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Dieter Petereit 21. Juni 2019

Designer auf Jobsuche? Mit diesen 9 Tipps erstellst du ein erfolgreiches Portfolio

Nicht nur, aber vor allem wenn du auf Jobsuche bist, solltest du als Designer oder sonstwie Kreativschaffender ein aussagekräftiges Online-Portfolio unterhalten. Wenn du die folgenden Tipps beherzigst, kann eigentlich nichts schief gehen.

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Tipp #1 / Ob online oder offline: Fasse dich kurz

Ein Online-Portfolio unterscheidet sich von konventionellen Bewerbungsunterlagen hauptsächlich durch das Medium. Daraus leiten wir schon einmal ab, dass für Online-Portfolios im Wesentlichen die gleichen Regeln gelten, wie für deren papierne Pendants.

Wichtigste Maxime einer jeden Selbstdarstellung ist daher: kurz, aber prägnant muss sie sein. Wenn du erwartest, dass dich Arbeit- oder Auftraggeber über dein Portfolio kontaktieren, darfst du es nicht zu einer Mammut-Website ausbauen, die du selber nur noch schwer durchblickst. Wie immer gilt: In der Kürze liegt die Würze.

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Schreib also in dein Online-Portfolio eine Personenbeschreibung in einem Satz. Dieser eine Satz enthält deinen Namen, deine derzeitige Lokation und deine Profession. Etwa so:

Ich bin Hans Gestaltinger, 25 Jahre alt, aus Freiburg und arbeite als Grafikdesigner.

Diesen Satz darfst du ruhig wie eine Art Slogan groß in deinem Online-Portfolio darstellen. So wie es dieser Produkt-Designer tut.

(Screenshot: D. Petereit)

Unterhalb des prägnanten Satzes findet sich der Hinweis „Read more”. Ein Klick darauf blendet weitere Informationen zu seiner Person ein. Da sich der künftige Arbeit- oder Auftraggeber an dieser Stelle bereits entschieden hatte, mehr wissen zu wollen, ist der folgende etwas längere Text vollkommen in Ordnung, zumal es sich auch nur um drei weitere Sätze handelt. Nunos Portfolio würde ich zumindest in diesem Punkt als Best Practice gelten lassen.

Tipp #2 / Designstrategien: Bleib auf dem Teppich

Gerade Designer glauben, sie müssten ihr Portfolio zu einer Machtdemonstration ausbauen und sämtliche, möglichst komplizierte Design-Trends auch für ihre Selbstdarstellung verwenden. Der potenzielle Arbeit- oder Auftraggeber muss schließlich beeindruckt werden.

Sicher ist dir bei so einer Vorgehensweise nur eines. Dein Portfolio wird sicher in Designerkreisen als äußerst kreativ gelobt und weithin herumgereicht werden. Das ist schön und macht stolz. Davon allerdings bekommst du keinen Job.

Bist du also ernsthaft auf der Suche nach einem Arbeitsplatz, dann solltest du dir klar machen, dass Personaler heutzutage nur noch wenig Zeit für die Sichtung von Interessenten aufwenden. Wenn sie deinem Portfolio eine bis zwei Minuten Aufmerksamkeit schenken, dann kannst du schon zufrieden sein.

Sicher ist es wichtig, dass dein Portfolio nicht aussieht wie mit Powerpoint erstellt. Dennoch geht es auch schlicht und nicht protzig. Animationen solltest du besonders sparsam einsetzen. Speziell solche, auf deren Ladefortschritt der Besucher noch warten muss, sollten tabu sein.

Je nachdem, für welche konkrete Branche du dich bewirbst, kann es wesentlich wichtiger sein, auf Standardkonformität des Quellcodes und Professionalität im Bildeinsatz (Auflösung, Größen, etc.) zu achten, als durch besondere Gestaltungsideen zu glänzen.

Besonders geeignet für das herkömmliche Online-Portfolio sind One-Pager. Hier vermeidest du auch potenzielle Verwirrungen in Sachen Navigation. Wer dein Portfolio von oben nach unten durchscrollt, ist am Ende vollständig im Bilde.

Tipp #3 / Lass deine Urkunden und Zertifikate stecken

Bewerber scheinen generell zu glauben, sie müssten vom glorreichen Kindergarten-Abschluss über das Hochschulabgangszeugnis und sämtliche etwaigen Zwischenschritte, wie Praktikumsbescheinigungen, Fortbildungsnachweise und so weiter lückenlos belegen, was sie wann mit welchem Erfolg gemacht haben. Das ist kompletter Unfug.

Natürlich will der Arbeitgeber irgendwann deine Unterlagen sehen, aber mit Sicherheit nicht in der Sichtungsphase. Er wird zunächst davon ausgehen, dass du behauptete Abschlüsse tatsächlich hast. Du musst ja auch nicht deine Geburtsurkunde beifügen, um zu beweisen, dass du noch am Leben bist.

In einem Online-Portfolio haben diese Unterlagen absolut nichts verloren. Lass sie weg.

Tipp #4 / Kundennamen beeindrucken heutzutage keinen mehr

Manch Kundenliste in einem Online-Portfolio liest sich wie das „Who-is-Who” des DAX. Würde man genauer dahinter schauen, stellte man fest, dass sich die Arbeit für den jeweiligen Kunden nicht unbedingt auf Führungsebene abgespielt hat. Nachdem heutzutage fast jeder mit bekannten Kunden prahlt, ist die Möglichkeit, damit Eindruck zu schinden, wenn sie denn jemals existiert hat, weg.

Es ist schlussendlich auch nicht wichtig, für wen du schon gearbeitet hast, sondern worin deine Mitarbeit bestand. Deshalb lass die Kundennamen weg, zumindest in der beliebten Form der vollständigen Liste. Pick dir eine Handvoll Kunden heraus und

Tipp #5 / Stelle deine besten Projekte vor

Ich meine, stelle die besten Projekte, nicht etwa alle, vor. Innerhalb der Besten nimmst du dann wieder auch nur die aktuellsten. Es interessiert keinen, ob du 1994 eine der ersten Websites für ein deutsches Unternehmen gebaut hast. Es interessiert nur, ob du den Herausforderungen der Gegenwart gewachsen bist.

In diesem Zusammenhang ist es empfehlenswert, Fallstudien zu ausgewählten Projekten zu bringen. Was war genau deine Beteiligung am Projekt? Worin bestand das Problem und wie hast du es gelöst? Das darf ruhig etwas technisch daher kommen und mit Skizzen und Screenshots versehen sein – eine ansprechende Präsentation halt. So etwas ist blanken Screenshots mit Links zu Seiten, an denen du gearbeitet hast, bei weitem überlegen. So könnte das aussehen:

Eindrücke aus Nunos Projekten. (Screenshot: D. Petereit)

Hast du deine Fähigkeiten kontinuierlich fortentwickelt? Gehen wir mal davon aus und kommen zum nächsten Schritt.

Tipp #6 / Stelle deine Stärken heraus

Es ist in Mode gekommen, die eigenen Fähigkeiten auf einer grafischen Skala abzubilden. Lass das sein. Was hat der potenzielle Arbeitgeber für eine Information erhalten, wenn er anhand eines Balkendiagramms sieht, dass du 73 Prozent Fähigkeiten in Photoshop und 65 Prozent Skills in Dreamweaver hast?

Stelle nur das heraus, was du tatsächlich beherrscht. Und lüge dabei nicht. Angeblich kann ja heutzutage praktisch jeder Konversationsenglisch, wenn man sich auf Portfolios verlässt. Diese Lügen haben extrem kurze Beine. Eine Rückfrage und die Blase platzt.

Tipp #7 / Decke deine Schwächen über Kooperationen ab

Dieser Tipp ist nur für Freelancer von Bedeutung. Wenn du dich mit deinem Portfolio um Kundenaufträge bewirbst, dann mach ruhig klar, wo deine Grenzen liegen und mit welchen Kooperationspartnern du diese Grenzen aufhebst. So kommst du auch für Aufträge in Betracht, die du alleine aufgrund mangelnder Kenntnisse eher nicht bekommen hättest.

Tipp #8 / Halte deine sozialen Profile sauber

Egal, ob du dich um einen Arbeitsplatz oder einen Auftrag bewirbst, sieh zu, dass deine sozialen Profile einigermaßen sauber oder wenigstens nicht öffentlich einsehbar sind. Optimalerweise benutzt du deine Social Networks, um mit deinen Fähigkeiten hausieren zu gehen und dadurch Mehrwert für andere zu schaffen. In dem Falle solltest du die Profile unbedingt im Portfolio hinterlegen.

Solche Bilder sollte es von dir besser nicht geben. (Bildquelle: Depositphotos)

Gibt es etwa ein paar fragwürdige Bilder von diversen Parties zu entdecken, dann lass das entsprechende Profil besser weg. Generell solltest du es mit Eric Schmidt (Alphabet Inc.) halten. Der empfiehlt:

Wenn es etwas gibt, von dem du auf keinen Fall willst, dass irgendjemand davon erfährt, dann solltest du es besser gar nicht erst tun.

Das ist in beruflichen Zusammenhängen ein ganz großartiger Rat. Privat finde ich allerdings schon, dass du durchaus das ein oder andere Geheimnis haben darfst. Wir sind ja nicht aus Glas.

Tipp #9 / Wenn du deine sozialen Profile schon verlinkst, dann sei auch aktiv

Ebenso wenig Sinn ergibt es, soziale Profile zu verlinken, auf denen sich überhaupt nichts abspielt. Wenn du deinen Twitter-Account eben erst eröffnet hast, dann fülle ihn erstmal mit Content, bevor du ihn prominent vom Portfolio aus verlinkst. Diesen Fehler machen übrigens sogar Startups und wundern sich dann, dass ihnen keiner folgt.

Aktivitäten auf den (verlinkten) sozialen Profilen sollten dann von fachbezogenen Inhalten dominiert und nicht mit Lebensmittelfotos und privaten Befindlichkeiten verwässert werden. Damit will ich nicht sagen, dass du deine sozialen Aktivitäten einschränken sollst. Ich empfehle lediglich die Trennung von privaten und beruflich-geschäftlichen Accounts.

Noch mehr Informationen zum Thema

Wenn du dich nun irgendwo bewerben willst, schau mal in unsere „26 kostenlose HTML-Bewerbungsvorlagen für deinen nächsten Top-Job”. Vielleicht ist da was dabei für dich.

Bleibe aber kritisch, wenn du dir die dort vorgestellten Templates anschaust. Denn diese sind natürlich von Designern entworfen und folgen nicht notwendigerweise in jedem Punkt den Empfehlungen aus diesem Beitrag. Einen guten Anfang können aber sicherlich einige dennoch darstellen.

Eine interessante Infografik soll den Schlusspunkt bilden. Schau in „Fakten, Fakten, Fakten: Die Anatomie einer erfolgreichen Bewerbung” hinein. Das ist witzig und lehrreich zugleich.

(Bildquelle Artikelbild: Depositphotos)

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

2 Kommentare

  1. Guten Tag Herr Petereit
    Der Beitrag mit den Tipps zu Portfolios für Designer auf Jobsuche, bzw. Freelancer auf Auftragssuche war sehr informativ.
    Ich bin eine Wissenschaftliche Illustratorin, die zu lange in der Administration hängen geblieben ist und jetzt endlich mal durchstarten möchte. Danke!
    Herzliche Grüsse aus der Schweiz

  2. Ein sehr guter Eintrag! Vielen Dank!
    Ich bin nun seit einiger Zeit auf der Suche nach Portfolio-Tipps, aber abgesehen von „High-End-Portfolios“ die jede Menge Zeit in Anspruch nehmen und wie in #2 angegeben nicht viel aussagen hab ich als Start-Up mit Kind und Familie nicht viel gefunden wovon ich sagen könnte „das gibt mir einen Leitfaden“.
    Auch wenn ich nicht mit allen Punkten vollkommen übereinstimme: nun habe ich eine handfeste Leitidee und kann ein gut durchdachtes Konzept für mein Portfolio ausarbeiten.
    Danke!
    Und viele Grüße

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