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Lukas Schlömer 10. Februar 2010

Abschreibungen: Zumutung oder Segen?

Die ver­meint­lich tol­len Abschreibungsmöglichkeiten sind für die meis­ten Selbstständigen zunächst ein­mal alles ande­re als erfreu­lich. Denn die meis­ten lau­fen­den Investitionen min­dern das zu ver­steu­ern­de Einkommen erst Jahre spä­ter. Wir erläu­tern, was es mit der geheim­nis­vol­len “Absetzung für Abnutzung” auf sich hat.

Ach, das set­zen die doch sowie­so alles von der Steuer ab …” Von wegen, aus­ge­rech­net die beson­ders teu­ren Investitionen dür­fen Unternehmer und Freiberufler eben nicht auf einen Schlag im Jahr der Anschaffung als Betriebsausgaben gel­tend machen. Der zu ver­steu­ern­de Gewinn wird durch den Kauf oder die Herstellung von Gebäuden, Maschinen, Fahrzeugen oder Einrichtungsgegenständen erst in den Folgejahren nach und nach um jeweils einen Teil der Anschaffungskosten gemin­dert.

Ausgaben für abnutz­ba­re Wirtschaftsgüter, die mehr als net­to 410 Euro (brut­to: 475,60 Euro) kos­ten und die län­ger als ein Jahr im Unternehmen ver­blei­ben, dür­fen Sie nur scheib­chen­wei­se vom zu ver­steu­ern­den Gewinn abzie­hen (= “abschrei­ben”). Lediglich die im Kaufpreis ent­hal­te­ne Mehrwertsteuer kön­nen Sie bei der Umsatzsteuervoranmeldung in vol­ler Höhe gel­tend machen. Anschaffungen im Nettowert von bis zu 410 Euro (2008 und 2009: 150 Euro) gel­ten als gering­wer­ti­ge Wirtschaftsgüter (GWG). Sie dür­fen im Jahr der Anschaffung auf einen Schlag abge­schrie­ben wer­den.

Im Einkommensteuergesetz wer­den Abschreibungen als “Absetzung für Abnutzung” (= AfA) bezeich­net. Geregelt sind die Grundsätze der steu­er­li­chen AfA in den Paragrafen 7 bis 7k EStG. Die dahin­ter ste­hen­de Überlegung ist so ver­kehrt nicht: Da der Geschäftswagen, der Computer und erst recht das neue Bürogebäude über das Jahr der Anschaffung hin­aus zum wirt­schaft­li­chen Erfolg des Unternehmens bei­tra­gen und die­ses Ergebnis ja halb­wegs “ver­ur­sa­chungs­ge­recht” ermit­telt wer­den soll, ist es durch­aus sinn­voll, dass nur die (fik­ti­ve oder rea­le) Abnutzung eines Wirtschaftsgutes zum Maßstab der steu­er­lich aner­kann­ten Aufwendungen wird.

Das Finanzamt möch­te es aber gern noch etwas genau­er haben: Da das Wirtschaftsgut im Jahr der Anschaffung genau genom­men ja erst ab dem Zeitpunkt des Einkaufs zur Verfügung steht, muss die AfA sogar monats­ge­nau berech­net wer­den. Die Monate vor der Anschaffung wer­den nicht berück­sich­tigt. Die frü­her gel­ten­de Vereinfachung (“Halbjahresregel”), der­zu­fol­ge alle Anschaffungen bis ein­schließ­lich Juni in vol­ler Höhe, alle ande­ren zur Hälfte abge­setzt wer­den durf­ten, ist lei­der außer Kraft gesetzt wor­den.

Realer und buchhalterischer Wertverlust

Man kann Abschreibungen als den auf das Jahr bezo­ge­nen Wertverlust von Unternehmensvermögen betrach­ten. Gründe dafür gibt es vie­le, zum Beispiel:

  • tech­ni­sche Abnutzung durch tat­säch­li­chen Gebrauch,
  • wirt­schaft­li­che Abnutzung auf­grund des Aufkommens ver­bes­ser­ter Folgemodelle.

Berechnungsgrundlage für den lau­fen­den Wertverzehr ist in den meis­ten Fällen die “betriebs­ge­wöhn­li­che Nutzungsdauer”. Die ist für die gän­gigs­ten “all­ge­mein ver­wend­ba­ren Anlagegüter” den vom Bundesfinanzministerium ver­öf­fent­lich­ten AfA-Tabellen zu ent­neh­men.

Normale Nutzungsdauer

Als typi­sche Abschreibungs-Zeiträume gel­ten dem­nach zum Beispiel …

  • Computer: 3 Jahre,
  • Pkw: 6 Jahre,
  • Lkw: 9 Jahre,
  • Büromöbel: 13 Jahre
  • Gebäude: 25 bis 50 Jahre.

Abweichungen von der betriebs­ge­wöhn­li­chen Nutzungsdauer sind grund­sätz­lich mög­lich. Sie müs­sen aber in jedem Einzelfall glaub­haft gemacht und belegt wer­den. So oder so han­delt es sich dabei aber nur um die plan­mä­ßi­gen Abschreibungen. Wenn bei­spiels­wei­se durch einen Unfall am Geschäftswagen bereits im zwei­ten Jahr ein außer­plan­mä­ßi­ger Totalschaden ent­steht, darf der ver­blie­be­ne Restwert des Pkw ohne Weiteres auf einen Schlag von der Steuer abge­setzt wer­den.

Nun aber mal ganz praktisch

Angenommen, Sie kau­fen im November 2010 ein neu­es Notebook zum Ladenpreis von 1.299 Euro. Nachdem Sie die dar­in ent­hal­te­ne Mehrwertsteuer von 19 Prozent her­aus­ge­rech­net haben (Kaufpreis durch 1,19), lan­den Sie bei (Netto-)Anschaffungskosten von 1.091,60 Euro. (Falls Sie das Gerät bei einem Onlineshop gekauft haben, erhö­hen die Verpackungs-, Versand- oder Versicherungskosten den Anschaffungswert. Die Netto-Aufwendungen für even­tu­ell erfor­der­li­che Installationen oder Zubehör gehö­ren eben­falls zu den Anschaffungskosten.)

Bei einer betriebs­ge­wöhn­li­chen Computer-Nutzung von drei Jahren beträgt die AfA bei dem genann­ten Notebook 363,66 Euro pro Jahr. Weil das Gerät im Jahr der Anschaffung aber nur im November und Dezember genutzt wer­den konn­te, dür­fen Sie bei der Einnahmenüberschussrechnung für 2010 davon auch nur zwei Zwölftel (= 60,61 Euro) als Betriebsausgabe gel­tend machen. Der Rest- oder “Buchwert” Ihres Notebooks beträgt am Stichtag 31.12.2010 dem­nach also noch 1.030,99 Euro. Bleibt das Gerät in den Folgejahren in Gebrauch, set­zen Sie 2011 und 2012 jeweils 363,66 Euro als “Notebook-AfA” an. Den am Ende des Jahres 2012 noch ver­blie­be­nen Restwert in Höhe von 303,05 Euro schrei­ben Sie schließ­lich im vier­ten (Kalender-)Jahr ab. Den frü­her übli­chen sym­bo­li­schen Restwert von 1 Euro brau­chen Sie dabei nicht mehr zu beach­ten, Hauptsache, das buch­hal­te­risch “wert­lo­se” Notebook taucht wei­ter­hin in Ihrer Inventarliste auf.

Denn auch wenn das Gerät kom­plett abge­schrie­ben ist, betrach­tet der Fiskus es wei­ter­hin als Teil Ihres Betriebsvermögens. Angenommen, Sie ver­stei­gern das Schmuckstück im Jahr 2015 bei einer Internet-Auktion und bekom­men dafür von einem Liebhaber noch 100 Euro, dann stellt das eine Betriebseinnahme dar, die Ihren Gewinn erhöht und ver­steu­ert wer­den muss.

Sonderfall “degressive Abschreibung”

Alternativ zur vor­ge­stell­ten Form der ein­fa­chen “Abschreibung in glei­chen Jahresbeträgen” (= “linea­re AfA”) wird häu­fig die Möglichkeit der “degres­si­ven Abschreibung” genutzt. Bei der ist die ange­nom­me­ne Abnutzung in den ers­ten Jahren deut­lich höher als gegen Ende der Nutzungsdauer. Das deckt sich in vie­len Fällen ja durch­aus mit der Lebenserfahrung. Welcher Autobesitzer hat sich noch nicht über den über­durch­schnitt­lich hohen Wertverlust sei­nes Neuwagens in den ers­ten zwei, drei Jahren geär­gert?

Je höher die ermit­tel­te buch­hal­te­ri­sche Abnutzung, des­to frü­her min­dert die ent­spre­chen­de AfA den Gewinn eines Unternehmens. Aus die­sem Grund stellt die kon­kre­te Ausgestaltung der degres­si­ven Abschreibung einen belieb­ten Tummelplatz für Steuerpolitiker dar. Zurzeit liegt die Obergrenze der degres­si­ven AfA für Anschaffungen beim Dreifachen der linea­ren AfA, maxi­mal 25 Prozent.

Bitte beach­ten Sie: Die Anwendung der degres­si­ven Abschreibung ist der­zeit nur für Wirtschaftsgüter zuläs­sig, die vor dem 1. Januar 2011 ange­schafft wur­den.

Die degres­si­ve AfA ist aber nicht in jedem Fall güns­ti­ger als die linea­re. Dafür ist unser Notebook ein schö­nes Beispiel. Bei einer typi­schen Nutzungsdauer von drei Jahren führt die linea­re Abschreibung zu einem jähr­li­chen Wertverlust von einem Drittel (= 33,3 %). Damit ist die linea­re AfA bereits im ers­ten Jahr höher als die maxi­ma­le degres­si­ve AfA von 25 Prozent.

Beim Büroregalsystem für net­to 2.600 Euro sieht die Sache aber schon anders aus als beim Computer. Bei einer betriebs­ge­wöhn­li­chen Mobiliar-Nutzungsdauer von 13 Jahren ergibt sich eine linea­re AfA von 1/13 (= ca. 7,69 Prozent), das ent­spricht einer Abschreibung von 200 Euro pro Jahr. Bei der degres­si­ven Abschreibung hin­ge­gen beträgt die Abnutzung im ers­ten Jahr bereits 600 Euro (3 x linea­re AfA).

Das 25-Prozent-Missverständnis

Der Abschreibungssatz liegt also nicht etwa auto­ma­tisch bei 25 Prozent (das wären in die­sem Fall ja 650 Euro im ers­ten Jahr). Wichtig zum Verständnis der degres­si­ven Abschreibung: Sie ist auf dop­pel­te Weise “gede­ckelt”. Liegt – wie in die­sem Fall – das Dreifache der linea­ren Abschreibung unter 25 Prozent, darf auch nur die­ser AfA-Satz ange­wen­det wer­den. Bei unse­rem Regal sind das 7,69 Prozent x 3 = 23,07 Prozent pro Jahr.

Auch bei der degres­si­ven Abschreibung muss monats­ge­nau gerech­net wer­den. Zur Veranschaulichung gehen wir im fol­gen­den Beispiel aber von der Anschaffung im Januar 2010 aus. In dem Fall sähe der degres­si­ve Abschreibungsverlauf bei Anschaffungskosten in Höhe von 2.600 Euro etwa fol­gen­der­ma­ßen aus:

Abschreibungsverlauf bei degressiver AfA

Beispiel: Abschreibungsverlauf bei degres­si­ver AfA

Die Tabelle zeigt recht anschau­lich, dass die Abschreibungsbeträge beim gleich­blei­ben­den Abschreibungssatz (von in die­sem Fall 23,07 Prozent) auf­grund des sin­ken­den Restwerts immer klei­ner wer­den – bis die AfA im letz­ten Jahr durch die Komplettabschreibung des ver­blie­be­nen Restwerts zwangs­läu­fig noch ein­mal hoch­schnellt.

Wechsel der Abschreibungsmethode
Der Gesetzgeber gibt den Steuerpflichtigen nicht nur die Wahl zwi­schen ver­schie­de­nen Abschreibungsmethoden. Das gewähl­te Verfahren darf außer­dem je Abschreibungsobjekt ein­mal gewech­selt wer­den. Auf die­se Weise lässt sich der Abschreibungsbetrag in spä­te­ren Jahren noch ein­mal erhö­hen. Bei jeder degres­si­ven Abschreibung kommt näm­lich der Punkt, ab dem die linea­re Abschreibung wie­der höher ist. Dabei dür­fen Sie aller­dings nicht vom ursprüng­li­chen Betrag der linea­ren AfA aus­ge­hen, son­dern müs­sen den Restwert auf die noch ver­blie­be­nen Nutzungsjahre ver­tei­len.

Die Formel zur Ermittlung des güns­tigs­ten Wechseljahres lau­tet:

Übersetzt auf unser Regalbeispiel heißt das:

Der güns­tigs­te Wechselzeitpunkt liegt in die­sem Fall also nach dem neun­ten Jahr. Während die degres­si­ve Methode im zehn­ten Jahr zu einem Abschreibungsbetrag von 56,57 Euro führt, erge­ben sich bei der linea­ren AfA 61,30 Euro.

Bei einem zwi­schen­zeit­li­chen Wechsel von der degres­si­ven zur linea­ren AfA sähe der voll­stän­di­ge Abschreibungsverlauf in unse­rem Beispiel fol­gen­der­ma­ßen aus:

Abschreibungsverlauf bei Wechsel von der degressiven auf die lineare AfA

Beispiel: Abschreibungsverlauf bei Wechsel von der degres­si­ven auf die linea­re AfA

Lassen Sie sich von den auf den ers­ten Blick ver­gleichs­wei­se gerin­gen Unterschieden bei den Abschreibungsbeträgen nicht in die Irre füh­ren. Bei einem auf sechs Jahre abge­schrie­be­nen Lkw für 60.000 Euro hat ein Wechsel der AfA-Methode nach dem drit­ten Jahr schon weit­aus gra­vie­ren­de­re Folgen.

Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

Solange die Anschaffungskosten eines “beweg­li­chen, abnutz­ba­ren Wirtschaftsgutes des Anlagevermögens” unter 410 Euro net­to lie­gen, betrach­tet der Gesetzgeber sie als gering­wer­ti­ge Wirtschaftsgüter. “GWG” darf man bereits im Jahr der Anschaffung in vol­ler Höhe abschrei­ben. Beträgt der Wert mehr als 150 Euro, gehö­ren sol­che Vermögensbestandteile aller­dings in ein sepa­rat geführ­tes GWG-Verzeichnis.

Bitte beach­ten Sie: Für die Jahre Jahre 2008 und 2009 hat­te der Gesetzgeber die Sofortabschreibungsgrenze für GWG auf 150 Euro gesenkt. Anschaffungen im Wert zwi­schen 150 und 1.000 Euro muss­ten in einen jähr­li­chen Sammelposten auf­ge­nom­men wer­den, der pau­schal über fünf Jahre line­ar abzu­schrei­ben war. Ab 2010 gilt wie­der die 410-Euro-Grenze – wer will, kann aber auch an der Sammelpostenvariante fest­hal­ten. Weitere Informationen ent­neh­men Sie dem aktu­el­len Beitrag “410 Euro-Grenze oder Sammelposten: die neue GWG-Freiheit”.

Ganz gleich, für wel­che GWG-Wertgrenze Sie sich ent­schei­den: GWG müs­sen auf jeden Fall eigen­stän­dig nutz­bar sein. So gel­ten zum Beispiel Peripheriegeräte wie Tastatur, Monitor oder Drucker als Anhängsel der Computer-“Anlage”. Sie sind auch dann zusam­men mit dem PC abzu­schrei­ben, wenn ihr Preis deut­lich unter der 410-Euro-Marke liegt! Falls Sie Erweiterungen oder Zubehör nach­träg­lich kau­fen, dann stellt das einen Wertzuwachs dar, den Sie in Ihrem Inventarverzeichnis in Form einer Werterhöhung ver­mer­ken. Aufgrund des dadurch erhöh­ten Restbuchwerts erhöht sich die Abschreibung beim nächs­ten Jahresabschluss ent­spre­chend.

Fazit
Sie sehen: Bis der schnit­ti­ge Geschäftswagen erwirt­schaf­tet und kom­plett “abge­schrie­ben” ist, fließt viel Sprit den Tank hin­un­ter. Sie kön­nen es dre­hen und wen­den, wie Sie wol­len: Selbst wenn Sie das Fahrzeug “von der Steuer abset­zen”, betei­ligt sich der Fiskus nur zu einem Bruchteil an den Anschaffungskosten. Zum ech­ten Steuersparmodell wer­den Abschreibungen nur dann, wenn dadurch gezielt Verluste ent­ste­hen, mit denen wie­der­um hohe Einkommen aus ande­ren Einkunftsarten gedrückt wer­den.

(sl)

Lukas Schlömer

Lukas Schlömer ist ein pseudonymer Autor, der unter diesem Namen ausschließlich für Dr. Web schreibt.

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