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Facebook? Interessiert mich nicht!

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Der Slogan der Website The Maple Kind lautet “Where infographics meet comics and bullshit!” Der einzige Antrieb hinter der Website ist es nach eigenen Angaben, deren Besucher zum Kichern zu bringen. Unter diesen Vorzeichen ist die folgende Infografik zu betrachten. The Maple Kind trägt darin durchaus überzeugend vor, warum Facebook dringend einen zusätzlichen Button mit der Aufschrift “I Don’t Care” (“Interessiert mich nicht”) benötigt. Ehrlich gesagt, so bullshitty finde ich die Argumentationsführung nicht. Zumal ich Facebook ohnehin für eine der schlechtesten Erfindungen halte, die die zivilisierte Gesellschaft erdulden muss…

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Facebook: Gar nicht mal so interessant

Was waren wir doch zunächst alle erfreut, als Facebook sich durchsetzte. Man konnte sich mit längst vergessenen Freunden und Bekannten erneut vernetzen, die ganze Bekanntschaftshistorie quasi resetten und ganz von vorn beginnen. Brieffreundschaft 2.0.

Zu Beginn mag das ja auch noch ganz gut funktioniert haben, dann jedoch wurden die Freunde immer mehr und die Grenzen wurden fließend. Nur Leute mit eiserner Disziplin haben heute bei Facebook nur noch wirkliche Freunde in ihren Listen, wobei Freunde ohnehin vom Start weg der falsche Begriff war. Die allermeisten Facebook-Kontakte würde man wohl, selbst wenn man sie aus dem echten Leben kennt, was ja beileibe nicht mehr unbedingt die Regel ist, nicht als Freunde bezeichnen. Bekannte, Kollegen, Kommilitonen, okay – aber Freunde?

“Ist doch egal, wie man das nennt”, mögen Sie jetzt einwenden. Das allerdings finde ich nicht. Ich sehe an meinen Kindern ganz deutlich, wie die Bedeutung des Wortes erodiert. Hinz und Kunz ist plötzlich “Freund”. Ungefähr einmal im Monat erläutere ich meinen Kids wie ein Oberlehrer, was eigentlich eine Person ausmacht, die man wirklich als Freund bezeichnen sollte. Es geht ihnen inzwischen schon auf die Nerven. Mir wurscht, ich ziehe das durch…

Ich schweife ab. The Maple Kind bringt es auf den Punkt, auf mehrere Punkte eigentlich, aber sei’s drum. Wie geht es Ihnen, wenn Sie Ihre Facebook Wall durchscrollen?

Die Chancen stehen gut, dass es Ihnen ähnlich geht, wie dem Ersteller der folgenden Infografik. Der nämlich behauptet, dass Facebook-Inhalte zu 75% völlig irrelevantes Zeug darstellen, für dass sich niemand interessiert, vom Inhalte-Ersteller mal abgesehen. Wie oft haben Sie schon einen Button gesucht, auf dem nicht “Gefällt mir” steht?

The Maple Kind hat eine ganze Menge von Beispielen zusammen gestellt, bei denen mindestens ein “Interessiert mich nicht!”-Button angemessen wäre. Ich wette, Sie finden sich in so manchem Beispiel wieder.

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Ich persönlich nutze Facebook inzwischen so gut wie gar nicht mehr. Ich kann wegen der Administration einiger Brand-Pages nicht ganz aussteigen. Für mich jedoch stellt der Dienst das genaue Gegenteil dessen dar, was er irgendwann einmal vorgab zu sein. Er ist kein Netzwerk, dass die Menschen näher aneinander bringt, sondern er ist ein Dienst, der soziale Nähe durch digitale Distanz ersetzt. Sowohl der Begriff “sozial”, wie auch der Begriff “Nähe” werden dabei auf der Strecke bleiben. Der Begriff “Freund” ist ja jetzt schon tot.

Dennoch, viel Spaß mit der Infografik…

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(Quelle: The Maple Kind)

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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9 Kommentare auf "Facebook? Interessiert mich nicht!"

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[…] – sind, habe ich inzwischen verstanden. Ein Stückchen zumindest. Auch wenn sich der ‚Interessiert-mich-nicht-Button‘ noch nicht etabliert hat, so nach und nach schält sich für mich Relevantes aus der Masse. Oder […]

Bastian Schröder
Gast

Na dann bin ich ja erleichtert! Nicht normal sei meine Facebook abstinenz, hatte ich schon zu hören bekommen. 🙂

Bin selbst schon seit dem 14 Lebensjahr im Internet unterwegs, also seit 1994 und bin wirklich offen für neues. Das F-Büchlein hat mich jedoch nie angesprochen…

Und es ist schöhn zu sehen, dass ich damit nicht alleine bin.

Franziska
Gast

Toller Beitrag! Ich dachte immer, es läge an mir und meinen echten Freunden. Die haben mich nämlich auf Facebook allein gelassen. Fremde und ehemalige Mitschüler fünfzigsten Grades anzugraben, um Freund sein zu dürfen, war mir zu fremd. Facebook-‘Alternativen’ werden hoffentlich weiter immer attraktiver…

Ino
Gast

Grandioser Artikel. Spricht mir tief aus der Seele und das obwohl ich niemals einen FBaccount hatte. Weder Fake, noch real… Und dies wird auch ganz bestimmt so bleiben :3

Peter Müller
Dr. Web Crew

Wo ist denn hier der “Gefällt mir”-Button?

Sowohl dein Text als auch die Infografik. Das werde ich gleich mal in meiner Chronik posten 😉

ati
Gast

“Was waren wir doch zunächst alle erfreut, als Facebook sich durchsetzte.” Nicht alle. 😉

Hans
Gast

Mir egal.

Alfred T.
Gast

Ich hab einen Fake-Account bei Facebook. Und den nutze ich nur, um mich gelegentlich über stilistischen und grammatikalischen Blüten meines Arbeitgebers zu amüsieren.

Fumar Porros
Gast
Also ehrlich gesagt, hab` ich nie wirklich verstanden, was Millionen von Leuten dazu bewegt, Ihre Persönlichkeit auf einer Datensammelseite auszubreiten… Ständige Aufforderungen, mir unbekannte Personen zu meinen Freunden hinzuzufügen, meine E-Mails nach Freunden zu durchsuchen oder auf “Lieblingsseiten” zu klicken empfinde ich ganz sicher nicht als sozial, sondern als nervige Bevormundung. Der einzige Grund, warum ich überhaupt bei FB bin, sind die zwei Leute in meiner Freundesliste, die ich tatsächlich kenne. Die anderen drei sind Pseudo-Freunde, die mich angeklickt haben und wo ich so für mich dachte, das es nicht schaden kann, FB ein wenig zu verwirren. Aus dem gleichen… Read more »