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Ruth Schilling 12. September 2009

Betriebswirtschaft für Webworker und Co.- Grundlagen – Teil 1

Alle reden von Krise – keiner weiß, ob sie gerade da, schon wieder weg oder erst richtig im Anmarsch ist. Wenn Sie als Unternehmer Ihr Handwerkszeug beherrschen und immer einen wachen Blick auf die wirtschaftliche Seite Ihrer Unternehmung haben, können Sie jede Krise meistern.

In dieser Serie erhalten Sie ein paar Denkanstöße und Informationen zum erfolgreichen Betriebswirtschaften.

Überblick über die Serie

Teil 1 beschäftigt sich mit den Basics zum Thema ‚Was ist Betriebswirtschaftslehre‘ bis zu ‚Unternehmenszielen und -strategien‘.

Teil 2 erklärt die Grundlagen des Rechnungswesens. Die Themen reichen von ‚Unternehmensformen‘, über ‚Gewinnermittlungs- und Steuerarten‘ bis ‚Forderungsmanagement‘.

Teil 3 stellt die Praxis des Controlling und die einfache Kostenrechnung vor, damit Sie als Unternehmer jederzeit wissen, ob Sie überhaupt noch Geld verdienen.

Was ist Betriebswirtschaftslehre?

Mit Betriebswirtschaftslehre werden ganze Bände gefüllt. Es beschäftigen sich Horden von Experten an Universitäten und in Unternehmen mit  der allgemeinen und speziellen Betriebswirtschaft für Gesundheitswesen, Industrieunternehmen und, und, und.

Diese Serie konzentriert sich auf die Informationen für Freiberufler und Gewerbetreibende , die Dienstleistungen für oder über das Internet anbieten. Das können sein Programmierer, Webdesigner, Webdienstleister jeder Couleur, Betreiber von Magazinen, Foren, Communities, Blogger und viele mehr.

Es geht also ganz konkret darum, was müssen Sie wissen und beachten, um Ihr Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich zu führen. Wir fangen mit der simplen Grundlage an: Der Frage nach Ihrem Unternehmenszweck. Zuerst einmal die Definition.

Der Zweck eines Unternehmens oder Corporate Mission

Der Unternehmenszweck wird auch oft bezeichnet als „Corporate Mission“ oder „Business Mission“. Der Zweck einer Unternehmung wird durch folgende Punkte bestimmt:

  • Festlegung von Unternehmenszielen
  • Herausarbeitung von Strategien, Betonung der Werte des Unternehmens
  • Wettbewerbsanalyse

Fiktives Beispiel für einen Unternehmenszweck

HappyKidsForever betreibt Onlinehandel mit exklusiver Marken-Kinderkleidung mit herausragenden Service-Angeboten für die Konsumenten.

Das Unternehmen zeichnet sich aus durch persönliche Erreichbarkeit bei Nachfragen per Mail, Chat, Telefon rund um die Uhr, längeres Rückgaberecht, als vom Gesetzgeber verlangt. Alle Artikel von HappyKidsForever sind aus umweltfreundlicher Produktion, für Allergiker gekennzeichnet und unter fairen Arbeitsbedingungen gefertigt.

Ähnliche Anbieter sind X, Y und Z. Das Unternehmen positioniert sich in Service und Qualität über X, Y und Z, liegt preislich zwischen Y und Z.

Und wie lautet Ihr Unternehmenszweck?

Können Sie Ihren Unternehmenszweck im Schlaf herunter beten? Oder fragen Sie sich gerade, wie würde ich denn meinen Unternehmenszweck formulieren? Dann nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, bevor Sie weiterlesen, und notieren Sie Ihre Corporate Mission.

Mission Statement

Oft wird aus dem Unternehmenszweck eine Kernaussage destilliert, die als sogenanntes Mission Statement nach außen kommuniziert wird. Dies ist nicht zu verwechseln mit einem Claim (Slogan). Das Unternehmen erklärt sich gegenüber der Öffentlichkeit, um an Profil zu gewinnen und sein Image zu festigen.

Das Mission Statement ist besonders im angelsächsischen Sprachraum verbreitet, setzt sich aber auch hierzulande mehr und mehr durch. Es wird oft als ein Bestandteil des Marketing beschrieben – Marketing und Betriebswirtschaft sollten besonders in einem kleinen Unternehmen gut verzahnt miteinander laufen.

Unternehmensziele

Unternehmensziele werden von der Unternehmensleitung festgelegt – also von Ihnen – und folgen dem Unternehmenszweck – der obersten Maxime Ihres Unternehmens.

Wichtig ist, dass Sie Ihre Ziele so formulieren, dass Sie später nachprüfbar sind. Anstatt also lapidar Gewinnsteigerung anzupeilen, sollte Ihr Ziel beispielsweise lauten: „Im Jahre 2010 möchte ich meinen Unternehmensgewinn um 5 % gegenüber 2009 steigern“.

Ein solches Ziel stellt  ein übergeordnetes Ziel dar. Diesem werden nun weitere Teilziele untergeordnet, die gleichzeitig die Strategie zum Erreichen des Oberzieles beinhalten.

Wie lauten Ihre übergeordneten Ziele für 2010? Gibt es andere mittelfristige oder langfristige Ziele für Ihr Unternehmen? Dann nehmen Sie sich spätestens zum Jahreswechsel Zeit, diese auf den Prüfstand zu stellen.

Unterziele – Strategien zum Erfolg
Wenn Sie Ihren Gewinn steigern möchten, schauen Sie normalerweise zuerst, wo Sie Ausgaben einsparen können und tun dies anschließend. Schon haben Sie eine erste strategische Zielformulierung zu Ihrem Ziel „Gewinnsteigerung“. Der Vorteil von Einsparungen ist, dass sie selbst keine oder wenige Kosten verursachen und schnell greifen.

Wenn Sie Angestellte haben, könnte Sie nun auf die Idee verfallen, diese zu entlassen, um Kosten zu senken. Aber, was nützt Ihnen das, wenn dadurch die Produktivität Ihres Unternehmens sinkt? Einen solchen Schritt sollten Sie dann in Erwägung ziehen, wenn Ihnen Aufträge weggebrochen sind, Sie den Betrieb umstrukturieren, aber nicht um Kosten einzusparen.

Drehen an der Preisschraube
Als Einzelunternehmer denken Sie vielleicht als nächstes an die Erhöhung Ihrer Preise. Das kann der richtige Schritt sein, aber dann fragen Sie sich bitte gleich, wie rechtfertigen Sie eine Preiserhöhung gegenüber Ihrer Kundschaft.

Wo bleibt da der Kundennutzen?
Bitte bedenken Sie, dass es Ihre Kunden in der Regel nicht kümmert, dass Ihre Kosten gestiegen sind. Ihre Kunden interessiert es, einen Nutzen zu erhalten. Damit es für Sie lohnend ist, sollte Ihren Kunden der angebotene Nutzen möglichst viel wert sein.

Eine Möglichkeit – Zielgruppenbefragung
Im nächsten Schritt könnte Ihre strategische Zielformulierung lauten: „Ich finde heraus, welchen Nutzen ich meinen Kunden zu welchem höheren Preis verkaufen kann und danach starte ich die Umsetzung.“

Weitere Möglichkeit – Besser qualifizieren
Ihr anderer Weg zur Gewinnsteigerung könnte so aussehen: „Ich qualifiziere mich und/oder meine Mitarbeiter, um einen nachgefragten Kundennutzen anbieten zu können.“ Bitte behalten Sie im Blick: Lohnt sich die Investition im Verhältnis zum Mehrertrag. Habe Sie jetzt bereits Stammkunden, die diese Leistung gerne bei Ihnen einkaufen würden?

Weitere Möglichkeit – Klarere Kundenkommunikation
Sie können sich auch als Ziel setzen: „Ich werde in meiner Kommunikation mit den Kunden den Nutzen klar formulieren, meinen Wert darstellen und meine Leistung nur zum angemessenen Preis verkaufen.“

In jedem Falle können hinter Ihrer simplen Zielsetzung „Preiserhöhung zur Gewinnsteigerung“ kurzfristig und mittelfristig durchführbare strategische Ziele warten. Sie werden also nicht unbedingt innerhalb eines Jahres die erwünschte Wirkung erzielen können. Achten Sie auf jeden Fall darauf, sich realistische Ziele zu setzen.

Wenn Ihnen die Erfahrung fehlt, ein realistisches Ziel festzusetzen, scheuen Sie sich nicht, Ihre Erwartungen im laufenden Prozess nach oben oder unten zu korrigieren. Psychologisch gesehen, ist es zwar angenehmer, wenn Sie positiv überrascht und nicht negativ enttäuscht werden. Aber, es ist auch wichtig zu lernen, realistisch einzuschätzen, was beispielsweise mit welchen Maßnahmen, in welchem Zeitraum an Gewinnsteigerung möglich ist.

Andere Ziele
Ihre Ziele können sich auch auf andere Bereiche beziehen. Vielleicht möchten Sie in einem bestimmten Zeitraum auf doppelte Größe expandieren oder die Nummer 1 im Markt werden. Oder Sie wollen sich stärker sozial engagieren, indem Sie einen bestimmten Prozentsatz von Arbeitszeit für pro-bono-Projekte verwenden.

Sie sind der Kapitän

An dieser Stelle merken Sie, wie wichtig es ist, dass Sie als Unternehmer das Steuer in die Hand nehmen, planerisch in die Zukunft denken, Entscheidungen treffen und umsetzen. Scheuen Sie sich dabei nicht, Beratung in Anspruch zu nehmen, es geht schließlich um etwas sehr Wichtiges: Ihr Unternehmen.

Beratung in Anspruch nehmen

Wenn Sie Existenzgründer sind, nehmen Sie auf jeden Fall Beratung in Anspruch. Es gibt zahlreiche Förderprogramme. Kostenlose Informationen für Existenzgründer und junge Unternehmen finden Sie unter anderem auf einer eigens für Jungunternehmer eingerichteten Website des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Dort können Sie ein Softwarepaket downloaden, dass Ihnen einen ersten Überblick verschafft und einige hilfreiche Tools an die Hand gibt.

Fazit

Sie sollten mindestens einmal pro Jahr den einmal postulierten Unternehmenszweck und die daraus folgenden Ziele und Strategien auf den Prüfstand stellen – auch wenn Ihr Unternehmen gut läuft.

Natürlich können Sie immer unvorhergesehene Ereignisse aus der Bahn werfen, aber immerhin schaffen Sie sich so Ihre Krisen und Katastrophen nicht durch Unterlassung selbst.

Im nächsten Teil der Serie geht es weiter mit dem Thema Rechnungswesen.

(tm), (sl)

Ruth Schilling

ist Fachautorin in den Bereichen Marketing, Werbung, Verkauf, Internet und Mitinhaberin der Agentur taula communication, calden.

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