Dieter Petereit 29. September 2012

Camera+ von Taptaptap: Eine großartige Foto-App für iOS

Willkommen zum zweiten Teil unser Serie mit “iOS-Apps für Creative Professionals”. Heute stellen wir Ihnen Camera+ von Taptaptap ausführlicher vor.

Ich habe es Ihnen nicht erzählt, tue es aber jetzt. Mir gefällt die App Camera+ von Taptaptap so sehr, dass ich sie auf meinem neuen iPad installierte. Das tat ich, obwohl die App eine reine iPhone-App ist. Das Retina-Display verdoppelt die Anzeige so gut, dass kaum Verpixelung wahrzunehmen ist, weshalb ich bislang ganz zufrieden mit der Lösung war. Ich nehme an, Taptaptap war nicht zufrieden damit, dass ich lediglich zufrieden war, man wollte mich begeistern. Und genau das haben sie auch erreicht, als sie gestern Camera+ für das iPad veröffentlichten.

Camera+: Die Basics

Camera+ ist eine der bestselling Apps im App Store. Besonders die ausgefeilten Bildbearbeitungsfunktionen haben eine weltweite Fangemeinde entstehen lassen. Bis gestern Abend stand die App leider nur als iPhone-App zur Verfügung, bestach aber schon dort durch den großen Funktionsumfang und den einfachen, fast schon intuitiven Workflow. Der sieht – verkürzt betrachtet – so aus:

Man nimmt ein oder mehrere Fotos über das integrierte Kamera-Modul auf. In einer in die App integrierten Lightbox, die nicht identisch ist mit der Camera Roll des iPhones, wählt man verschiedene Möglichkeiten der Weiterverarbeitung aus. Zur Verfügung stehen Edit, Share und Save. Durch Wahl von save speichert man das jeweilige Bild direkt in die Camera Roll, Share erlaubt es, Bilder via Twitter, Facebook, Flickr oder per E-Mail oder MMS zu teilen. Ebenso kann ein Link zur Weitergabe über das Web generiert werden. Ich nutze diese Funktion praktisch überhaupt, für mich ist der Punkt Edit der wichtigste.


iPhone: Die Lightbox

Im selben Menü finden Sie noch den Punkt Info. Ein Tap darauf ruft eine Übersicht zum gewählten Bild auf, der Sie entnehmen können, wo das Bild gemacht wurde, welche Kameraeinstellungen dabei aktiv waren und welche Filter und Effekte aus Camera+ gegebenenfalls zum Einsatz gebracht wurden. Womit wir beim Thema wären…

Camera+ und die Bildbearbeitung

Im Edit-Bereich der App kann, muss aber nicht, anhand der Anordnung der Menüpunkte vorgegangen werden. Ich stelle die Funktionen der Einfachheit halber ebenfalls in der Reihenfolge ihrer Anordnung vor. Der erste Punkt Scenes erlaubt es, die Stimmung des Bildes zu ändern oder stärker an die tatsächlich gegebenen Lichtverhältnisse während der Aufnahme anzupassen. So ist es möglich, Farben automatisch korrigieren zu lassen oder Blitz oder Hintergrundlicht hinzuzufügen. Ebenso können Sie von hier Szenerie-Modi, wie etwa Beach, Concert, Food, Portrait und einige andere wählen, die Sie für am besten geeignet halten.

Im nächsten Schritt rejustieren Sie Ihre Aufnahme, indem Sie sie etwa um 90 Grad nach links oder rechts kippen oder sie horizontal oder vertikal spiegeln. Zumeist wird diese Vorgehensweise nur dann sinnvoll erscheinen, wenn man Bilder unter falscher Ausrichtung der Kamera aufgenommen hat. Mittels eines flexiblen Crop-Tools schneiden Sie nun den gewünschten Bildausschnitt zu. Diese Funktion nutzte ich persönlich noch nie. Ich achte direkt bei der Aufnahme darauf, dass nichts schnittbedürftiges mit aufs Bild gelangt. Gut zu wissen indes, dass man es könnte, wenn man wollte. Camera+ bringt hier etliche Optionen, unter anderem den “Goldenen Schnitt”, aber natürlich die freie Zuschnittmöglichkeit mit.

Meine meistgenutzte Funktionalität allerdings findet sich unter Effects und Borders. Der Bereich Effects bringt insgesamt 37 Filter mit, die geeignet sind, den Look eines Fotos komplett zu verändern. Wenn Sie auf Instagram stehen, werden Sie Camera+ ins Herz schließen. Alle Vintage-Filter finden sich wieder, hinzu kommen Filter auf Farbbasis und die beliebten Fake-Effekte wie HDR, Tilt-Shift, Cross Process und etliche mehr. Dabei lassen sich die Effekte additiv anwenden, wobei man sich darüber im Klaren sein muss, dass alle Effekte destruktiv wirken. Das Original ist nach der Bearbeitung nicht mehr vorhanden.

Meinem persönlichen Geschmack nach, gehört zu einem stark bearbeiteten Bild stets ein passender Rahmen, den ich in Camera+ unter dem Punkt Borders finde. Die App bringt neun simple und neun kreative Rahmen mit. Simple steht für Rahmen wie aus dem Fotolabor, eben quadratisch, praktisch, gut in weiß oder schwarz. Die kreativen Rahmen, in der App als Stylized bezeichnet, bringen Viewfinder-Optik, Vignetten und andere Rahmeneffekte auf Ihre Fotos. Mir persönlich gefällt ja der Rahmen am besten, der das Bild wirken lässt, wie einen Proof aus der Druckerei. Allerdings wird das damit zu tun haben, dass ich extrem häufig Printdesign erledige und von daher eine hohe Affinität zu Druckerei-Produkten mitbringe..


iPhone: Auswahl eines geeigneten Rahmens

Camera+ als Ersatz für die native Kamera-App

Camera+ ist zwar prinzipiell ein Ersatz für die in iOS integrierte Kamera-App. Ich persönlich nutze sie jedoch so nicht, sondern knipse mit Camera+ gezielt lediglich solche Bilder, die ich im Nachgang auch damit zu bearbeiten gedenke. Wer Camera+ als vollwertigen Ersatz verwenden möchte, wird nicht enttäuscht. Immerhin kann Camera+ mit einem digitalen Bildstabilisierer, einem Selbstauslöser und einem sogenannten Burst-Modus aufwarten, der eine Serie von Bildern nach einem einzigen Tap auf den Auslöser knipst. Ich habe die Funktionen in der nativen Kamera-App bislang eher nicht vermisst..

Camera+ gibt es momentan im Rahmen der Produkteinführung der iPad-App für sehr schlanke 0,79 Cent. Die App ist jedoch keine Universal-App. Wer die iPhone- und die iPad-Variante besitzen will, muss doppelt in die Tasche greifen und insgesamt 1,58 Euro auf Apples virtuelle Ladentheke legen.

Camera+: Update bringt iCloud-Synchronisation für die Lightbox

Bevor ich mich mit der brandneuen iPad-App beschäftige, sei noch darauf hingewiesen, dass das gestrige Update der App die Möglichkeit implementiert, den Inhalt seiner Lightbox über die iCloud zu synchronisieren. Wie ich bereits erwähnte, werden die Bilder in der Lightbox standardmäßig nicht in der Camera Roll gespeichert. Mit der Einführung von Apples Photo Stream entstand hier offenbar ein Handlungsbedarf, denn – mal ehrlich – die automatische Verfügbarkeit des Streams auf allen Apple-Geräten ist schon eine tolle Sache, oder? Da die Lightbox aber nicht in der Camera Roll speichert, kann dieser Komfort nicht mitgenutzt werden.

Stattdessen ist der Workflow in Camera+ grundsätzlich so definiert, dass die Bilder einzeln in die Camera Roll gespeichert werden müssen. In meinem Falle erfolgt das stets nur, nachdem ich ein Foto fertig bearbeitet habe, wobei ich nicht alle Bilder in der Lightbox schlussendlich auch tatsächlich bearbeite. Wegwerfen will ich sie indes auch nicht. Von daher bleiben sie auf unbestimmte Zeit in der Lightbox gespeichert. Ich sollte wohl erwähnen, dass Camera+ flexibel genug ist, den Standardspeicherpfad anpassen zu können. So lässt sich das Standardspeicherverhalten von der Lightbox weg hin zur Camera Roll verlegen oder so definieren, dass simultan sowohl in der Lightbox wie auch in der Camera Roll gespeichert wird.

Jetzt erhält eben diese Lightbox eine iCloud-Integration. Fortan werden Ihre unbearbeiteten und/oder nicht in der Camera Roll gespeicherten Bilder in Ihren iCloud-Account hochgeladen. Haben Sie Camera+ noch auf weiteren Ihrer Geräte installiert, werden fortan die Lightboxen dieser Geräte synchron gehalten. Das entspricht dem Verhalten des Photostream und bringt die gleichen Vorteile, wenn Sie tief in Apples Ökosystem verankert sind. So könnten Sie mit Ihrem iPhone im Tagesverlauf Fotos schießen und abends auf dem größeren Screen Ihres Retina-iPad bearbeiten.

Camera+ für das iPad: Effects, Borders, Adjustments jetzt mit mehr Komfort

Es wird Sie nicht überraschen, wenn ich sage, dass Camera+ für das iPad in erster Linie einmal deutlich mehr Komfort bei der Bildverwaltung und -bearbeitung bedeutet. Der Kamera-Teil der App ist funktional identisch zum iPhone-Gegenstück, aber die Bearbeitungsfunktionen sind nicht zu vergleichen. Das liegt nicht nur am verfügbaren Bildschirmplatz.

Die Lightbox zeigt natürlich mehr Bilder in der Übersicht und kann aufgrund des zur Verfügung stehenden Platzes auf dem Screen darauf verzichten, die bereits erwähnten Bildinformationen hinter einem Tap zu verstecken. Stattdessen sehen Sie die Informationen zum Aufnahmeort, zu dem Kameraeinstellungen etc. direkt in der Lightbox-Übersicht, wenn Sie ein Foto per Tap markieren. In der Lightbox können Sie weitere Fotos importieren, die aus der Fotobibliothek Ihres iPad oder auch aus Facebook oder Flickr kommen können. Die iPhone-Version der App erlaubt lediglich den Import aus der Camera Roll und dem Photo Stream.


iPad: Die bessere Lightbox

Camera+ für das iPad: Erheblicher Funktionszuwachs

Der wirkliche Mehrwert der iPad-App liegt jedoch in den Bearbeitungsfunktionen. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als hätte Taptaptap lediglich den Befehlsumfang aus der iPhone-App auf den größeren Bildschirm hin optimiert, wird auf den zweiten Blick deutlich, dass die Unterschiede weit größer sind.

Zwar finden Sie in der Tat die identischen Tools. Jedoch sind diese mit weit mehr Optionen und Tuning-Möglichkeiten versehen. Der Befehl Adjust etwa bietet auf dem iPad nicht nur die Möglichkeit, ein Bild zu drehen oder zu spiegeln, wie auf dem iPhone. Vielmehr können auf dem iPad auch weitergehende Korrekturen vorgenommen werden. Ob es um die Bearbeitung roter Augen, die Änderung des Weißabgleichs oder der Bildschärfe geht, hier bleiben kaum Wünsche offen. Dabei ist die zusätzliche Funktionalität rechts neben dem zu bearbeitenden Bild, respektive unterhalb der Toolbar, je nachdem wie man das iPad hält, sichtbar; auf Flächen, die das iPhone schlicht nicht bieten kann.


iPad: Aufgebohrtes Adjustments-Werkzeug

Die FX-Filter können nun nicht mehr nur kumulativ nacheinander angewendet werden, vielmehr lassen sie sich stapeln und dann manipulieren. Dabei werden die Auswirkungen der jeweiligen Optionsänderung direkt im Bild sichtbar. So können verschiedene Effekte so aufeinander abgestimmt werden, dass im Grunde ein völlig neuer Effekt daraus entsteht. Zusätzlich stehen für nahezu jeden Effekt Pinselwerkzeuge zur Verfügung, mit denen im Foto gezielte Anpassungen, etwa das Exkludieren einzelner Bildbestandteile vom anzuwendenden Effekt, vorgenommen werden.


iPad: Komfortables Editieren eines ganzen Effekt-Stapels

Dieser Teil von Camera+ liefert eine völlig neue Nutzererfahrung und völlig neue Möglichkeiten der Bildbearbeitung. Man kann das nicht als Update bezeichnen. Camera+ ähnelt zwar optisch dem Vorgänger auf dem iPhone, geht jedoch sehr viel weiter in Sachen Funktionalität. Im Moment läuft die Promotion für das neue Produkt. So lässt sich die App für 0,79 EUR geradezu stehlen. Natürlich gibt es wieder Unzufriedene, die jammern, dass Taptaptap die App nicht Universal macht und so für die iPhone- und die iPad-Version einzeln kassiert. Okay, ich stimme zu: Taptaptap, macht bitte eine Universal-App daraus und verdoppelt den Preis ;-)

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Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.
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3 Kommentare

  1. die App camera+gefällt mir sehr,nur ich kann keine Fotos in Fotos speiern ich besitze ein iPhon 4 wie kann ich das machen

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