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Heike Thormann 31. Juli 2008

5 klassische Führungsfehler

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Egal, ob Handwerker, Webdesigner oder Entwickler – sobald Sie mit Mitarbeitern arbeiten, sind Sie auch Führungskraft und Chef. Mit allen Aufgaben, die dazu gehören. Und mit allen Fehlern, in die Sie tappen können. Lesen Sie hier, welche Führungsfehler immer wieder vorkommen und gerade frisch gebackenen, unerfahrenen Chefs drohen.

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Fehler Nr. 1: Alles selbst machen wollen
Gerade Chefs von Kleinbetrieben, die ihr Unternehmen mit eigener Hand und oft zunächst auch als einziger Mitarbeiter hochgebracht haben, neigen dazu, alles selbst machen zu wollen. Aber das, was am Anfang noch pure Notwendigkeit war, kann nach hinten losgehen, sobald weitere Mitarbeiter im Spiel sind.

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Egal, ob Sie aus reiner Gewohnheit handeln, unbewusst meinen, es besser zu können, aus einem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis heraus alles über Ihren Schreibtisch laufen lassen oder nicht zu autoritär erscheinen wollen, es gibt kaum etwas, was Ihre Mitarbeiter stärker demotivieren könnte.

Und zwar nicht nur, weil Sie so deren Engagement unterdrücken und Initiative ausbremsen. Sondern vor allem, weil Sie Ihren Mitarbeitern das Gefühl geben, ihnen und ihren Fähigkeiten nicht genug zu vertrauen. Kein Wunder, wenn die meisten nur noch Dienst nach Vorschrift leisten, innerlich kündigen oder gleich gehen.

Schlimmer noch: Auch sich selbst fügen Sie erheblichen Schaden zu. Raubbau an Ihrer Gesundheit, Verschwendung Ihrer Ressourcen. Bei Ihrem ständigen Dauereinsatz bekommen Sie eines jedenfalls nicht: eine Entlastung für sich selbst und bessere Chancen für Ihr Unternehmen.

Die Lösung: Lernen Sie zu delegieren. Überlegen Sie, welche Ziele es zu erreichen gilt, welche Aufgaben dafür nötig sind und welcher Mitarbeiter diese am besten übernehmen kann. Geben Sie ihm die nötigen Informationen und Mittel an die Hand, damit er seine Aufgabe auch erfüllen kann, und lassen Sie ihn dann machen. In Notfällen können Sie immer noch eingreifen oder Ihre Unterstützung anbieten.

Achten Sie darauf, nicht nur halbherzig zu delegieren. Wenn Sie lediglich die unbeliebten Aufgaben abgeben, bei jeder kleinen Entscheidung gehört werden wollen, Ergebnisse nach Ihrem Geschmack abändern oder jeden Arbeitsschritt überwachen und kontrollieren, hätten Sie es in der Tat besser selbst getan. Eine solche Vorgehensweise entmutigt Ihre Mitarbeiter, führt zu zusammengestückelten Ergebnissen und verschlingt obendrein noch Ihre eigene kostbare Zeit.

Fehler Nr. 2: Keine Fehler zugeben können
Das ist ein Fehler, der oft (biologisch) junge und (fachlich) frisch gebackene Chefs heimzusuchen scheint, sich keine Blöße geben zu wollen und keine Fehler zugeben zu können. Manchmal geht dieses Der-Chef-hat-immer-Recht-Syndrom sogar so weit, dass eigene Fehler nicht nur ausgeblendet, sondern bewusst den Mitarbeitern angelastet werden.

Nur: Das funktioniert nicht. Zum einen registrieren Mitarbeiter viele Ihrer Fehler sowieso. Diese zu leugnen, wirft kein besonders gutes Licht auf Sie und Ihre Glaubwürdigkeit. Ganz zu schweigen davon, dass Ihre Mitarbeiter sich tunlichst damit zurückhalten werden, Sie auf Schwachstellen hinzuweisen, konstruktive Kritik zu üben und so zur Verbesserung Ihres Unternehmens beizutragen.

In diesem Sinne: Lernen Sie, Ihre Fehler zuzugeben. Je offener Sie zu Ihren Fehlern stehen, desto mehr demonstrieren Sie Selbstbewusstsein und Souveränität. Und Ihren Mitarbeitern geben Sie einen guten Grund, Ihnen zu vertrauen und sich für Sie zu engagieren.

Fehler Nr. 3: Alles geheim halten und überwachen wollen
Vertrauen ist ein gutes Stichwort. Ihre Mitarbeiter arbeiten effektiver und engagierter, wenn sie Ihnen vertrauen. Das können sie aber nur, wenn Sie dieses Vertrauen auch erwidern und fördern. Absolut kontraproduktiv ist es da, alles geheim halten und überwachen zu wollen.

Denn mit Ihrer Kontrolle zeigen Sie Ihren Mitarbeitern nur wieder deutlich, dass Sie selbst ihnen nicht genug vertrauen. Ein Misstrauen, dass durchaus geschäftsschädigend sein kann, und sei es nur in Form von verminderter Produktivität und verschenktem Engagement.

Und nein, keine Bange, niemand verlangt von Ihnen, dass Sie sämtliche Betriebsinterna an Ihre Mitarbeiter weitergeben oder auf die Kontrolle ihrer Ergebnisse verzichten sollen.

Was Ihre Mitarbeiter allerdings von Ihnen erwarten dürfen, ist, über alles informiert zu werden, was sie selbst und ihre Arbeit für Sie betrifft. Und zwar von Ihnen persönlich und nicht durch Dritte oder den Flurfunk. Nur das verschafft die nötige Sicherheit, eine Aufgabe korrekt auszuführen. Nur das erlaubt ein vorausschauendes Arbeiten und Mitdenken. Und es ist nebenbei auch erheblich besser für die Motivation als jede Gehaltserhöhung oder Gratifikation.

Und was die Kontrolle angeht, es ist ein Unterschied, ob Sie das Endergebnis einer Aufgabe prüfen oder jeden einzelnen Schritt Ihrer Mitarbeiter überwachen. Im ersten Fall sind Sie die legitime Abnahme-Instanz. Im zweiten Fall der „große Bruder“, der Beklemmung zurücklässt.

Glauben Sie auch nicht, dass Ihre Mitarbeiter es nicht mitbekommen, wenn Sie sie kontrollieren. Sie können es mit Ihrem erhöhten Kenntnisstand gar nicht vermeiden, sich durch Äußerungen oder Handlungen selbst zu verraten.

Nicht ohne Grund ist nach Statistiken fast jeder zweite Mitarbeiter davon überzeugt, dass sein Arbeitgeber heimlich seine eMails überwacht. Ebenso weisen immer wieder Meldungen von enttarnten Kameras oder Aufnahmegeräten auf die Problematik hin – und auf das gestiegene Bewusstsein dafür.

Fehler Nr. 4: Unberechenbar sein
Flexibilität ist zwar an sich eine Tugend und Anpassung an sich verändernde Bedingungen im Geschäftsleben oft ein Muss. Der Grat zur abschreckenden Unberechenbarkeit ist allerdings schmal.

Chefs, die alles einmal anreißen und dann wieder sein lassen, beziehungsweise radikal die Richtung ändern, wirken nicht besonders vertrauenerweckend. Mit Ihren widersprüchlichen Signalen können Sie bei Ihren Mitarbeitern Unsicherheit und Verwirrung auslösen. Und wenn Sie Pech haben, deuten diese Ihr Verhalten zudem als Hilflosigkeit und Schwäche – und fangen an, sich zu fragen, wie sicher ihre Stelle noch ist.

Machen Sie Ihren Mitarbeitern die Freude und geben Sie ihnen das Gefühl, bei Ihnen in guten Händen zu sein. Binden Sie sie in Ihre Entscheidungsprozesse ein und erklären Sie Ihnen, aus welchem Grund Sie so handeln, wie Sie es tun. Bleiben Sie transparent und nachvollziehbar. Nicht zuletzt stärken Sie damit das Zusammengehörigkeitsgefühl und beugen der Gerüchteküche vor.

Fehler Nr. 5: Nicht kommunizieren können
Zugegeben, so mancher Chef kann nichts dafür, kommunikationstechnisch noch etwas, sagen wir, „ausbaufähig“ zu sein. Gut kommunizieren zu können, ist nicht jedem in die Wiege gelegt.

Dennoch, Kommunikation ist eine Schlüsselqualifikation für Führungskräfte. Wir Menschen interagieren nun einmal mit Hilfe unserer Kommunikation. Und je mehr wir miteinander zu tun haben und zusammenarbeiten wollen, desto wichtiger wird diese.

Wenn Sie so wollen, geht es auch hier wieder um Vertrauen. Denn Vertrauen ist eine Folge gelungener Kommunikation. Kann ein Chef nicht kommunizieren, wird er sich auch schwer tun, das Vertrauen seiner Mitarbeiter zu gewinnen.

Wobei es da weniger um Feinheiten als um die Sache an sich geht. Oder anders formuliert: Zunächst einmal müssen Sie sich überhaupt dafür zuständig fühlen.

Sie müssen Ihren Mitarbeitern Feedback geben, sie loben oder auf Verbesserungsmöglichkeiten hinweisen, sie anleiten und motivieren, Maßstäbe setzen, Ziele vereinbaren, Spannungen abbauen und für Ausgleich sorgen. Sie müssen die Perspektive wechseln können und sich auf den anderen einlassen wollen. Und ja, Sie sollten darauf achten, sich nicht allzu oft im Ton zu vergreifen und Ihre Mitarbeiter vor den Kopf zu stoßen.

Alles Dinge, die man lernen kann. So, wie jedes andere Handwerk auch. Erst wenn Sie das nicht tun, ist das Ihr größter und vielleicht letzter Führungsfehler.

In diesem Sinne: Auch der Chef eines kleinen Betriebes ist nicht nur ein guter Handwerker, Designer, Entwickler und so weiter. Er ist zunächst einmal ein Chef. Üben Sie Ihre neue Rolle und messen Sie ihr genauso viel Wert bei wie Ihrem „eigentlichen“ Beruf. Dann gibt es auch keinen Grund, sich von klassischen Führungsfehlern schrecken zu lassen. ™

Erstveröffentlichung 31.07.2008

Heike Thormann

Heike Thormann ist Trainerin, Redakteurin und Autorin. Ihr Schwerpunkt sind kreative Schreib-, Denk-, Lern- und Arbeitstechniken. Sie schreibt für verschiedene Fachmagazine und gibt mit ihrer Website ein Online-Magazin zu ihren Fachthemen heraus.

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