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Jan Bojaryn 4. April 2007

Blogsoftware Teil 2 – Die Spezialisten

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Ein Blog ist doch eigentlich auch nur eine Website. Die Ränder des Formats sind unscharf, die Gemeinsamkeiten zwischen Blogs oft winzig. Aber so manches CMS hat sich einen Namen damit gemacht, Bloggern genau das zu geben, was sie brauchen. Wir untersuchen vier davon.

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Um nicht an der Oberfläche bleiben zu müssen, beschränke ich mich auf wenige Kandidaten: WordPress, Movable Type, Textpattern und Serendipity. Alle sind sehr bekannt. Das ist auch gut so, denn Ruhm und eine starke Community gehen oft Hand in Hand. Auch, was Templates und Plugins betrifft, sowie eine sichere Perspektive bei der Weiterentwicklung, ist ein bekannter Name ein dickes Plus.

WordPress
Populärer geht es nicht: WordPress ist längst für viele Nutzer die selbstverständliche Wahl, wenn ein Blog gestartet werden soll – die Konkurrenz wird oft einfach ignoriert. Auf den ersten Blick überrascht das nicht. Die Installation auf dem Webserver funktioniert, PHP (ab 4.2) und MySQL (ab 4.0) vorausgesetzt, wirklich in wenigen Minuten. Die Administrationsoberfläche könnte effektiver gestaltet sein, hat sich aber im Vergleich zu älteren Versionen schon deutlich gesteigert. Die Menüführung ist einfach, auch technische Laien sollten sich zurechtfinden. Nicht nur zahlreiche Features sind vom Start weg vorhanden, bei einigen ist WordPress einsame Spitze. Die Zahl der Templates und Plugins etwa ist riesig, die Community leicht zu finden. Und während verschiedene Nutzer für ein Weblog eingerichtet werden können, muss man für verschiedene Blogs auf der Basis nur einer Installation zum kürzlich erschienen WordPress MU greifen.

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Aber nicht alles ist prima. Die Menüführung bekommen andere Systeme noch eleganter hin. Auch hat WordPress nicht vom Start weg alle Funktionen, die man sich wünschen könnte. Zwar ist ein Spamschutz zuschaltbar, aber dank seiner hohen Popularität werden bekannte Blogs regelrecht von Kommentarspam überfallen. Da muss mit Plugins nachgelegt werden. Und ist das Weblog so richtig populär, zeigt sich WordPress nicht effektiv. Performanceprobleme sind leider keine Seltenheit. Schließlich mussten sich Nutzer in den letzten Monaten über viele Sicherheitsupdates ärgern, die den Wartungsaufwand deutlich erhöhten.

Der Texteditor bietet an Textverarbeitungen orientierte Schaltflächen zur Formatierung. Das funktioniert besonders unter Firefox gut, mit anderen Browsern gibt es teilweise Kopfschmerzen. In einigen wenigen Betriebsystem-/Browser-Szenarien muss man Plugins nachlegen, damit alles rund läuft. Und wer genau wissen will, was wie formatiert wurde, der muss öfter in den HTML-Modus wechseln. Natürlich schaffen manche Plugins Abhilfe, indem sie etwa die einfache Markupsprache Textile unterstützen. Auch, dass Plugins und Themes (Vorlagen) nicht vom Start weg im Backend installiert werden können, ist ein kleiner Patzer. Andere Systeme machen es dem Nutzer leichter. Rudimentär ist die Bilderverwaltung geraten.

So ist WordPress für manchen Nutzer am Ende ein Patchworkteppich, der alles abdecken kann, was man nur will – wenn auch nicht immer elegant. Eine große Nutzergemeinde schwört allerdings weiterhin auf das System.

Movable Type
Der einzige Kandidat in der Liste, der nicht als Open Source-Projekt entwickelt wird: Movable Type hat eine lange Geschichte, war vor einigen Jahren noch der Standard für Weblogs, und ist nicht zuletzt wegen der schleppend langsamen Weiterentwicklung ins Hintertreffen geraten. Immer noch brüstet sich Hersteller Six Apart damit, die Software für die erfolgreichsten und populärsten Blogs der Welt zu liefern. Im Januar ist eine neue Version erschienen und der Firmenchef verspricht eine rege Weiterentwicklung. Viele frustrierte Nutzer antworten mit Kritik und Häme. Nichtsdestotrotz ist Movable Type heute ein System, dass unsere Kriterienliste gut erfüllt. Ob die Möglichkeit, für Geld mehr Features und professionellen Support zu erhalten ein Vor- oder Nachteil ist, bleibt wohl Geschmacksache. Mehrere User und mehrere Blogs auf einer Installation sind inzwischen unterstützt. Die Grundversion des Programms ist frei erhältlich.

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Die Wartung von Movable Type können heutzutage auch Laien bewältigen. Das war nicht immer so. Zwar ist die Installation an sich ein Kinderspiel, aber unter Umständen müssen Perl-Module auf dem Server nachinstalliert werden. Weitere Systemanforderungen sind eigentlich Standard: Apache oder Windows IIS werden als Umgebung empfohlen. Perl (ab 5.6.1) wird vorausgesetzt, verschiedene Datenbanken werden unterstützt (etwa MySQL ab Version 4). Ist das verifiziert, geht allerdings die Sonne auf. Das Nutzerinterface sieht klar strukturiert und einladend aus, mit minimalen Klicks und guter Orientierung kommt man schnell ans Ziel. Auch hier kann man den Komfort bei der Verwaltung der Vorlagen, oder beim Verfassen von Artikeln (z.B. für vernünftige WYSIWYG-Bearbeitung) deutlich mit Plugins steigern. Vorlagen gibt es in rauen Mengen, in sehr guter Qualität, und nur eine Websuche entfernt. Skeptiker ohne Perl auf dem Server testen zuerst Typepad, den fertig gehosteten Ableger.

Textpattern
Auf den ersten Blick ein Volltreffer für Puristen: Ein CMS; das ‚Text‘ schon im Namen führt, und wie kein anderes Interface auf eine nüchterne Nutzeroberfläche mit ganz viel Whitespace und einer klaren Designmetapher setzt. So weit, so gut. Textpattern ist auch durchaus leicht zu installieren (PHP ab 4.3, MySQL ab 3.23) und leicht zu bedienen – aber nur, wenn man keine Angst vor reinem Text hat. Neben HTML versteht Textpattern noch die elegante Markupsprache Textile, ein WYSIWYG-Editor ist hier aber ebenso Fehlanzeige wie manch nützliches Feature bei der Konkurrenz. Alles wirkt reduziert. Immerhin lassen sich Plugins ganz einfach aus dem Backend installieren. Aber zur Anpassung an die eigenen Bedürfnisse muss man als Nutzer vieles in große, übersichtliche Codefelder kopieren oder eintragen. Viele der exzellenten Templates für Textpattern zeigen, was hier alles möglich ist. Wer sich aber gar nicht erst mit Code befassen will, lässt besser die Finger hiervon.

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Im Vergleich zur Konkurrenz ist hier alles eher klein geraten: Die Community ebenso, wie die Menge an Plugins. Wichtige Features sind aber alle da; mehrere Autoren, und Dateiuploads werden unterstützt, mehrere Blogs mit einer Installation sind dagegen nicht ohne Weiteres möglich. Wer aber gern alles unter Kontrolle hat, Übersicht und reinen Text schätzt, der kann hier beruhigt zugreifen.

Serendipity
Die Voraussetzungen für das immer beliebtere Serendipity sind etwas zahlreicher als bei den anderen: Nicht nur PHP und MySQL werden verlangt, auch Apache ist ein Muss, und ein paar weitere Empfehlungen werden auf der rudimentär gestalteten s9y-Website formuliert. Die Dokumentation ist knapp gehalten und die Nutzergemeinde ist nicht gerade riesig, aber es gibt sie, sie spricht deutsch und hilft gern weiter. Zudem bietet der (deutsche) Chefentwickler kommerziellen Support an. Gerade viele Anfänger schwören auf den schnellen und einfachen Start (Installation noch einfacher als in WordPress). Vom Start weg gibt es nur sehr rudimentäre Möglichkeiten der Textbearbeitung, die aber für viele Zwecke ausreichen und dann intuitiv funktionieren. Von der komfortablen Bildverwaltung könnten sich andere Systeme eine Scheibe abschneiden. Mehrere User können mit zugewiesenen Rechten an einem Blog schreiben. Aber Multiblogging ist auch hier Fehlanzeige.

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Plugins sind in guter Zahl mitgeliefert und brauchen nur aktiviert zu werden, das sogenannte „Spartacus“-Plugin vorausgesetzt kann sogar die offizielle Datenbank aus dem Backend heraus durchsucht werden. Designvorlagen gibt es, aber die Zahl kann nicht mit der Konkurrenz mithalten. Wer mit etwas Geduld sucht, findet allerdings Hochwertiges.

Pausengong
Bis auf Movable Type können alle Systeme bei OpenSourceCMS getestet werden. Und ein Test vor der Entscheidung ist für jeden Profi ein Muss. Bevor wir aber ein Fazit ziehen wollen, nehmen wir im kommenden Teil des Artikels Allrounder unter die Lupe: Ausgewachsene Content Management Systeme, für die Bloggen nur einen Teil des Funktionsumfangs darstellt. ™

Erstveröffentlichung 04.04.2007

Jan Bojaryn

Sprachwissenschaftler, freier Autor und Texter. Befasst sich seit fast 20 Jahren professionell mit Sprache, Webdesign, Usability und Kommunikation im Netz. Schreibt Artikel und Ratgebertexte zu verschiedenen Themen. Liebt guten Text, nutzerfreundliches Design und Currywurst.

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