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Dieter Petereit 6. Februar 2009

Adobe AIR: Mehr als 100 Millionen Installationen

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Das Adobe AIR Entwicklerteam meldet Gigantisches. Innerhalb nur eines Jahres seit Erscheinen der AIR-Plattform sollen mehr als 100 Millionen User das System auf ihren Computern installiert haben. Was wie ein Märchen klingt, ist vermutlich auch eines, denn die Killerapplikationen auf AIR-Basis, die zu diesem Wachstum geführt haben könnten, sind bislang nicht aufgetaucht. Was ist dran an Adobes Wintermärchen?

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Marketing – Hallelujah

Die Presseinformation des Unternehmens gibt bereits Hinweise. Sie verwendet die Begriffe Flash, AIR und Flex nicht eben synonym, aber doch in starker Vermischung. So, wie die begriffliche Vermischung stattfindet, wird die AIR-Runtime mit anderen Produkten des Hauses Adobe vermischt. Jeder Käufer eines CS4-Produkts installiert sich AIR ungefragt mit. Auch in Bundles mit dem Adobe Reader wurde AIR bereits gesichtet. Gerade eine Mischung mit dem Reader, der sicherlich auf über 90% der Rechner da draußen installiert sein dürfte, sorgt für eine massive Verbreitung der AIR-Plattform. Einige OEMs, wie Sony haben offenbar bereits die künftige Vorinstallation der Plattform auf ihrer Hardware angekündigt, wodurch die Installationszahlen ganz automatisch weiter nach oben getrieben werden.

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Die Verbreitung indes ist nur die eine Seite. Fraglich bleibt, neben der exorbitant hohen Zahl schierer Downloads auch, wie viele echte Nutzer sich hinter der Zahl verbergen. Wer hat AIR nicht nur installiert, sondern nutzt es auch? Diese Zahl dürfte sehr viel kleiner sein. Dafür spricht wiederum Adobes eigene Übersicht der erfolgreichsten AIR-Applikationen.

Danach gehören zu den populärsten AIR-Apps der Adobe Media Player, AOLs Top100Videos Player, eBay Desktop, Tweetdeck und Twhirl.

Reality-Check

Und es sind eben die beiden Twitterclients, die Anlass zur Skepsis geben. Laut Twittersources (bezogen auf den letzten Monat) entsteht über Tweetdeck und Twhirl rund 10% des Twitteraufkommens. Platt gerechnet nutzt demnach jeder zehnte Twitterer einen der beiden Clients. (Kann aber auch sein, dass Twhirler und Tweetdecker besonders massiv twittern, dann wäre die tatsächliche Nutzerzahl noch geringer.)

Nun kommt es darauf an. Hat Twitter rund 6 Millionen User, wie immer wieder in den Weiten des Netzes zu lesen steht oder sind es weit weniger, vielleicht nur halb soviele ? Nach einem Bericht auf Times Online sind es jedenfalls lediglich rund 1,2 Millionen aktive Nutzer, die Tag für Tag rund 2,2 Millionen Tweets absetzen. Tweetdeck und Twhirl können also bestenfalls Nutzerzahlen zwischen 120.000 und 600.000 aufweisen können. Jedenfalls ist der Beitrag zu den kolportierten 100 Millionen Downloads ganz objektiv so oder so nur als verschwindend gering zu bezeichnen. Dennoch sind die beiden Apps unter den Top Five derer, die für den massiven Erfolg der AIR-Plattform verantwortlich sein sollen.

Schaut man sich die übrigen Kandidaten an, dürften der Adobe Media Player und eBay Desktop noch die Anwendungen mit dem höchsten Nutzerpotenzial sein. Dabei ist weder die eine, noch die andere Anwendung erforderlich. Nutzer des eBay Desktop berichten von zu starken Abweichungen zum Look and Feel der Website und der Media Player ist bloß eine weitere Variante eines Medienplayers, wie es sie bereits zuhauf, wenn auch nicht auf AIR-Basis gibt.

Im Ergebnis scheint die Schlussfolgerung naheliegend, dass hier einer möglicherweise installierten Zahl von 100 Millionen Plattformpaketen lediglich eine aktive Nutzerbasis im einstelligen Prozentbereich gegenüber stehen könnte. Im Wettbewerb mit Silverlight will man anscheinend durch lautes Trommeln den Feind demotivieren.

Potenzial hat´s dennoch

Ungeachtet des Wahrheitsgehalts der Unternehmenspressemeldung, respektive des tatsächlich daraus zu interpretierenden Sachgehalts ist AIR eine Plattform mit Zukunftspotenzial. Potenzial, das sich hauptsächlich auf der relativen OS-Unabhängigkeit begründet. Derzeit gibt es keine einfachere Methode, Applikationen mit überschaubarem Funktionsumfang gleichzeitig für Windows, Mac und Linux zu entwickeln. Gerade Desktopclients zu Web-Backends sind die geborenen Anwendungsgebiete der AIR-Plattform, immerhin gründet sich der Erfolg der Webdienste neben deren Ubiquität auch auf deren Betriebssystemunabhängigkeit auf Nutzerseite.

Kennen Sie AIR noch nicht? Diese beiden Artikel bei Dr. Web sollten einen guten Einstieg bilden:

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

3 Kommentare

  1. Ich stimme zu, die Zahl 100 Millionen erscheint mir doch arg zu hoch gegriffen. Ob es sich lohnt, eine Technik einzusetzen, kann man IMHO unter anderem gut am Jobangebot zu einer Technik sehen, nicht daran, was eine Marketing-Abteilung erzählt :)

  2. Vielleicht liegt es aber auch mit daran, dass Adobe Air bei jeder größen Installation eines seiner Produkte Air mitinstalliert?!

  3. Ich habe Kuler-Air wieder gelöscht. Ähnlich wie Apple hat Adobe nämlich den Drang, sehr viele lächerliche Dienste autostarten zu lassen, ohne deren ständiges Laufen Kuler sich dann nicht starten läßt, wenn man es wirklich einmal braucht. Ein schönes Beispiel für schlechtes Softwaredesign. Ich habe Air ganz von meinem Computer verbannt.

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