Dieter Petereit 29. März 2018

6 Tipps für intuitives Webdesign

Intuitives Webdesign bedeutet nicht, dass du als Designer deine Website quasi ohne nachzudenken aus dem digitalen Ärmel schlackerst. Intuitives Webdesign beurteilt sich vielmehr aus Nutzersicht. Wenn dieser nicht nachdenken muss, um deine Website zu verwenden, dann ist deren Design intuitiv.

Intuitives Webdesign ist keine neue Fachdisziplin

Bleib ganz entspannt. Der Begriff des intuitiven Webdesign umfasst nichts, was du nicht so oder in anderer Form schon mal gehört hättest. Es ist eher eine Sichtweise, ein Fokus, den du auf einen bestimmten Aspekt der User-Experience, der Nutzererfahrung, legst. Im Wesentlichen geht es hierbei um das Wegräumen oder Verhindern von Stolpersteinen auf dem Weg zum Website-Erfolg.

Du kennst es doch auch: Per Google gelangst du aus irgendeinem Grund auf Website XYZ und kannst schon direkt nicht erkennen, wofür diese Seite überhaupt steht. Wenn du nicht ein ausgesprochen hartnäckiges Kerlchen bist, dann verlässt du die Seite direkt wieder. Ich habe mir sogar inzwischen angewöhnt, das ganz konsequent zu tun, obwohl ich eigentlich ein hartnäckiges Kerlchen bin.

Schon der gute alte Nielsen stellte 2011 fest, dass Besucher dir nur 10 bis maximal 20 Sekunden Zeit geben, sie davon zu überzeugen, dass sie auf deiner Website richtig sind. Gelingt dir das, bleiben die überzeugten Besucher teils sehr viel länger. Wir sprechen dann nicht mehr über Sekunden, sondern über Minuten bis in den zweistelligen Bereich hinein. Gelingt es dir nicht, sind die Besucher weg und kommen mit größter Wahrscheinlichkeit auch nicht zurück.

Soviel Zeit, wie dir die Sanduhr ließe, hast du im heutigen Web nicht. (Foto: Pixabay)

Logischerweise wird dir ausschließlich am Gelingen gelegen sein. Du musst deine Besucher davon überzeugen, dass es sich lohnt, deiner Website mehr als 20 Sekunden ihrer Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Methoden, die du dafür nutzen wirst, fassen wir unter dem Begriff „intuitives Webdesign” zusammen.

Bevor wir etwas tiefer einsteigen, solltest du dir die Erwartungshaltung deiner potenziellen Besucher klar machen. Das Web verfügt in der Mitte der Bevölkerung nicht überall über einen guten Ruf, oder sollte ich gleich formulieren, überall nicht über einen guten Ruf? Du kennst sicher Dialoge wie diesen:

„Woher weißt du das?” „Habe ich im Internet gelesen.” „Jaaa, im Internet, na ja.”

Der Durchschnittssurfer geht kritisch an seine Tastatur. Aufdringliche Werbung und die vielen Gefahren, wie Phishing oder auch die Verteilung von Malware, haben das Netz zu einem gefühlt gefährlichen Ort werden lassen. Die Grundeinstellung ist negativ. Der Surfer rechnet damit, an jeder Ecke potenziell über den Tisch gezogen oder anderweitig geschädigt zu werden.

Wer weiß, was so alles im Netz lauert. (Foto: Pixabay)

Das ist eine Grundhaltung, die sich deutlich von jener Grundhaltung unterscheidet, mit der ein potenzieller Kunde ein Ladenlokal in der Fußgängerzone betritt. Hier vermittelt schon das Gebäude, die sichtbare Investitionsschwelle, die zeigt, hier hat jemand Geld in die Hand genommen, ein gewisses Grundvertrauen. Seitenbetreiber können sich solch sichtbares Grundvertrauen nur bedingt verschaffen. Websites sehen doch eh alle gleich aus. Vielleicht basiert dein Shop auf einem kostenlosen Theme aus Bangladesh…

Wie auch immer, dieses negative Vorurteil musst du zunächst überwinden. Leider kannst du diese Grundhaltung nicht auf den ersten Metern schon beseitigen. Deshalb muss deine Website quasi wie ein offenes Tor gestaltet sein, hinter dem sich keine Unbill versteckt.

6 Tipps für intuitives Webdesign

Basis unserer Überlegungen zum intuitiven Webdesign ist es, Seiten so zu gestalten, dass wir unseren Besuchern dabei keine, maximal ganz wenige Steine in den Weg legen. Dieses Ziel kannst du mit den sechs folgenden, recht einfachen Maßnahmen locker erreichen.

Tipp 1: Liefere, was du versprichst

Dein Besucher kommt mit einer kritischen Grundhaltung, aber auch mit einer bestimmten Erwartungshaltung auf deine Seite. Mutmaßlich hast du diese Erwartungshaltung durch die Wahl deiner Keywords selbst getriggert, indem du vielleicht nicht ganz wahrheitsgemäß vorgegangen bist. Hast du etwa implizit etwas mehr versprochen als du liefern kannst?

Ich kann schon verstehen, dass du versuchst, erstmal so viele Menschen wie möglich auf deine Seite zu locken. Wenn sie erstmal da sind, können wir sie immer noch nachsortieren. Und vielleicht gefällt ihnen ja doch, was sie bei dir sehen, auch wenn es nicht exakt das ist, was sie eigentlich gesucht hatten.

Klingt nicht völlig unplausibel. Das Problem ist aber, dass das nicht funktioniert. Denn, wie Nielsen so schön nachwies, haben die Menschen weder die Geduld noch den Willen, sich auf einer auf den ersten Blick nicht passenden Website mühsam vom Gegenteil überzeugen zu lassen.

Das erste Element bei der Herstellung einer intuitiven Website ist also, SEO ausschließlich so zu betreiben, dass deine Website wirklich liefert, was die Suchergebnisseiten versprechen. Gehst du anders vor, hast du das Vertrauen deiner potenziellen Kunden schon verspielt, bevor sie es dir überhaupt schenken konnten.

Tipp 2: Zeige eindeutig und klar, worum es bei dir geht

Hör auf die Marketing-Leute, wenn sie von der Wichtigkeit des Call-to-Action, der eindeutigen Handlungsaufforderung sprechen. Schließlich stimmt es. Du willst, dass deine Besucher bestimmte Dinge tun. Also lasse sie nicht raten, welche das sind, sondern stelle das Ziel deiner Website unmissverständlich in den Vordergrund.

Verstehe, da gehts lang. Aber wohin? (Foto: Pixabay)

Der Erotikshop ums Eck hat schließlich auch keine Kaffeemaschinen im Schaufenster und überrascht dich dann beim Betreten mit dem tatsächlichen Angebot.

Tipp 3: Sei vorhersehbar

Intuitive Bedienung basiert zum einen auf der Simplizität des Vorgangs, zum anderen aber auch darauf, dass du dich bei der Gestaltung an etablierten Konventionen orientierst. Was nun unter etablierten Konventionen genau zu verstehen ist, variiert. Schau nach den Best Practices deiner Branche und halte dich daran.

Deine Besucher wollen zwar ein außergewöhnliches Benutzererlebnis. Das darf jedoch nicht darin bestehen, dass sie außergewöhnliche Wege gehen müssen, um zum Ergebnis zu kommen. Vielmehr musst du sicherstellen, dass sie schnell und ohne Handbuchlektüre zum Ziel gelangen. Verwende deshalb für die Navigation und Benutzerführung keine brandneuen Innovationen, sondern greife auf traditionelle Vorgehensweisen zurück.

Du könntest argumentieren, den Weg zu finden, sei eine intellektuelle Herausforderung. Kunden gewinnst du damit aber nicht. (Bildquelle: Pixabay)

Wenn du irgendwo, wo du noch nie warst, auf die Toilette gingest und fändest einen Raum vor, in dem es weder Lichtschalter, noch Wasserhähne, noch eine WC-Spülung gibt, würde dich das begeistern, selbst wenn es wirklich futuristisch aussähe?

So etwas ähnliches ist mir letzten Sommer in einem italienischen Bergdorf passiert. Ich hatte die Toilette aufgesucht und wollte mir nun am Waschbecken die Hände waschen. Keine Armatur, auch kein Sensor, nix. Nach langem Suchen fand ich auf dem Fußboden einen Trittschalter. War die Lösung funktional? Ja. Aber, hat mich das begeistert?

Du kennst die Antwort. Mach den Fehler auch nicht auf deiner Website.

Tipp 4: Baue keine unnötigen Interaktionen

Der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma sagte vor Jahren provokant, aber durchaus treffend: „Die einzige Interaktion, die der Fernsehzuschauer heutzutage fordert, ist die mit seinem Kühlschrank.” Und selbst, wenn das für uns Webworker hart klingt, es stimmt auch heute noch.

Der Versuch, Besucher mit tollen technischen Spielereien zu beeindrucken, wird fehlschlagen. Der Versuch, Besucher durch Social-Media- oder Gaming-Komponenten zu Käufern zu machen, wird ebenfalls fehlschlagen. Wobei ich gerne einräumen will, dass sich die letztere Aussage in den nächsten Jahren durchaus von richtig zu unrichtig wandeln könnte. Wir leben halt in Zeiten der schnellen Transformation.

Verwechsle jetzt bitte den Begriff „unnötige Interaktion” nicht pauschal mit dem Begriff „Mikrointeraktion”. Immerhin habe ich dir erst vor kurzem empfohlen, stark auf letztere zu setzen, weil sie heutzutage den Unterschied zwischen ansonsten gleichen Lösungen für gleiche Anwendungsfälle ausmachen.

Eine gute Mikrointeraktion könnte zum Beispiel ein Kaufen-Button sein, der sich bei Klick oder Tap grün färbt und einen Bestätigungshaken reinanimiert. So wüsste der Kunde, er hat a) getroffen und b) der Bestellvorgang hat geklappt. Unnötig wäre hingegen, und das habe ich bereits mit meinen eigenen müden Augen gesehen, wenn sich nach dem Tap oder Klick der Kaufen-Button verselbstständigte und nach oben rechts auf das Warenkorb-Icon flöge, um selbiges zum Rotieren zu bringen. Du verstehst, was ich meine…

Tipp 5: Sei minimalistisch und so geräteunabhängig wie möglich

Zum Thema Minimal Webdesign findest du bei uns einen ausführlichen Beitrag. Nimm ihn dir zu Herzen. Im Kern geht es darum, seine Website so schlank wie möglich zu halten. Nicht das Füllhorn aller möglicher Informationen gilt es, über deine Besucher auszuschütten, sondern fokussiert lediglich diejenigen Informationen, die unabdingbar sind.

Wenn du dich dann noch an diese Designprinzipien hältst, kann nicht mehr viel passieren. Na gut, vielleicht kümmerst du dich noch um Mikrointeraktionen. Immerhin sind sie erfolgskritisch.

PWA basieren auf offenen Webstandards. Aktuell werden React und Angular gern in der Entwicklung eingesetzt. (Illustration: Pixabay)

Nachdem die Zahl der ausschließlich mobil Surfenden inzwischen die Zahl der ausschließlich per Desktop-Computer Surfenden übersteigt, ist responsives Design, also ein Layout, das sich optisch und funktional dem jeweiligen Endgerät anpasst, keine Geschmacksfrage mehr. Als nächsten Evolutionsschritt des responsiven Designs dürfen wir wohl die immer populärer werdenden und durch Browserhersteller immer besser unterstützten Progressive Web Apps ansehen.

Auch das ist intuitives Webdesign.

Tipp 6: Verlange keine unnötigen Informationen

Wenn du einen digitalen Bezahldienst betreibst und deinen potenziellen Kunden einen kostenlosen Probezeitraum anbietest, in dem sie sich unverbindlich vom Produkt überzeugen können sollen, dann machst du auf jeden Fall deine Sache schon mal besser als der Wettbewerber, der den potenziellen Kunden nur eine persönliche Präsentation auf Anfrage und mit Terminabsprache gewährt.

Richtig gut ist das Angebot allerdings erst, wenn du auch hier Hürden vermeidest und deine potenziellen Kunden nicht schon zu Beginn der Testphase zur Angabe einer gültigen Zahlungsmethode zu zwingen versuchst. Du wirst sehen, dass die Zahl derer, die sich für einen wirklich unverbindlichen Test entscheiden, weitaus höher ist, als es mit der anderen Methode je denkbar wäre.

Die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU, die am 25. Mai 2018 endgültig ihre Wirkung entfaltet, wir dich in dieser Hinsicht ohnehin noch motivieren. Denn wenn man einen Grundsatz aus der Verordnung herauslesen kann, dann den der Datensparsamkeit. Das bedeutet, dass du künftig ohnehin nur solche Daten von deinen Interessenten verlangen darfst, die du zur entsprechenden Datenverarbeitung unbedingt brauchst.

Ein Beispiel: Was benötigst du, um deinen Interessenten ein E-Book zuzusenden? Genau, deren E-Mail-Adresse, aber sonst auch gar nichts. Klar, ein Lead ist daraus schwer zu generieren, aber das ist ja auch eine andere Thematik. Lass dir halt was besseres einfallen.

Fazit: Intuitives Design ist einfach einfach

Wenn dein Webdesign keine Hürden, Hemmschwellen und Umständlichkeiten beinhaltet, die es deinen Besuchern unnötig schwer machen, zum Ergebnis zu kommen, dann hast du quasi intuitiv schon vieles richtig gemacht. Du musst bedenken, dass jede unnötige Hürde zu zweistelligen Verlusten im Prozentbereich führen kann. Da reden wir nicht über Peanuts.

Dabei solltest du den Begriff „Hürde” durchaus großzügig definieren. Du findest die kleine Spielerei mit dem animierten Kauf-Mich-Button vielleicht ganz toll. Und die halbe Sekunde, die es zusätzlich braucht, hey. Dein potenzieller Kunde wird das spätestens nach der zweiten Nutzung als Hürde definieren. Und nur auf seine Definition kommt es an. Lies nochmal Tipp 5.

Wenn du es also darauf anlegst, deine Besucher zu Kunden, zu Käufern zu machen, so gelingt dir das am besten, indem du den Kaufvorgang selbst so einfach wie möglich gestaltest. Laut CEB erhöht sich damit die Wahrscheinlichkeit des Kaufabschlusses um bis zu 96 Prozent.

Habe ich übrigens schon Einstein zitiert? Nicht. Na gut, dieses Mal lasse ich es…

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.
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