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Dieter Petereit 2. März 2009

Datensicherung im Web 2.0

Ein spektakuläres Desaster traf Anfang des Jahres den Bookmark „Verwaltungsservice Magnolia“. Irgendetwas geschah und der gesamte Datenbestand der Nutzer wanderte den Orkus hinab. Dabei wurde vielerlei deutlich. Zum Beispiel die Unglaublichkeit, dass die Magnolia-Betreiber offenbar auf einen einzigen Server ohne regelmäßige Backups gesetzt haben. Außerdem hat es den Anschein, dass Magnolia das Projekt einer einzelnen Person ist. Für den durchschnittlichen Web-User wird damit sehr deutlich, was schon unsere Großeltern stets predigten: „Trau, schau wem“. Wie kann man sich im Web 2.0 vor dem Totalverlust seiner Daten schützen? Etwa gar nicht?

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Ich habe nie verstanden, warum sich jemand für Magnolia entscheidet, wo es doch mindestens eine bessere Alternative gibt. Man nehme Delicious und installiere das entsprechende Firefox-Plugin. Schon synchronisiert man seine Bookmarks mit dem Browser und hat stets eine lokale Kopie seiner Onlinedaten zur Hand. Geht Delicious den Weg alles Irdischen, kann man zwar keine neuen Bookmarks sichern, verliert aber auch seine bisherigen nicht. Der deutsche Dienst Mister Wong bietet übrigens ebenfalls keine lokale Sicherungsmöglichkeit, könnte also Magnolias Schicksal jederzeit teilen. Natürlich wird man dort beteuern, ganz andere Sicherungskonzepte zu leben und möglicherweise stimmt das auch. Dennoch muss man schon sehr viel ungesichertes Vertrauen haben, um seine Daten irgendwohin abzugeben, ohne selbst ein Backup sicherstellen zu können.

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Andere Dienste sind grundsätzlich weit weniger anfällig für Datenverluste. Insbesondere Dienste, die Bilder oder Videos hosten, wie Flickr oder YouTube oder Sevenload sind als in Sachen Datenverlustpotenzial weitgehend sicher zu bezeichnen. Letztlich muss man die Bilder und Videos irgendwie hochgeladen haben. Echter virtueller Content dürfte auf diesen Plattformen selten sein. Insofern verliert man bei einem Totalausfall zwar den Communityanteil – Kommentare et cetera -, aber nicht die eigentlichen Inhalte, denn die hatte man ja ohnehin.

Online-Office-Plattformen hingegen sind auch so eine Spezies, die für den Verwender ein potenziell hohes Risiko bergen. Immerhin erzeugt man die dortigen Dokumente, Tabellen, Daten, Präsentationen in der Regel online. Und nur die besonders verantwortungsbewussten Nutzer werden sich Gedanken um laufende Datensicherung machen. Es gibt Anbieter, die von vornherein die lokale Synchronisation im Konzept haben, allen voran der Anbieter ThinkFree. ThinkFree gibt es auch als Desktopvariante , die Onlinedokumente herunter lädt und Offlinedokumente in die Cloud schickt. Natürlich bietet jedes Onlineoffice die Möglichkeit, Dokumente lokal abzuspeichern. Nur, wer wird das tun, wenn er erst einmal ein paar Hundert Dateien virtuell online erstellt hat? Für Google Text & Tabellen habe ich hier bereits einmal eine Lösung vorgestellt, mit deren Hilfe man alle Google Docs auf einen Schlag sichern kann. Nutzer anderer Dienste sichern bitte jedes erstellte Dokument konsequent nach der Erstellung lokal.

Bei Online-Kalendern sieht es mit ein wenig Vorbereitung auch äußerst entspannt aus. Jeder mir bekannte Anbieter hat eine Möglichkeit im Angebot, den Onlinekalender mit einem lokalen abzugleichen. In aller Regel kommt das Caldav-Protokoll zum Einsatz. Das daraus resultierende Format kann nahezu jedes Offline-Kalenderprogramm, wie Outlook oder iCal verarbeiten. Der Haken ist nur, dass man auch tatsächlich einen Offline-Kalender nutzen muss, um den Backup-Effekt zu haben.

Webmail ist herkömmlich ebenfalls problemlos, wenn man ein Offline-Mailprogramm einsetzt. Sobald man Webmailkonten per POP3 abfragt, landet jede Mail als Kopie lokal. Auch hier gilt lediglich, dass man es tun muss, um den Effekt zu erhalten.

Blogs auf den gängigen Online-Plattformen sind prinzipiell bereits gesichert, wenn sie bestückt werden, sofern man den Beitrag nicht im Online-Editor verfasst hat. Zusätzlich sollte man seinen eigenen RSS-Feed abonnieren. So besteht ebenfalls die Möglichkeit, die eigenen Beiträge zu sichern. Kommentare würde man durch diese recht oberflächlichen Sicherungsverfahren natürlich verlieren. Will man auch das noch vermeiden, sollte man die Exportfunktionen der großen Bloghoster, wie Blogger.com oder WordPress.com nutzen. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass es auch Hoster gibt, die die Möglichkeit der Sicherung inklusive der Kommentare entweder nicht oder nur zahlenden Kunden anbieten. Hierzu gehört der nicht unbekannte deutsche Anbieter Blog.de . Nichtzahler können eine PDF-Sicherung beantragen, weitergehende Backups sind zahlenden Bloggern vorbehalten. Als Empfehlung sollte gelten, dass man sich im Vorfeld der Entscheidung für einen Hoster insbesondere anschaut, ob man seine Daten auch wieder kostenfrei heraus bekommt, wo man sie kostenfrei herein gegeben hat. Als Alternativen sollte man stets die Angebote der Webhoster ansehen. Dort kann man ab 49 Cent im Monat ebenfalls seinen Blog betreiben. Dies dann auf WordPressbasis mit all den Vorteilen, die ein Vollzugriff auf die eigenen Daten nun einmal bietet.

Notizen sind selbstverständlich nur dann nützlich, wenn man sie überall verfügbar hat. Auch hier sollte man darauf achten, dass der Anbieter eine entsprechende Synchronisationslösung verfügbar hält. Platzhirsch in diesem Gewerbe ist der Dienst Evernote, der für alle Plattformen dedizierte Clients entwickelt hat, darunter auch solche für das iPhone und Windows Mobile.

Feedreader, wie der GReader oder Newsgator oder Bloglines verfolgen durchaus unterschiedliche Ansätze. Während der GReader mangels Clientsoftware maximal flüchtig ist, bietet NG auch eine für mehrere Plattformen kostenlos verfügbare Clientsoftware an. Andererseits ist es natürlich mit Feeds so wie mit der Zeitung von gestern. Sie sind sehr schnellebig und es gibt im Grunde nichts älteres als einen Feed, der nicht aktuellsten Datums ist. Insofern braucht man sich meines Erachtens um die Sicherung seiner Feeds grundsätzlich keine Gedanken zu machen. Einzelne wertvolle Beiträge wird man selbstverständlich ohnehin lokal gesichert haben. Da dies aber maximal zwei Prozent aller abonnierten Beiträge betrifft, ist der Aufwand sehr überschaubar und der Schaden bei Vergessen geringst.

Online-Speicherdienste sind unter den bisher genannten Aspekten schon fast ein Paradoxon. Immerhin ging es bislang wesentlich darum, im Web vorhandene Daten lokal zu sichern. Lokal vorhandene Daten im Web zu sichern, klingt daher irgendwie falsch herum. Und tatsächlich sollte man in Sachen Online-Sicherung besondere Vorkehrungen getroffen haben. Die Online-Sicherung sollte nie die einzige sein, der Anbieter sollte den Eindruck der Verlässlichkeit hinterlassen und nicht eine Zweimannbude aus Poughkeepsie sein, die in einer Garage residiert. So würde ich unter diesem Aspekt beispielsweise dieser Tage vorsichtig sein, wenn es um Dropbox geht. Am verlässlichsten dürfte auch hier ein dedizierter eigener Server mit ausreichend Space und Vollzugriff bei einem der großen Webhoster sein. Von den Kosten her kann man dann allerdings auch eine große lokale Lösung auf dem Stand der Technik installieren. Online-Sicherung ist allerdings dann ganz besonders nützlich, wenn die ganze Bude um den zu sichernden Server herum abfackelt. Der Königsweg ist deshalb eine solide Mischung aus On- und Offline. Wirklich sichere Datenübertragung bietet derzeit übrigens nur Mozy.

Neben all diesen Diensten, die im Grunde den rein persönlichen Nutzen repräsentieren, gibt es natürlich eine Vielzahl von Angeboten, die im Wesentlichen von der Interaktion mit anderen leben. Zu diesen Diensten zählen Netzwerke wie die diversen VZ, Facebook, MySpace, XING, aber auch Dienste wie Digg, StumbleUpon, Yigg et cetera und die klassischen Foren. Die Teilnahme an derartigen Diensten verbucht man am besten als Kommunikation, ähnlich einem Kneipengespräch mit guten und weniger guten Freunden. Davon bleibt außer einer möglichst schönen Erinnerung und einem möglichst wenig dicken Kopp auch nichts Nachhaltiges. Man vermisst das in aller Regel nicht. Niemand käme auf die Idee, sich darüber zu beklagen, dass er von seiner letzten Sauftour kein Backup hat.

In diesem Sinne: Stay alert! Immer schön wachsam bleiben, aber es auch nicht übertreiben… ™

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

24 Kommentare

  1. Zum Thema Dropbox:
    Ich verwende das Teil nicht zum Backup, sondern um Dateien mit anderen Leuten zu teilen.. Einfach Ordner der Person freigeben und der Rest läuft automatisch im Hintergrund. Ich finde, dafür ist das ganze echt ok. Aber ein Backup online finde ich nicht als eine gute Idee…

  2. schöner artikel vielen dank

  3. @Blog Drauf: Es ist allerdings das Wesen eines jeden Backups, ob lokal oder online, dass es lokale Dateien im Rahmen einer Replikation an einen anderen Ort sichert. Wäre es sonst nicht auch sinnlos?

    Jedenfalls werde ich dem nächsten Kollegen, der sich darüber ärgert, dass sein Backup versagt hat, mal den guten Tipp geben, er möge doch einfach in dem lokalen Ordner suchen, der dem Backup zugrundelag. Mal sehen, ob er gewalttätig werden wird.

  4. Wieder mal ein witziger Beitrag und interessante Diskussionen dazu. :)

    Wegen Dropbox, wer es auch mal wirklich genutzt hat, der weiß, dass das Programm ein Backup macht von den Daten die Lokal im Drobox Ordner vorhanden sind.

    D.h. auch wenn Dropbox, aus welchem Grund auch immer, ihren Service einstellt, dann denke ich erstens Sie kündigen das an und zweitens man hat die Daten immer noch lokal auf dem Rechner, denn Dropbox ist in diesem Sinne keine reine Backuplösung, wenn überhaupt. Es ist ein Synchronisationstool, welches Daten online abspeichert und den Ordner „Dropbox“ auf einer anderen Maschine, wenn man will, synchronisiert. Das nur mal als Info und kleiner Anstoß zur richtigen Recherche bevor man sich seine Meinung über Dropbox BILDet. ;)

  5. > Danke für den Hinweis. Aus der Toolsübersicht konnte ich diese Möglichkeit nicht erkennen.

    Warum dann überhaupt darüber schreiben, wenn man selber keine Erfahrung hat? Gehört es nicht zur journalistischen Grundethik sich vor einer Berichterstattung grundlegend zu informieren?

  6. @Mario: Dem kann ich nur voll zustimmen. Für mich ist die Diskussion an dieser Stelle allerdings auch beendet.

    Ehrlich währt am längsten. Und wenn man angemessene Kritik nicht akzeptieren möchte und dies auch nicht der erste Vorfall dieser Art gewesen ist, dann sehe ich keinen positiven Diskussionsverlauf.

    Um das noch einmal klar zu stellen: Bis auf Kaffee und dem gelegentlichen Glas Wein nehme ich keinerlei Drogen zu mir. Die Stellungnahme ist wahrscheinlich also genau so weit hergegriffen, wie manche Aussagen in Ihren Artikeln. Das wundert mich ehrlich gesagt nicht.

  7. @Mario: Diese Art der Diskussion ist fruchtlos. Deshalb gibt es dazu kein weiteres Statement meinerseits.

  8. @ Dieter Petereit: Ok, dann hätte man „@Markus und Mario“ benutzen können. Und bei Rafael sehe ich definitiv den Vornamen. Er hat ja auch eine Anrede verwendet. „@Bugajewski“ und den Verweis auf die mindexpanding drugs sehe ich in diesem Zusammenhang eher grenzwertig …

  9. @Mario: Ich hatte gedacht, Ihre Frage wäre mit einer Antwort an @Markus ebenfalls beantwortet. Ich habe, wie gesagt, nichts gegen Dropbox, sondern weise lediglich auf das Risiko des kleineren Unternehmens hin.

    Zum „nur so nebenbei“: Ich verwende die Namen und Anreden, die hinterlassen werden. Ich stimme allerdings zu, dass die Stichworte „gute Manieren und Respekt“ bisweilen rein solche zu sein scheinen. Allerdings nicht bei mir, jedenfalls nicht bei korrekter Würdigung der Kausalkette.

  10. Nur so nebenbei: Entweder man nennt niemanden beim Namen und wirft alle Antworten so in den Raum. Oder man spricht alle mit dem hier hinterlassenen Namen (zumindest die Verwendung von „Herr“ sollte drinsitzen) an. „Ansprache“ ohne Nennung des Namens oder die alleinige Verwendung des Nachnamens stösst mir leicht sauer auf. Stichwort gute Manieren und Respekt.
    Aber vielleicht bin ich wieder nur zu sensibel für diese Welt …

  11. @Ole: Ich bin kein Nutzer von Magnolia, daher kann ich zu den Möglichkeiten vor dem Crash nichts sagen. Nach dem Crash jedenfalls scheinen viele Nutzer vor einem Scherbenhaufen zu stehen. Grundsätzlich gilt: Wer eine Sicherung haben will, muss sie auch machen. Leider denken viele User zu spät daran…

    @Markus: Ein dedizierter Server mit Raid und einem weiteren eigenständigen Backupserver hintendran, so wie es ab dem mittleren Preissegment mittlerweile üblich ist, taugt jederzeit zu einem sinnvollen Backupsystem.

    Ich habe nichts gegen Dropbox. Was ist, wenn Dropbox morgen die Rechnungen von Amazon nicht mehr bezahlt? Ich unterstelle Dropbox das nicht. Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass sich ein Service genau auf solche Art und Weise verabschiedet. Deshalb rate ich bei kleinen Anbietern zur Vorsicht.

    @Christian Clawien: Danke für den Hinweis. Aus der Toolsübersicht konnte ich diese Möglichkeit nicht erkennen.

    @Stefan Kremer: Der Titel ist da etwas missverständlich. „Datensicherung in Zeiten des Web 2.0“ wäre möglicherweise treffender gewesen.

    @Bugajewski: Overuse of mindexpanding drugs?

  12. Das Beisspiel Magnolia ist sehr schade da der Service wirklich sehr fortschrittlich war, vielleicht nicht bei der Cloud Anbindung, dafür war der Service einfach zu früh am Markt, doch Magnolia hat stehts Trends gesetzt. Backups seiner Daten konnte man immer machen, auch nach dem Total Crash habe ich alle meine Daten lückenlos wiederherstellen können.

    Besser mal vorher schlau machen bevor man Gerüchte in die Welt setzt!

  13. Was ist mit Foren? Bei plaudern.de kann der Forumsadmin die Datenbank beispielsweise einfach herunterladen. Sie wird jede Nacht automatisch als Archiv bereit gestellt.

  14. Bitte, lasst Herrn Petereit nicht mehr für drweb.de schreiben. Die ganze Atmosphäre wird auf Bild-Niveau heruntergezogen. Das muss wirklich nicht sein.

  15. Dropbox hat Mios an VC eingesammelt und die Daten liegen auf Amazon S3 Accounts über zig Datacenter von Amazon verteilt…
    Wer -wie vom Artikelschreiber hier empfohlen- ernsthaft einen einzelnen dedizierten Server als Backupsystem verwendet, kann nicht mehr bei Trost sein…
    Ein Server, eine Platte…? Was ist das denn für ein Backup.
    Amazon S3 hingegen darf als SEHR sicher bezeichnet werden – das ist immerhin die Architektur auf der Amazon auch selbst Daten ablegt.

  16. Hallo zusammen,

    es gibt bei Mister Wong einen HTML-Export:

    http://www.mister-wong.de/profil/?profile=export

    (für eingeloggte User).

    SG
    Christian
    Mister Wong

  17. „…Niemand käme auf die Idee, sich darüber zu beklagen, dass er von seiner letzten Sauftour kein Backup hat.“
    einfach Geil! danke! :D

  18. Man kann bei Mister Wong seine Bookmarks sehr wohl exportieren, und diese exportierten dann auch z.B. bei del.icio.us wieder importieren. Habe ich gerade noch gemacht.

  19. wie bescheuert muß man eigentlich sein, »Datensicherung im Web« (egal für welchte Teile auch immer) als taugliche Alternative anzusehen?! Was könnten meine Daten bei welchem, wie seriös auch immer vermuteten Dienstleister zu suchen haben. Merke: nicht alles was Web 2.0 und hip und cool ist, hat auch Sinn und Verstand!

  20. Die Beweggründe für die Aussage zu Dropbox würde ich gerne hinterfragen.
    Ist das ein nebenberufliches „Ein-Mann-Projekt“? Existiert Dropbox erst seit letzten Freitag? Residieren die in einer Garage in dem beschaulichen Städchen mit dem lustigen Namen? Warum nur dieser Tage vorsichtig sein? Hab ich da was verpasst …?

    Mario

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