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Lars Sobiraj 21. Januar 2013

Desaster-Report: Die größten Datenschutz-Flops des Jahres 2012

Die erste und wichtigste Regel bei Facebook

Das Wort Datenschutz neh­men neben den Technikern der­zeit immer mehr Politiker und Journalisten in den Mund. Aber was ist das eigent­lich ganz genau? Datenschutz kann vie­les bedeu­ten, doch im Prinzip geht es stets dar­um, dass jeder Mensch das Recht dar­auf haben soll­te, so viel oder wenig von sich preis­zu­ge­ben, wie er will. Wer frei­wil­lig sei­ne Fotos, Hobbys oder Vorlieben bei Facebook oder anders­wo ver­brei­tet, unver­schlüs­selt via WhatsApp chat­tet, oder Diensten wie Forsquare und Twitter sei­nen Aufenthaltsort anver­traut, der darf das ger­ne tun.

Datenschutz bedeu­tet aber auch, dass man eben­so das Recht dazu hat, mög­lichst wenig von sich preis­zu­ge­ben. Das betrifft sowohl die pri­va­ten Daten in den Serverschränken der Behörden und Unternehmen, als auch alle Informationen, die auf Papier ver­ewigt wur­den. Nicht nur die als daten­spar­sam bekann­ten Mitglieder des Chaos Computer Club bezeich­nen die­se Grundregel als informationelle Selbstbestimmung.

Offenbar gibt es dem­nach Gegenpole in die­ser Frage. Erstaunlich, denn was spricht eigent­lich gegen Datenschutz? Überraschenderweise eine gan­ze Menge. Denn die Absicherung der Informationen kos­tet Geld, viel Geld. Ob die Daten in der neu­mo­disch klin­gen­den Cloud oder im Hinterzimmer eines Gewerbebetriebes gespei­chert wer­den, spielt dabei kei­ne Rolle. Die Sicherheit der Daten ist näm­lich immer nur rela­tiv. Wer trotz der damit ein­her­ge­hen­den Kosten ein Maximum an Sicherheit errei­chen will, muss viel Zeit und somit finan­zi­el­le Mittel inves­tie­ren. Und selbst die bes­te tech­ni­sche Infrastruktur sichert einen nie­mals kom­plett gegen alle Risiken ab.

Wenn der Geschäftsführer den Vornamen sei­ner Tochter oder sein Geburtsdatum als Passwort ver­wen­det, kann ihm der bes­te IT-Sicherheitsspezialist nicht mehr hel­fen. Daneben führ­ten in den letz­ten Jahren diver­se ande­re fahr­läs­si­ge Verhaltensweisen von Mitarbeitern dazu, dass Hacker mit ver­gleichs­wei­se wenig Aufwand Zugriff auf frem­de Serverschränke erhal­ten konn­ten. Für jeden Zugang ein eige­nes Passwort zu benut­zen, ist zwar alles ande­re als bequem. Dafür macht man es damit den Cyberkriminellen nicht so ein­fach. Die brau­chen viel­fach nur auf die Faulheit der Anwender zu ver­trau­en, um an ihr Ziel zu kom­men.

Gegen Datenschutz spricht auch, dass es die Anbieter von digi­ta­len Diensten viel ein­fa­cher haben, Daten aus­zu­wer­ten, sofern die­se unver­schlüs­selt über­tra­gen wer­den. Natürlich könn­te WhatsApp sei­nen Instant Messenger pro­blem­los auf eine erzwun­ge­ne ver­schlüs­sel­te Kommunikation umstel­len. Dann könn­te der Anbieter aber bei­spiels­wei­se nicht mehr so ein­fach im Auftrag der Filmwirtschaft über­prü­fen, ob sich die Mehrheit sei­ner 16-jäh­ri­gen Benutzer über den Hobbit, den neu­en James Bond oder Twilight 4.2 aus­tauscht. Auch könn­te man dann kei­nem Textilhandelsunternehmen mehr ohne grö­ße­ren Aufwand mit­tei­len, ob bei Personen mit Bildung X und Alter Y gera­de Jeans der Marke Levis, Mustang oder Wrangler ange­sagt sind.

Die Crux mit den kostenlosen Angeboten

Die Sache ist eigent­lich ganz ein­fach. Viele Anwender wol­len alles am liebs­ten umsonst benut­zen. Die Marketing-Agenturen, Werbevermarkter und die Industrie hin­ge­gen möch­ten am liebs­ten so vie­le Vorlieben, Adressdaten und Trends wie mög­lich ein­sam­meln, um sie zu ana­ly­sie­ren oder direkt zu ver­kau­fen. 2012 war neben eini­gen Daten-Skandalen auch das Jahr der Online-Werbung. Der Geschäftsbereich Internetwerbung knack­te im Vorjahr erst­mals die Grenze von welt­weit 100 US-Milliarden Dollar, Tendenz wei­ter stei­gend.

Es ist schwer, dabei die Grenze zwi­schen Schwarz und Weiß zu zie­hen. Denn, wenn man im Internet für einen Service nichts bezahlt, dann ist man viel­fach nicht der kau­fen­de Kunde, son­dern das zu ver­kau­fen­de Produkt. Bevor man die Online-Werbewirtschaft vor­schnell ver­ur­teilt, soll­te man beden­ken, dass Werbung nicht sel­ten dafür sorgt, dass man dank der ner­vi­gen Layer auf zahl­rei­che Inhalte im Netz kos­ten­los zugrei­fen kann. Wäre das nicht mehr mög­lich, müss­te man für vie­les bezah­len, was heu­te noch im Web frei ver­füg­bar ist.

Grafik ist gemeinfrei

Last, but not least wür­de eine tota­le Datensparsamkeit und per­fek­te Absicherung aller Daten auch dazu füh­ren, dass uns kei­ne Geheimdienste mehr über­wa­chen könn­ten. Von daher wur­den auch im Vorjahr in den USA und der EU häu­fig die juris­ti­schen Grundlagen ver­än­dert, um unse­re infor­ma­tio­nel­le Selbstbestimmung wei­ter ein­zu­gren­zen. Würden wir uns alle mit gänz­lich unknack­ba­ren Betriebssystemen ins Internet ein­wäh­len, und aus­schließ­lich in kom­plett ver­schlüs­sel­ten Bereichen des Internets bewe­gen, wüss­ten die Verfassungsschützer nicht mehr, wie sie uns kon­trol­lie­ren sol­len. Mal davon abge­se­hen, dass es im tech­ni­schen Bereich nichts gibt, was man nicht frü­her oder spä­ter kna­cken kann, sofern man dafür genü­gend Zeit und Geld auf­wen­det. Es lässt sich also behaup­ten, dass auch der Staat kein Interesse an einem voll­kom­me­nen Datenschutz hat.

Blättern Sie wei­ter zur Zusammenstellung der größ­ten Datenschutz-Flops 2012 »

Lars Sobiraj

Ich habe mir über die Jahre stets eine gesunde Portion Neugier in Bezug auf alles Unbekannte erhalten können und hoffe, dass diese niemals nachlassen wird.

9 Kommentare

  1. “…, denn was spricht eigent­lich gegen Datenschutz? Überraschenderweise eine gan­ze Menge. Denn die Absicherung der Informationen kos­tet Geld, viel Geld.”

    Was ist das für eine Logik? Geld spricht dann gegen bei­na­he alles. Auch dei­ne Krankenversicherung, ein Dach über dem Kopf, aus­rei­chend Essen, etc.

    • Das ist die Logik der Marktwirtschaft, Sam. Alles was Geld kos­tet und aus Sicht des Anbieters ver­zicht­bar ist, wird ger­ne weg gelas­sen. Und Datenschutz, den sieht man nicht.

      Deine ande­ren Beispiele pas­sen da eher – sagen wir – nicht so.

  2. Das Dumme an WhatsApp ist lei­der, dass die meis­ten Anwender sich über­haupt nicht dar­über im Klaren sind, dass es einen Grund haben könn­te, dass sie die­sen Dienst ohne monat­li­che Kosten in Anspruch neh­men dür­fen. Eine Tochter mei­ner Lebensgefährtin ver­schickt im Monat ca. 2.000 Nachrichten. Da bleibt neben dem übli­chen chit chat viel Material übrig, was man ana­ly­sie­ren und ver­kau­fen kann.

  3. What’s App Verschlüsselung schützt nicht vor Auslesen durch What’s App!
    Ich gehe mal davon aus, dass damit SSL gemeint ist, sonst erüb­rigt sich mein Kommentar.
    Durch eine SSL-Verschlüsselung wird nur die Kommunikation zwi­schen Endgerät und Server ver­schlüs­selt, der Server ver­ar­bei­tet die Daten wie­der im Klartext, kann also jeg­li­che Statistik fah­ren, die oben beschrie­ben ist.
    Bei einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung müss­ten Sender und Empfänger wie­der­um Private/Public Keys besitz­ten und die Public Keys aus­ge­tautscht haben. Viel zu kom­pli­ziert für genau die­se Zielgruppe!

  4. Wunderbar, so einen guten Artikel zu die­sem Thema habe ich schon lan­ge nicht mehr gele­sen :-)

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