Heike Thormann 10. Juni 2008

Besser konzentrieren

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Die Qualität unserer Arbeit hängt oft mit unserer Konzentration zusammen. Denn je mehr wir uns auf eine Aufgabe konzentrieren, desto effektiver können wir arbeiten, desto bessere Ergebnisse werden wir erzielen. Wenn Ihre Gedanken also wieder einmal abzuschweifen drohen, finden Sie hier einige Gegenmaßnahmen.

Ein hektischer Arbeitsalltag, ein Faible für Multitasking, Sorgen und Probleme – vieles kann uns unsere Konzentration rauben. Oft zum Nachteil für besagte Arbeit.

Denn je konzentrierter wir einer Aufgabe nachgehen, je mehr wir unsere Aufmerksamkeit auf sie richten, desto höher ist auch der Anteil unserer Fähigkeiten und Begabungen, die wir in sie hineinstecken. Und: Desto gezielter und effektiver können wir arbeiten, desto weniger Fehler werden wir machen oder Zeit mit deren Korrektur verlieren.

Wenn Ihre Gedanken also wieder einmal abzuschweifen drohen, dann versuchen Sie es mal mit den folgenden Tipps, um sich besser zu konzentrieren.

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Schalten Sie äußere Störquellen aus
Es soll sie geben: Menschen, die sich bei aufgedrehtem Radio oder trotz permanenten Telefondienstes konzentrieren können. Die Regel sind sie nicht. Eine Geräuschkulisse im Hintergrund kann einen von seiner Tätigkeit genauso ablenken, wie Sprints zum Telefon aus besagter herausreißen. Die Folge: Wenn wir nicht gleich auf der Lauer liegen und mit halbem Ohr auf das nächste Klingeln warten, dauert es doch immer seine Zeit, den roten Faden wieder aufzunehmen und mit unserer Arbeit fortzufahren.

Beugen Sie vor und schalten Sie nach Möglichkeit alle äußeren Einflüsse aus, die Ihre Konzentration stören könnten.

Ob das jetzt Musik und Fernsehen, Telefon oder eMail, Kundenbesuch, Arbeitskollegen oder liebe Mitmenschen sind, dürften Sie selbst am besten wissen. Achten Sie einfach mal darauf, was Sie selbst von Ihrer Arbeit abhält, und schieben Sie dem dann einen Riegel vor.

Wenn Sie möchten, können Sie das auch gern ganz wortwörtlich und symbolisch zum Beispiel mit einem „Bitte nicht stören“-Schild tun. Nicht nur mögliche Besucher wissen dann, was Sache ist. Auch Sie selbst stellen sich mental auf ein konzentriertes Arbeiten ein.

Arbeiten Sie Aufgaben nach Plan ab
Nicht nur äußere Störquellen können Sie aus Ihrer Konzentration herausreißen. Auch das ständige Hin- und Herspringen zwischen einzelnen Aufgaben bekommt diesen nicht gerade. Auch hier müssen Sie sich immer wieder neu eindenken, wenn Ihr Gehirn von einer Tätigkeit zur nächsten wechselt.

Machen Sie deshalb einen Plan, welche Aufgabe Sie wann erledigen wollen, und arbeiten Sie diesen dann Schritt für Schritt ab. So kann Ihr Gehirn sicher sein, dass es keine Aufgabe übersehen wird, und sich beruhigt auf die aktuelle Tätigkeit konzentrieren.

Tipp: Bündeln Sie ähnliche Tätigkeiten. So können Sie sich noch effizienter in diese hineindenken und müssen sich nicht bei jeder neuen Arbeit gleich wieder umstellen.

Schaffen Sie sich eine angenehme Arbeitsatmosphäre
Wenn es Ihnen ebenso geht wie mir, dann könnten Sie das Pech haben, sich von Fall zu Fall bei strahlendem Sonnenschein in einem schnell überhitzten Arbeitszimmer oder Büro auf eine Aufgabe konzentrieren zu müssen. Und wenn es Ihnen ebenso geht wie mir, dann dürfte das nicht sonderlich gut für Ihre Produktivität sein und eher von müden Schauern bis hin zu Urlaubsträumen führen.

Oder anders formuliert: Ihre Arbeitsatmosphäre hat direkten Einfluss auf Ihre Konzentrationsfähigkeit. Je wohler Sie sich damit fühlen, desto besser.

Sorgen Sie also für genug Licht, angenehme Temperaturen, frische Luft (Sauerstoff für Ihr Gehirn) oder auch Arbeitszeiten, die möglichst Ihrem Biorhythmus entsprechen. Wenn Sie zum Beispiel wissen, dass Sie morgens nur zu Routinetätigkeiten fähig sind oder mittags in Ihrem Büro gegrillt werden, dann quälen Sie sich nicht damit, hochkonzentrierte Aufgaben bewältigen zu wollen.

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Sorgen Sie für Ihr körperliches Wohlbefinden
Was für Ihren Arbeitsplatz gilt, das gilt auch für Sie selbst: Seien Sie gut zu sich. Kennen Sie das Sprichwort „mens sane in corpora sana“ (Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper)? Dann wissen Sie ja, was ich meine.

Konzentrieren kann man sich nur, wenn man körperlich fit und leistungsfähig ist, und keinen Raubbau an seinen Ressourcen betreibt.

In diesem Sinne: Achten Sie auf genug Schlaf (Übermüdung ist Gift für Ihre Konzentration und wird auch durch diverse Tassen Kaffee nicht besser), hin und wieder ein Glas Wasser für Ihr Gehirn (das fördert Ihr Denkvermögen), eine gesunde Ernährung, ein bisschen Sport und Bewegung und dergleichen mehr. Sie wissen schon …

Tipp: Noch etwas, was ich schon mal ganz gerne mache, wenn der (Konzentrations-) Faden zu reißen droht – Kaugummi-Kauen. Das macht zwar nicht schlauer, wie manchmal behauptet wird, aber durch die Kaubewegungen wird Ihr Gehirn mit Sauerstoff versorgt und Sie können sich besser konzentrieren.

Richten Sie sich nach Ihren persönlichen Konzentrationsphasen
Auch wenn wir es manchmal vielleicht nicht wahrhaben wollen, wir sind Menschen und keine Maschinen. Wir sind nicht bis ans Limit belastbar und wir tun gut daran, wenn wir mit und nicht gegen unseren Körper arbeiten. Ob das jetzt der persönliche Biorhythmus von oben ist, der uns Zeitfenster vorgibt, in denen wir uns besonders gut konzentrieren können, oder auch unsere individuellen Konzentrationsphasen.

So sagt man zum Beispiel, dass Kinder sich nur ungefähr doppelt so lange konzentrieren können, wie sie Jahre alt sind. Das heißt, ein zehnjähriges Kind würde nach rund 20 Minuten geistig „abbauen“ und eine Pause brauchen.

Erwachsene können sich zwar länger konzentrieren, aber auch hier gilt: Nach etwa einer halben Stunde machen sich die ersten Tiefs bemerkbar und spätestens nach etwa anderthalb Stunden ist es mit geistiger Arbeit sowieso vorbei, schleichen sich Fehler aus Erschöpfung ein.

Lassen Sie es am besten gar nicht erst so weit kommen, sondern wechseln Sie Phasen konzentrierter Arbeit mit kurzen Pausen ab. Und zwar nicht erst, wenn Sie merken, dass Sie nicht weiter können, sondern regelmäßig zwischendurch. Horchen Sie wieder ein bisschen in sich hinein, wie Ihre eigenen optimalen Zeiten aussehen, und setzen Sie die dann um.

Ach ja, und noch etwas: Der Griff zu eMail und Co. als Pausenfüller ist zwar verständlich, aber nicht wirklich eine Erholung für Ihr Gehirn. Da ist es schon hilfreicher, einfach mal ein paar Minuten die Augen zu schließen oder an die frische Luft zu gehen. Oder auch zum Getränkeautomaten und dem kleinen Schwatz mit Kollegen …

Beseitigen Sie innere Störquellen
Kennen Sie den schlauen Spruch „Energie folgt der Aufmerksamkeit“? Er besagt im Wesentlichen, dass Ihre Gedanken um die Themen kreisen, die Ihnen gerade am Herzen liegen. Das ist zweifellos von Vorteil, wenn das Ihre aktuelle Aufgabe sein sollte. Sollten das aber unverarbeitete Probleme oder der Ärger über den Kollegen x sein, ist das Gift für Ihre Konzentration.

Versuchen Sie deshalb zuerst, den Druck von diesen inneren Störungen zu nehmen. Beschreiben Sie sie zum Beispiel. Nehmen Sie Stift und Papier und lassen Sie alles raus. Nur zu, es sieht auch keiner hin. Schreiben Sie, was Sie bedrückt oder ärgert. Schmücken Sie jedes Detail aus, verbannen Sie es vom Kopf aufs Papier.

Dadurch verschwinden die Probleme zwar nicht. Aber Sie können den Druck in Ihrem „Kopfkino“ mildern und Ihre Aufmerksamkeit samt Konzentration wieder Ihren eigentlichen Aufgaben widmen.

Versuchen Sie, sich selbst zu motivieren
Konzentrationsschwächen können eine Folge von, sagen wir, noch nicht ganz ausgefeilten Arbeitsmethoden oder persönlichen Problemen sein. Sie können aber auch viel einfacher zu erklären sein. Denn seien wir ehrlich, oft genug können wir uns nur deshalb nicht auf etwas konzentrieren, weil wir dazu schlichtweg keine Lust haben, den Sinn und Zweck der Sache nicht einsehen. Ich denke, das ist normal und geht jedem irgendwann so.

Ein Patentrezept dagegen habe ich nicht. Und so manche Aufgabe müssen wir einfach tun, ob wir wollen oder nicht.

Versuchen Sie deshalb, Anknüpfungspunkte zu finden: Was haben Sie davon, diese Aufgabe zu machen? Was bringt sie Ihnen an Positivem ein? Was wird dadurch hinterher – auch für Sie – besser sein? Und so weiter, und so fort.

Je engagierter und begeisterter Sie an eine Sache herangehen, desto besser für Ihre Konzentration. Und natürlich …

Tipp: Holen Sie regelmäßig Feedback ein und versuchen Sie, auch die positiven Dinge angemessen gewürdigt zu bekommen. Mit Kritik sind wir zwar alle schnell bei der Hand, aber Anerkennung und Lob sind viel wirkungsvoller. Motivieren sie uns doch, uns noch mehr für diese Sache einzusetzen, an ihr zu arbeiten und uns zu verbessern. Und wer hoch motiviert arbeitet, arbeitet auch hoch konzentriert.

Nebenbei: Das gilt auch für Sie selbst. Warten Sie nicht darauf, dass irgend jemand Sie lobt. Loben Sie sich ruhig hin und wieder einmal selbst. Danach geht es dann mit neuem Schwung und aufnahmebereitem Geist zurück ans Werk.

Bauen Sie ein paar Konzentrationsübungen ein
Bei vielen Konzentrationsübungen geht es darum, innerlich ruhiger zu werden, seine Aufmerksamkeit nur noch auf einen, nicht mehr (zu) viele Punkte zu richten.

Ein Beispiel wären etwa Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga, Tai Chi oder Qi Gong.

Die langsamen Bewegungen helfen Ihnen, zu entschleunigen und sich nur noch auf die einzelnen Bewegungsmuster zu konzentrieren. Und sie lassen sich auch gut selbst in den hektischsten Arbeitsalltag einbauen: Gehen Sie einfach für 10 bis 15 Minuten die eine oder andere Übung durch und Sie werden merken, wie Sie langsam ruhiger werden. Danach können Sie dann mit gesammeltem Geist an Ihre Aufgabe zurückkehren.

Oder wandeln Sie das Prinzip ab und konzentrieren Sie sich nicht auf Bewegungen, sondern auf Gegenstände und Co. Beispiel: Haben Sie ein Maskottchen oder Ähnliches auf Ihrem Schreibtisch stehen? Dann nehmen Sie es in die Hand und betrachten es von allen Seiten. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nur darauf. Was sehen Sie? Welche Einzelheiten können Sie erkennen? Wie fühlt es sich an?

Oder noch ein anderer Ansatz: Konzentrieren Sie sich mit Formen meditativen Schreibens. Schreiben Sie zum Beispiel mit der Hand einen beliebigen Text ab. (Nun ja, vielleicht nicht gerade eine Kundenbeschwerde. Etwas aufbauender sollte Ihr Text schon sein). Auch durch das Abschreiben entschleunigen Sie und fokussieren Ihre Aufmerksamkeit. So gesammelt, können Sie Ihre Konzentration auch auf andere Dinge übertragen.

Bleiben Sie locker
Und vor allem: Gehen Sie die Sache nicht zu verbissen an. Konzentration lässt sich nicht erzwingen. Wer es doch versucht, bewirkt oft nur das Gegenteil. Wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht. Machen Sie stattdessen etwas anderes und versuchen Sie es später von neuem. Wie heißt es so schön: Neues Spiel, neues Glück. ™

Erstveröffentlichung 10.06.2008

Heike Thormann

Heike Thormann ist Trainerin, Redakteurin und Autorin. Ihr Schwerpunkt sind kreative Schreib-, Denk-, Lern- und Arbeitstechniken. Sie schreibt für verschiedene Fachmagazine und gibt mit ihrer Website ein Online-Magazin zu ihren Fachthemen heraus.
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