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Dieter Petereit 16. November 2018

Negative SEO: So wirst du aus dem Google-Index gekegelt

Der gan­ze Google-Zoo an Updates vom Panda-Bärchen bis zum Kolibri der ver­gan­ge­nen Jahre hat die Suchergebnisse nicht nur durch­ein­an­der­ge­wür­felt, ver­bes­sert und Black-Hat-SEOs das Leben schwe­rer gemacht. Er hat auch eine furcht­ein­flö­ßen­de SEO-Methode noch furcht­ein­flö­ßen­der (weil bedroh­li­cher) gemacht: Das soge­nann­te Negative SEO – also das geziel­te “Abschießen” der Konkurrenz aus dem Suchergebnisseiten.

Was ist Negative SEO?

Negative SEO ist letzt­lich ein Begriff, der eine Attacke gegen eine Website beschreibt. Die ange­grif­fe­ne Website soll aus den vor­de­ren Ergebnisseiten der Suchmaschinen ver­bannt wer­den. Es geht also dar­um, den genau gegen­tei­li­gen Effekt zu errei­chen, den du mit SEO nor­ma­ler­wei­se errei­chen willst. So erklärt sich die Verwendung des Adjektivs „Negative”.

Um Negative SEO zu betrei­ben, ver­wen­dest du im Grunde die vor­mals belieb­ten Black-Hat-SEO-Methoden, die heu­te zum Pushen der Seite nicht mehr funk­tio­nie­ren. Fortgeschrittene set­zen zusätz­lich auf direk­te Hacking-Angriffe oder atta­ckie­ren die Reputation der zu schä­di­gen­den Seite im Internet.

Die Negative-SEO-Techniken im Überblick:

  • Aufbau unzäh­li­ger schlech­ter Backlinks (Stichwort: Bad Neighbourhood) in kur­zer Zeit. Besonders gut funk­tio­niert das, wenn du auch noch auf­fäl­li­ge Spam-Keywords wie Viagra, Online-Casino und ande­re mehr ver­wen­dest.
  • Automatisierte Vervielfältigung der Inhalte oder sogar Spiegelungen der gan­zen Website auf Hunderten Domains (Stichwort: Duplicate Content)
  • Abbau guter Backlinks (indem du vor­gibst, für die atta­ckier­te Website tätig zu sein)
  • Angriff auf die Online-Reputation, indem du mit Fake-Accounts in sozia­len Medien auf­trittst oder ver­suchst, die atta­ckier­te Website mit Spam-Marketing in Verbindung zu brin­gen
  • Hackangriff auf die Website und Einbau von Spam oder Malware

Vor eini­ger Zeit galt es als unsi­cher, ob Negative SEO, etwa durch Setzen von Bad-Neighbourhood-Links wirk­lich nega­ti­ve Auswirkungen auf ein Website-Ranking haben kann. Mittlerweile dür­fen wir uns des­sen sicher sein. Und zwar nicht nur des­we­gen, weil es immer mehr Berichte erfolg­rei­cher Negative-SEO-Kampagnen im Netz gibt, son­dern auch des­we­gen, weil in den ver­gan­ge­nen Jahren immer wie­der Seitenbetreiber auch ohne Negative-SEO-Angriff „Opfer” einer Abstrafung im Google-Ranking wur­den.

Die betrof­fe­nen Seitenbetreiber wur­den vom Suchmaschinen-Riesen dazu auf­ge­ru­fen, unna­tür­li­che Links abzu­bau­en oder mit­tels Disavow-Tool zu ent­wer­ten. Um zu unter­strei­chen, dass man es bei Google ernst meint, ver­lo­ren die­se Websitebetreiber direkt ihr gutes Ranking und damit erheb­li­che Teile ihres Einkommens.

Wie schützt man sich vor Negative-SEO?

Nutzt ein Konkurrent oder ein vom Konkurrenten beauf­trag­ter SEO-Fachmann die genann­ten Techniken, um dei­ne Website zu atta­ckie­ren, musst du spä­tes­tens dann han­deln. Um einer solch skru­pel­lo­sen Attacke nicht schutz­los aus­ge­lie­fert zu sein, soll­test du zudem vor­beu­gen. Denn sich vor Negative-Seo-Attacken zu schüt­zen, vor­zu­be­rei­ten und schnell reagie­ren zu kön­nen, ist effek­ti­ver und ein­fa­cher, als erst dann zu han­deln, wenn sie ihre vol­le Wirkung bereits ent­fal­tet haben.

Solltest du übri­gens der Auffassung sein, dass dei­ne Wettbewerber viel zu anstän­dig sei­en, um dich mit Negative SEO zu über­zie­hen, dann soll­test du dir die­sen Beitrag ein­mal genau­er zu Gemüte füh­ren. Darin schil­dert eine SEO-Agentur, wie sie auf eine kal­te E-Mail mit dem Angebot der Durchführung von Maßnahmen aus dem Negative SEO über 80 Prozent Interessenten-Antworten erhielt. Fast 30 Prozent woll­ten eigent­lich nur noch die Bankverbindung der Agentur wis­sen, um sofort über­wei­sen zu kön­nen.

Der ehe­ma­li­ge Google-Webspam-Chef Matt Cutts erklär­te zwar, dass der Suchmaschinenriese alles unter­nimmt, um die­se Methoden zu erken­nen und zu unter­bin­den. Bis zum heu­ti­gen Tage ist davon indes wenig zu erken­nen. Es gibt dafür kei­ne Garantie. Entsprechend musst du die Sache selbst in die Hand neh­men.

Diese Angriffe können deine Website ereilen

Attacke 1: Spamlinks auf die Website

Je frü­her du merkst, dass Spam-Backlinks auf dei­ne Website gesetzt wer­den, des­to schnel­ler kannst du reagie­ren und die­se abbau­en bezie­hungs­wei­se ent­wer­ten. Mit einem Backlink-Analyse-Tool soll­test du dei­ne ein­ge­hen­den Links regel­mä­ßig über­wa­chen und kon­trol­lie­ren. Fällt dir auf, dass es plötz­lich meh­re­re Links von ver­meint­lich “spam­mi­gen” Seiten hagelt, musst du tätig wer­den.

Kontrolliere zuerst, ob die­se Links tat­säch­lich schlecht für dein Ranking sein wer­den oder sind und kon­tak­tie­re gege­be­nen­falls den Webmaster. Bitte ihn, sie zu ent­fer­nen. Ist das nicht mög­lich, soll­test du das Disavow-Tool von Google ein­set­zen und die Links ent­wer­ten.

Attacke 2: Gute Links werden abgebaut

Hier geht der SEO-Fachmann, der es auf dich abge­se­hen hat, so vor: Mit Hilfe eines Tools ana­ly­siert er dei­ne Backlink-Struktur und erstellt eine Liste dei­ner guten Backlinks. Nun schreibt er in dei­nem Namen die Webmaster direkt an und bit­tet dar­um, genau die­se Links zu ent­fer­nen. Eine hane­bü­che­ne Erklärung denkt er sich dafür auch noch aus. Deine guten Backlinks schwin­den dahin und damit ver­mut­lich auch dei­ne guten Rankings.

Um die­ser Attacke vor­zu­beu­gen, soll­test du dir ange­wöh­nen, bei Kooperationen immer eine domain­zu­ge­hö­ri­ge E-Mail-Adresse und kei­ne gmx-, gmail-, hot­mail-Adressen zu ver­wen­den. Wird plötz­lich mit einer Fake-Adresse eines Gratis-Anbieters zum Linkabbau ange­fragt, wer­den infor­mier­te Webmaster näm­lich im Normalfall miss­trau­isch. Lief die Kommunikation hin­ge­gen schon bis­her immer über eine sol­che Adresse, könn­te der Webmaster tat­säch­lich den Link ein­fach ent­fer­nen, ohne noch­mal bei dir nach­zu­fra­gen.

Auch für die­se Art der Attacke ist es wich­tig, dass du dein Linkprofil kennst. Werden näm­lich dann Links ent­fernt, wird es dir auf­fal­len und du kannst die Webmaster kon­tak­tie­ren und nach dem Grund fra­gen.

Attacke 3: Deine Inhalte werden über Dutzende Websites kopiert (Duplicate Content)

Mittels Script kopiert ein Konkurrent oder ein beauf­trag­ter SEO dei­ne Inhalte oder gleich dei­ne kom­plet­ten Websites und ver­öf­fent­licht die­se auf Hunderten Domains. Wenn Google die­sen Duplicate Content erkennt, kann das für dei­ne Rankings schäd­lich sein. Die Bots könn­ten sogar dei­ne Seite für kopiert hal­ten.

Du soll­test das daher stets im Auge behal­ten. Beobachte und kon­trol­lie­re regel­mä­ßig dei­ne Rankings mit SEO-Tools. Richte Google-Alerts für dei­nen Firmennamen und für dei­ne rele­van­ten Suchbegriffe ein. Zudem kannst du Duplicate-Content-Checker nut­zen und das Netz nach kopier­ten Inhalten absu­chen.

Bist du auf Duplicate-Content gesto­ßen, mel­dest du die­sen auf den Google-Support-Seiten und ver­suchst so, dage­gen vor­zu­ge­hen.

Attacke 4: Dein guter Ruf im Netz soll untergraben werden

Mit Spam-Marketingkampagnen wie Massen-E-Mails oder Fake-Accounts auf sozia­len Medien wird ver­sucht, dei­nen guten Online-Ruf zu schä­di­gen? Das soll­test du natür­lich so schnell wie mög­lich mit­be­kom­men. Im schlimms­ten Fall wird dei­ne Website bei einer Spam-Mail-Kampagne viel­leicht sogar als Phishing-Seite mar­kiert – mit fata­len Auswirkungen auf Besucher und Rankings. Die Fake-Accounts in sozia­len Medien könn­ten schnell Follower erhal­ten und dir einen schlech­ten Ruf ver­schaf­fen, den du im Netz nicht so leicht wie­der los wirst.

Falls du also ins Visier einer sol­chen Kampagne gera­ten soll­test, ist es wich­tig, dass du schnell dar­über Kenntnis erhältst. Daher soll­test du dei­ne Erwähnungen in sozia­len Medien und im Netz mit ent­spre­chen­den Monitoring-Tools im Auge behal­ten. Auf die­se Weise ver­setzt du dich in die Lage, so früh wie mög­lich gege­be­nen­falls den Google-Support zu kon­tak­tie­ren und Falschinformationen in Blogs, in sozia­len Netzwerken etc. zumin­dest eine seriö­se Antwort ent­ge­gen­zu­stel­len.

Attacke 5: Deine Seite wird von einem Hacker angegriffen

So wie in allen ande­ren Bereichen auch, gibt es kei­nen 100-pro­zen­ti­gen Schutz vor Hacker-Angriffen. Du kannst aber auf dei­ner Website ein paar Hürden ein­bau­en. Falls du WordPress nutzt, könn­test du ein Sicherheits-Plugin instal­lie­ren (Die gibt es natür­lich auch für ande­re CMS). Zudem soll­test du ein star­kes Passwort (Kombination aus Zahlen, Sonderzeichen, Groß-Kleinschreibung, etc) benut­zen und regel­mä­ßig Backups dei­ner Datenbank erstel­len.

Zum Thema Sicherheit mit WordPress fin­dest du bei uns die­sen und die­sen Beitrag und die­ses E-Book.

Hat es ein Hacker trotz Plugin und star­kem Passwort geschafft, bei dir „ein­zu­bre­chen” und Schadsoftware oder Spam hoch­zu­la­den, stellst du dank des Backups zumin­dest schnell wie­der den Originalzustand her. Mit Backup-Lösungen für WordPress haben wir uns in die­sem Beitrag beschäf­tigt.

Um einen sol­chen Angriff schnell zu bemer­ken, rich­test du dir etwa E-Mail-Benachrichtigungen in den Google-Webmaster-Tools ein. So erfährst du, wenn Google sich an Inhalten oder Quelltextteilen auf dei­ner Website beson­ders stört.

Ist Negative SEO rechtlich zulässig?

Die Antwort auf die Frage, ob Negative SEO recht­lich zuläs­sig ist, ist im gesam­ten DACH-Raum ein­deu­tig zu beant­wor­ten und sie lau­tet: Nein.

Die Begründung ist logisch. Negative SEO zielt dar­auf ab, den Wettbewerber, der ange­grif­fen wird, direkt zu schä­di­gen. In Deutschland erge­ben sich aus die­ser Absicht etli­che Verstöße aus dem BGB, dem bür­ger­li­chen Gesetzbuch, und dem UWG, dem Gesetz gegen den unlau­te­ren Wettbewerb. Sobald Verleumdung, üble Nachrede und ande­re fal­sche Tatsachenbehauptungen dazu­kom­men, ist der Staatsanwalt poten­zi­ell mit an Bord. Denn dann ist auch Strafrecht betrof­fen.

Das ist alles ziem­lich ein­deu­tig. Das Problem dar­an ist, dass Negative SEO nach­ge­wie­sen wer­den muss, um irgend­ei­ne Rechtsfolge dar­aus ablei­ten zu kön­nen. In aller Regel sind die Angriffe weni­ger kon­kret als ein direk­ter Hack oder eine Verleumdung in den sozia­len Medien. Diese Fälle las­sen sich ver­gleichs­wei­se gut ermit­teln.

Die Dingfestmachung eines Black-Hatters indes, der eine schlech­te Link-Nachbarschaft für dei­ne Website auf­ge­baut hat, ist weit­aus schwie­ri­ger. Das liegt nicht nur dar­an, dass der­lei Attacken meist nicht offen­sicht­lich von einem Wettbewerber direkt gesteu­ert sind, son­dern von irgend­wel­chen, meist aus­län­di­schen Fachkräften abge­wi­ckelt wer­den.

Dabei ist der Aufbau von Links als grund­sätz­li­ches Fundament des Web auch nicht unzu­läs­sig und nie­mand muss eine Zustimmung vor­zei­gen, dass er eine bestimm­te Website unter bestimm­ten Keywords ver­lin­ken darf oder eben nicht. Umgekehrt besteht kein Anspruch, mit sei­ner Website von jemand ande­rem ver­linkt oder eben gera­de nicht ver­linkt zu wer­den.

Ein wei­te­rer Faktor besteht dar­in, dass sich die­se Form des Negative SEO nur indi­rekt auf den Angegriffenen aus­wirkt. Die Drecksarbeit machen letzt­lich Googler, wenn sie auf die falsch gesetz­ten Signale reagie­ren und die ange­grif­fe­ne Seite des­halb im Ranking abwer­ten. Das wird der Angreifer beab­sich­tigt haben, aber er tut es halt nicht selbst.

Im Ergebnis wird es also für dich als Angegriffenen schwer, über die juris­ti­sche Schiene gegen der­lei Machenschaften vor­zu­ge­hen. Mindestens wird es viel zu lan­ge dau­ern. Erfolgversprechender als das Einschalten eines Anwalts ist es in der Regel, die hier beschrie­be­nen Warnsignale schnell zu erken­nen und die genann­ten Gegenmaßnahmen ein­zu­lei­ten. Recht haben und Recht bekom­men, sind, wie eigent­lich stets, zwei ver­schie­de­ne Paar Schuhe.

(Dieser Beitrag wur­de im Original von Manuel Diwosch geschrie­ben. Seither wur­de er mehr­fach aktua­li­siert und ange­passt, sowie in 2018 fast voll­stän­dig neu erstellt.)

(Artikelbild: Depositphotos)

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

3 Kommentare

  1. Danke für den infor­ma­ti­ven Artikel. Ich glau­be, das hat­ten vie­le gar nicht auf dem Schirm, auch wenn die Methoden an sich natür­lich auf der Hand lie­gen. Wieder etwas, was man im Auge behal­ten muss! :-(

  2. …und schon geht die Negativ-Seo-Spam Welle auf dich los, wenn ich dei­nen “neu­es­ten Blogbeitrag” im RSS Feed sehe… ohje. Da bist du bei dei­nen Recherchen offen­sicht­lich sehr tief in die dunk­len Ecken des Web abge­taucht. Ich drü­cke dir die Daumen!

    Liebe Grüße, Christopher

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