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Dieter Petereit 12. August 2013

Backdoor Adé: der NSA ein Schnippchen schlagen mit Seafile

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Wenn es nicht so mühsam wäre, eine private Cloud zu erstellen und zu unterhalten, dann würden es vermutlich weit mehr Teams und kleine Organisationen tun. In der Vergangenheit habe ich mich mit OwnCloud auseinandergesetzt, mit dem festen Vorsatz, wirklich damit arbeiten zu wollen. Letztlich konnte mich das Produkt nicht überzeugen. Die relativ neue Lösung Seafile macht da schon einen deutlich besseren ersten Eindruck…

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seafile

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Seafile: Chinesisch, aber Open Source

Seafile, ein direkter Wettbewerber zu den gängigen Synchronisationslösungen wie Dropbox, SugarSync und wie sie alle heißen, kommt mit einem gewichtigen Vorteil. Man kann die Software auf seinem eigenen Server installieren und ist damit, je nach Serverstandort, zumindest nicht im direkten Zugriff der noch nicht geläuterten Snowdens dieser Erde.

Auf den ersten Blick etwas unangenehm mag auf westliche Nutzer der Umstand wirken, dass Seafile von chinesischen Entwicklern, mithin auch nicht unbedingt aus der unverdächtigsten Ecke der Welt, stammt. Immerhin wird Seafile unter Open Source Lizenz entwickelt und abgegeben. Dahinter steckt eine bereits sehr aktive Community aus aller Welt.

seafile-homepage

Zusätzlich zur kostenlosen sog. Community-Edition vertreiben die Entwickler eine kostenpflichtige Pro-Version, die ein mehr an Möglichkeiten und Komfort bietet. Nennenswert dürfte hier insbesondere der Zugriff via WebDAV sein, der mit der kostenlosen Variante nicht möglich ist. Auch die Pro-Version ist für Selbsthoster gedacht.

Wer nicht selber hosten kann oder will, dem steht seit recht kurzer Zeit auch eine Cloud-Variante unter der Bezeichnung Seacloud zur Verfügung. In der Seacloud erhält man einen Account mit 1GB Speicherplatz kostenlos, in den größeren Varianten mit 100 oder 500 GB kostet das GB zehn Dollarcent pro Monat. Damit ist die Seacloud durchaus wettbewerbsfähig.

Die Seacloud wird in der Amazon-Cloud gehostet und fällt damit unter dem Gesichtspunkt, der NSA ein Schnippchen schlagen zu wollen, natürlich total aus. Man kann zwar in der Seacloud, wie in Seafile allgemein, jeden Ordner direkt verschlüsselt anlegen, was das allerdings für eine Wirkung hat, wenn die NSA mit den entsprechenden Geheimbeschlüssen winkt, ist ja hinlänglich bekannt.

Seafile, Seahub, Seafile Client – Quer über alle Plattformen

Der Seafile-Server steht derzeit nur für die Linux-Plattform, genauer für Debian, Ubuntu und CentOS, zur Verfügung. Eine Windows-Variante soll in Kürze folgen. Der Server ist recht einfach zu installieren und muss auf den unterstützten OS lediglich entpackt und gestartet werden. An der Konfiguration der Speicherumgebung führt natürlich dennoch kein Weg vorbei.

Seafile ist lediglich der Name des eigentlichen Servers. Um per Browser auf den Server sinnvoll zugreifen zu können, bedurfte es daher einer entsprechenden GUI. Diese hört auf den Namen Seahub und darf mit Fug und Recht als modern und elegant bezeichnet werden.

Sowohl für Linux, wie auch für Windows und Mac OS, insbesondere aber auch für die mobilen Betriebssysteme Android und iOS stehen Clients bereit, die im Falle der Desktop-OS eine echte Synchronisation bieten.

Die Vorgehensweise ist dabei etwas ungewöhnlich, aber schnell erlernt. Der zentrale Dreh- und Angelpunkt des Systems ist der Seahub. Hier werden Bibliotheken, im Grunde Hauptordner, erstellt, die dann aus dem Web nach der Installation des Clients in das entsprechende Seafile-Verzeichnis auf der lokalen Festplatte heruntergeladen werden. Nach diesem ersten initialen Download überwacht der Client sowohl das lokale Verzeichnis wie den Server und gleicht Änderungen schnell und zuverlässig ab. Der Client läuft dabei als Web-Service unter localhost.

seafile-client-working

Auf den ersten Blick sind die Abweichungen im Vergleich etwa zum Platzhirschen, der Dropbox, aus User-Sicht nur marginal, wenn man den größten Unterschied, die Möglichkeit des Selberhostens mal außer Betracht lässt. Bei näherem Hinsehen zeigen sich konzeptionelle Unterschiede.

Seafile – zunächst ein Kollaborationstool, dann erst Speicherservice

Seafile ist in erster Linie ein Kollaborationstool für Teams und erst in zweiter Linie ein Speicherdienst. Dropbox hingegen ist ein reiner Speicherdienst, der den Zugriff auf Dateien und Ordner im Wege der Freigabe erlaubt. In der Seacloud zahlt ein Mitglied den Speicherplatz geteilter Bibliotheken, in der Dropbox zahlt für einen 5 GB großen Ordner jeder Kollaborateur diesen Speicherplatz – bei fünf Teammitgliedern lässt sich Dropbox so 25 GB bezahlen. Das widerstrebt mir schon von Beginn an…

In Seafile gibt es das Konzept der Gruppen und der Bibliotheken. Gruppen sind Teams, die wiederum Zugriff auf Bibliotheken haben können, aber nicht grundsätzlich müssen. Gruppen können auch genutzt werden, um nach Twitter-Manier zu diskutieren oder gemeinsam an einem Wiki zu schreiben. Den vollen Nutzen erzielt man natürlich auch hier nur mit einer oder mehreren zur Gruppe hinzugefügten Bibliotheken.

seafile-share-gruppe

Dateien und Ordner können neben dieser gruppen-orientierten Vorgehensweise aber auch ganz klassisch per öffentlichem Link oder unter Eingabe einer Reihe von Mail-Adressen zugänglich gemacht werden. Alle Arten der Freigabe werden fein säuberlich katalogisiert und sind so jederzeit nachvollziehbar. Insgesamt erscheint Seahub, die GUI von Seafile sehr gut durchdacht. Einige Bereiche der Software können bereits mit deutscher Übersetzung verwendet werden, überall steht natürlich Englisch als UI-Sprache bereit.

Ein echter Knüller wäre es noch, wenn Seafile die Hojoki-Funktionalität, Dateien als Elemente zu verwalten und mit Kommentar- und/oder Task-Funktionen zu erweitern, implementieren würde. Das ist allerdings zum jetzigen Zeitpunkt Wunschdenken, wenn man dem Team auch rege Aktivität bescheinigen muss. Zusatzfeatures könnten also schneller Wirklichkeit werden, als man derzeit annehmen würde.

Im Ergebnis ist Seafile ein sich schnell entwickelnder Service, den man sich spätestens in Zeiten der totalen Überwachung näher ansehen muss. Die Seacloud bietet einen schönen Einstieg, um sich zunächst einmal mit dem Konzept vertraut zu machen und zu erkunden, ob die Installation auf dem eigenen Server überhaupt in Betracht gezogen werden sollte. So etwas ist ja schließlich auch immer eine Frage der persönlichen Vorlieben, des Bedienkonzepts und so weiter.

Was halten Sie von Seafile? Schon im Einsatz, noch in Planung oder nicht zu gebrauchen?

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Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

8 Kommentare

  1. Hallo zusammen!

    Nach diversen Versuchen mit OwnCloud auf dem RasPi war ich mit der unterirdischen Performance sehr unzufrieden. Außerdem war die Konfiguration ziemlich umständlich trotz eines guten Tutorials bei der Connect.

    Neulich bin ich dann zufällig über den iOS-Client von Seafile gestolpert bei AppTicker oder iFun. Gleich mal runtergeladen und heute Abend dann den RasPi neu aufgesetzt und innerhalb kürzester Zeit Seafile mit https am Laufen gehabt. Supereinfach!

    Jetzt wird sich beim Rumspielen zeigen, wie gut ich damit zurechtkomme, aber der erste Eindruck ist sehr positiv. Vor allem die Performance im Vergleich zu OwnCloud ist phänomenal!

    Werde wieder berichten.
    Grüße, Diet

  2. Hallo zusammen,

    zunächst mal vielen Dank für den Artikel, ich habe ihn erst NACH Installation von seafile gefunden und gelesen ;-)

    Ich bin bislang bei jeder Installation der OwnCloud-Versionen auf die Schnauze gefallen, weswegen ich mich nach Alternativen umgeschaut habe. Und siehe da? Seafile gefunden!

    Was die Installation betrifft, so war ich angenehm überrascht, wie gut seafile flutscht. Die Aussage des Herstellers, seafile laufe out-of-the-box, stimmt tatsächlich: Nach Installation von seafile in einer Debian-DomU (Squeeze) kam ich sofort auf das Webfrontend…. soweit, so gut.

    Das Android-App läuft, der Windows-Client (msi-Pkate) ebenfalls. Letzterer läßt sich sicherlich noch weiter aufhübschen.

    Apropos „Aufhübschen“: An der ein oder anderen Stelle ist noch nicht alles auf Deutsch übersetzt, aber ich denke, dass kommt noch.

    Ich werde Seafile nun in einer DMZ installieren und die Installation so gut es geht abdichten. Im Anschluß wird sich zeigen, ob seafile auch PEN-Tests übersteht und somit für den produktiven Einsatz taugt.

    Bislang bin ich aber recht angetan… mal sehen, was die kommenden Versionen so bringen werden.

  3. Nach OwnCloud (Katastrophe) und Sparkleshare (Große Dateien, History, kein Web Interface) bin ich auch bei Seafile gelandet.
    Die Bedienung von Client & Web Interface ist in meinen Augen noch nicht ideal aber das Entwicklerteam ist wirklich sehr aktiv und auch unglaublich bemüht Vorschläge der Community mit einzubeziehen. Oft werden kleine feature requests innerhalb weniger Tage umgesetzt.

    Das wichtigste ist für mich bei einem solchen Dienst die zuverlässige und unproblematische Synchronisation.
    Nur bei Seafile habe ich das Gefühl mich wie bei Dropbox darauf verlassen zu können, dass Dateien schnell, konfliktfrei und ohne Datenverlust synchronisiert werden. Auch eine History ist vorhanden und leicht erreichbar.

    Seit einigen Monaten und ~50 GB gespeicherten Daten (Mix aus großen und kleinen, sich oft ändernden Dateien) hatte ich bislang an der Synchronisation nie etwas auszusetzen.

    Der aktuelle Client mit Web Interface wird übrigens derzeit neu geschrieben und bekommt eine QT Oberfläche.

  4. Ich hab viel ausprobiert, um bloß nicht noch mal OwnCloud nutzen zu müssen und bin auch bei SeaFile gelandet. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist es mir dann gelungen, alles einzurichten, zufrieden war ich aber nicht wirklich. Die Bedienung der Clients und der Synchronisation ist dann doch etwas gewöhnungsbedürftig.

  5. Danke für den Artikel; deutschsprachige Meinungen zu Seafile sind ja derzeit noch rar gesät.

    Wir werden Seafile demnächst im Büro als Alternative zu Owncloud (Katastrophe) testen. Die Installation empfand ich auch als einfach, man muss aber bedenken, dass die Start-/Stop-Script für Seafile & Seahub nicht automatisch im System landen und man derzeit noch selbst Hand anlegen muss, damit die Server beim Systemstart auch mit von der Partie sind.

    Ob die aktuelle Oberfläche auch für Laien so intuitiv zu bedienen ist, wage ich aber derzeit noch zu bezweifeln.

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