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Dieter Petereit 11. März 2009

Adobe InContext Editing, der Contribute-Nachfolger(?)

Kommt Adobe InContext Editing? Da stellt man seit gut zehn Jahren eine Software namens Dreamweaver her und schleichend fest, dass die Kundenwünsche sich in dieser Zeit dramatisch verändert haben. Blogsoftware und andere hostbasierende CM-Systeme drohen dem Adobe-Flaggschiff den Rang soweit abzulaufen, dass das Produkt Dreamweaver ins Wanken geraten könnte. Schon vor Jahren versuchte man daher, diesem noch jungen Trend eine Lösung entgegen zu setzen, die es ermöglichen sollte, Dreamweaver auf die Kundenseite zu transferieren, mithin eine Art CMS-Funktionalität zu bieten.

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Diese Lösung nannte sich Contribute und konnte bis zum heutigen Tage eigentlich nicht wirklich seinen Durchbruch feiern. Basierend auf dem WYSIWYG-Konzept der lokalen Anwendung Contribute stellt Adobe nun auch in Europa eine fremd gehostete RIA-Anwendung namens Adobe InContext Editing vor, die Dreamweaver-Sites spürbar näher an CMS-Systeme rücken soll.

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ice-live.png

Webseiten wie Word-Dokumente

Der Gedanke ist kein schlechter. Änderungen an den Inhalten einer Site sollten direkt in Optik und Layout, quasi live möglich sein. So kann prinzipiell jeder Anwender mit einem gewissen Office-Grundkenntnisstand die Inhalte der Firmenwebsite bearbeiten, ohne dass er zuvor an Schulungen teilnehmen müsste. Außerdem entfällt der Schritt, den im Backend erfassten Beitrag oder die Seite oder welches Screenelement auch immer gedanklich in die endgültige Optik zu portieren. Abgesehen davon, dass die Layoutmöglichkeiten innerhalb eines hostbasierten CMS vergleichsweise stark begrenzt sind, ist vielfach der zustande kommende Code unter dem Webstandards-Aspekten bestenfalls Mittelmaß.

Der Vorgänger und seine Probleme

Contribute, als erster Aufschlag einer entsprechenden auf DW basierenden Lösung, konnte indes nicht in allen Punkten überzeugen. Zunächst war es nicht in jedem Umfeld gewünscht, eine Software installieren zu müssen, nur um einige wenige Webseiten pflegen zu können. Dann war der Preis von rund 100 Euro durchaus ein Akzeptanzhemmnis. Das größte Problem dürfte jedoch das Handling gewesen sein.

Ich selbst habe auch vor einigen Jahren einmal einem Kunden Contribute vorgeschlagen und installiert, sowie die Site entsprechend vorbereitet. Leider konnte man seinerzeit einerseits die zu bearbeitenden Regionen der Website nur unzulänglich vor wilden Formatierungen schützen. Auf der anderen Seite wurde dem Bearbeiter ein im Zweifel zu hohes Maß an Wissen um die Vorgänge im Contribute abverlangt. Speziell die Notwendigkeit des fortwährenden Down- und Uploads von Entwurfsdateien und deren recht häufiges Scheitern liess das Vertrauen in die Contributelösung schnell schmelzen. Da die Darstellungsengine auf dem IE basierte war von echtem WYSIWYG ebenfalls nicht die Rede. Vermutlich war dieser Punkt der Sargnagel für das Contributeprojekt, zumindest, soweit es meinen Kunden betraf.

InContext Editing für Entwickler

Seit einigen Monaten steht, zunächst nur für die Nutzer in den US, jetzt aber für jeden mit einer Adobe-ID, das Nachfolgeprojekt (?) InContext Editing (ICE) bereit. ICE folgt prinzipiell der gleichen Philosophie, zumindest auf der Seite des Entwicklers. Dieser definiert editierbare Bereiche auf einer Website, hat dabei aber wesentlich mehr Kontrolle über die Edit-Funktionalität als zu Contributezeiten. So kann der Entwickler im Einzelnen entscheiden, ob der Endanwender Formatierungen anwenden darf, welche und in welchem Umfang. Zudem kann er ihn auf ein bestimmtes CSS-File limitieren. Bei sauberer Vorbereitung und Durchführung kann ein versehentliches Zerschießen der Siteoptik durch einen unerfahrenen Editoren nahezu ausgeschlossen werden.

Voraussetzung für die Anlage einer editable region ist die konsequente Verwendung des Div-Tags, da sich alle ICE-Befehle nur darauf anwenden lassen. Ältere Sites sollen dem Vernehmen nach nur eingeschränkt mit ICE funktionieren, da die Verwendung aktueller Doctypes ebenfalls zu den ungeschriebenen Voraussetzungen guten Gelingens zu gehören scheint. Durch die Funktionalität der repeatable region lässt sich mit ICE sogar eine Art Blog-, oder allgemeiner Newsseite realisieren, die noch dazu in sich frei sortierbar ist. Adobe bietet unter dieser Adresse eine entsprechende Testwebsite, die ohne Anmeldung bearbeitet werden kann.

Hat der Entwickler seine Site soweit vorbereitet, findet er im Siteverzeichnis unter includes einen Ordner namens ice, der Javascript und CSS enthält. Dieser Ordner muss hochgeladen werden, um das InContext Editing überhaupt aktivieren zu können. Im Folgeschritt wird die Site dem Adobe Webservice InContext Editing bekannt gemacht. Dazu ist ein Adobe-Konto erforderlich. Die späteren Editoren laden Sie aus dem ICE-Backend ein. Diese benötigen keine Adobe-ID. Unter dem Punkte Register Website geben Sie dem Adobe-Server im Wesentlichen die (S)FTP-Zugangsdaten zu Ihrer Website. Damit ist klar, dass ICE intern im Grunde wie Contribute mit Down- und Uploads arbeitet, dies jedoch dem User weniger transparent macht.

registerwebsite.png

InContext Editing für Anwender

Nachdem Sie entsprechende Editoren zur Bearbeitung der Site berechtigt haben, können diese, nachdem sie Ihrer Einladung gefolgt sind ohne Umstände mit der Inhalteerstellung beginnen. Für den Editoren stellt sich ICE als zweireihige Toolbar am oberen Ende des inneren Browserfensters dar. Wer acrobat.com kennt, wird sich in der markanten Optik sofort heimisch fühlen. Je nach zugewiesener Berechtigungsstufe global, wie auch den frei gegebenen Formatierungsoptionen am entsprechenden Element kann der Nutzer seinen Vorstellungen von gelungenem Content freien Lauf lassen.

Im Vergleich zu Contribute stellen sich auch auf Userseite einige Vorteile dar. ICE bedarf keiner lokalen Installation. ICE ist als Webservice konzipiert und als solcher in jedem modernen Browser nutzbar. Dadurch, dass kein bestimmter Browser als Grundlage einer eingeschränkten Anzeigeengine verwendet wird, wie das unter Contribute üblich war, ist die Darstellung am Bildschirm echtes WYSIWYG. Die Ausgestaltung als hostbasierter Service stellt zudem eine hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit, sowie -zuverlässigkeit sicher. Hier gab es mit Contribute nach meiner Erfahrung durchaus häufig Probleme.

Der Haken mit dem Datenzugriff und den Gebühren

Allerdings liegt der Haken auch relativ deutlich zutage. ICE ist ein Service, der auf Servern des Unternehmens Adobe läuft. Während der derzeit laufenden Testphase ist der Dienst kostenlos, danach wird mit Preisen von 10 bis 20 Dollar zu rechnen sein. Dem Vernehmen nach wird nicht jeder Editor einzeln abgerechnet, vielmehr soll die Gebühr für ein Paket von bis zu fünf Domains bei einer mutmaßlich unlimitierten Nutzeranzahl gültig sein. So käme man auf eine Monatgebühr von zwei bis vier Dollar pro Domain, sofern man willens und in der Lage ist, seinen Workflow gegenüber dem Kunden klar in Richtung ICE zu positionieren. Was ich allerdings nicht wirklich als Perspektive sehen kann.

InContext Editing – für wen oder was geeignet?

Nach meiner Überzeugung ist ICE eher eine potenzielle Lösung für sehr kleine Websites mit einem einzigen Bearbeiter ohne mehr als rudimentäre Kenntnisse im Editing. Diese Projekte sind in jedoch aller Regel höchst preiskritisch und eher nicht zugänglich für die Umsetzung zusätzlicher Gebühren. Einräumen muss man jedoch, dass gerade der Bereich sehr kleiner Websites noch relativ lösungsoffen ist. Immer wieder wird in Blogs und Foren angeregt diskutiert , welches CMS-System denn nun für kleine bis mittlere Websites geeignet sein könnte. Und auch Entwickler, die bereits viele Systeme auf Tauglichkeit getestet haben, äußern sich zumeist nicht eben euphorisch für ein bestimmtes CMS, bezogen auf diesen Kundenkreis. Zu komplex ist der Funktionsoverhead offenbar sogar bei überschaubaren Softwarelösungen. Insofern kann ICE für den ohnehin mit DW arbeitenden Entwickler die naheliegendste und unaufwändigste Lösung sein. Klar sein muss dabei natürlich, dass man seine im Webserververzeichnis liegenden Daten prinzipiell Dritten zugänglich macht. Nicht wenige Kunden werden damit ein Problem haben. Solange man ICE jedoch nur für Kleinstwebsites nutzt, dürfte auch dieses Manko mangels sensibler Daten im Verzeichnis kaum eine Rolle spielen.

Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass ICE eine moderne Lösung für ein ziemlich altes Problem ist, deren Umsetzung überdies als gelungen bezeichnet werden kann. Gerade die Verwendung von (S)FTP als quasi kleinstem gemeinsamem Nenner senkt zumindest technische Hürden auf Normalnull. Ob das Produkt außerhalb der Testphase, also im gebührenpflichtigen Normalbetrieb erfolgreich werden wird, bleibt zurückhaltend abzuwarten. Ich persönlich glaube nicht, dass es sich gegen die mannigfaltig verfügbaren CMS-Systeme wird durchsetzen können. Im Adobe-Universum hingegen nimmt es einen logisch und sinnvoll erscheinenden Platz im Zusammenspiel der Einzelprodukte ein.

Wer sich jetzt ausführlicher mit dem Thema befassen will, sei auf die entsprechende Seite in der Adobe Developer Connection verwiesen. Dort gibt es auch ein Beispielprojekt zum Download.

incontext-welcome.png

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

5 Kommentare

  1. Keine überraschenden Neuigkeiten von Adobe nun dazu:
    http://www.adobe.com/products/incontextediting/faq/
    und auch die Preisliste:
    http://businesscatalyst.com/pricing/designer

    War auch eigentlich vorherzusehen …

    Eigentlich schade, den aus Dreamweaver heraus ein einfaches schlankes CMS, das ohne Datenbank auskommt, hatte es eigentlich seine Existenzberechtigung für Gelegenheitsnutzer.

  2. Zur Sache: Das Konzept ist ein weiterer Versuch seitens Adobe, Umsatz zu generieren. Der Kunde muss, neben den Kosten bei Adobe selbst, auch die Kosten bedenken, die durch das Aufbereiten der Sites durch den Entwickler entstehen. Es erscheint mir fraglich, ob man (eventuell kleinere Sites?) ausschließlich auf ICE hin aufbereitet. Was passiert, wenn dieser Dienst wieder eingestellt wird, weil er sich doch nicht lohnt? Hinzu kommt der Aspekt des Datenschutzes und der Datensicherheit. Ich glaube nicht, dass sich das flächendeckend durchsetzen wird, genausowenig wie sich Contribute durchsetzen konnte.

    Zum Leseverständniszentrum: Warum sind einige Autoren stets angepisst, wenn man sie auf Sprachschnitzer hinweist? Müssen wir unbedeutenden Leser ob Eurer göttlichen Beiträge ehrfurchtsvoll in den Staub des Netzes sinken und murmeln: „Oh Web, vergib uns unsere Pingeligkeit, wie auch wir vergeben allen Blog-Autoren. Denn Dein ist die Kraft des falsch geschriebenen Wortes und des vermurksten Satzbaus. In Gedankenlosigkeit. N’Abend“?

  3. @52eins: Danke für die Einblicke in Ihr Leseverständniszentrum. Gibt´s auch noch was zur Sache?

    @Minerva: Ja, wenn man nun noch bedenkt, dass Dollarpreise meist 1:1 in Euro übersetzt werden, ist das Angebot im Vergleich zum Hostingmarkt im Allgemeinen sogar teuer.

  4. Ach herrje, ich habe Satz 1 trotzdem verstanden.
    Zum Thema: Interessanter Artikel, wenn das kein Geld kosten würde, wäre es eine super Sache. So jedoch lohnt es sich nicht wirklich, vom üblichen kostenlosen CMS abzuweichen.

  5. Der erste Satz ist in seiner Verkürzung sprachlich falsch. Auch beim dritten Lesen geht er nicht in einem Rutsch ins Gehirn.

    Würde zweimal etwas gestellt werden, man könnte diesen Satz zulässigerweise kürzen. Hier wird allerdings zuerst etwas hergestellt, dann später festgestellt. Beides ist nicht sinnverwandt, ergo die Verkürzung Unsinn und der daraus resultierende Satz arg holperig, weder witzig noch originell.

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