
Alle 20 Minuten eine Firmenpleite? Leider ja.
Michael Dobler
Autor Dr. WebAlle 20 Minuten eine Firmenpleite? Leider ja.
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland erreichte 2025 den höchsten Stand seit elf Jahren. Für Entscheider stellt sich die Frage, ob 2026 die Trendwende kommt. Die Antwort hängt von Energiepreisen und Geopolitik ab.
Waren Sie schon in dieser Situation? Ein Geschäftspartner meldet Insolvenz an, Rechnungen bleiben offen, und plötzlich steht die eigene Liquidität auf dem Spiel. Genau das passierte 2025 in Deutschland statistisch gesehen alle 20 Minuten.
Das Wichtigste in Kürze
- 24.064 Unternehmen meldeten 2025 Insolvenz an, 10,3 % mehr als im Vorjahr
- Die Gläubigerforderungen lagen bei 47,9 Milliarden Euro, weniger als 2024 (58,1 Mrd. €)
- Verkehr, Gastgewerbe und Bau waren am stärksten betroffen
- Auch 77.219 Privatpersonen meldeten Insolvenz an (+8,4 %)

Wie dramatisch ist die Lage wirklich?
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut Statistischem Bundesamt beantragten 2025 insgesamt 24.064 Unternehmen Insolvenz. Zuletzt lag die Zahl 2014 mit 24.085 Fällen auf diesem Niveau. Schon 2023 und 2024 waren die Insolvenzen jeweils um mehr als 20 % gestiegen. Immerhin: Das Tempo hat sich verlangsamt.
Trotz steigender Fallzahlen sanken die Gläubigerforderungen von 58,1 Milliarden Euro (2024) auf 47,9 Milliarden Euro. Der Grund: 2024 gab es mehr Großinsolvenzen mit hohen Forderungssummen. 2025 sank die Zahl dieser Fälle (ab 25 Mio. € Forderung) um 15,6 %.
Welche Branchen trifft die Pleitewelle am härtesten?
Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es 2025 im Schnitt 69 Insolvenzen. Am härtesten traf es Verkehr und Logistik mit 133 Fällen je 10.000 Unternehmen. Das Gastgewerbe folgte mit 108 Fällen, das Baugewerbe mit 104.
„Alle 20 Minuten meldet in Deutschland ein Unternehmen Insolvenz an. Das ist kein statistisches Rauschen, sondern ein Alarmsignal für jeden Entscheider, der auf stabile Lieferketten und zahlungsfähige Partner angewiesen ist.“ — Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was sagen Wirtschaftsverbände zur Lage?
„2025 war ein ausgesprochen schwaches Jahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, erklärte Volker Treier, Chefanalyst der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Auch der Blick auf 2026 mache wenig Hoffnung. Eine DIHK-Umfrage zeige, dass konjunkturelle Impulse wie höhere Rüstungsausgaben bei den Betrieben noch nicht ankämen.
Etwas optimistischer äußerte sich der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). „In diesem Fall dürften die Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2026 um 3,7 % auf 23.100 Fälle sinken“, sagte BVR-Chefvolkswirt Andreas Bley. Voraussetzung sei allerdings ein schnelles Ende des Konflikts zwischen Iran und Israel sowie sinkende Energiepreise.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Für Geschäftsführer und Entscheider heißt das konkret: Prüfen Sie die Bonität Ihrer Geschäftspartner regelmäßig, sichern Sie Forderungen ab und beobachten Sie Branchen mit hoher Insolvenzquote besonders aufmerksam. Wer vorausschauend handelt, schützt die eigene Liquidität.
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