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Dieter Petereit 1. Mai 2019

Vollkommen geschmacklos: So stellst du fest, ob ein Design gut oder schlecht ist

Dein eigener Geschmack ist ein schlechter Ratgeber in der Frage der Beurteilung, ob ein Design nun gut oder schlecht ist. Lass uns da mal objektiver ran gehen.

Design ist nicht Kunst

Du kennst sicher den alten Spruch, dass der Köder dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler. Damit gelangst du schon mal in die richtige Richtung, wenn es um die Bewertung eines Köders, in unserem Falle eines Designs geht. Wobei du in diesem Falle gemeinsam mit dem Kunden der Angler bist. Die Zielgruppe des Designs, das sind die Fische.

Auch unter den Fischen wirst du indes nicht auf eine einhellige Meinung treffen. Wir können uns also auf die subjektive Einschätzung der Zielgruppe genauso wenig verlassen, wie auf deine oder die deines Kunden. Überhaupt ist die Frage des Geschmacks, die Frage, ob etwas gefällt oder nicht, völlig untauglich, um etwas als gutes oder schlechtes Design einzuordnen. Natürlich spielt Geschmack im weiteren Prozess eine Rolle, aber nicht die tragende. Wir kommen später darauf zurück.

Design ist keine Kunst, sondern eine Kommunikationsmethode. Das mag dem einen oder anderen Designer, der sich als Künstler definiert, nicht gefallen, was allerdings der Wahrheit der Aussage keinen Abbruch tut. Und da es sich bei unseren Erzeugnissen nicht um Kunst handelt, unterliegen sie nicht den gleichen Bedingungen.

Du kannst ja mal deinem potenziellen Kunden zur Begrüßung zwei Pfund Butter in die Ecke des Besprechungsraums schmeißen und Dankbarkeit für die eigene Fettecke erwarten. Ich vermute, du wirst bitter enttäuscht werden.

Design dient einem Zweck, zumeist dem Zweck des Verkaufens. Das ist bei Kunst niemals der Fall. Kunst ist der Zweck an sich. Vielfach soll sie zwar auch verkaufen, aber stets nur sich selbst. Design ist da weitaus ambitionierter angelegt.

Genau an dieser Stelle, nämlich der Beurteilung des Zwecks, starten wir mit den objektiven Kriterien, die zeigen, ob ein Design gut oder schlecht ist.

Erfüllt das Design seinen Zweck?

Schau dir das folgende Design an. Es erfüllt seinen Zweck nicht. Vom Geschmack her mag man sagen, es sei schön. Hilft aber nichts, denn die Tasse sollte es dem Nutzer ermöglichen, ein Getränk zu sich zu nehmen. Diesen Zweck erfüllt es nicht. Von daher ist das Design ganz eindeutig schlecht.

Cartoon: Disruptives Design

Nicht immer ist das zu lösende Problem, der zu erfüllende Zweck so leicht zu erkennen, wie bei dieser Tasse. Umso wichtiger ist es, intensiv mit dem Kunden darüber zu reden, was das von dir zu erstellende Design leisten soll. Handelt es sich um eine Website, die ein Produkt verkaufen soll? Soll die Website lediglich unterhalten? Will der Kunde ein Logo, das sympathisch auf seine Zielgruppe wirkt? Wer ist das?

Je intensiver du die Wünsche des Kunden kennenlernst, desto effektiver kann dein Design werden.

Passt das Design zur Marke?

Wenn du ein ganz tolles Auswärts-Trikot für den BVB 09 entwirfst, das sich trägt wie ein warmer Sonnenstrahl, robust ist wie Titan und auch optisch eine wahre Augenweide ist, es aber in Blau-Weiß daher kommt, dann ist es kein gutes Design. Denn es würde ganz ganz schlecht zur Marke passen.

Die Marke hat im Idealfall bereits ein loyales Publikum, Kundschaft – eine Zielgruppe. Diese Zielgruppe wird vom Design für die Marke einige Kernvorstellungen haben. Im Beispiel wird Blau-Weiß ganz klar nicht dazu gehören. Red Bull hat anfangs Nischensportarten stark unterstützt. Entsprechend war das damalige Design extremer, näher an Sportarten, wie Surfen, Motocross, Parcouring dran.

Je breiter eine Zielgruppe wird, desto „zahmer“ muss das Design werden. Bei einer eng eingegrenzten Zielgruppe kannst du dich auf die Eigenheiten dieses Publikums fokussieren, um mehr Nähe und Credibility zu schaffen. Bei breiter agierenden Marken empfiehlt sich der eher konventionelle Ansatz.

Das Design muss also zur Marke passen und eben diese Marke an die Zielgruppe transportieren. Kannst du an diesen Satz für dein Design einen Haken machen, dann handelt es sich um ein gutes Design.

Ist das Design als solches nicht wahrnehmbar?

Schlechtes Design macht auf sich aufmerksam, allerdings auf negative Weise. Schlechtes Design nimmst du wahr, etwa weil die eingesetzte Schriftart viel zu klein ist oder sich das Layout der Website nicht ordentlich auf dein Smartphone-Display anpasst.

Schlechtes Design erzeugt einen Lernaufwand an sich. Wenn sich das Design allerdings nahtlos anfühlt und keinen eigenen Aufwand beim Verwender erzeugt, dann ist es gut.

Hält sich das Design an anerkannte Best Practices und Grundlagen?

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Design muss natürlich auch gut aussehen. Dieses gute Aussehen solltest du aber nicht am Geschmack festmachen, sondern an Daten und Fakten. Die Psychologie der Farben etwa ist eine gute Ausgangsbasis für das Entwerfen des Farbschemas, typografische Grundlagen helfen bei der Auswahl und Verwendung passender Schriftarten. Für die Aufteilung des Designs kannst du dich etwa an der Theorie des goldenen Schnitts orientieren.

Damit gelingt dir ein schönes Design, ganz unabhängig von individuellen Geschmäckern.

Beitragsbild: Steve Buissinne auf Pixabay

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

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