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Manuel Diwosch 29. Dezember 2008

CMS mit Shopsystem Teil 4: Qual der Wahl mit Typo3

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Typo3 spricht als CMS große Internetprojekte an. Ebenso groß sind auch die Ansprüche solcher Projekte an die dazugehörigen Shop-Systeme. Im Umfeld rund um Typo3 stehen eine Reihe professioneller E-Commerce-Erweiterungen zur Auswahl. Je nach Bedarf können Seitenbetreiber hier aus dem Repository auswählen.

Typo3 ist das Flaggschiff unter den quelloffenen CMS. Es ist flexibler als die Konkurrenzprogramme „Joomla!“, „WordPress“ und „Drupal“, bietet mehr Funktionen und mehr Leistung. Es bedient selbst die Ansprüche großer Unternehmen, denn Typo3 organisiert ohne Probleme mehrere tausend Sites und verwaltet hunderte Benutzer.

Eine solch professionelle Zielgruppe hat jedoch auch ebenso professionelle Ansprüche, wenn es um den Handel im World Wide Web geht. Ein großes Internetportal mit zigtausenden Besuchern benötigt schließlich auch einen Webshop, der mit diesen Mengen fertig wird.

Das Typo3-Repository bietet zum Thema „E-Commerce“ auch eine große Auswahl an Shop-Extensions. Die genaue Anzahl lässt sich darüber jedoch nicht in Erfahrung bringen, da eine Suche nach Rubriken nicht vorgesehen ist. Beliebte Typo3-Shops sind das „Webformat Shop System“, das „Trade Ecommerce System“ und der „GSA-Shop“.

Die Stärken des Webformat-Shops, auch bekannt als „extendendshop“, sind die Mehrsprachigkeit, die Nutzerfreundlichkeit und das Tracking-Modul. Trade basiert ursprünglich auf dem Typo3-Klassiker „tt_products“, ist mittlerweile aber ein eigenständiges Produkt. Die Erweiterung verwaltet jedoch lediglich eine begrenzte Anzahl an Artikel und eignet sich daher auch nur für kleinere Shops. Trade ist allerdings leicht zu installieren und zu handhaben. Daher ist er für Shop-Anfänger empfehlenswert. GSA steht für General Shop Applications und wurde auf der Basis eines externen Warenwirtschaftsystems entwickelt. Der GSA-Shop ist zwar neu, bietet aber bereits große Funktionsvielfalt.

Im Zentrum der Shop-Erweiterungen für Typo3 stehen jedoch „tt_products“ und „Commerce“. „tt_products“ ist die meist verwendete und „Commerce“ die wohl vielversprechendste E-Commerce-Anwendung für das professionelle Open Source-CMS Typo3.

„tt_products“: Der Klassiker unter den Typo3-Shops

„tt_products“ ist eine der ältesten Shop-Anwendungen für Typo3. Schon im Jahr 1999 begann der Däne Kasper Skårhøj, der Entwickler von Typo3, mit der Programmierung dieser E-Commerce-Extension. 2004 übernahm der in Köln lebende Österreicher Franz Holzinger das Projekt und dessen Weiterentwicklung. „tt_products“ besteht nicht nur seit langer Zeit im Umfeld von Typo3, sondern ist auch die meist verwendete Shop-Lösung in Verbindung mit diesem CMS. Im Typo3-Extension-Repository, kurz „TER“, wurde diese Erweiterung seit 2002 mehr als 47.000 Mal heruntergeladen und zahlreiche Shops setzen das System im Live-Betrieb ein.

„tt_products“ ist für den EU-Binnenhandel ausgelegt und sollte daher den Ansprüchen deutscher Shop-Betreiber entgegenkommen. Die Zielgruppe dieser Shop-Erweiterung sind kleine und mittelständische Unternehmen.

Die größten Stärken hat der Shop in der Installation und in der Einrichtung. Diese gehen einfach und schnell von der Hand. Sie müssen die Extensions „Table Library“, „static_info_tables“, „sr_stativ_info“, „sr_fe_user_register“ und natürlich das Shop-System im Backend installieren. Danach können Sie beginnen, ihren Shop einzurichten. Eine ausführliche deutsche, englische und auch französische Dokumentation steht dazu im Netz bereit. Der Verlag „Open Source Press“ hat zu „tt_products“ ein Buch mit dem Titel „Der TYPO3-Webshop“ herausgebracht. Autorin Andrea Herzog-Kienast und Webshop-Entwickler Franz Holzinger beschreiben darin, wie man den Shop installiert, einrichtet und schlussendlich auch in Betrieb nimmt. Zusätzlich beschäftigen sich zahlreiche Typo3-Forumseinträge mit dem Shop-System und der Support von Entwicklerseite ist laut Typo3-Usergemeinde umfangreich und professionell.

„tt_products“ bietet nicht den gesamten Funktionsumfang großer Shop-Systeme, jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit fast alles, was kleine bis mittlere Shops benötigen, und noch ein paar Highlights. Die Produkte können mit verschiedenen Varianten wie unterschiedlicher Farbe oder Größe erstellt werden. Es ist möglich, Kundengruppen anzulegen, wodurch zwischen Geschäfts- und Endkunden unterschieden werden kann, oder für bestimmte Kundengruppen Rabatte angeboten werden können. Auch Coupon-Marketing und ein Newslettersystem (eingebunden über Typo3) gehören zum Funktionsumfang des Shops. Zudem können mehrere, unabhängige Shops über eine einzige Installation verwaltet werden. Was jedoch fehlt, mittlerweile aber fast zum Muss eines modernen Shop-Systems geworden ist, ist die Möglichkeit digitale Güter zu verkaufen.

Das Layout des Frontends wird mittels HTML-Templates gestaltet. Komfortabel ist darin der Mini-Warenkorb, der dem Käufer jederzeit Überblick über seine Bestellmenge verschafft.

Trotz vielfachem Einsatz wird „tt_products“ aber nicht vorbehaltlos von der Typo3-Gemeinde eingesetzt. In der Kritik stehen die englischsprachige Dokumentation und der Code, der manchen Nutzern zu chaotisch ist. Zudem sind den Entwicklern wohl Fehler bei der Vergabe von Versionsnummern unterlaufen. Dennoch schneidet der Shop seit dem letzten Update im Repository mit durchschnittlich 3,4 von fünf möglichen Punkten bei 33 User-Bewertungen positiv ab.

Zusammenfassend lässt sich trotz aller Kritik festhalten, dass „tt_products“ ein ausgereiftes und professionelles Shop-System für kleine bis mittlere Ansprüche darstellt. Die Beliebtheit der Extension und zahlreiche Live-Shops stellen dies täglich unter Beweis.

„Commerce“: Live-Einsatz trotz Beta-Phase

„Commerce“ ist eine deutlich jüngere Shop-Erweiterung als „tt_products“. Die Ziele der drei Entwickler Ingo Schmitt, Volker Graubaum und Thomas Hempel sind jedoch ehrgeizig formuliert. „Commerce“ soll zu einer Shop-Anwendung wachsen, die möglichst alle Ansprüche von Shopbetreibern erfüllen kann. Und die Zielgruppe der Extension hat hohe Ansprüche, denn „Commerce“ soll nicht etwa nur kleine oder mittlere Shops ansprechen, sondern große Online-Shops mit großen Warenbeständen verwalten können.

Obwohl die erste stabile Version dieser E-Commerce-Lösung noch nicht erschienen ist, erfreut sich „Commerce“ schon jetzt großer Beliebtheit und ist auf einigen Seiten bereits im Live-Einsatz.

Trotz Beta-Phase setzt dieser Shop auf „Commerce“

Diese Popularität liegt der komfortablen Artikelverwaltung zugrunde. Bei „Commerce“ werden Produkte auf Basis der Extension „gray tree“ in einem Kategoriebaum mit Haupt- und Subkategorien organisiert. In diesem Kategoriebaum werden auch die Zahl- und Liefervarianten definiert.

Weitere Funktionsvielfalt bietet „Commerce“ durch die flexible Preisgestaltung, nach Bestellmenge, verschiedenen Käufergruppen oder mittels Rabattaktionen. Zudem können die einzelnen Module des Shops auch eigenständig und voneinander unabhängig eingesetzt werden. So kann mit „Commerce“ auch ein reiner Katalog ohne Kaufoption präsentiert oder die Kassafunktionen ohne Produktanzeige für Auktionen eingesetzt werden.

Das Frontend wird Standards entsprechend via HTML-Templates gesteuert und auch „Commerce“ bietet seinen Kunden im Schauraum mit einem Mini-Warenkorb Überblick über die Bestellmenge.

Stimmen aus der Usergemeinde zur neuesten Version von „Commerce“ (0.9.8.) gibt es noch keine. Zusammenfassend lässt sich jedoch sagen, dass diese Shop-Lösung ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten bietet. Dank der komfortablen Artikel- und Bestellverwaltung ist „Commerce“ zudem noch benutzerfreundlich. ™

Manuel Diwosch

Manuel Diwosch ist seit 2000 im Medienbereich tätig. 2008 schrieb er erstmals für Dr. Web und startete eigene, professionelle Webprojekte. Er verbindet technisches Know-How mit dem Fachwissen der journalistischen Kommunikation. Als Dienstleister entwirft er Online-Marketing-Strategien für Unternehmen und setzt diese um.
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Ein Kommentar

  1. Super Bestandsaufnahme,
    würde mir mehr in diese Richtung wünschen
    (Erfahrungen, Installationshilfen, Tipps&Tricks) und öfter einen Artikel rund um Typo3 bei Dr.Web

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