Dieter Petereit 14. März 2018

7+ SEO-Tipps, die nur der Designer umsetzen kann

Bevor du anfängst, in die muffigen Tiefen des SEO-Gewerbes abzusteigen, solltest du wissen, dass das Design deiner Seite an sich bereits erheblichen Einfluss auf die Suchmaschinentauglichkeit hat. Wenn da geschlampt wurde, läufst du dem optimalen Ergebnis stets hinterher.

Kein Henne-Ei-Problem: Design kam lange vor SEO

Wenn wir die Sache historisch angehen, dann können wir unstreitig sagen, dass zuerst das Design da war. SEO kam erst sehr viel später. Zunächst haben wir uns darauf verlassen, dass Suchmaschinen, von denen es in den Neunzigern ganze Rudel gab, ein Eigeninteresse daran haben würden, ihre Indizes zu füllen. Besondere Maßnahmen, um gefunden zu werden, haben wir nicht ergriffen.

Dann wurde es voller im Web. Google trat an und die selbsternannten SEO-Experten dieser Welt suchten nach Möglichkeiten, die Suchmaschine zu manipulieren, um ihre Seiten möglichst ganz nach oben zu bringen. So entstand SEO schon aus den falschen Motiven. Seither schauen wir mehr oder weniger fasziniert einem Katze-und-Maus-Spiel zu. SEOs finden eine neue Möglichkeit, zu spammen. Google schließt sie. Und wieder von vorn.

Das Buch links ist der beste SEO-Ratgeber, den du dir kaufen kannst. (Foto: Pixabay)

Inzwischen geht Google auf seinen zwanzigsten Geburtstag zu und hat die meisten der dreistesten und dümmsten Manipulationsversuche strukturell seit längerem geblockt. Natürlich ist es sinnvoll, den Suchmaschinen bei der Auffindbarkeit der eigenen Website zu helfen. Google sieht dafür gezielte Möglichkeiten vor und kommuniziert auch eindeutig, was Webmaster tun sollten oder eben nicht.

Wenn wir uns aber mal in die Anfänge der Indexierung des Web zurückversetzen, was hatten Google und Co. zur Verfügung? Genau, nichts weiter als die von Designern entworfenen Websites jener Zeit. Und tatsächlich wurden diese auch indexiert. Nanu?

So betrachtet ist SEO eine erfundene Disziplin, derer es bei einem fairen Wettbewerb nicht bedürfte. Oder diplomatischer ausgedrückt: Der Ursprung des Suchens liegt nicht in der SEO, sondern im Design.

Aus dieser Feststellung ergibt sich die Wichtigkeit des Designs für das Gefundenwerden in Suchmaschinen, etwas, das wir heute als SEO bezeichnen, damit diverse sogenannte Experten eine schöne Abkürzung für ihre Jobbezeichnungen vorzeigen können.

Fachbegriffe der erfundenen Disziplin gibt es noch weit mehr und weit kompliziertere. (Illustration: Pixabay)

Im Grunde ist aber das Vordenken der Anforderungen an eine Seite zum Zwecke des Gefundenwerdens etwas, das sich mit gesundem Menschenverstand und ganz ohne 800-Seiten-Wälzer zum Thema entwickeln lässt.

Grundsatz: Die beste SEO ist strukturiertes, standardkonformes Webdesign

Der Ursprung des Web liegt in der Erfindung von HTML. Diese Auszeichnungssprache gibt Inhalten eine logische Struktur und verbindet sie miteinander über Links. Suchmaschinen durchsuchen schlicht diese Strukturen und verstehen sie über Marker, wie H1, P und so weiter. So können sie die Inhalte auch nach Relevanz einordnen.

Die Links verfolgen sie weiter und können so letztlich den Gesamtumfang einer Website erfassen, sowie deren Einbettung in die Gesamtstruktur des Netzes. Logischerweise wertet die Suchmaschine Seiten höher, wenn sie aus der Gesamtstruktur des Netzes vielfach per Link angesprungen werden und niedriger, wenn das nicht der Fall ist.

Du willst es doch auch. (Foto: Pixabay)

Das galt damals und das gilt auch heute noch. Sämtliche Auffindbarkeitsüberlegungen kannst du dir selber erschließen, wenn du einmal diesen Zusammenhang begriffen hast. Die beste und effektivste SEO ist also ein standardkonformes Webdesign, das seine Auszeichnungsmöglichkeiten ausschöpft, also beispielsweise tatsächlich H1 verwendet, wo es sinnvoll ist.

Die erste SEO-Maßnahme für Designer besteht demnach darin, standardkonformes HTML zu schreiben. Leider ist es vielfach üblich, zur Erreichung diverser optischer Effekte, die Standardkonformität über Bord zu schmeißen und rein auf Optik zu gestalten. Das war noch nie empfehlenswert und wird es auch in Zukunft nicht werden.

Schauen wir, wo wir als Designer konkret tätig sein können.

Tipp #1: Verwende Tags so wie vorgesehen

HTML ist eine Struktursprache. Leider gaukeln uns manche CMS, allen voran WordPress vor, man bräuchte Tags, wie P für Absätze gar nicht mehr. Geht auch so. Das mag für den Betrachter einer Seite stimmen, widerspricht jedoch den Prinzipien des Web.

Seitenbesucher, die nicht mit den Augen kommen, darunter natürlich auch die Crawler der Suchmaschinen, erkennen diesen Mangel sofort und haben Schwierigkeiten, Inhaltsteile richtig einzuordnen.

Tipp #2: Vermeide unnötige Elemente

Letztendlich geht es Suchmaschinen nur um Inhalte, nie um Optik. (Auf die Einschränkungen komme ich später noch zu sprechen.) Von daher solltest du auf Designelemente dann verzichten, wenn sie den Inhalt nicht unmittelbar unterstützen. Dem Inhalt gebührt der volle Fokus. Überlege genau, ob die kleine Umfrage in der Sidebar oder das lustige Minispiel oder das selbst startende Video wirklich diesem Inhalt zuträglich sind. Wenn nicht, lass sie weg.

Sie sind nicht nur Hemmnisse bei der Relevanzbewertung, sondern könnten sogar zum Besucherschreck avancieren. Daraus entsteht dann das, was SEOs als eine hohe Bounce-Rate bezeichnen. Die Leute springen kurz nach dem Betreten deiner Seite wieder ab. Das erkennt Google und wertet es natürlich negativ.

Dabei hat das Verhalten womöglich gar nichts mit dem konkreten Inhalt zu tun, sondern lediglich etwas mit deiner zu spielerischen Herangehensweise an die Belegung des Bildschirmplatzes.

Tipp #3: Sorge für eine klare Linkstruktur

Deine Navigation ist das wichtigste Element für die Indexierung der Website. Von hier aus sollten die Suchmaschine jede Seite deines Angebots erreichen können. Dazu solltest du die Navigation technisch so einfach wie möglich anlegen und nicht etwa ein komplexes Javascript-Konstrukt ins Leben rufen. Speziell für die Fütterung der Suchmaschine haben sich XML-Sitemaps als sinnvoll erwiesen.

Achte darauf, keine Seite verwaist zu lassen. Ohne Links hat die Suchmaschine keine Möglichkeit, eine konkrete Seite zu finden und zu indexieren.

Links wiederum sollten kurz, aber sprechend sein. Zwar arbeitet Google selbst intern inzwischen bevorzugt mit numerischen IDS und scheint den sogenannten hübschen URLs zumindest im Ranking keine Vorteile mehr zu verschaffen. Jedoch ist die Suchmaschine nur der eine Teil deines Besucheraufkommens. Menschen werden mit sprechenden URLs weitaus besser klar kommen, sie besser memorieren und sie auch leichter mit dem Thema assoziieren, wenn sie sie etwa in Social-Media-Kanälen sehen.

Zur Linkhygiene gehören zwei weitere Aspekte. Achte darauf, dass ausgehende Links funktional sind und tausche tote Links stets zeitnah aus. Lass deine Website nicht unnötig ausufern. Stattdessen halte sie kompakt, also mit so wenig Seiten wie möglich.

Tipp #4: Setze Bilder als Bilder, Buttons als Buttons, Fonts als Fonts ein

Bilder sind nicht dazu erdacht worden, um darin Text zu speichern. Nur weil der normal sehende Besucher diese Finte nicht gleich erkennen würde, heißt das nicht, dass es auch für die Suchmaschine kein Problem wäre. Bilder brauchen stets Alt-Tags, damit Google und Co. überhaupt die Möglichkeit haben, zu erraten, worum es im für den Crawler unsichtbaren Bild denn wohl geht. Bilder ohne Alt-Tag wirst du in der Bildersuche niemals finden.

Auch als Call-to-Action eignen sich Bilder nicht. Immerhin ist der Call-to-Action dein potenziell wichtigstes Interaktionselement. Lege das besser, wie vorgesehen, als Button mit einem als wichtig ausgezeichneten Text an.

Typographie ist im modernen Design wichtig. Früher konnten wir schicke Schriftarten nur als Text im Bild verwenden. Heutzutage müssen wir das nicht mehr. Denn wir haben Webfonts. Allein in Google Fonts finden sich inzwischen über 800 Schriftfamilien. Da wird wohl was dabei sein.

Webfonts erhöhen möglicherweise einerseits die Ladezeit deiner Website, entlasten sie aber auf der anderen Seite auch von Bildern.

Tipp #5: Setze die essenziellen Meta-Tags

Titel und Beschreibung einer Seite solltest du nicht unterschlagen. Nicht so sehr wegen des streitigen Ranking-Vorteils, sondern vor allem deswegen, weil es der Titel und die Beschreibung sind, die deine Seite in den Suchergebnissen repräsentieren. Natürlich sollten beide Elemente so knackig wie möglich formuliert sein. Der Titel erhält um die 70 Zeichen, die Beschreibung maximal 160. Dabei ist es ratsam, etwaige identifizierte Keywords der jeweiligen Seite möglichst weit vorne in Titel und Beschreibung zu platzieren.

Zusätzlich solltest du dich mit dem Thema der Rich Snippets befassen.

Tipp #6: Erstelle Websites responsiv

Diesen Punkt will ich nur kurz erwähnt haben, denn, dass Google das Kriterium der Mobilfreundlichkeit seit einigen Jahren zum Ranking-Kriterium erhoben hat, ist wohl niemandem in der Branche entgangen.

Ein Design für viele Geräte hat viele Vorteile. (Illustration: Pixabay)

Responsives Design hat zusätzlich den Vorteil, dass es jeden Inhalt nur einmal gibt und das Design schon konzeptionell eher schlank gehalten wird. So musst du dich nicht dem Thema Duplicate Content plagen und hast die Ladezeit gleich mit im Blick.

Tipp #7: Achte auf die Performance deiner Website

Je schneller deine Website lädt, desto besser. Das gefällt deinen Besuchern und deshalb gefällt es auch der Suchmaschine. Inzwischen gibt es ungezählt viele Studien, die nachweisen, dass Besucher lange Ladezeiten mit dem Verlassen der Website quittieren. Was verlassen wird, kann nicht sonderlich relevant sein und gehört dementsprechend nicht hoch oben auf die Suchergebnisseite. Das ist jedenfalls die Schlussfolgerung, die Google zieht.

Zum Thema Performance findest du hier bei Dr. Web eine ganze Reihe Material, etwa diesen Beitrag.

Und was ist mit dem Content?

Content is King, oder? Das stimmt natürlich und das Thema Content-Marketing ist auf jeden Fall mehrere eigene Beiträge wert. Der Designer im engeren Sinne wird aber eher nicht der Lieferant dieses Contents sein, weshalb ich alle SEO-Fragen rund um das Thema Inhalte ausgeklammert habe.

Generell gilt jedoch auch hier, je hochwertiger der Inhalt, desto höher das Ranking. Um es vereinfacht zu formulieren. Hier müssten wir uns jetzt mit unerfreulichen Entwicklungen auseinandersetzen. Denn die Praxis der SEOs sieht leider anders aus. Das aber heben wir uns für ein anderes Mal auf.

Quellen zum Weiterlesen

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.
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11 Kommentare

  1. Was meinst Du mit „muffige Tiefen des SEO-Gewerbes“? Klingt in der Einleitung ein bißchen wie aus den so gar nicht mehr existierenden Schützengräben zwischen Designern und Programmierern.

    SEO ist komplex, ja, aber etwas muffig klingt für mich eher der Artikel hier.

  2. unter #2 schreibst Du, daß Google eine hohe Absprungrate erkennt und diese abstraft. Wie soll Google denn das erkennen? Das kann doch höchstens ich in den Server-Logs erkennen.

    Oder meinst Du, falls ich Google Analytics einsetze?

    Dann ist doch aber meiner Meinung nach die Aussage von Google, daß der Einsatz keinen Einfluß auf das Ranking einer Seite haben soll, oder täusche ich mich da?

    • Wird erkannt, wenn du von Google kommst und sofort, nach dem aufrufen der Website, wieder zu Google gehst. Und wie von dir bereits vermutet, wenn du Google Analytics nutzt und außerdem mit dem Chrome Browser unterwegs bist. Das heißt, da kann Google sehr gut nachvollziehen was ein Nutzer auf deiner Website macht oder aber auch nicht.

      • Hm, naja.
        – Google-Suchergebnisse werden natürlich immer grundsätzlich im neuen Tab aufgemacht (meistens mehrere).
        – Chrome? Niemals!
        – Und der Einsatz von Google Analytics soll ja angeblich keine Einfluß auf das Ranking haben …

  3. Hallo Dieter,

    unter Abschnitt 3 schreibt du:

    Lass deine Website nicht unnötig ausufern. Stattdessen halte sie kompakt, also mit so wenig Seiten wie möglich.

    Meinst du mit „Seiten“ tatsächlich die statischen Seiten, die wir bei WP unter den Content-Typ „Seiten“ finden? Oder beziehst du dich damit auf jede Art von Inhaltstyp?

    Ich frage mich, wie ein wirtschaftlicher Blog, das die Produktion von Beiträgern anstrebt, eben diese gering halten sollte. Und wenn du damit den Typ „Seiten“ meinst, also statische Inhalte, frage ich: „Woran erkennt Google den Unterschied, wenn ich außerdem als WordPress-Entwickler neue Inhaltstypen erdenken und in ein WordPress-Theme einbauen kann, wie zum Beispiel „Testimonials“, „Branchenverzeichniseinträge“, „Events“, usw.? Gibt es also Formate von Content, die aus Google-Sicht eine höhere Aufmerksamkeit, also von Grund auf bessere Chancen für gute Rankings erhalten? Was ist deine Meinung dazu?

    Vielen Dank und besten Gruß,
    Jonathan

    • Hallo Jonathan!

      Unser beider Perspektive ist in dem Beitrag nicht gemeint. Diese Empfehlung gilt für die ganz normale Kundenwebsite des Galvaniseurs ums Eck. Ich fokussiere auch gar nicht auf WordPress, sondern auf Seiten im Allgemeinen. Insofern geht es mir um jeden Inhaltstyp. Ich sehe da keinen Content generell im Vorteil, was das Ranking angeht.

      Ist meine Sichtweise jetzt deutlicher geworden?

      Gruß
      Dieter

      • Hallo Dieter,

        deine Sichtweise ergibt Sinn, danke.

        Andere SEO-Frage:
        Auf meinem Blog habe ich den Blognamen und Beschreibung als H1 mit CSS „text-indent“ aus dem Viewport gezogen bzw. versteckt. Warum? Ich möchte, dass Google das Element erkennt, jedoch entspricht die Darstellung nicht meinem visuellen Design-Anspruch. Was sagst du dazu? Erkennt Google und Co. meinen Trick und straft ab?

        Besten Gruß,
        Jonathan

      • Hallo Jonathan!

        Wenn ich das richtig verstanden habe, würde ich das gar nicht als Trick bezeichnen, sondern eher als eine visuelle Anpassung für menschliche Besucher. Meiner Meinung nach ist das völlig in Ordnung. Ich sehe nicht, wieso Google das bemängeln sollte.

        Gruß
        Dieter

  4. Sorry aber selten so einen Unfug gelesen

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