Heike Thormann 11. November 2009

Für den Fall der Fälle: So verfassen Sie ein Bewerbungsanschreiben

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(Web)designer arbeiten oft als Selbstständige. Aber Designer, Programmierer und Coder arbeiten auch als Angestellte. Und manchmal sind Angestellte auf der Suche nach einem (neuen) Job. Hier lesen Sie einige Tipps, wie Sie ein Anschreiben für eine solche Bewerbung schreiben.

Während eine Bewerbungsmappe sozusagen die Pflicht ist, mit allen notwendigen Daten, Fakten und Unterlagen, ist ein Bewerbungsanschreiben die Kür. Allerdings ist es keine optionale Kür, auf die man auch verzichten kann. Im Gegenteil.

Sie sind bei seiner Gestaltung zwar relativ frei. Deshalb die „Kür“. Aber Sie sollten auch versuchen, das Beste daraus zu machen. Denn ein Anschreiben ist der wichtigste Teil einer Bewerbung.

Es ist Ihr Anschreiben, das der Personaler oder der Leiter einer Fachabteilung als Erstes in Händen hält. Und es ist Ihr Anschreiben, das darüber entscheidet, ob dieser sich überhaupt die Mühe macht, sich tiefer in Ihre Bewerbungsunterlagen zu versenken.

Betrachten Sie deshalb Ihr Bewerbungsschreiben wie eine gesunde Portion Selbstmarketing. Nicht übertrieben oder gar mit Falschaussagen angereichert. Aber schon so, dass Sie dem Empfänger glaubhaft machen können, der oder die Richtige für den Job zu sein.

Zählen Sie die Fähigkeiten und Berufserfahrungen auf, die für die angestrebte Stelle wichtig sind. Verknüpfen Sie Ihre Person, Ihre Eigenschaften als Mensch und das Know-how, das Sie in die Waagschale werfen können, mit der Stelle und dem Unternehmen. Je größer die „Passung“ zwischen letzteren und Ihnen zu sein scheint, desto besser.

Und wenn Sie es dann noch schaffen, sich von der Masse abzuheben und als Mensch greifbar zu werden, statt sich hinter Standardanschreiben zu verstecken, ist Ihnen zumindest die flüchtige Neugier des Personalers sicher.

Lassen Sie sich deshalb von den folgenden Tipps inspirieren, aber befolgen Sie sie nicht blind. Entwickeln Sie Ihren eigenen Stil. Schließlich „kauft“ man mit Ihnen einen Menschen ein – und den will man auch zwischen den Zeilen lesen können.

1. Das Formale

Versuchen Sie, Ihr Anschreiben auf einer DIN A4 Seite unterzubringen. Verwenden Sie keine ausgefallenen Schrifttypen, die kann man vielleicht nur schlecht lesen, und achten Sie auf ein klares Schriftbild.

Rechtschreibfehler sollten Sie weitmöglichst tilgen. Tipp: Lassen Sie den Text von einem anderen gegenlesen. Vier Augen sehen mehr als zwei. Und den Text können Sie durch bewusste Absätze lesbarer gestalten.

2. Der Kopf des Anschreibens

Dazu gehören Ihre Absenderadresse mit vollständiger Adressangabe inklusive privater eMail-Adresse entweder als Briefkopf am oberen Rand des Blattes oder in Blockform oben links.

Danach folgt die Adresse des Empfängers ebenfalls linksbündig und in Blockform. Achten Sie darauf, einen konkreten Ansprechpartner zu haben. Dieser kann in der Ausschreibung genannt sein, sonst haken Sie telefonisch nach. Schreiben Sie besser nicht an die „sehr geehrten Damen und Herren“. Nehmen Sie diesen Ansprechpartner gleich in die Empfängeradresse mit auf.

Lassen Sie entweder jetzt rechtsbündig das Datum und gegebenenfalls den Ort folgen. Oder bringen Sie diese Angaben schon vorher rechtsbündig auf gleicher Höhe zu Ihrem Namen.

Anschließend steigt die Betreffzeile in das eigentliche Anschreiben ein. Schreiben Sie kurz und knapp, worum es geht und worauf Sie sich beziehen. Also etwa eine Stellenanzeige, ein Telefonat, eine Initiativbewerbung – und natürlich die fragliche Stelle.

Beispiel:

„Bewerbung als xx, Ihre Stellenausschreibung in / bei yy vom 00.00.00″

Schön wäre es, wenn Sie, wie gesagt, in der folgenden Anrede einen direkten Ansprechpartner hätten. Sonst sind es natürlich die „sehr geehrten Damen und Herren“.

3. Der eigentliche Text des Anschreibens

Viele starten ein Bewerbungsschreiben mit dem klassischen Satz, dass man sich hiermit auf die Stelle x bewerbe, auf die Anzeige y schreibe oder Ähnliches mehr. Das ist nicht falsch. Aber es ist nicht sehr zugkräftig. Das Interesse des Personalers wird so nicht erregt.

Versuchen Sie lieber einen „starken Einstieg“ zu finden. Das kommt generell bei kurzen Texten gut, die sofort Aufmerksamkeit ziehen sollen. Also irgendetwas Besonderes, mit dem Sie den Leser in Ihren Text ziehen. Das kann zum Beispiel eine Anekdote oder ein „Bild“ sein. Irgendetwas, was der Leser konkret fassen kann und was etwas über Sie aussagt.

Beispiel:

„Sehr geehrter Herr X,

viele Webdesigner versprechen ihren Kunden, dass sie deren Webseiten benutzerfreundlicher gestalten. Ich verspreche Ihnen, dass ich die Webseiten Ihrer Kunden umsatzstärker gestalte. Und das verspreche ich Ihnen nicht nur, das beweise ich Ihnen auch: Mit xx …“ (Referenzen angeben, überleiten zu beruflichen Erfolgen und und.)

Zugegeben, so etwas ist nicht jedermanns Sache und in manchen, eher als konservativ bekannten Branchen vielleicht auch nicht zu empfehlen. Aber wenn es zu Ihnen, der Stelle und dem Unternehmen passt: Probieren Sie es aus und „heben Sie sich von der Masse ab“.

Andere starten mit einem höflichen „haben Sie einen Moment Zeit“ oder einem „darf ich mich vorstellen“ und schließen mit ein, zwei Sätzen zur eigenen Person an.

In diesem kurzen Abschnitt zur Frage „wer bin ich“ können Sie zum Beispiel Ihre Ausbildung (Diplom-Informatiker), Ihre Tätigkeit (freier Webdesigner) und / oder Ihre Berufserfahrungen nennen („die letzten 5 Jahre in der Konzeption und Entwicklung von Online-Communities tätig“).

Falls Sie das nicht gerade schon getan haben, können Sie in einem nächsten Absatz auf die eine oder andere Berufserfahrung eingehen, die für die Stelle relevant wäre. Versuchen Sie, beides aufeinander abzustimmen. Schauen Sie, was die neue Stelle für Anforderungen stellt und überlegen Sie, was Sie dazu bieten können. Und dann verklammern Sie beides miteinander.

Das Gleiche gilt für zusätzliche Qualifikationen wie Fortbildungen, besondere Kenntnisse und persönliche Eigenschaften, so genannte Soft Skills wie Teamfähigkeit oder zum Beispiel ein gutes Auge für optisch harmonische Designs, die Sie für die Stelle interessant machen könnten. Geben Sie nicht Ihren halben Lebenslauf wieder, sondern suchen Sie gezielt ein, zwei Beispiele, die zu der neuen Stelle passen könnten.

Noch etwas: Behaupten Sie nicht einfach, teamfähig oder belastbar zu sein. „Zeigen“ Sie es an konkreten Beispielen. Erzählen Sie etwa vom vollen Einsatz, den Sie mit Doppelschichten zur Rettung eines wichtigen Kundenauftrags gebracht haben. Natürlich das Ganze etwas netter verpackt.

Und wenn Sie es nicht schon vorher gebracht haben, ist es spätestens jetzt an der Zeit, Ihre Motivation für die neue Stelle zu schildern. Warum bewerben Sie sich auf die Stelle? Was interessiert Sie an dem Unternehmen? Dafür sollten Sie sich vorher ein wenig mit beidem vertraut gemacht haben.

Heute haben die meisten Unternehmen eine Webseite mit Profil, hier finden Sie Angaben zur Firma. Es kommt aber auch immer gut, wenn Sie kurz zum Telefonhörer greifen und die Personalabteilung um nähere Informationen bitten. Was sollte der Bewerber besonders können oder wissen? Was ist dem Unternehmen besonders wichtig? Und so weiter.

So ein erster Kontakt ist nicht nur gut für Ihre Bewerbung. Sie können mit diesen (Zusatz-) Informationen Ihre Bewerbung auch passgenauer zuschneiden.

Im letzten Abschnitt Ihres Anschreibens können Sie noch erwähnen, ab wann Sie verfügbar wären, „Eine Einstellung ist kurzfristig / ab xx möglich.“ oder Ähnliches. Und, sollte es in der Ausschreibung gewünscht sein, ist hier auch Platz für Ihre Gehaltsvorstellungen. Achten Sie darauf, weder zu sehr zu toppen, noch unter Niveau zu bleiben.

Danach geht es dann direkt in die Handlungsaufforderung und Schlussformel. Das kann etwas eher Neutrales sein wie: „Ich freue mich auf die Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch. Mit freundlichen Grüßen, xx.“ Oder: „Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören. Beste Grüße, yy.“

Sie können aber auch noch ein letztes Mal versuchen, eine „Passung“ zwischen Ihnen und dem Unternehmen beziehungsweise der Stelle herzustellen. So könnten Sie zum Beispiel für einen Job in Darmstadt als „gebürtiger Darmstädter“ grüßen. Oder Sie könnten für eine Stelle im Vertrieb anfragen, ob der Personaler sich vorstellen könne, einen vorab dargelegten „leidenschaftlichen Verkäufer“ mit ins Team zu nehmen. Mit einer Schlussformel wie: „Dann freue ich mich darauf, von Ihnen zu hören.“

4. Die Anlagen

Nach der Unterschrift folgen noch die üblichen Anlagen. Das kann entweder kurz und knapp passieren mit einem einfachen Vermerk „Anlagen“ oder „Anlage Bewerbungsmappe“. Oder Sie führen sie, auch je nach Platz, etwas umfangreicher auf: „Anlagen: Arbeitszeugnisse, Referenzen, pp.“

So, das war es. Das ist das Gerüst für Ihr Bewerbungsanschreiben. Anpassen können und sollten Sie natürlich immer noch. Spielen Sie auch ruhig mit der Reihenfolge und den einzelnen Punkten, bringen Sie eine individuelle Note rein.

Und vergessen Sie nicht, es jedes Mal neu einer Stelle und einem Unternehmen anzupassen. Nur so können Sie deutlich machen, warum Sie der oder die Richtige für den Job sind.

(tm), (sl)

Heike Thormann

Heike Thormann ist Trainerin, Redakteurin und Autorin. Ihr Schwerpunkt sind kreative Schreib-, Denk-, Lern- und Arbeitstechniken. Sie schreibt für verschiedene Fachmagazine und gibt mit ihrer Website ein Online-Magazin zu ihren Fachthemen heraus.
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