Flattr 2.0: Geld verdienen mit deinem Web-Content

Redaktion Dr. Web

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Flattr kennst du vielleicht schon. Das neue Flattr 2.0 kennst du wahrscheinlich noch nicht. Es ist total anders.

Früher: aktive Monetarisierung von Web-Inhalten mit Flattr

Flattr. Das war eine schöne Idee, damals. Inhalteanbieter konnten auf ihren Seiten einen sogenannten Flattr-Button einbauen und Besucher konnten per Klick auf diesen Button Kleinst- und Kleinbeträge an den jeweiligen Inhalteanbieter “spenden”.

So sollte das Problem der Monetarisierung aufwändig erstellten Contents über die schiere Zahl der teilnehmenden Netznutzer gelöst werden. Werbung hätte überflüssig werden können, hätte der Ansatz sich durchgesetzt.

Tatsächlich hatte Flattr insbesondere in Deutschland einen kleinen Zeitraum, in dem man von so etwas wie Hype vorsichtig sprechen konnte. Längerfristig ist das Interesse, sowohl seitens der Anbieter, wie auch seitens der potenziellen Zahler schnell wieder erlahmt.

Flattr 2.0: Landing Page

Anbieter konnten kaum spürbare Einnahmen erzielen, Nutzer fanden nicht genügend Ziele für das Flattrn, also das Abgeben von Spenden an Inhalteanbieter. Insgesamt krankte das System an zu wenigen Teilnehmern auf beiden Seiten und damit an zu wenig Geld im Umlauf.

Heute: neuer konzeptioneller Ansatz setzt auf Automatisierung durch Algorithmen

2017 ist das Jahr, in dem Flattr das Ruder herumreißen will. Der Dienst hat sich vollständig neu erfunden und dabei kaum einen Stein auf dem anderen gelassen.

Geblieben ist nur das grundlegende Konzept. Netznutzer sollen Inhalteanbieter unkompliziert für deren Inhalte vergüten können. Die Umsetzung indes hat sich radikal verändert.

Anstatt auf Buttons, deren Einbau und das willentliche Klicken auf selbige zu setzen, funktioniert das neue Flattr 2.0 ausschließlich auf der Basis von Algorithmen. Nicht mehr der Inhalteanbieter baut Buttons auf all seinen Inhalten ein, sondern der Nutzer installiert einmalig eine Chrome-Extension oder ein Firefox-Addon in seinem Desktoi-Browser. Mobiles Flattrn ist (noch) nicht möglich.

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Ob man durchs Flattrn nun zum Held wird, mag diskutabel sein. (Grafik: Flattr)

Gekoppelt an einen Flattr-Nutzeraccount, der per Kreditkarte alle dreißig Tage mit einem vom Nutzer wählbaren Betrag aufgeladen wird, speichert die Browser-Extension nun jede besuchte URL nebst weiterer Parameter, dabei vor allem die Verweildauer und die Zahl der besuchten Seiten.

Auf der Gegenseite, also beim Empfänger, ist ein korrespondierender Flattr-Account erforderlich. Der Inhalteanbieter meldet seine Domains und sozialen Profile (Twitter und YouTube) bei Flattr an und fertig. Mehr ist auf der Seite des Flattr-Empfängers nicht zu tun.

Trifft der Netznutzer nun während seiner Surfgänge auf Seiten, die bei Flattr angemeldet sind, so werden diese Seiten bei der Verteilung des monatlichen Budgets einbezogen. Flattr hat seinen diesbezüglichen Algorithmus so eingestellt, dass die Verweildauer auf einer einzelnen Seite, aber auch das Durchstreifen der Website über eine zusammenhängende Strecke von mehreren Seiten mit jeweils kürzerer Verweildauer bei der Berechnung der Zahlung an den Inhalteanbieter berücksichtigt wird.

Der Netznutzer hat dabei jederzeit die volle Kontrolle über den Algorithmus; zumindest im Nachhinein. Denn jeder Flattr-Vorgang wird im Backend des Accounts dargestellt. Stellt der Nutzer bei der Betrachtung der erteilten Flattrs fest, dass dort Inhalte berücksichtigt sind, die er keinesfalls unterstützen möchte, so kann er die vorgesehenen Flattrs per Klick entfernen. Das geht bis zum Ende der Auszahlungsperiode jederzeit, danach naheliegenderweise nicht mehr. Es empfiehlt sich also, gelegentlich mal den Flattr-Account zu checken und die Verteilung der eigenen Gelder manuell anzupassen.

Die Browser-Extension arbeitet dabei weitestgehend lokal. Sie sendet also nicht sämtliche erfassten Daten an die Flattr-Server. Die Betreiber des Dienstes versprechen auch hinsichtlich der erhaltenen Daten auf dem Server die Privatsphäre zu wahren und die Daten insbesondere nicht zu anderen Zwecken als zur Flattr-Abrechnung zu verwenden oder gar an Dritte weiterzugeben.

Trifft der Nutzer bei seinem Surfgang auf Inhalte, deren Anbieter sie nicht bei Flattr angemeldet hat, werden diese dennoch bei der Verteilung berücksichtigt. Das spricht dafür, dass es die volle Online-Rückkoppelung zwischen lokalem Tracking und serverseitiger Abrechnung wirklich nicht gibt. Erst zum Ende der Auszahlungsperiode sortiert der Server die Inhalte, denen kein Flattr-Account hinterlegt ist, wieder aus. So ist sichergestellt, dass der volle Subskriptionsbetrag tatsächlich an teilnehmende Inhalteanbieter verteilt wird.

Für die Bereitstellung des Dienstes nimmt Flattr 7,5 Prozent des Umsatzes als Gebühr. Der eingesetzte Zahlungsanbieter zieht weitere 9 Prozent ein. Von 20 Euro blieben also 16,70 Euro zur Verteilung.

Internationalisierung durch Umstellung auf Dollar

Wurde Flattr bislang stets mit der Währung Euro betrieben, so ändert sich das mit Version 2 ebenfalls. Flattr stellt auf US-Dollar um. Das ist auf jeden Fall der richtige Schritt für eine schnellere Globalisierung des Angebots. Neben der jeweiligen heimischen Währung kennt der typische Netznutzer am wahrscheinlichsten stets den Umrechnungskurs zum Dollar. So ist der finanzielle Einsatz für jedermann leicht einzuschätzen.

Wie bereits erwähnt, verteilt Flattr die Subskriptionsbeträge ausschließlich an jene Inhaltsanbieter, die ihre Inhalte bei Flattr angemeldet haben. Da ist es gut, dass bei Flattr auch jene URLs landen, deren Anbieter noch nicht angemeldet sind. Denn jeder Kaltakquisiteur würde sich nach solchen Daten die Finger lecken:

“Schauen Sie mal, Anbieter X, im letzten Monat hätten sie soundsoviel Dollar von Flattr-Nutzern erhalten können, wenn Sie Ihre Inhalte angemeldet hätten. Ich zeige Ihnen gerade mal die Statistik, ja?”

Den Flächenerfolg vorausgesetzt, kann es kaum eine leichtere Nutzenargumentation für den Ausbau des Anbieternetzwerks geben.

Zusätzliches Einnahmepotential durch Anmeldung. Risiko: keins. (Grafik: Flattr)

Interessant für Inhalteanbieter ist weiterhin, dass Flattr die Abrechnungsperiode jetzt stets mit 30 Tagen ab Subskriptionsbeginn berechnet und nicht mehr zum Ende des Kalendermonats. So ist ein potenziell stetiger Fluss an Einnahmen denkbar, wobei zu beachten ist, dass jede Auszahlung mit einer Gebühr von drei US-Dollar belegt ist. Kleinere Beträge wird der Anbieter dann erst einmal kumulieren wollen. Die Untergrenze für eine mögliche Auszahlung ist ohnehin auf zehn US-Dollar festgelegt.

Flattrs Zukunft liegt in den Händen der Konsumenten

Die Zukunft des neuen Flattr liegt vor allem in den Händen der Netznutzer, also der Konsumenten. Finden sich genügend Personen, die bereit sind, ihre Surfgänge über die Flattr-Browsererweiterungen tracken zu lassen, wird die Zahl der teilnehmenden Anbieter sich eher über kurz als über lang erhöhen. Da werden die bereits erwähnten Statistiken eine Rolle spielen.

Wird der Support da sein? (Grafik: Flattr)

Da Flattr mit Tracking-Methoden arbeitet, ist der Erfolg davon abhängig, ob es gelingt, bestehende, individuelle Datenschutzbedenken zu beseitigen. In der Breite dürfte das kein Problem darstellen. Immerhin gibt die Mehrzahl der Nutzer ohnehin schon viel mehr Daten an Drittserver ab, als man vernünftigerweise befürworten würde. Das gesamte Geschäftsmodell von Facebook basiert darauf. Bestimmte Zielgruppen werden sich wohl weniger gut erreichen lassen.

Für den Inhalteanbieter ist Flattr lediglich eine weitere Möglichkeit, zu Einkünften zu gelangen. Da Flattr keinerlei Exklusivität verlangt oder besondere technische Anforderungen stellt, spricht wenig bis gar nichts dagegen, seine Angebote dort anzumelden.

Redaktion Dr. Web

Unter der Bezeichnung “Redaktion Dr. Web” findest du Beiträge, die von mehreren Autorinnen und Autoren kollaborativ erstellt wurden. Auch Beiträge von Gastautoren sind hier zu finden. Beachte dann bitte die zusätzlichen Informationen zum Autor oder zur Autorin im Beitrag selbst.

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