Dieter Petereit 17. Januar 2018

Elementor: Dieser WordPress Page-Builder ist dein neues Design-Tool

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Der recht junge Page-Builder Elementor für WordPress kann bereits fast 400.000 aktive Installationen für sich verbuchen. Ich habe mir den Senkrechtstarter für dich angesehen.

Erst runde zwei Jahre ist er alt, der Page-Builder aus dem Hause Pojo Me Digital Ltd. Seitdem hat sich das Plugin etabliert und gehört zu den Marktführern dieser recht überschaubaren Branche.

Page-Builder-Plugins, die Homepage-Baukästen für WordPress

Page-Builder für WordPress entsprechen in weiten Teilen dem Konzept des klassischen Homepage-Baukastens, nur eben bezogen auf die Verwendung innerhalb des meistgenutzten CMS der Welt. Wie in einem Homepage-Baukasten klickst du Seiten Element für Element zusammen und befüllst die Elemente danach mit Inhalten. Dafür sind keine Code-Kenntnisse und ebenso wenig Designkenntnisse erforderlich. Beides ist allerdings hilfreich.

Page-Builder sind nicht zu verwechseln mit Themes, obwohl sie prinzipiell die gleiche Aufgabe erfüllen. Während ein Theme eine statische Schablone für die Anzeige deiner Inhalte ist, die nur eingeschränkt über den WordPress-Customizer verändert werden kann, bietet dir ein Page-Builder eine weitaus höhere Flexibilität, was die Gestaltung und Präsentation deiner Inhalte betrifft.

Um die Verwirrung komplett zu machen, sollte aber durchaus erwähnt sein, dass du auch weiterhin ein Theme benötigst, um einen Page-Builder nutzen zu können. Die Standard-Themes aus WordPress eignen sich gut.

Elementor: Von Null auf 400.000 Installationen in etwas mehr als einem Jahr

Elementor startete im Jahr 2016 unter der Open-Source-Lizenz, was für ein Plugin dieser Art überaus ungewöhnlich war. So verwundert es nicht, dass Elementor vom Start weg eine hohe Aufmerksamkeit und ein entsprechendes Wohlwollen entgegengebracht wurde, zumal der Hersteller Pojo versprach, dass sich an der Kostenfreiheit auch nachhaltig nichts ändern würde.

Die Entwicklung schritt rasant voran. Im wöchentlichen Rhythmus wurden neue Features implementiert. Der Funktionsumfang lässt heutzutage kaum Wünsche offen. Seit einiger Zeit bietet Pojo eine kommerzielle Variante des Page-Builders unter dem Namen Elementor Pro an. Neue Features werden seitdem für die kostenfreie Version, wie auch für die kommerzielle Version entwickelt. Pojo scheint Wort zu halten. Auch die kostenlose Version wird weiterhin mit neuen Features versorgt.

Theme-Entwickler können die kostenlose Version in ihre Angebote integrieren, während die Pro-Version nur vom Endkunden erworben werden kann. Pojo selbst ist dabei nicht nur Entwickler von Elementor, sondern auch selbst im Vertrieb von Schlüsselfertig-Themes unterwegs. In eben jene Themes integriert das Unternehmen logischerweise ebenfalls seinen eigenen Page-Builder.

Elementor: Installation und Inbetriebnahme

Elementor wird wie jedes andere Plugin installiert. Da es im Repository bereit steht, kannst du es es sogar direkt aus dem WordPress-Backend installieren und aktivieren. Aktuell ist die Version 1.9.0 vom 9. Januar 2018.

Einmal in Aktion, erkennst du die Verfügbarkeit des Page-Builders am prominenten Button oberhalb des Text-Editorfensters.

Dieser prominente Button startet den Editor. (Screenshot: Dr. Web)

Links in der Seitennavigation findest du einen Hauptmenüpunkt namens Elementor. An dieser Stelle setzt du globale Einstellungen und hast Zugriff auf alle einmal angelegten Templates. Werkzeuge zu Wartungszwecken und eine System-Information der wichtigsten Parameter unserer WordPress-Umgebung runden den Leistungsumfang ab.

Elementors eingängiges Bedienkonzept

Betätigst du in Beiträgen oder Seiten den bereits genannten Button, so öffnet sich bildschirmfüllend ein Bearbeitungsfenster.

Elementor bei der Arbeit in einem Beitrag. (Screenshot: Dr. Web)

Die Designelemente des zugrundeliegenden Themes werden unverändert und unveränderbar angezeigt. Im abgebildeten Beispiel wirken sich alle Änderungen, die mit Elementor gemacht werden können, ausschließlich auf den für den Beitrag vorgesehenen Raum aus. So könntest du individuelle Beiträge in einer Art und Weise aufwerten, wie man es sonst nur von Printmagazinen kennt.

Die Vorlagen kannst du direkt aus dem Editor nutzen. (Screenshot: Dr. Web)

Wenn dir die eigenen Ideen fehlen, entscheidest du dich für eine der über 100 vorgefertigten Vorlagen. Diese Vorgehensweise empfiehlt sich auch für Einsteiger, denn die einmal eingefügte Vorlage bleibt ja voll bearbeitbar. Auf diese Weise lernst du am lebenden Objekt, wie welches Ergebnis erzielt werden kann. Einen Überblick über all verfügbaren Templates verschaffst du dir in der Template Library.

Elementor kommt mit einem ganzen Haufen professioneller Vorlagen. (Screenshot: Dr. Web)

Neben den Standard-Features, wie dem Einfügen von Texten, Bildern oder Videos, liefert Elementor eine breite Palette weiterer Elemente mit. Darunter finden sich Akkordeons, Slider, Karusselle, Medieneinbindungen oder Tabs. Ebenfalls kannst du aber auf die WordPress-Standards, wie neueste Beiträge, neueste Kommentare und so weiter, zugreifen.

Erscheint ein Design zufriedenstellend, so kannst du es über ein kleines Screen-Icon unten rechts in verschiedenen Auflösungen testen. Zur Verfügung stehen Desktop, Tablet und Smartphone, wobei sich Elementor an die hergebrachten Breakpoints, so etwa 360 Pixel für Smartphones, hält.

Wenn du willst, dass das Layout die Standardansicht des Themes durchbricht, musst du in den Attributen des Beitrags oder der Seite, anstelle des Standardwertes „Standardtemplate“ unter „Template“ den Wert „Elementor Canvas“ wählen.

Ein einfache Änderung der Auswahl zieht massive Auswirkungen nach sich. (Screenshot: Dr. Web)

Elementor wurde mit Hilfe der Community in verschiedenste Sprachen übersetzt. Deutsch ist auch darunter.

Mich begeistern besonders zwei aktuelle Neuheiten, die die Bedienung des Page-Builders schon fast revolutionieren. Die eine Neuerung hört auf den Namen History und stellt eine vollwertige Undo-/Redo- und Revisionshistorie bereit. Das ist besonders dann praktisch, wenn du einem Zeitpunkt X merkst, dass du schon zu einem Zeitpunkt P einen Fehler gemacht hast. Anstatt von vorn zu beginnen, greifst du einfach zu Elementors Undo und setzt den Bearbeitungsstand auf die letzte Version vor dem Fehler zurück. Mit Redo kannst du eine Aktion hingegen wiederholen.

Elementors History-Funktion hilft dir bei der Fehlerbeseitigung. (Screenshot: Elementor)

Die zweite Neuerung ist das Inline-Editing. Unter Inline-Editing in Elementor-Wording ist zu verstehen, dass du Texte direkt im Frontend bearbeiten, also erstellen und ändern kannst. So bekommst du ein viel besseres Gefühl für die Optik deines Content und wirst dich dabei erwischen, dass du öfter als bisher versuchst, (typo)grafische Ideen umzusetzen.

Was passiert, wenn du Elementor deaktivierst?

Page-Builder gehören zu denjenigen Plugins, die nicht einfach mal eben wieder deinstalliert werden können. Natürlich hindert dich nichts an dieser Maßnahme, nur wirst du dich danach ganz sicher wundern, was mit der Gestaltung deiner Website passiert ist.

Die meisten am Markt befindlichen Page-Builder arbeiten mit Shortcodes, die sie in die Inhalte einbetten. Deinstallierst du ein solches Plugin, bleiben alle Shortcodes erhalten, ergeben aber für WordPress keinen Sinn mehr und zerstören so deine Inhalte. Wieder andere Plugins lassen zwar ihre Shortcodes nicht stehen, nehmen dafür aber alle Inhalte, die innerhalb des Builders entstanden sind, mit in den Orkus.

Elementor ist da ein regelrecht vorbildlicher Vertreter seiner Zunft. Zwar verlierst du auch nach der Deaktivierung von Elementor das gesamte Layout, die Inhalte jedoch bleiben als reines HTML erhalten. Das sieht nicht mehr ganz so schick aus, funktioniert aber noch.

Page-Builder bauen eigentlich gar keine Pages

Solltest du glauben, dass ein Page-Builder ein Layout generiert, das danach unabhängig von diesem Page-Builder fort existiert, so täuscht du dich ganz gewaltig. Deshalb ist die Entscheidung für einen Page-Builder weitreichend, denn auch ein Wechsel ist nicht ganz trivial.

Das liegt daran, dass Page-Builder eben keine Themes, sondern Plugins sind. Hier wird zur Laufzeit ein Gerüst aufrechterhalten, das keinen statischen Unterbau hat, so wie es etwa ein Theme hätte. So betrachtet, bauen Page-Builder eigentlich keine Pages, sondern stellen lediglich eine Art Präsentationsschablone, die bei Bedarf angewendet wird.

Deshalb kannst du generell mit einem Page-Builder keine optimalen Ladezeiten erreichen. Da sind Themes von der Grundkonzeption her immer ein Stück schneller. Fairerweise ist zu sagen, dass Elementor hier mit einem Datenoverhead von runden 144 Kilobyte und acht CSS- und JS-Dateien keinen übermäßig großen Fußabdruck setzt.

Auch die Aussage, Page-Builder würden generell mit jedem Theme arbeiten, ist mit Vorsicht zu genießen. Natürlich soll eine solche Aussage lediglich die Hemmschwelle senken und so suggerieren, dass man sich eben gerade nicht bindet, so man sich für ein Produkt entscheidet. Stimmen tut das nicht.

Immer mehr Theme-Entwickler bündeln ihre Themes mit einem Page-Builder. Das wirkt natürlich zunächst höchst komfortabel, hat aber neben den genannten Nachteilen auch jenen, dass die Nutzer solcher Kombinationen sich außerhalb des WordPress-Standards bewegen, was sie weniger flexibel im weiteren Umgang mit dem System werden lässt.

Integration: Page-Builder sind eine eigene Welt

Designer werden sich zu Recht daran stören, dass Page-Builder stets mit ihrer eigenen Designphilosophie aufwarten. Die Bedienung dieser Aufsätze hat mit der Bedienung von WordPress ansonsten nicht mehr viel zu tun. Konsistent ist das nicht. Designentscheidungen des WordPress-Teams, die sicherlich aus guten Gründen erfolgen, werden über den Haufen geworfen. Als Verwender sind wir darauf angewiesen, dem Plugin-Hersteller zuzutrauen, eine gute Usability zu entwerfen.

Glücklicherweise ist das Risiko, nach einer Weile der Nutzung auf irgendwelche Dealbreaker zu stoßen, bei Elementor gering, denn das Plugin ist in seiner Grundversion kostenlos verfügbar. So kannst du es auf Herz und Nieren testen, bevor du dich endgültig entscheidest. Teste es vor allem nicht auf deiner Live-Website.

Fazit: Wenn Page-Builder, dann Elementor

Im Vergleich zu anderen Vertretern der Zunft der Page-Builder ist Elementor eines der sanftesten Exemplare. Bedenken musst du, dass das Wechseln zwischen verschiedenen Page-Buildern mit hohem Aufwand verbunden ist. So verlierst du etwa das Layout, wenn du dich irgendwann gegen Elementor entscheiden solltest.

Damit will ich keineswegs sagen, dass Elementor eine schlechte Wahl ist. Das Gegenteil ist der Fall. Die Erwägungen sind eher grundsätzlicher Natur. Wenn du dich entschieden hast, einen Page-Builder verwenden zu wollen, dann ist Elementor das Plugin der Wahl.

Enthusiastisches Feedback auf Elementor.com (Screenshot: Dr. Web)

Diese Einschätzung lässt sich über das User-Feedback im Netz verifizieren. Kritische Stimmen zu Elementor sind eher selten, während Begeisterung und Sympathie für das Produkt offen zutage treten. Nach Angaben des Herstellers wird vor allem die Arbeitsgeschwindigkeit, die Kompatibilität zu bestehenden Themes, die Vielfalt an fertigen Templates und das flexible Editing gelobt.

Erweiterte Funktionalität mit Elementor Pro

Neben der kostenlosen Variante gibt es Elementor Pro, das mit exklusiven Features auf potenzielle Poweruser abzielt. Elementor Pro ist eine Erweiterung des kostenlosen Plugins und kann einfach ergänzend installiert werden. Danach arbeitest du nahtlos an deinen Designs weiter, aber mit erweiterten Features.

Elegantes Such-Design für deine WordPress-Site. (Screenshot: Elementor)

Mit der Pro-Version erhältst du komfortable Möglichkeiten, WooCommerce-Elemente in Elementor-Layouts zu integrieren. Das geht in der kostenfreien Variante nicht. Zudem hast du Zugriff auf die stetig wachsende Zahl an Widgets, die sich funktional auf die komplette Seite auswirken, wie etwa das Search Widget oder das Menu Widget. Auch das Widget Animated Headline, mit dem du den populären Text-Flip-Effekt, bei dem sich eigentlich feste Textbestandteile austauschen lassen, sowie der Live-Formular-Editor, ist den Pro-Nutzern vorbehalten. Wenn du dich im Detail über die Unterschiede zwischen Free und Pro unterrichten willst, solltest du diese Übersicht besuchen.

Das Menu Widget in Aktion. (GIF: Elementor)

Die Kosten für die Pro-Version beginnen bei 49 US-Dollar im Personal-Tarif für eine Jahres-Lizenz auf einer Domain. Für 99 US-Dollar kannst du Elementor auf drei und für 199 US-Dollar auf unbegrenzt vielen Domains einsetzen. Das Feature-Set ansonsten ist bei allen drei Plänen identisch. Die Jahres-Lizenz versteht sich dabei so, dass du ein Jahr lang alle Updates nebst Support in Anspruch nehmen kannst. Nach Ablauf des Jahres könntest du nur eine langsam veraltende Version weiter verwenden, aber immerhin das.

Große Pläne für 2018

Was besonders an Elementor auffällt, neben den bereits genannten Aspekten, ist die hohe Innovationsgeschwindigkeit der Entwicklung. Es vergeht kaum eine Woche, in der es nicht neue Features, neue Templates oder sonstige Neuheiten gibt.

Im Laufe des Jahres 2018 wollen die Entwickler von Pojo allerdings einen ganz besonderen Meilenstein schaffen. Sie wollen den Elementor Theme Builder aus der Taufe heben. Mit Hilfe dieses Tools sollst du dann in die Lage versetzt sein, alle Aspekte der Seite zu designen, auch Header und Footer, ebenso wie natürlich Produktseiten oder Blog-Posts.

Es bleibt spannend rund um das am schnellsten wachsende Page-Builder-Projekt im Web.

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

6 Kommentare

  1. während die Pro-Version nur vom Endkunden erworben werden kann

    Das ist ziemlich missverständlich. Die Pro-Version kann auch von „Entwicklern“ für Kundenprojekte eingesetzt werden. Die Anzahl der Kunden ist nur durch die Art der Lizenz begrenzt. Mit dem unlimitierten Plan kann man mit einer Lizenz also unbegrenzt Kundenprojekte erstellen.

  2. Und wenn er doppelt so gut wäre, würd ich ihn nicht benutzen. Mich nervt das ungemein, Lizenzen zu kaufen, pflegen abzurechnen, zu verwalten… Ich mach doch nicht bei 30 Domains updates mit der Hand?? Mich nervt das schon mit den ganzen Themes gewaltig!
    Selbst das UNLIMITED-Paket gilt nur für ein Jahr. Und lohnen tut sich das auch nur, wenn man viele viele Seiten damit machen würde…
    Ich wills auch nicht geschenkt haben, aber so isses mir nicht komfortabel genug.

  3. Hallo!

    Ich habe mich vor kurzem daran gesetzt meine erste Homepage zu gestalten. Ich nutze WordPress und auch das hier vorgestellte Plugin.

    Mir hat der Artikel hier total gut gefallen, der Aufbau, welche Punkte angesprochen wurden (dass auch die Nachteile ausführlich erläutert wurden) und dass auch ich als Laie gut folgen konnte ohne durch zu viele Fachbegriffe einen Knoten im Hirn zu bekommen oder wegen eines zu trockenen Schreibstils mit der Stirn auf dem Tisch zu landen.

    Ein großes Lob an den Autor, ich fühle mich schon viel schlauer 🙂

  4. Danke für den ausführlichen Bericht nett zu sehen was die Dinger schon alles können.

    Ich selber bin kein Fan von Page Buildern – egal welche. Grundsätzlich sollten Personen die Inhalte abfüllen eben auch nur das tun und nicht plötzlich anfangen zu „layouten“ – das zerstört (meine Ansicht nach) in sehr kurzer Zeit die komplette Konsistenz eines Layouts.

    Wenn es mal eine Sonderfunktion braucht kann man mit einem Page-Templates, Shortcodes, etc schnell selber etwas bauen – und das zusätzliche CSS (oder JS Code) so einbinden wie man es braucht.

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