Dieter Petereit 26. April 2016

Banking: Brauche ich ein separates Geschäftskonto?

Banking: Geschäftskonto

Gesetzlich vorgeschrieben ist die Trennung von Privat- und Geschäftskonto nur für Kapitalgesellschaften und andere zur doppelten Buchführung verpflichtete Unternehmensformen. Wer als Freelancer auf eigene Rechnung arbeitet, muss also, zumindest unter diesem Gesichtspunkt, kein zusätzliches Girokonto einrichten. Sinnvoll ist die saubere Trennung von privaten und betrieblichen Zahlungsvorgängen trotzdem. Wir zeigen, worauf es ankommt.

Banking: Geschäftskonto

Nicht ins Handelsgesetzbuch eingetragene Freiberufler und Gewerbetreibende brauchen keine doppelte kaufmännische Buchführung. Sie sind daher grundsätzlich auch nicht verpflichtet, ihre Aufzeichnungen für die Einnahmenüberschussrechnung mit den Kontobewegungen auf ihren Finanzkonten abzustimmen. Rechtlich spricht also überhaupt nichts dagegen, geschäftliche Einnahmen und Ausgaben über ein privates Girokonto abzuwickeln.

Das ändert allerdings nichts daran, dass der betriebliche Anlass und die Herkunft von Zahlungseingängen und -ausgängen auch bei gemischten Bankkonten durch Belege dokumentiert werden muss. Und: Kommt es zu einer Betriebsprüfung, hat der Steuerpflichtige im Fall von gemischten Konten eine „verstärkte Mitwirkungspflicht“ bei der Aufklärung der Mittelherkunft. Das hat der Bundesfinanzhof vor einigen Jahren in einem Urteil (Az.: X R 20/05) noch einmal ausdrücklich bekräftigt: Schließlich habe der Steuerpflichtige die Verbindung zwischen seinem Privat- und Betriebsvermögen ja freiwillig hergestellt.

Keine Qualitätsunterschiede

Bei den Zahlungsvorgängen selbst gibt es keine spürbaren Unterschiede zwischen geschäftlichen und privaten Girokonten. Überweisungen, Last- und Gutschriften werden gleich schnell (oder langsam) erledigt. Deine Geschäftspartner können anhand der Kontonummer auch nicht erkennen, um welche Kontoart es sich handelt.

Einen Unterschied gibt es jedoch aus Sicht der Banken und Sparkassen: Die wollen bei der Kontoeröffnung natürlich wissen, ob es sich um ein privat oder geschäftlich genutztes Konto handelt. Die Neugier liegt daran, dass sie gegenüber Privatleuten die Verbraucherschutzbestimmungen beachten müssen. Gegenüber Unternehmen haben die Finanzdienstleister beim Aushandeln der Konditionen größere Spielräume. Zudem sind über geschäftlich genutzte Konten in der Regel deutlich höhere Transaktionsvolumina zu erwarten, als sie etwa beim Privatkonto üblich sind. Für die Aufwandseinschätzung seitens der bank ist der Unterschied mithin erheblich.

Andererseits, wenn ein Freelancer über ein bereits vorhandenes privates Bankkonto auch betriebliche Rechnungen bezahlt und Kundengutschriften erhält, zieht das in der Regel keine Probleme nach sich. Manche Banken und Sparkassen stellen ihren Kunden neben einem bestehenden Girokonto sogar gebührenfreie Unterkonten zur Verfügung, um zwischen Zahlungen verschiedener Kategorien unterscheiden zu können.

Große Konditionsunterschiede

Wenn du ein neues (privates oder geschäftliches) Girokonto einrichten willst, ist ein Konditionen-Vergleich ausgesprochen sinnvoll. Bereits bei einer überschaubaren Anzahl von Kontobewegungen kannst du, aufs Jahr gesehen, leicht mehrere Hundert Euro sparen – und das wohlgemerkt bei vergleichbarem Leistungsumfang. Welches Konto unterm Strich für dich am günstigsten ist, hängt von der Nutzung im konkreten Einzelfall ab. Die Grundgebühren von Geschäftskonten sind zwar meist höher als die von Privatkonten – die jährlichen Gesamtkosten des Geldverkehrs können unterm Strich trotzdem niedriger sein.

Banking: Geschäftskonto

Besonders ins Gewicht fallen dabei die unterschiedlichen Zinssätze von Dispositions- beziehungsweise Kontokorrentkrediten (so werden die „Dispos“ auf Geschäftskonten genannt) sowie Überziehungskrediten. Während die Habenzinsen nach einem kurzen Zwischenhoch längst wieder gegen null gehen, betragen die Zinssätze für kurzfristige Kredite in der Regel zwischen 10 und 15 Prozent. Darüber hinausgehende Überziehungskredite, also geduldete, aber nicht vereinbarte Inanspruchnahmen, schlagen sogar mit bis zu 20 Prozent zu Buche!

Geschäftskonto: Vergleichskriterien

Darauf solltest du bei Konditionsvergleichen achten:

  • monatliche Grundgebühren,
  • Gebühren für Kontobewegungen (Auszahlungen in der Filiale / am Geldautomat, Überweisungen, Daueraufträge, Gutschriften, Lastschriften et cetera – jeweils mit / ohne Online-Banking),
  • maximale Höhe des Dispositions- / Kontokorrentkreditrahmens,
  • Verzinsung des Dispositions- / Kontokorrentkredits,
  • Verzinsung des Überziehungskredits,
  • Guthabenverzinsung,
  • Kosten für den Druck und Versand von Kontoauszügen,
  • Anzahl und Standorte von Geldautomaten sowie
  • Kosten für EC-Karte(n) sowie Kreditkarten.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ganz besonders wichtig sind darüber hinaus die vermeintlich „weichen“ Seiten der Finanzdienstleistungen. Hast du einen guten Draht zu dem für dich zuständigen Bankmitarbeiter? Sind du und dein Betrieb persönlich bekannt? Kannst du bei kurzfristigen Finanzengpässen mit Verständnis und Unterstützung rechnen? Wenn ja, ist das im Zweifel wichtiger als ein halber Prozentpunkt mehr oder weniger bei den Kredit- oder Habenzinsen.

Beachte gerade hinsichtlich dieser Faktoren, dass es wesentlich sinnvoller ist, eine Filialbank am Ort einer reinen Online-Bank vorzuziehen. Arbeitest du hingegen ausschließlich auf Guthabenbasis (du Glücklicher), dann kann dir das egal sein.

Ein weiterer, nur für manche, wesentlicher Faktor ist die Behandlung von Bargeldaufkommen. Sollte es bei deinem Gewerbe zu Barzahlungen seitens deiner Kunden kommen, muss deine Bank eine entsprechende Lösung dafür im Angebot haben. Das geht natürlich bei örtlichen Filialen am einfachsten, aber auch so manche Onlinebank bietet über Partnerschaften mit örtlichen Banken diese Möglichkeit.

Banking: Geschäftskonto

Praxistipp: Konditionsvergleiche und Online-Rechner

Im Internet gibt es natürlich eine große Zahl von Girokontovergleichen und Online-Rechnern – hier eine kleine Auswahl:

  • Einen Überblick über die Geschäftskonto-Konditionen der wichtigsten deutschen Banken und Sparkassen gibt es bei unternehmenswelt.de.
  • In der laufend aktualisierten Übersichtstabelle von girokonto-vergleich.net finden Sie zurzeit über 20 „kostenlose Giro- und Tagesgeldkonten“ – sowie die wichtigsten Konditionen vieler weiterer Anbieter.
  • Bei den Girokonto-Vergleichsrechnern von finanzscout24.de können Sie die in Ihrem Fall günstigsten Anbieter und die zu erwartende Kostenbelastung eigenhändig auf Basis der wichtigsten Parameter ermitteln (Zahlungseingang, Kreditkartennutzung, durchschnittliches Konto-Guthaben, durchschnittliche Dispo-Inanspruchnahme).
  • Auch geldsparen.de ermöglicht einen solchen „individuellen Vergleich“.
  • Der Geschäftskonto-Vergleich von KontoRat.de vermittelt neben einigem weiteren Hintergrundwissen ebenfalls einen guten Überblick über die Konditionen der Bankhäuser für die Eröffnung und Unterhaltung von Geschäftskonten.

So sinnvoll kritische Konditionenvergleiche sind, spare lieber nicht an der falschen Stelle. Wiederholtes Konto-Hopping bringt bloß ärgerliche Reibungsverluste mit sich, bereitet sowohl dir selbst als auch deinen Kunden und Lieferanten unnötige Arbeit und kostet obendrein Geld. Denke nur an den Druck neuer Geschäftspapiere, wenn darauf die Informationen zu deinem Geschäftskonto zu finden sein sollen.

Zudem machen häufige Kontowechsel in längerfristigen Kunden- und Lieferantenbeziehungen nicht eben einen zuverlässigen Eindruck. Man wird dich natürlich nicht fragen, aber man wird sich sicherlich seine eigenen Gedanken dazu machen, warum du wohl häufiger die Bank wechselst.

Fazit: Geschäftskonto oder nicht?

Viele Selbstständige und Kleingewerbetreibende wickeln ihre geschäftlichen Transaktionen dauerhaft über (bereits vorhandene oder zusätzlich eingerichtete) private Girokonten ab. Probleme mit dem Finanzamt oder der Bank hat das normalerweise nicht zur Folge, wenn man mal vom Risiko des tieferen Einblicks des Finanzamts in dein Privatvermögen absieht, den es bei einer Trennung nicht bekommen würde.

Ganz gleich, für welches Konto du dich entscheidest, achte von vornherein darauf, private und betriebliche Vorgänge sauber auseinander zu halten. Das gelingt logischerweise am besten, wenn du zwei verschiedene Konten nutzt. Angesichts des breit gefächerten Angebots und der gesunkenen Kontoführungsgebühren ist ein zweites Konto als Geschäftskonto zum Glück längst kein unerschwinglicher Luxus mehr.

Der Beitrag wurde in seiner Originalfassung von Lukas Schlömer geschrieben, am 17.09.2009 veröffentlicht und seither regelmäßig aktualisiert. Stand der letzten Änderung: 26.04.2016

(ls/dpe)

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.
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Ein Kommentar

  1. Buchungsposten fallen auch für Kreditkartenabrechnungen z. B. an, praktisch jedoch für jegliche Buchung die auf dem Geschäftskonto gemacht wird. Sollte man mit Bargeld umgehen müssen, dann sollte auch das Geschäftskonto bei einer Filialbank eröffnet werden und falls nicht, dann reichen Geschäftskonten von Internetbanken aus, zumal diese auch deutlich günstiger sind als Filialbanken.

    Theoretisch kann dir deine Bank auch kündigen, sofern du dein Privatkonto als Geschäftskonto nutzt, zumindest haben Banken diesbezüglich die Paragraphen auch in ihren AGBs, insofern sollte eigentlich jeder ein Geschäftskonto haben. Einen ausführlichen Ratgeber mit 14 Artikeln findet man z. B. auf Girokonto-Vergleichsseiten, da dies doch schon ein komplexeres Thema ist als kurz anzuschneiden. Insgesamt jedoch ein guter Artikel, wobei mir da noch ein paar Aspekte fehlen, wie Lastschrifteinzugsermächtigung gegenüber Kunden sind nur mit Geschäftskonten möglich …

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