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Dieter Petereit 9. Mai 2019

Design per Storytelling: Wer schreibt, der bleibt

Im Idealfall kommt erst die Story, dann das Design. Du kannst es auch anders her­um machen, aber dann ist es halt Kacke.

Vor eini­ger Zeit erschien hier bei Dr. Web der viel­be­ach­te­te und enga­giert dis­ku­tier­te Beitrag „Storytelling killt Design: Kein Bild sagt mehr als tau­send Worte”. Meine Empfehlung zum Abschluss lau­te­te, sich bereits zum jet­zi­gen Zeitpunkt auf das Dahinscheiden des visu­el­len Designs vor­zu­be­rei­ten.

Unbestritten bleibt natür­lich, dass es auch in der Zukunft wei­ter­hin Websites geben wird, die zur Interaktion auf visu­el­le Methoden set­zen. Immerhin ergibt es kei­nen Sinn, eine Image-Website oder ein Portfolio oder gar ein Blog auf der Basis eines Conversational Interface zu bau­en.

Das bedeu­tet nicht, dass nicht auch die Blogs der Zukunft teil­wei­se mit Sprache genutzt wer­den kön­nen wer­den. Ich gehe davon aus, dass Sprache für jede Art von Web-Präsenz wich­tig wer­den wird. Die Frage ist halt dann, in wel­chem Umfang. Bei eini­gen Typen von Website ergibt es auf den ers­ten Blick schon kaum einen Sinn, voll und ein­zig auf Sprache zu set­zen. Bei die­sen Sites wer­den wir eine mehr­glei­si­ge Verwendung sehen. Ohnehin gehe ich davon aus, dass neben Tastatur, Maus und Touch künf­tig auch Sprache zu den Standard-Interaktionsmethoden gehö­ren wird.

Zurück zu mei­ner Empfehlung, sich bereits zum jet­zi­gen Zeitpunkt auf die anste­hen­den Veränderungen vor­zu­be­rei­ten. Wie kannst du das tun? Immerhin sind wir noch nicht im Zeitalter der Conversational Interfaces ange­kom­men.

Beginnen könn­test du damit, dei­nen Designprozess ein Stück weit umzu­stel­len.

Erst die Story, dann der Designvorschlag

Du hast also mit dem Kunden aus­führ­lich gespro­chen. Er konn­te dir sei­ne Anforderungen hin­rei­chend deut­lich machen und war auch in der Lage, dich mit Datenmaterial zur Zielgruppe zu ver­sor­gen und wuss­te sogar, ein kon­kre­tes Ziel sei­ner geplan­ten Website zu for­mu­lie­ren.

Nicht schlecht. Nachdem du nun noch ein biss­chen eige­ne Recherche betrie­ben hast, glaubst du, ein recht genau­es Bild davon zu haben, was der Kunde will und wie du das umset­zen kannst. Jetzt wür­dest du even­tu­ell einen ers­ten Entwurf, zumin­dest ein Wireframe zusam­men stöp­seln.

Tu es nicht. Stattdessen ver­setzt du dich in die Lage eines Filmemachers. Der schreibt zuerst sei­ne Story. Und selbst, wenn er damit fer­tig ist, dreht er nicht direkt. Ist doch alles viel zu teu­er.

Du ver­setzt dich also in die Situation eines Filmemachers. Die Idee ist im Kopf schon recht kon­kret. Jetzt willst du kon­kre­ter beschrei­ben, was inner­halb der gege­be­nen Filmlänge alles pas­sie­ren soll. Du schreibst qua­si einen Trailer, respek­ti­ve eine gro­ße Zusammenfassung.

Bezogen auf unse­re Website, schreibst du auf, was die Website errei­chen soll. Du schil­derst prak­tisch einem Dritten, dem unbe­kann­ten Leser, was die Ziele und Methoden der von dir zu ersin­nen­den Website sind und wes­halb der unbe­kann­te Leser die­se Seite ger­ne benut­zen wird.

Diese Form der rein ver­ba­len Kommunikation zwingt dich dazu, klar Farbe zu beken­nen. Immerhin hast du bei die­ser Methode nicht die Möglichkeit, mit ein biss­chen Eye Candy um dich zu wer­fen und dein Publikum zu ver­blen­den.

Bei der Schilderung legst du es dar­auf an, über­flüs­si­ge Längen zu ver­mei­den. In der Kürze liegt die Würze. Je kür­zer die Story, des­to siche­rer hast du wirk­lich die Essenz getrof­fen. Stimme dei­ne Story dann am bes­ten mit dem Kunden ab. Eventuell wird er sich wun­dern, dass er einen Text und kein Layout bekommt. Aber das wirst du ihm ja nun erklä­ren kön­nen.

Wenn die Story abge­stimmt ist, gehst du dazu über, zu über­le­gen, wie du eben die­se Story nun in Design umsetzt. Dabei wird dir auf­fal­len, dass es mehr und weni­ger gute gra­fi­sche Ansätze gibt, die Story gestal­te­risch in Szene zu set­zen. Darüber hät­test du dir frü­her gar kei­ne Gedanken gemacht. Jetzt über­legst, wel­che Designansätze die Botschaft dei­ner Story am ehes­ten ver­stär­ken kön­nen. Diese setzt du nun ein.

Schau dir die verfügbaren Sprachassistenten an

Amazons Alexa kannst du bereits zum jet­zi­gen Zeitpunkt mit soge­nann­ten Skills ver­se­hen. Skills, zu deutsch: Fähigkeiten, erlau­ben es der Sprachassistentin bestimm­te Aufgaben zu erle­di­gen, die sie ohne die­se Programmlogik nicht wür­de leis­ten kön­nen. So betrach­tet, ist das Design eines Skills sehr ver­gleich­bar mit dem Design einer Web-App.

Es geht schluss­end­lich dar­um, die User-Journey zu steu­ern und zu gestal­ten. Es gilt, Fehler abzu­fan­gen und hilf­rei­ches Feedback zu geben. Der User will min­des­tens eine genau­so gute User Experience bei der Sprachsteuerung wie bei der kon­ven­tio­nel­len Steuerung per Hand-Auge-Koordination.

Das Team des Radiosenders CBC aus Kanada hat sich den zu gewin­nen­den Erkenntnissen bereits aus­ge­setzt. UX-Designerin Natasha Rajakariar schil­dert in die­sem Medium-Beitrag, was sie und ihr Team dabei gelernt haben.

Am Ende kommt Natasha zu dem Ergebnis, dass der Prozess des Designs für das Conversational Interface sich gar nicht so sehr von dem der Erstellung eines visu­el­len Designs unter­schei­det. Das ist doch schon mal eine beru­hi­gen­de Aussage für die ängst­li­che­ren Kolleginnen und Kollegen unter den Designern.

Wo Natasha zunächst gedacht hat­te, dass sich der ohne­hin pro­du­zier­te Radio-Content ganz natür­lich für das Medium Alexa eig­nen wür­de, stell­te sie fest, dass mit den neu­en Möglichkeit der Konversations-Interfaces sich auch die Produktion der Inhalte wür­de ändern müs­sen, wenn man das Medium wirk­lich wür­de aus­schöp­fen wol­len.

Wenn dir Alexa nicht zusagt, schau dir Apples SiriKit oder Microsofts Cortana an. Im Moment bewe­gen sich nur die übli­chen Verdächtigen in die­se Märkte. Ich den­ke, es kann nicht scha­den, wenn Otto Normaldesigner sich eben­falls, wenn auch ganz am Rande, als Side-Project zum Side-Project, früh­zei­tig mit Conversational Interfaces beschäf­tigt.

Quellen zum Weiterlesen:

(Artikelbild: Depositphotos)

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

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