einem kürzeren Zeitraum. Da sich die Zuschusshöhe überwiegend am bisherigen Arbeitslosengeld orientiert, sind Besserverdienende im Vorteil. Den maximalen Ich-AG-Förderbetrag von 14.400 Euro erreicht man mit dem Gründungszuschuss erst ab einem Arbeitslosengeld von monatlich 1.100 Euro aufwärts. Im Gegenzug ist dafür die Rentenversicherungspflicht entfallen, durch die bislang beträchtliche Teile der Ich-AG-Beihilfe gleich wieder einkassiert wurden.

Sieht man vom 300-Euro-Fixum und einem Sondertarif bei der gesetzlichen Sozialversicherung ab, entspricht der Gründungszuschuss weitgehend dem bisherigen Überbrückungsgeld – und fließt sogar drei Monate länger. Anders als beim Überbrückungsgeld ist künftig aber der direkte Übergang aus dem Angestelltendasein in die (geförderte) Selbstständigkeit nicht mehr möglich. Der größte Wermutstropfen ist die Anrechnung der Förderdauer auf den verbliebenen Arbeitslosengeld-Anspruch. Außerdem wurden die Zugangsvoraussetzungen durch die Möglichkeit einer persönlichen “Eignungsprüfung” und den verlangten 90-tägigen Restanspruch auf Arbeitslosengeld verschärft. ™

Erstveröffentlichung 03. und 08.08.2006

Lukas Schlömer

ist ein bekannter Fachautor, der für Dr. Web unter Pseudonym schreibt.

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2 Kommentare auf "Förder-FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Gründungszuschuss"

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Sebastian
Gast

Hallo,

ich brauche mal hilfe.

Bin seid drei Jahren selbstständig und es läuft nicht habe schon viele schulden gemacht aber möchte mein gewerbe behalten.
Habe gehört wenn ich meine Finger hebe kann ich wieder neues gewerbe anmelden und vom Arbeitsamt die Förderung bekommen.
Stimmt das?????

Wäre nett wenn mir einer hefen könnte

Danke

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