Dieter Petereit 13. April 2018

Design: Above The Fold ist tot, oder doch nicht?

Vorbei sind die Zeiten, in denen jeder Webentwickler seinen Kunden mantrahaft einimpfte, dass alle wichtigen Informationen auf den ersten Blick, also “Above the Fold”, zu sehen sein müssten, weil der durchschnittliche Web-Nutzer eben nicht scrollen, also im Auftritt blättern würde.

Ich kann mich noch gut an die Kämpfe erinnern, die dieses Mantra nach sich zog. Denn die Einhaltung dieses Konzepts war schon immer schwierig, bisweilen unmöglich.

Above the Fold: Weisheit von Annodazumal

Above the Fold” ist ein Konzept aus der Frühzeit der Informationsvermittlung. Schon vor hundert Jahren achteten die Verleger von Tageszeitungen darauf, dass die wichtigste Schlagzeile des Tages stets “above the fold”, also oberhalb des Knicks, der bei normalformatigen Tageszeitungen stets die obere von der unteren Hälfte der Gazette trennt, stand. Das Konzept schien dermaßen logisch, dass es sich in allen Bereichen, in denen Informationen um Aufmerksamkeit wetteifern, durchgesetzt hat.

Früher galt alles, was auf der dem Leser abgewandten Seite gedruckt war, als weniger wichtig.

Auch Websites wurden noch vor zehn Jahren vorzugsweise nach diesem Prinzip gebaut. Es gab seitens des Usability-Papstes Jacob Nielsen sogar Rückendeckung in Form von Studien dafür. Werbekunden bestanden damals, aber auch heute noch, vielfach auf die Platzierung ihrer Banner above the fold.

Timelines setzen sich durch und verdrängen das Konzept

Mit Twitter und Facebook indes kam die Timeline und die Nutzer lernten, dass nicht nur oberhalb der ersten Scrollbewegung Interessantes steht, sondern dass es genau umgekehrt sein kann. Scrollen wurde normal, den Fold in dem Sinne gab es nicht mehr.

UX-Designer dürfen also heutzutage getrost davon ausgehen, dass auch Seiten, bei denen die Nutzer scrollen müssen, nicht im Nirvana der Aufmerksamkeitslosigkeit enden werden. Andererseits müssen wir auch weiterhin unsere Inhalte so präsentieren, dass die Besucher ihre Aufmerksamkeit gerne schenken.

Es ist daher nur logisch, dass wir weiterhin komprimiert und klar kommunizieren müssen. Wenn die Komprimierung so zu machen ist, dass nur der Bereich above the fold bleibt – umso besser.

Ansonsten können wir uns den Trend des Parallax Scrolling zunutze machen. Wir scrollen allerdings weiterhin vertikal und nicht horizontal. Dabei sorgen wir aber dafür, dass jede Scrollbewegung eine neue Information eröffnet. Das begleiten wir am besten durch ein seitenorientiertes Design.

So entstehen quasi Slides, Präsentationen, die in sich stets ein Thema bearbeiten, aber dennoch im Scrolling einer einzelnen HTML-Seite konsumiert werden können. Das Konzept ähnelt damit den populären OnePagern, ohne dass es sich indes wirklich um Einseiter handeln muss.

(Dieser Beitrag erschien zuerst im Dr. Web-Newsletter #328, erschienen am 30.01.2018. Wenn du dir ebenfalls exklusive Inhalte zeitlich deutlich vor den übrigen Leserinnen und Lesern sichern willst, kannst du dich hier kostenlos und unverbindlich für den Newsletter anmelden.)

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.
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