Dieter Petereit 24. April 2018

Design-Inspiration und Freebies: So ergibt Dribbble doch noch einen Sinn

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Awesome, great work! Abseits stereotyper Selbstbeweihräucherungen hat Dribbble, einer der Lieblingsdienste der internationalen Design-Community etwas zu bieten. Auch, wenn du Dribbble eigentlich schon abgeschrieben hattest, lies den folgenden Beitrag.

Dribbble, Tempel der Designerleuchteten

Es stimmt schon. Dribbble ist ein Ort der Selbstbeweihräucherung, ein Hafen für all die narzisstischen Designer da draußen. Darüber werden wir wohl nicht in Streit ausbrechen. Wenn du das sogar noch untertrieben findest, wird dir möglicherweise dieser Artikel des ehemaligen MAD-Mitarbeiters Speider Schneider auf unserem Schwestermagazin Noupe gefallen. Aber Vorsicht: Speider könnte dich verletzen.

In der Tat kommt es durchaus häufig vor, dass ich mich frage, warum denn wohl der jeweilige Urheber meinte, diese oder jene „Leistung” der Community zugänglich machen zu müssen. Beispiel gefällig? Bitte sehr:

Noch beachtlicher als die fragwürdige Designleistung sind die Kommentare dazu, die „Smooth”, „Awesome Work” und „Nice!” lauten. Keine Ahnung, was für Reflexfehlsteuerungen da am Werk waren.

In anderen Fällen wird wenigstens tatsächlich ein „Konzept” zur Diskussion gestellt und aufgrund der enormen Größe der Plattform finden sich auch immer „Diskutierende”.

Dribbbles Startseite sieht für jeden anders aus. (Screenshot: D. Petereit)

Dribbble definiert sich als „Show and tell for designers”, was in der freien Übersetzung etwa „Präsentieren für Designer” bedeutet, eigentlich aber mit „Zeigen und Erzählen” besser und wörtlicher übersetzt ist. „Tue irgendwas und rede darüber”, wäre auch ein valider Titel.

In der etwas längeren Form beschreibt sich Dribbble als eine Plattform, auf der Designer in Form von Screenshots ihre „Arbeiten” oder jedenfalls das, was sie gerade zu erschaffen versuchen, zeigen können. Andere Community-Mitglieder sind dann in der Theorie aufgefordert, sich zu den gezeigten Entwürfen zu äußern. Davon hätte dann der Ersteller was, es fände ein fachlicher Austausch statt. Wie wir alle wissen, ist fachlicher Austausch immer gut. Mit viel gutem Willen könnten wir Dribbble sogar als Instrument der Designkritik (miss)verstehen.

Dem Realitäts-Check hält diese Theorie indes nicht stand. In der weit überwiegenden Zahl der Fälle besteht die Interaktion bestenfalls darin, einem Shot (so heißen die einzelnen Präsentationen auf Dribbble) ein „Like” zu geben. Kommentare gibt es auch in den meisten Fällen. Diese würde ich aber nicht unter das Stichwort „Fachlicher Austausch” subsumieren. Denn es handelt sich ausschließlich um vermeintliche Entzückungsrufe wie „awesome”, „lovely” oder „great work”.

Die so verzückten Designer fühlen sich hernach bemüssigt, auch andere Designer zu verzücken und durchstreifen ihrerseits wieder Dribbble, um andernorts ihre Awesomes, Lovelies oder Great Works zu hinterlassen. So funktioniert der Dienst wie ein positives Perpetuum Mobile, in dem sich jeder Teilnehmer der eigenen Erstklassigkeit darüber versichert, dass er anderen Erstklassigkeit bescheinigt. Meines Wissens gibt es derzeit noch keine Studien darüber, ob und inwieweit der übermäßige Gebrauch von Dribbble zu psychischen Störungen, etwa Narzissmus, führt. Denkbar könnte das indes durchaus sein.

So könnte man also am Ende des Tages zu der Einschätzung gelangen, dass Dribbble ein überflüssiger Ort für Designer mit zu viel Zeit und zu wenig Kunden ist. Das allerdings wäre viel zu kurz gegriffen. Denn tatsächlich lässt sich aus Dribbble echter Nutzen ziehen. Wie das funktionieren kann, schauen wir uns jetzt an.

Die Zauberworte lauten Kuration und Inspiration, sowie eine Verknüpfung aus beidem. Unser entscheidendes Hilfsmittel im folgenden Prozess werden die Dribbble-Bucketlists sein, die du dir wie Schubladen vorstellen kannst, in die du unterschiedliche Bekleidungsstücke einsortierst.

#1: Dribbble als Inspirationsquelle

Allein die schiere Größe der Dribbble-Community garantiert, dass sich auf der Plattform ein repräsentativer Querschnitt der Branche abbildet. Shots werden in schneller Folge eingestellt, sämtliche Bereiche kreativer Arbeit im digitalen Raum sind vertreten. Es lohnt sich deshalb immer mal die „Recent Shots” anzusehen, rein zu Inspirationszwecken.

An dieser Stelle empfehle ich dir, vorab die Chrome-Erweiterung „Booom” zu installieren. Die Extension, die es auch für Safari gibt, verbessert das Handling von Dribbble deutlich. So werden die Shots größer angezeigt, sie sind direkt aus dem Feed zu liken oder in die Bucket-List zu legen. Beide Tätigkeiten könntest du ansonsten nur von der Detailansicht aus erledigen. GIFs starten automatisch schon in der Liste. Zudem verbessert Booom die Darstellung auf Monitoren mit höherer Auflösung. So werden Shots in besserer Qualität gezeigt. Beim Öffnen selbiger findet stets die @2x-Variante Verwendung. Auch nützlich ist, dass „Booom” ein Infinite-Scrolling einsetzt. So kannst du in einen regelrechten Scroll-Flow geraten.

Neben der Shot-Ansicht „Recent” gibt es auch noch „Most Popular”, „Most Viewed” und „Most Commented”. Innerhalb dieser Ansichten lässt sich filtern. Ebenfalls interessant für uns sind die Filter „Animated GIFs” und „Shots with Attachments”. Dazu später mehr.

Über das oben angeordnete Suchfeld findest du per Freitext-Suchbegriff Shots, die dich interessieren könnten. Möchtest du dich etwa zum Thema „Icons” inspirieren lassen, gibst du den Begriff entsprechend ein und schaust, was Dribbble dir vorschlägt.

Dribbble: Ergebnis der Freitextsuche nach Icons. (Screenshot: D. Petereit)

Spätestens an dieser Stelle kommen unsere Bucket-Listen zum Einsatz. So könntest du dir Bucket-Listen zu den verschiedenen Themen anlegen, die dich interessieren. In einer Bucket-Liste „Website-Inspiration” sammelst du fortan Webdesignentwürfe, die dich ansprechen. In einer anderen namens „Icon-Inspiration” sammelst du Teile des eben besprochenen Suchergebnisses. Leg dir so viele Bucket-Listen an, wie du sinnvoll verwalten kannst.

Das Hinzufügen von Shots zur Liste kannst du bequem aus der Übersicht vornehmen, wenn du das weiter oben erwähnte „Booom” installiert hast. Wenn nicht, musst du zunächst in die Detailansicht des jeweiligen Shots wechseln. Das geschieht per Klick auf die Preview in der Übersicht.

Dribbble: Element einer Bucket-Liste hinzufügen. (Screenshot: D. Petereit)

Bucket-Listen lassen sich übrigens bequem anlegen, indem du auf das Bucket-Icon klickst. Danach öffnet sich ein Overlay, in welchem du auswählen kannst, ob das gewählte Element zu einer vorhandenen Liste hinzugefügt oder ob eine neue angelegt werden soll.

Das Verwalten deiner Bucket-Listen funktioniert intuitiv. (Screenshot: D. Petereit)

Solltest du sehr viele Listen führen, filtere an dieser Stelle den Bestand durch die Eingabe eines entsprechenden Suchbegriffs oder der Kombination mehrerer Suchbegriffe. Denke daran, dass die Ergebnisse umso enger werden, je spezifischer die Suchbegriff-Kombination wird. Für ein erstes Auswerfen deines Netzes empfiehlt sich eher eine relativ generische Suche.

Das ist schon ganz gut und nützlich bis hierher. Noch nützlicher wird Dribbble allerdings, wenn du die Schaffenskraft anderer Kuratoren anzapfst. Neben dem Bucket-Icon siehst du, in wie vielen Buckets sich der angezeigte Shot schon befindet. Ein Klick auf die Info öffnet eine Liste der entsprechenden Listen und hier findest du die wahren Perlen.

Hier siehst du, in wievielen Buckets der gewählte Shot schon ist. (Screenshot: D. Petereit)

Es stecken nämlich eine nicht unerhebliche Zahl an Personen richtig Aufwand in die Kuration. Diese Nutzer liefern dir auf diese Weise handverlesene Shots, die sich zumeist mit genau dem Thema befassen, für das du die Suchfunktion bemüht hattest. Gehe die vielversprechendsten Bucket-Listen durch und füg die interessantesten Shots deinen eigenen Listen hinzu oder folge direkt den Erstellern der Liste.

Die Ansicht der Bucket-Listen ist übrigens chronologisch sortiert. Die Buckets mit den neuesten Einträgen werden ganz oben angezeigt. Nach unten werden die Listen dann immer statischer, weil sie schon sehr lange nicht mehr aktualisiert wurden. Listen, die älter als drei Monate sind, dürfen wohl als verlassen, Shots daraus als veraltet gelten.

Wenn du schon auf Twitter aktiv bist, empfiehlt sich die Verknüpfung Dribbbles mit Twitter, weil dir Dribbble dann direkt Personen vorschlägt, denen du auf Twitter folgst und die auch ein Profil auf Dribbble unterhalten.

Mit der Zeit erstellst du dir auf die beschriebene Weise einen ganzen Reigen von Listen mit Inspirationsmaterialien zu den diversen, für dich relevanten Themen.

Kleiner Tipp am Rande: Wenn du etwa ein komplexes Icon oder anderes Designelement gefunden hast, das dein Interesse geradezu entflammt hat, wieso legst du dir den Shot nicht als Hintergrundebene in das Designtool deiner Wahl, etwa Sketch, und orientierst dich zeichnerisch an der Vorlage? Natürlich soll das kein Aufruf zur Erstellung von Plagiaten sein. Deine persönliche Note musst du schon einbringen; es dürfte allerdings so sehr viel leichter werden.

#2: Dribbble als Ressourcensammlung

Neben der Funktion als Inspirationsquelle eignet sich Dribbble mit etwas Aufwand sogar als Quelle für direkt verwendbare Design-Ressourcen. Hier spielt der weiter oben bereits erwähnte Filter mit dem sprechenden Namen „Shots with Attachments” eine Rolle. Die Anwendung dieses Filters sorgt dafür, dass dir nur noch solche Shots angezeigt werden, die über einen Dateianhang verfügen. Das ist zwar nicht immer, aber doch recht häufig ein Indiz für freien Content.

Zuverlässiger ist die Verwendung des Freebie-Tags. Hier werden dir tatsächlich nur solche Shots angezeigt, die von ihren Erstellern den Tag „Freebie” zugewiesen bekommen haben. Du darfst also sicher sein, dass es sich tatsächlich um frei zu verwendende Elemente handelt. Die genauen Nutzungsbedingungen musst du natürlich am konkreten Shot jeweils einzeln prüfen.

Der Freebie-Tag zeigt dir nur freie Ressourcen. (Screenshot: D. Petereit)

Innerhalb der Shots aus dem Freebie-Tag ist die Sortierung generell zunächst chronologisch absteigend. Die jüngsten Kontributionen werden also ganz oben angezeigt, ältere weiter unten. Diese Sortierung kannst du per Klick auf „Popular” ändern, dann erfolgt die Ansicht nach Popularität, deren Berechnung allerdings nicht völlig transparent erscheint.

Wenn du die Shots nicht direkt auf deine Festplatte laden willst, was während einer Sammler-Session wohl die Regel sein dürfte, greifst du wieder auf das bereits erwähnte Konzept der Bucket-Listen zurück. In einer Liste „Icon-Freebies” etwa, könntest du kostenlose Iconsets sammeln, in einer Liste „Template-Freebies” PSD-Templates für Websites und so weiter.

Der Download erfolgt in der Regel über die externen Websites der jeweiligen Shot-Ersteller. Gehe also mit der gebotenen Vorsicht an den Download und achte auf die Nutzungsbedingungen.

Wenn du es dir noch einfacher machen willst, dann besuche die Plattformen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die besten Dribbble-Freebie-Shots zu kuratieren. So ersparst du dir die eigene Suche.

Leider ist allen externen Diensten gemein, dass sie nur sehr sporadisch gepflegt werden, mithin also nicht sonderlich aktuell sind. Das gilt sowohl für Fribbble, wie auch für Freebbble und DB Freebies. Dadurch, dass die Dienste bereits auf ein Gesamtvolumen von weit über 1.000 freien Ressourcen kommen, ist die Suche dort dennoch nach wie vor lohnenswert.

DB Freebies bringt alleine schon über 1.250 freie Ressourcen auf die Waage. (Screenshot: D. Petereit)

So, damit verfügst du nun über eine ganze Reihe Möglichkeiten, Dribbble tatsächlich nutzbringend zu verwenden, ohne deine Zeit mit dem Schreiben stereotyper Kommentare zu vergeuden.

Wie empfindest du die Nutzung von Dribbble persönlich? Gehörst du zu den Aktiven, und wenn ja, wie äußert sich das? Worin besteht die Faszination des Dienstes?

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.