Colormind erstellt Farbpaletten mittels künstlicher Intelligenz

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Es ist sicherlich nicht der erste Anwendungsfall, der einem einfällt, wenn man darüber nachdenkt. Dennoch ergibt das automatisierte Erstellen von Farbpaletten mittels „Deep Learning” durchaus einen Sinn.

Colormind: AI-Experiment mit praktischem Nutzen

Jack Qiao aus Vancouver in Kanada bezeichnet sich weder als Designer, noch als Ingenieur, obwohl er in beiden Bereichen tätig ist. Jack lässt sich nicht gerne festlegen und versucht, stets an Dingen zu arbeiten, die ihn persönlich interessieren. In der Entwickler-Community erlangte er bereits eine gewisse Bekanntheit mit seinem JavaScript-Tool SVGnest.

Sein neuestes Projekt Colormind.io beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie man künstliche Intelligenz für die Erstellung harmonischer Farbpaletten nutzen könnte. Jacks Grundgedanke war, dass selbst einigermaßen erfahrene und der Farbtheorie mächtige Designer Farbpaletten letzten Endes doch weitgehend nach dem eigenen Geschmack anlegen. Er suchte nach einer wissenschaftlicheren Methode, um den Faktor Mensch stärker zu reduzieren und die Ergebnisse objektivierbarer zu gestalten.

Also nutzte er die Technik des „Deep Learning”, die im Grunde heutzutage fast immer gemeint ist, wenn von künstlicher Intelligenz die Rede ist. Wenn du dich für eine differenziertere Definition interessierst, solltest du meinen Artikel bei t3n lesen, der die Unterschiede genauer erklärt.

„Deep Learning” bezeichnet eine Methode maschinellen Lernens, die der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns sehr ähnlich ist. Unter Verwendung neuronaler Netze versetzt sich die Maschine selbst in die Lage, Strukturen zu erkennen, diese Erkennung zu evaluieren und sich in mehreren vorwärts wie rückwärts gerichteten Durchläufen selbständig zu verbessern. Dadurch verbessert sie ihre Ergebnisse selbständig, lernt also stetig dazu.

Für den vergleichsweise einfachen Anwendungsfall der Generierung von Farbpaletten fütterte Jack seine AI (artificial Intelligence = künstliche Intelligenz) mit Paletten aus Adobe Color, sowie Best Practices aus Dribbble. Die erzielten Ergebnisse bedürfen weiterhin der menschlichen Beurteilung, stellen aber eine weitgehend objektivierte Grundlage für weitere Arbeiten dar.

Colormind: So generierst du Farbpaletten mit dem AI-Tool

Das Erstellen harmonischer Farbpaletten mit Colormind ist einfach. Auf der Landing Page des Projekts siehst du eine groß dargestellte Farbpalette direkt unterhalb der Hauptnavigation. Colormind startet stets mit einem Vorschlag. Einen neuen Vorschlag generierst du über den Button „Generate” links unterhalb der Palette.

Kennst du unser E-Book-Bundle? Spare jetzt 6,99 €!

E-Book Bundle von Andreas Hecht

Allerdings wird diese Vorgehensweise nur mäßig zielführend sein. Besser ist es, du wählst eine Startfarbe aus, indem du unterhalb des ersten Palettenfeldes auf den Button mit den Schiebereglern klickst. Es öffnet sich ein Colorpicker, mit dessen Hilfe du entweder visuell einen Farbwert wählst, oder die gewünschte Farbe als Hex-Wert einträgst.

Nach der Auswahl wird diese Farbe im ersten Palettenfeld angezeigt. Handelt es sich um eine Farbe, die auf jeden Fall in deiner Palette vorkommen muss, setzt du sie jetzt mit einem Klick auf das Schlosssymbol als unabänderlich fest. Nun klickst du erneut auf den Button „Generate” und Colormind passt die übrigen Farbwerte deiner initialen Selektion an.

Die Benutzersteuerung findet sich unter den einzelnen Feldern der Farbpaletten. (Screenshot: Dr. Web)

Die Position der Farbe in der Palette macht einen Unterschied. Soll die von dir gewählte Farbe zwar Teil der Palette, aber nicht deren Ausgangspunkt sein, schiebst du sie mit den Pfeil-Icons unterhalb eines jeden Feldes einfach an eine andere Position und lässt die Palette neu generieren.

Colormind ist ebenso in der Lage, Farbpaletten aus Bildern zu generieren. Dazu lädst du dein gewünschtes Bild über den Button „Upload” hoch und klickst auf „Generate”. Hier arbeitet Colormind flexibel. Wenn du mehrfach „Generate” klickst, erhältst du in Maßen unterschiedliche Ergebnisse. Dabei achtet der Generator darauf, dass die Ergebnisse stets gut als Palette funktionieren.

Bilder mit extrahierten Farbpaletten. (Screenshot: Dr. Web)

Wenn du dich intensiv für die Funktionsweisen hinter Jacks AI-Einsatz interessierst, dann solltest du seine beiden Blogbeiträge lesen, die zum einen den Algorithmus allgemein und zum anderen die Herangehensweisen bei Bildern erklären.

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz