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Dieter Petereit 6. März 2016

Cartoon: Das digitale Präkariat

Cartoon: Das digitale Präkariat

Ich kann es mir ja kaum anse­hen, das Leid, das mit Plattformen wie 99designs erzeugt wird. Stolz wer­ben die Betreiber damit, sie bräch­ten die Designer die­ser Erde näher zusam­men und der Kunde kön­ne nun von Berlin bis Bombay sei­ne Auswahl des bes­ten Entwurfes span­nen. Das stimmt zwar, ist aber kein Nutzen, son­dern eine Gefahr. Das digi­ta­le Präkariat ent­steht…

Cartoon: Das digitale Präkariat

Denn natür­lich kann der Designer am ande­ren Ende der Welt, wo der durch­schnitt­li­che Monatsverdienst bei 100 USD liegt, ganz ande­re Preise machen als der durch­schnitt­li­che Mitteleuropäer. So wir­ken unse­re hie­si­gen Preise auf ein­mal teu­er, wäh­rend sie im Kontext zu Kaufkraft und sons­ti­gen Marktbedingungen in den meis­ten Fällen sogar güns­ti­ger sein dürf­ten.

Und wehe du gewinnst den soge­nann­ten Wettbewerb am Ende nicht (was wahr­schein­lich ist). Dann hast du nicht ein­mal nur wenig, son­dern gar nichts ver­dient.

Es hilft alles nichts. Wenn du dein täg­li­ches Brot mit Design ver­die­nen willst, musst du ein gesun­des Selbstvertrauen ent­wi­ckeln und Preise ver­lan­gen, die dich letz­ten Endes auch wirk­lich ernäh­ren kön­nen. Dein Kunde wird sich eben­so­we­nig unter Wert ver­kau­fen wie du es soll­test.

Zudem holt dich ein zu nied­ri­ger Preis an vie­len Ecken und Enden des Projekts wie­der ein. In der Regel enden sol­che Projekte damit, dass Kunde und Designer glei­cher­ma­ßen unzu­frie­den sind. Lass es nicht so weit kom­men.

Beim guten alten Dr. Web haben wir schon vor Jahren einen Artikel mit dem Titel “Knackpunkt Preis” ver­öf­fent­licht, den ich dir auch heu­te noch emp­feh­len kann.

Bei der Karrierebibel hat man den Versuch gemacht, sich über einen Präkariatsdienst ein Logo ent­wi­ckeln zu las­sen. Lies den Bericht und lass dich abschre­cken. Wenn ich lese, wie vie­le Designer mit wie vie­len Entwürfen teil­ge­nom­men haben und wie­viel letz­ten Endes an einen (!) von ihnen gezahlt wur­de, wird mir ganz schlecht.

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Noch mehr Cartoons fin­dest du übri­gens an die­ser Stelle.

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

11 Kommentare

  1. …Villeicht nicht ganz pas­send zum Thema, aber zum Blog und den Comics: http://9gag.com/gag/a770X9z?ref=android

  2. Also ich fin­de den Bericht von Karriere-Bibel nicht wirk­lich abschre­ckend, eher im Gegenteil.
    Was im Übrigen über das sonst hier Gesagte nichts aus­sa­gen soll, dem ist fast voll­stän­dig zuzu­stim­men. Ich war­te ja nur dar­auf, daß ähn­li­ches für Programmierer kommt, ver­mut­lich dürf­te da nur die wesent­lich grö­ße­re Komplexheit des Pflichtenhefts und die meist vor­han­de­ne Notwendigkeit einer Wartung noch ent­ge­gen­ste­hen…

    • Nur zur Klarstellung: Der Bericht drü­ben auf Karrierebibel ist sehr auf­schluss­reich und bringt den prak­ti­schen Blick auf das theo­re­ti­sche dazu. Von daher fin­de ich ihn auch nicht abschre­ckend. Inhaltlich hin­ge­gen, also da, wo es um das Was und das Wie und das Wieviel geht, da fin­de ich die Ergebnisse abschre­ckend. Also bit­te nicht den Boten mit der Botschaft ver­wech­seln ;-) Wir sind doch nicht in Sparta.

  3. Hm, die Argumentation lässt doch Einiges außer Acht:

    - Keiner wird gezwun­gen, an sol­chen Ausschreibungen teil­zu­neh­men.
    – Wer teil­nimmt, weiß, wor­auf er sich ein­lässt.
    – Nicht der Anbieter ent­schei­det, was gut und sei­nen Preis Wert ist, son­dern der Nachfrager.
    – Konkurrenz belebt das Geschäft.
    – Wer sagt denn, dass hohe Preise auto­ma­tisch zu bes­se­ren Ergebnissen füh­ren (zahl­rei­che Beispiele im Web bestä­ti­gen das Gegenteil)?
    – Was ist mit den zahl­rei­chen Kleinstbetrieben und Startups, die den­noch Designs brau­chen, aber nicht die Budgets haben? Haben die nicht auch ein Recht dar­auf, sich inter­na­tio­nal nach dem bes­ten Angebot umzu­se­hen?
    – Wenn die­se Unternehmen wach­sen (und gute Erfahrungen mit Design gemacht haben), wer­den Sie viel­leicht auch Kunden hie­si­ger Agenturen.

    • Ich sehe das nicht so. Es muss ein fai­rer Gegenwert bezahlt wer­den.

      Wenn ein Startup kein Geld hat, kann es sich auch kei­nen Maybach als Firmenwagen kau­fen und VW wird ihm kei­nen zum Preis eines Golf geben in der Hoffnung, dass die Firma ein­mal wächst und sie dann den nor­ma­len Preis zah­len wür­de.

      Warum sol­len Grafiker und Fotografen die Wirtschaft stüt­zen? Wie kom­men die dazu, selbst bil­ligst zu arbei­ten und womög­lich spar­sam leben zu müs­sen, damit ande­re ihr Geschäft auf­bau­en kön­nen.

      Ja, Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber man muss von dem Geschäft auch leben kön­nen. Und der­zeit scheint es eine wirt­schaft­li­che Todessehnsucht zu geben bei Kreativleistern. Man will ein­an­der durch den nied­rigs­ten Preis über­bie­ten. Die Leistung ist es, einen hohen Preis zu bekom­men. Es ist alles ande­re als eine Referenz, Logos, Fotos oder Webseiten zum Billigstpreis gestal­tet zu haben. Es ist ein Armutszeugnis.

      Und es ist eine Schande, jun­ge, enthu­si­as­ti­sche Leute, von denen vie­le auch sehr talen­tiert sind und hoch­wer­ti­ge Leistung anbie­ten, aus­zu­beu­ten.

      • Dein ver­gleich hinkt: Das Unternehmen kauft ja gera­de kei­nen (deut­schen) Maybach, son­dern einen asia­ti­schen Kleinwagen. Den kann es sich leis­ten. Klar, wür­de es viel­leicht lie­ber einen Golf kau­fen, aber der ist schlicht zu teu­er.

        Der Grafiker soll auch gar nicht die Wirtschaft stüt­zen. Aber er nimmt an die­ser mit sei­nem Angebot teil – und muss sich daher auch dem (inter­na­tio­na­len) Wettbewerb stel­len. Wenn ande­re die­sel­be oder bes­se­re Leistungen für weni­ger Geld anbie­ten, brauchst du einen guten Grund, um dei­nen Preis zu recht­fer­ti­gen. Die Nachfrage regelt den Preis – nicht der Anbieter.

        Überdies wird nie­mand aus­ge­beu­tet! Das ist das schlech­tes­te Argument. Denn es wird nie­mand gezwun­gen, zu dem Preis (oder zu den Bedingungen) anzu­bie­ten. Wenn es zu dem (nied­ri­gen) Preis kei­ne Anbieter gibt, steigt der Preis. Umgekehrt aber reicht es eben nicht, zu sagen: “Ich bin jung und krea­tiv. Deshalb kann ich XXX ver­lan­gen, obwohl der Marktpreis eigent­lich bei YYY liegt.” Wenn du dei­ne Leistung nicht zum Marktpreis anbie­ten kannst, bist du schlicht nicht markt­fä­hig. Also musst du dei­ne Leistung ver­bes­sern und Mehrwert bie­ten – oder bil­li­ger wer­den.

        All die, die hier schrei­en: “Das sehe ich anders”, soll­ten sich mal fra­gen, war­um sie bei Aldi und Lidl ein­kau­fen oder im Internet Preise ver­glei­chen und dann beim bil­ligs­ten Online-Händler ihre Klamotten, Lebensmittel, Computer, etc. ein­kau­fen und nicht bei dem, der sagt: “Ich bin zwar der teu­ers­te, aber wenigs­tens jung und krea­tiv”… Ihr könnt nicht im sel­ben Atemzug für euer Business ande­re Regeln ver­lan­gen und den Markt und die inter­na­tio­na­le Konkurrenz ganz doof fin­den, und dann aber klas­se fin­den, dass es Dank Asien bil­li­ge Fernseher, Klamotten, Möbel, Computer, Autos, usw. gibt. Das ist bigott.

      • Volle Zustimmung zu fewe, wäh­rend Jochen (?) hier eher den klas­si­schen Raubtierkapitalisten gibt, den er eigent­lich gar nicht geben müss­te, weil er ja nicht der Betreiber von 99designs oder ähn­li­chem ist. Oder etwa doch?!

        Am liebs­ten ist mir immer das Argument, es wür­de doch kei­ner gezwun­gen. Lächerlicher kann man Ausbeutung gar nicht schön reden. Der Taxifahrer wird auch nicht gezwun­gen, für 3,50 Euro die Stunde zu arbei­ten. Da der Preis aber immer schön run­ter­ge­fah­ren wur­de, liegt er halt jetzt da. Warum hat­ten wir die Diskussion um Mindestlöhne und war­um hat sich die Wirtschaft dage­gen gewehrt? Angeblich wäre man durch Mindestlöhne nicht mehr wett­be­werbs­fä­hig. Was natür­lich völ­li­ger Quatsch ist, da es gera­de Mindestlöhne sind, die einen davor schüt­zen, dass die Hein Meier GmbH ums Eck ihre Leistungen bil­li­ger anbie­ten kann, weil sie ihre Mitarbeiter beschis­sen bezah­len.

      • @Karrierebibel: Selbstverständlich wird jemand aus­ge­beu­tet, der für ein Firmenlogo 250 EUR bekommt. Und das auch nur dann, wenn er die Bestleistung ablie­fert, die ein Vielfaches davon wert wäre.

        Man kann Handelsware nicht mit einer Kreativleistung ver­glei­chen. Wenn ich den sel­ben Fernseher beim Händler X bil­li­ger bekom­me als beim Y, wer­de ich ihn mir beim X kau­fen.

        Früher hat­te es so recht gut funk­tio­niert: Man arbei­tet vor­erst ein­mal güns­tig oder über­haupt kos­ten­los, bis man ein paar Sachen zum Vorzeigen hat und dann kann man nor­ma­le Honorare berech­nen. Heute funk­tio­niert das nicht mehr, weil es immer irgend­wo jeman­den gibt, der glaubt, vor­erst ein­mal bil­lig zu arbei­ten um ins Geschäft zu kom­men. Wenn er dann reif dafür wäre, bekom­men jene den Zuschlag die gera­de ein­stei­gen wol­len und eben auch sehr gut sind.

        Ich ken­ne das Problem näher von Fotografen. Da ken­ne ich etli­che, die schon seit Jahren was ande­res machen, weil das ein­fach nicht mehr adäquat bezahlt wird. Als ich zu foto­gra­fie­ren ange­fan­gen hat­te, konn­te man sich von zwei mitt­le­ren Aufträgen eine schö­ne Ausrüstung kau­fen. Heute mie­ten vie­le Fotografen die Ausrüstung pro Auftrag, weil zu wenig bezahlt wird.

        Und ja, das ist das Präkariat von dem in dem Artikel die Rede ist. Wenn man ande­re nichts ver­die­nen lässt, ver­dient man am Ende selbst nichts mehr. Und dabei geht es eben nicht um Geschenke oder Wohltaten, son­dern um eine adäqua­te Bezahlung.

      • Ich stim­me voll zu, möch­te aber noch ergän­zen, dass aus Unrecht nicht Recht wird, bloß weil es Beispiele gibt, wo es genau­so gehand­habt wird. Ich per­sön­lich ach­te, wo es geht dar­auf, dass ich Produkte kau­fe, die wenigs­tens mal ein Fairtrade-Siegel haben, weil ich Ausbeutung egal wo und egal wie ganz gene­rell zum Kotzen fin­de.

      • Fair-Trade-Siegel sind eine gute Geschäftsidee. Ich hal­te davon ehr­lich­ge­sagt nichts. Das dürf­te eine ähn­li­che Sache wie mit den Spendenorganisationen sein. In ers­ter Linie wer­den damit die eige­nen Leute gut ver­sorgt.

        Mir gefällt es dabei nicht, dass alle die nicht zah­len dafür, dass sie das Fair-Trade-Logo auf ihre Produkte dru­cken dür­fen hin­ge­stellt wer­den, als wür­den sie unfair han­deln. Es ist ein biss­chen wie Schutzgelderpressung. Sowas mag ich wie­der­um nicht ;-)

        Ich ach­te dar­auf, dass die, bei denen ich direkt eine Leistung bezie­he einen anstän­di­gen Gegenwert von mir bekom­men. Alles ande­re habe ich nicht in der Gewalt.

      • Jo, das ist die ein­fachs­te Art, damit umzu­ge­hen. Ich kann es eh nicht ändern. Siegeln glau­be ich nicht. Es ist halt wie es ist.

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