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Dieter Petereit 2. Juni 2017

Automatisierung: Machen künftig Roboter den Job des Webdesigners?

Da hat­ten wir gera­de kol­lek­tiv auf­ge­at­met und fest­ge­stellt, dass Webdesigner nicht aus­ster­ben wer­den, schon kommt eine ande­re Art von Bedrohung auf den Plan. Was pas­siert, wenn Siri den Satz „Hey Siri, bau mir eine Website” tat­säch­lich ver­steht und sinn­voll umsetzt?

Der rasante Fortschritt im Machine Learning

Gut, Siri wird es eher nicht wer­den. Aber gera­de im Bereich des Machine Learning über­schla­gen sich die Ereignisse. Innerhalb kür­zes­ter Zeit etwa haben sich die Ergebnisse der Spracherkennung von grot­tig (Fehlerquote über 25 Prozent) zu top (Fehlerquote unter 5 Prozent) gewan­delt. Durch den selbst­ler­nen­den Aspekt der Technologie kann kaum jemand zuver­läs­sig vor­aus­sa­gen, wie schnell sich die Algorithmen selbst­tä­tig wei­ter ver­bes­sern wer­den.

Das gilt natür­lich nicht nur für die Spracherkennung, son­dern für alle Bereiche, in denen Machine Learning ein­ge­setzt wird. Die Usecases sind durch­aus viel­fäl­tig. Aktuell ist Sprachverarbeitung (Natural Language Processing) wohl der popu­lärs­te und dem Kunden offen­kun­digs­te Zweig. Zur Differenzierung der vie­len Fachbegriffe emp­feh­le ich dir mei­nen Artikel zum Thema drü­ben bei t3n.

Eine Oxford-Studie bewertet dein Jobrisiko

Im September 2013 ver­öf­fent­lich­ten die bei­den Oxford-Wissenschaftler Dr. Carl Benedikt Frey und Michael Osborne eine Studie mit dem Titel „The Future of Employment: How sus­cep­ti­ble are jobs to com­pu­te­ri­sa­ti­on?”, über­setzt etwa „Die Zukunft der Beschäftigung: Wie anfäl­lig sind Jobs, der Digitalisierung zum Opfer zu fal­len?”

Unter Anwendung sta­tis­ti­scher Rechenmethoden unter­such­ten die bei­den Wissenschaftler 702 Jobprofile auf ihre Anfälligkeit, im Zuge der Digitalisierung zu ver­schwin­den. Die Untersuchung beschäf­tig­te sich aus­drück­lich mit dem US-ame­ri­ka­ni­schen Job-Markt, dürf­te aber in ihren Grundaussagen auch für ande­re Volkswirtschaften mit ähn­li­chen Strukturen, etwa für Deutschland, zutref­fend sein.

Die getrof­fe­nen Aussagen für den US-ame­ri­ka­ni­schen Markt sind durch­aus krass. Freys und Osbornes Studie sieht mit 47 Prozent fast die Hälfte aller US-Jobs in Gefahr. Da kann man schon mal in Angstschweiß aus­bre­chen.

Glücklicherweise sind wis­sen­schaft­li­che Studien nicht wie die Tweets des US-Präsidenten, son­dern beinhal­ten prüf­ba­re Substanz. So lässt sich für alle 702 unter­such­ten Berufsbilder indi­vi­du­ell nach­le­sen, wie hoch die Forscher das jewei­li­ge Risiko sehen, dass eben die­ser Beruf der Digitalisierung zum Opfer fal­len könn­te.

Will Robots Take my Job?

Nun sind Studien, wie­der­um anders als die Tweets des US-Präsidenten, nicht neben­bei zu kon­su­mie­ren und so wür­de es durch­aus eini­gen Aufwand bedeu­ten, sich durch das Ergebnispapier zu frä­sen. Und so wol­len wir uns an die­ser Stelle bei dem Entwickler Mubashar Iqbar und sei­nem Designer-Kollegen Dimitar Raykov bedan­ken. Die bei­den mach­ten sich näm­lich die Mühe und zer­leg­ten die Studie in ihre Bestandteile, um sie danach als Website neu zusam­men­zu­set­zen und für jeder­mann zugäng­lich zu machen.

Nun kannst du auf „Will Robots Take my Job”, zu deutsch „Werden Roboter mei­nen Job über­neh­men”, nach allen 702 Berufsbildern suchen und das in der Studie errech­ne­te Ergebnis nach­schla­gen. Den Webdesigner an sich wirst du nicht fin­den. Der Begriff des „Graphic Designer” ist aller­dings so breit ange­legt, dass wir uns als Gebrauchskünstler des Netzes gut dar­in wie­der­fin­den kön­nen.

Wie du siehst, liegt das Risiko, dei­nen Job an einen Roboter zu ver­lie­ren bei nur 8,2 Prozent mit einer Tendenz zu einem ein­pro­zen­ti­gen Wachstum bis 2024. Damit lässt sich leben. Entsprechend ver­gibt die Seite für unse­re Jobs das Prädikat „Totally Safe”.

Noch bes­ser sieht die Jobsicherheit der­zeit noch bei Anwendungsentwicklern aus, die zur Zeit nur einem Risiko von 4,2 Prozent aus­ge­setzt schei­nen, aber einer Tendenz zu einem 19-pro­zen­ti­gen Wachstum, mit­hin 23,2 Prozent bis 2024, ent­ge­gen sehen.

Den Job des Webdevelopers bewer­tet die Studie mit einem bereits akti­ven Risiko von 21 Prozent. Das fin­de ich schon nütz­lich zu wis­sen, gera­de in die­sen Zeiten, in denen immer wie­der die Diskussion auf­flammt, ob Designer pro­gram­mie­ren ler­nen soll­ten, um viel­sei­ti­ger zu wer­den. Es scheint mir eher umge­kehrt so zu sein, dass sich Developer stär­ker um Design küm­mern soll­ten. Genau, um viel­sei­ti­ger zu wer­den.

Systementwickler dür­fen sich bis 2024 schon eines 26-pro­zen­ti­gen Risikos erfreu­en. Es scheint mir nicht son­der­lich schlau zu sein, Algorithmen zu pro­gram­mie­ren, die danach selbst die Programmierarbeit über­neh­men kön­nen, aber was weiß ich schon. Ich bin ja nur Designer…

Fazit

Um es mal in Abwandlung, aber immer noch mit Norbert Blüm zu sagen: „Die Designerjobs sind sischä”. Coder wer­den zwar trotz zwei­stel­li­ger Risikobewertung noch mit „No Worries”, also „Macht euch kei­ne Sorgen”, bewer­tet. Ich fin­de die ein­stel­li­ge Einstufung den­noch beru­hi­gen­der. Und du so?

Mach dir selbst ein Bild unter „Will Robots Take my Job”.

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

7 Kommentare

  1. Eine Website ist kein Selbstzweck. Sie muss viel mehr bie­ten als Informationen zu einem Unternehmen oder einer Dienstleistung lie­fern. Oft wird eine Website mit einer Facebook-Fanpage ver­wech­selt und manch einer Kunde glaubt, die Erstellung einer Website dau­ert genau­so lan­ge wie die Erstellung einer Fanpage bei Facebook. Beim Webdesign gibt es Faktoren wie Usability und Optimierung und die­se gehö­ren zu einem Prozess. Und eben die­ser Prozess ist so varia­bel, dass ein Roboter die­se Informationen kaum sam­meln, aus­wer­ten und indi­vi­du­ell anpas­sen kann.

  2. Auch wenn der Blogbeitrag ein paar Tage älter ist – so ist er immer­noch mehr als inter­es­sant.

    Ich glau­be man soll­te zu die­sem Thema wei­ter­ge­hen und nicht nur den Bereich der “Roboter” als Gegenstand der Diskussion sehen, son­dern viel­mehr auch die vie­ler Orts ver­füg­ba­ren “Webseiten-Baukästen” als Art Roboter sehen.

    Denn – vie­le Kunden auch in unse­rer Agentur schmei­ßen wild mit Argumenten um sich, wel­che meist den Wortlaut “aber bei wixx, bei jim­do” – der Unterschied zu nach­hal­ti­gem und wirk­lich hoch­wer­ti­gen Webdesign wird mehr als ver­kannt.

    Ich hof­fe, dass sich dahin­ge­hend auch die Spreu vom Weizen trennt.

    mit freund­li­chen Grüßen aus Dresden,

    Claudio von HD24

  3. Ich bin der Meinung, dass eine kom­plet­te Automatisierung nicht mög­lich es. Das sieht man auch bei sol­chen Baukästen wie JIMDO usw. Natürlich wer­den auch Menschen sol­che Systeme nut­zen, aber auf B2B Ebene mit Individuellen Anforderungen und Lösungen? Geschäfte wer­den unter Menschen gemacht, daher bin ich mir ziem­lich sicher, dass es nicht dazu kom­men wird. Sicherlich müs­sen wir als Webdesigner und auch anpas­sen an neue Technologien und Möglichkeiten den Prozess zu beschleu­ni­gen.

  4. Interessanter Artikel. Welcher Webdesigner hat sich noch kei­ne Gedanken gemacht…ich glau­be, über­all dort, wo Produkte für Menschen gemacht wer­den, muss immer ein Mensch mit­ar­bei­ten, um eine Ergebnis zu erhal­ten, dass einem Menschen gefällt. Und egal wie ein­fach es auch für nicht-Webdesigner wird eine Webseite zu erstel­len, ist das Thema heu­te doch mit allen Aspekten eigent­lich noch viel umfang­rei­cher als frü­her gewor­den und erfor­dert ein viel brei­te­res wis­sen als Experte auch in angren­zen­den Bereiche (SEO, CMS, Performance, Usability, Content usw.).

  5. Laut https://job-futuromat.ard.de kön­nen heu­te bereits 25 % der Tätigkeiten des Webdesigners von Maschinen über­nom­men wer­den. Das Online-Tool führt 4.000 deut­sche Berufe.
    Über das Projekt “Themenreihe ‘Digitalisierung der Arbeit” wur­de im Oktober 2016 publi­ziert: https://job-futuromat.ard.de/projekt.html

  6. Laut Darwin, stirbt die Art aus, die sich den jewei­li­gen Gegebenheiten nicht anpasst. Ich weiß, dass ist etwas weit her­ge­holt und es klingt etwas derb. Ich glau­be, dass bei­de Berufe, sowohl der Designer, wie der Programmierer nicht so schnell aus­ster­ben wer­den. Durch die Automatisierung wer­den aber vie­le Menschen arbeits­los. So sieht es jeden­falls aus. David Brecht hat hier­zu auch eini­ge inter­es­san­te Dinge gesagt und geschrie­ben.

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