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Dieter Petereit 29. Juni 2017

Facebook kann jetzt Haushalte identifizieren und mit Werbung bestücken

Das blaue Netzwerk hat sei­ne Spionage, äh Targeting-Möglichkeiten wei­ter aus­ge­baut und ist jetzt in der Lage, für Werbetreibende sogar ande­re Mitglieder dei­nes Haushaltes als dich selbst ins Visier zu neh­men.

Tools to Drive Discovery” über­schreibt der blaue Schnüffler einen aktu­el­len Eintrag auf Facebook Business. Darin stel­len die Kalifornier mit stolz geschwell­ter Brust ihre neu­en Möglichkeiten der Auslieferung maß­ge­schnei­der­ter Werbung an ihre ahnungs­lo­sen Nutzer vor.

Hoffentlich ist dein Sohn charakterlich gefestigt

Danach ist Facebook in der Lage, dei­ne Familienbande zu ermit­teln und Werbung künf­tig an die gan­ze Familie aus­zu­spie­len. Man hat näm­lich fest­ge­stellt, dass man­che Kaufentscheidungen nicht von jenen getrof­fen wer­den, die das Geld haben, son­dern von jenen, die das bewor­be­ne Gut oder die bewor­be­ne Dienstleistung haben wol­len.

Das betrifft ver­schie­de­ne Produkte und Dienstleistungen. Vorstellbar wären etwa Reisen oder Spielwaren. Plötzlich wirst du nicht nur von Facebook mit dem Produkt X kon­fron­tiert, son­dern auch von dei­nem Sohn, der sel­ber die­sel­be Facebook-Ad gese­hen hat und dir nun Dampf macht. Oder dei­ne Tochter schlägt dir das glei­che Reiseziel vor, das du eben bei Facebook vor die Nase gehal­ten bekamst.

Kuck mal Papa. Ist das nicht schön? (Quelle: Facebook)

Werbetreibende kön­nen sol­che Kampagen ab sofort in den Vereinigten Staaten star­ten. Andere Regionen der Welt wer­den im nächs­ten Jahr in den zwei­fel­haf­ten Genuss der neu­en Features kom­men.

Und wieder mit Opt-Out

Natürlich beach­tet Facebook bei den Haushaltskampagnen ganz akri­bisch die Privatsphäre der betrof­fe­nen Werbeempfänger, sagen sie. Immerhin kannst du unter “Ad Preferences” den Haken bei “mem­ber of a fami­ly-based house­hold” raus­neh­men.

Mal schau­en, ob sie das in Deutschland auch so regeln oder ob sie hier kon­form blei­ben und uns auf­for­dern, die Zustimmung zur Erfassung im Rahmen eines Haushalts expli­zit zu geben. Da das ja kei­ner frei­wil­lig täte, gehe ich eher davon aus, dass die Funktion wie­der ein Fall für den Verbraucherschutz wird.

Statistikfunktionen, über die sich Mielke gefreut hätte

Werbetreibende kön­nen sich zusätz­lich über die erwei­ter­te Statistik-Funktion freu­en, die ihnen einen ast­rei­nen Überblick dar­über ver­schafft, wie ihre Anzeigen über die erreich­ten Haushalte per­for­men. Mit mathe­ma­ti­schen Verfahren kön­nen Werbetreibende auch einen Eindruck dar­über gewin­nen, wie wohl letzt­lich die Konversion zustan­de gekom­men ist, unab­hän­gig davon, wer letzt­lich die Anzeige gese­hen hat.

Facebook endet den furio­sen Ankündigungsbeitrag mit den Worten:

Our goal is to con­ti­nue sup­por­ting busi­nes­ses with tools and tips throughout the year. We look for­ward to hel­ping you maxi­mi­ze what is sure to be the most mobi­le holi­day sea­son yet.

Siehst du da ein Wort über Benutzer? Nein, ist auch rich­tig so. Facebook ist wie Privatfernsehen. Die zei­gen auch nur gute Filme, weil sonst kei­ner die Werbung schau­en wür­de. Und im Gegensatz zu Fernsehsendern muss Facebook für sei­ne Inhalte nicht mal was bezah­len. Ein kugel­si­che­res Geschäftsmodell…

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

4 Kommentare

  1. Werbung: Die Pest des 21. Jahrhunderts.

  2. Milke war ein Amateur – im Vergleich zu dem, was heu­te abläuft. Ich glau­be, selbst Orwell hat die mög­li­che Subtilität der Kontrolle unter­schätzt. Es scheint aber auch (fast) kei­nen zu inter­es­sie­ren.

    • Seltsam, nicht wahr? Das öffent­li­che Interesse an die­sen Vorgängen ist gleich null.

      • Dafür das fach­li­che … ;)
        Das schweisst doch die Familienbande zusam­men. Und mal ehr­lich frü­her, als es nur eine über­schau­ba­re Anzahl Fernsehsender gab hat die gan­ze Familie den glei­chen Werbeblock kon­su­miert. Die gros­se Diversität der Medienlandschaft braucht also sol­che Mittel um den alten Effekt zu pro­du­zie­ren, sich sozi­al nahen­ste­hen­den Personen ein ähn­li­ches Werbeumfeld zu prä­sen­tie­ren. Die Mädels und Jungs beim blau­en Riesen machen da einen sehr guten Job, wems nicht gefällt der holt sich sei­ne Inhalte halt über die Doppelente etc. …

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