10 Milliarden Euro für das Aufräumen im Datenchaos

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
10 Milliarden Euro für das Aufräumen im Datenchaos

Ein Anbieter für Datensicherheit steht vor einer Finanzierungsrunde, die das Unternehmen mit rund 10,4 Mrd. € bewertet. Der Preis entspricht dem 80-Fachen des Jahresumsatzes. Für deutsche Entscheider ist weniger die Summe interessant als das Problem dahinter.

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Die Datensicherheit eines einzelnen Cloud-Anbieters lässt sich derzeit mit dem 80-Fachen seines Jahresumsatzes bezahlen. Genau diesen Aufschlag ruft die Branche beim israelischen Unternehmen Cyera auf, das laut übereinstimmenden Berichten mehrerer Branchenmedien eine neue Runde abschließt. Hinter der Zahl steckt ein Marktsegment, das auch in Deutschland an Gewicht gewinnt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Cyera schließt laut Branchenberichten eine Runde über mindestens 261 Mio. € ab, angeführt von Evolution Equity Partners.
  • Die Bewertung steigt damit auf rund 10,4 Mrd. €, das 80-Fache des wiederkehrenden Jahresumsatzes von etwa 131 Mio. €.
  • Cyera arbeitet weiterhin defizitär und bestreitet die kursierenden Finanzzahlen als unzutreffend.
  • Das Geschäftsmodell heißt Data Security Posture Management: sensible Daten in Cloud und SaaS aufspüren, einordnen und absichern.

Was steckt hinter der 80-fachen Bewertung?

Stehender Pappordner mit Preisschild, beschriftet mit „10.000.000,00 €“ vor weißem Hintergrund
Evolution Equity Partners führt Finanzierungsrunde bei Cyera an. Investoren sind Lightspeed, Sequoia und Accel. Bewertung stieg in fünf Monaten von 7,8 auf über 10 Milliarden Euro

Evolution Equity Partners führt die Runde an, zu den Geldgebern zählen laut Berichten unter anderem Lightspeed, Sequoia und Accel. Erst im Januar hatte Cyera 348 Mio. € bei einer Bewertung von 7,8 Mrd. € eingesammelt, fünf Monate später liegt der Wert bei gut 10 Milliarden. Die 80-fache Bewertung des Jahresumsatzes übertrifft selbst schnell wachsende KI-Firmen. Ein Sprecher von Cyera nennt die berichteten Zahlen sachlich falsch, eine offizielle Mitteilung steht bislang aus.

Warum zahlen Investoren so viel für Datensicherheit?

Aktenkoffer mit Zahlenschloss, grünem Gurt und Anhänger „SORTIERT & VERSICHERT FÜR 10 MRD. €“
Cyera-Plattform findet sensible Daten in Cloud-Konten und SaaS-Apps, kategorisiert sie nach Schutzbedarf und kennzeichnet offen liegende Datensätze

Cyera bedient den Markt für Data Security Posture Management. Die Plattform durchsucht Cloud-Konten und SaaS-Anwendungen nach sensiblen Informationen und ordnet sie nach Schutzbedarf. Anschließend markiert die Software, welche Datensätze offen liegen. Das Aufspüren sensibler Daten wird zur Pflichtaufgabe, sobald Unternehmen ihre Bestände an KI-Werkzeuge weiterreichen. Vorstandschef Yotam Segev will Cyera nach eigenen Aussagen zum „CrowdStrike oder Palo Alto Networks der Datensicherheit“ ausbauen, also zur breiten Plattform statt zum Einzelwerkzeug.

Investoren bezahlen hier den 80-fachen Jahresumsatz, weil sie Datensicherheit für die nächste Pflichtausgabe jedes Unternehmens halten. Die eigentliche Frage für deutsche Firmen lautet, ob sie überhaupt wissen, wo ihre sensiblen Daten liegen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für deutsche Unternehmen?

Metallschaufel mit Elektroschrott auf Goldbarren, Schild: Haufenweise Arbeit... wo sind 10 Milliarden?
Mittelstandsmitarbeiter nutzen KI-Tools heimlich für sensible Daten wie Kundeninformationen, was zu DSGVO-Verstößen führt

Für den deutschen Mittelstand zählt nicht die Bewertung, sondern das zugrunde liegende Problem. Mitarbeitende kopieren Tabellen, Verträge und Kundendaten in KI-Tools, ohne dass die IT den Überblick behält. Diese Schatten-KI verschärft die DSGVO-Lage, weil Auskünfte nach Artikel 15 und Löschpflichten nur greifen, wenn ein Unternehmen seine Datenbestände kennt. Wie schnell Angreifer genau diese blinden Flecken nutzen, zeigt die CISO-Studie 2026. Auch der Tätigkeitsbericht der Datenschutzaufsicht dokumentiert, dass Bußgelder zunehmend an mangelnder Kontrolle der Datenverarbeitung hängen.

Bevor Sie über neue Sicherheitswerkzeuge nachdenken, sollten Sie eine Bestandsaufnahme Ihrer sensiblen Daten erstellen und festhalten, welche Cloud-Dienste und KI-Tools darauf zugreifen. Erst danach lohnt der Blick auf spezialisierte Plattformen. Die wichtigsten Schritte für kleinere Budgets fasst unser Leitfaden zu den Cybersecurity-Grundlagen zusammen.

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Michael Dobler
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Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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