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Heike Thormann 19. Mai 2008

Den Rubikon überschreiten und nichts mehr aufschieben

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Gute Vorsätze sind eine feine Sache – wenn wir sie denn in die Tat umsetzen könnten. Nur: Oft genug lassen wir uns von unserem inneren Schweinehund aufhalten. Die Rubikon-Methode zeigt Ihnen, wie Sie in mehreren Phasen Ihre Ziele doch noch erreichen können.

Alle Jahre wieder stehen sie vor der Tür: Die guten Vorsätze. Was um Weihnachten herum im Kopf bewegt wurde, soll mit dem Startschuss ins neue Jahr Wirklichkeit werden. Aber egal, ob nun speziell zu Neujahr oder mitten drin – so einfach ist das oft gar nicht mit den guten Vorsätzen.

Oft genug stehen wir uns nämlich selbst im Weg. Wir zögern loszugehen und verschieben lieber noch mal, setzen an und lassen wieder sein, trösten uns damit, dass morgen auch noch ein Tag ist. Kurz: Wir leiden an Aufschieberitis und was wir uns so schön vorgenommen haben, droht ein Opfer unseres inneren Schweinehundes zu werden.

Die Rubikon-Methode oder auch das Rubikon-Modell will helfen, dass wir uns nicht selbst an der Erfüllung unserer Ziele hindern, indem wir sie gar nicht erst in Angriff nehmen. Oder genauer: Mehrere Selbstmanagement-Methoden, die sich alle der Metapher „Rubikon“ bedienen. Ich werde Ihnen hier Elemente davon vorstellen.

Den Rubikon überschreiten
Julius Caesar war es, der 49 v.Chr. den kleinen italienischen Fluss Rubikon mit seinen Soldaten überschritt und damit einen Bürgerkrieg auslöste. Dieser folgenschweren Entscheidung, deren mögliche Konsequenzen ihm bewusst waren, war eine lange Phase des Zögerns und Abwägens vorausgegangen, bis er dann mit dem berühmten Ausspruch vom Würfel, der fallen möge, zur Tat überging.

Seither steht die Metapher „den Rubikon überschreiten“ dafür, einen Schritt zu tun, den man nicht mehr zurücknehmen kann. Eine Schwelle zu überschreiten, die Folgen haben wird.

Für Sie und Ihre Aufschieberitis heißt das im Selbstmanagement zum Beispiel

  • einen Wunsch in Etappen bis zur Entscheidung zu bringen und in die Tat umzusetzen
  • Ziele so zu bearbeiten, dass sie Ihnen, von positiven Gefühlen gestützt, leichter fallen
  • Fakten zu schaffen, die eine Rückkehr zum vorherigen Zustand unmöglich machen.

Machen Sie sich auf den Weg und überschreiten Sie den Rubikon. Folgende Etappen können Sie der Verwirklichung Ihrer Ziele und guten Vorsätze immer näher bringen.

Phase 1: Das Bedürfnis
Es steht ganz am Anfang, noch vor konkret definierten Wünschen oder Zielen. Bedürfnisse, beziehungsweise deren Gegenstücke Befürchtungen, formen unsere Gefühle und lenken unser Denken. Versuchen Sie, sich Ihre Bedürfnisse bewusst zu machen und möglichst klar zu sehen.

Phase 2: Wünschen und Abwägen
Wenn aus den Bedürfnissen ein Wunsch wird: Fassen Sie passende Bedürfnisse zu einem Wunsch zusammen, zum Beispiel das Bedürfnis „gut aussehen (um …)“ und das Bedürfnis „fit wirken (weil …)“ zum Wunsch „abnehmen“. Je konkreter Sie Ihren Wunsch benennen können, desto besser.

Klopfen Sie Ihren Wunsch dann auf seinen Gehalt hin ab. Ist er überhaupt machbar? Was wird er Sie möglicherweise kosten? Lohnt sich die Mühe? Was winkt als Lohn? Welche Konsequenzen könnte das Ganze haben?

Holen Sie, wenn nötig, auch Informationen ein oder listen Sie frühere Erfahrungen und Versuche auf. Haben Sie schon den einen oder anderen kleinen Erfolg in dem Bereich gehabt? Dann halten Sie das fest und nutzen Sie es, um sich selbst zu motivieren. Hilfreich sind auch Ideen, wie Sie Ablenkungen und Störmanöver vermeiden können.

Phase 3: Entscheiden und Planen
Sie haben sich schlau gemacht, das Für und Wider abgewogen und Machbarkeiten überprüft? Dann kommt jetzt der Moment der Entscheidung. Stehen Sie voll und ganz hinter Ihrem Wunsch und überlegen Sie, wie Sie ihn verwirklichen können. Machen Sie einen Plan.

Wie können Sie Ihr Ziel erreichen? Was müssen Sie dafür tun? Welche Reihenfolge ist sinnvoll? Womit wollen Sie anfangen? Auch hier gilt wieder: Je genauer, desto besser. Viele Wünsche und Vorsätze sind schon gescheitert, weil man nicht darüber nachgedacht hat, wie man jetzt zum Beispiel ganz konkret abnehmen will.

In diesem Sinne: Rennen Sie nicht gleich los und setzen über den Fluss. Rüsten Sie Ihr Marschgepäck mit Plänen und nächsten Schritten. Und: Bereiten Sie sich auch mental vor.

Gehen Sie jeden Schritt, den Sie tun wollen, in Gedanken durch. Erzeugen Sie dazu passende Bilder und lassen Sie sie wie einen Film vor Ihrem inneren Auge ablaufen. Schwachstellen sehen Sie so sofort. Vor allem aber können Sie damit Ihren Willen stärken und auch bei Gegenwind leichter auf Kurs bleiben, aus Ihrem inneren Film Kraft schöpfen.

Phase 4: „Gute Gefühle“ fördern
Dieser Punkt geht in die gleiche Richtung: Sie stehen also am Fluss und wollen Ihren Rubikon überschreiten. Sie wollen Ihre guten Vorsätze in die Tat umsetzen. Dann holen Sie sich noch ein wenig Hilfe, indem Sie nicht nur gedankliche „Filme“ drehen, sondern auch mit „guten Gefühlen“ arbeiten.

Denn so genannte positive Affekte (auf gut Deutsch: gute Gefühle) können uns den entscheidenden Kick geben, unseren Willen zu stärken und am Ball zu bleiben. Dazu zapfen sie nicht, wie zum Beispiel bei Plänen oder Entscheidungen, unser Bewusstsein an, sondern gehen eine Etage tiefer und aktivieren auch unser „unbewusstes Entscheidungssystem“.

Eine Quelle, mit der wir uns oft ins Knie schießen, wenn es etwa aufgrund negativer Erfahrungen (diverse abgebrochene Diäten) nicht mit unserer bewussten Entscheidung übereinstimmt und diese im Stillen zu sabotieren versucht. („Wird sowieso nichts, lass es lieber sein.“)

Versuchen Sie in dem Fall, Ihre Ziele von möglichst guten Gefühlen begleiten zu lassen. Rufen Sie sich also zum Beispiel wieder entsprechende positive Erfahrungen und Erfolge ins Bewusstsein – diesmal aber so bildhaft wie möglich, um sich auch an die Gefühle zu erinnern, die Sie damals begleitet haben. Oder: Projizieren Sie in die Zukunft und malen Sie sich so genau wie möglich aus, wie gut es sich anfühlen wird, um einige Kilos leichter und beschwingter durch den Wald zu laufen. Und Ähnliches mehr.

Phase 5: Handeln und Springen
Jetzt ist es so weit: Sie haben Ihre Entscheidung getroffen, Ihre Pläne gemacht und sich mental gestärkt. Jetzt geht es über den Rubikon. Jetzt müssen Sie springen. Trauen Sie sich und machen Sie den ersten Schritt. Und zwar vorzugsweise einen, bei dem Sie „nicht mehr zurück können“.

Beispiel: Sie wollen also unbedingt abnehmen. Dann setzen Sie über den Fluss, melden Sie sich bei einem Kurs zum Thema Abnehmen oder auch den Weight Watchers an und zahlen Sie am besten gleich die Kursgebühr.

Oder: Sie wollen schon seit längerem umziehen. Dann überqueren Sie den Rubikon, geben Sie eine Wohnungsanzeige auf und informieren Sie die einschlägigen Immobilien-Verwaltungen und Agenturen.

Wichtig dabei auch: Der Zeitaspekt. Überlegen Sie in dieser Phase nicht mehr lange, sondern handeln Sie möglichst umgehend. Je länger Sie warten, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Sie noch in Aktion treten.

Und: Wägen Sie auch nicht mehr ab. Trennen Sie diese Phasen sorgfältig. Jeder Zweifel kann Sie ins Straucheln bringen und „in den Fluss fallen lassen“. Greifen Sie ruhig zu mentalen Scheuklappen und schauen Sie nicht mehr rechts oder links.

Schalten Sie auf stur und handeln Sie einfach. Wenn Sie eine gute Vorarbeit geleistet haben, können Sie sich von dieser sicher ans Ziel führen lassen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei. ™

Erstveröffentlichung 19.05.2008

Heike Thormann

Heike Thormann ist Trainerin, Redakteurin und Autorin. Ihr Schwerpunkt sind kreative Schreib-, Denk-, Lern- und Arbeitstechniken. Sie schreibt für verschiedene Fachmagazine und gibt mit ihrer Website ein Online-Magazin zu ihren Fachthemen heraus.

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