Ein Anbieter für Datensicherheit steht vor einer Finanzierungsrunde, die das Unternehmen mit rund 10,4 Mrd. € bewertet. Der Preis entspricht dem 80-Fachen des Jahresumsatzes. Für deutsche Entscheider ist weniger die Summe interessant als das Problem dahinter.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Datensicherheit eines einzelnen Cloud-Anbieters lässt sich derzeit mit dem 80-Fachen seines Jahresumsatzes bezahlen. Genau diesen Aufschlag ruft die Branche beim israelischen Unternehmen Cyera auf, das laut übereinstimmenden Berichten mehrerer Branchenmedien eine neue Runde abschließt. Hinter der Zahl steckt ein Marktsegment, das auch in Deutschland an Gewicht gewinnt.
Das Wichtigste in Kürze
- Cyera schließt laut Branchenberichten eine Runde über mindestens 261 Mio. € ab, angeführt von Evolution Equity Partners.
- Die Bewertung steigt damit auf rund 10,4 Mrd. €, das 80-Fache des wiederkehrenden Jahresumsatzes von etwa 131 Mio. €.
- Cyera arbeitet weiterhin defizitär und bestreitet die kursierenden Finanzzahlen als unzutreffend.
- Das Geschäftsmodell heißt Data Security Posture Management: sensible Daten in Cloud und SaaS aufspüren, einordnen und absichern.
Was steckt hinter der 80-fachen Bewertung?

Evolution Equity Partners führt die Runde an, zu den Geldgebern zählen laut Berichten unter anderem Lightspeed, Sequoia und Accel. Erst im Januar hatte Cyera 348 Mio. € bei einer Bewertung von 7,8 Mrd. € eingesammelt, fünf Monate später liegt der Wert bei gut 10 Milliarden. Die 80-fache Bewertung des Jahresumsatzes übertrifft selbst schnell wachsende KI-Firmen. Ein Sprecher von Cyera nennt die berichteten Zahlen sachlich falsch, eine offizielle Mitteilung steht bislang aus.
Warum zahlen Investoren so viel für Datensicherheit?

Cyera bedient den Markt für Data Security Posture Management. Die Plattform durchsucht Cloud-Konten und SaaS-Anwendungen nach sensiblen Informationen und ordnet sie nach Schutzbedarf. Anschließend markiert die Software, welche Datensätze offen liegen. Das Aufspüren sensibler Daten wird zur Pflichtaufgabe, sobald Unternehmen ihre Bestände an KI-Werkzeuge weiterreichen. Vorstandschef Yotam Segev will Cyera nach eigenen Aussagen zum „CrowdStrike oder Palo Alto Networks der Datensicherheit“ ausbauen, also zur breiten Plattform statt zum Einzelwerkzeug.
Investoren bezahlen hier den 80-fachen Jahresumsatz, weil sie Datensicherheit für die nächste Pflichtausgabe jedes Unternehmens halten. Die eigentliche Frage für deutsche Firmen lautet, ob sie überhaupt wissen, wo ihre sensiblen Daten liegen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für deutsche Unternehmen?

Für den deutschen Mittelstand zählt nicht die Bewertung, sondern das zugrunde liegende Problem. Mitarbeitende kopieren Tabellen, Verträge und Kundendaten in KI-Tools, ohne dass die IT den Überblick behält. Diese Schatten-KI verschärft die DSGVO-Lage, weil Auskünfte nach Artikel 15 und Löschpflichten nur greifen, wenn ein Unternehmen seine Datenbestände kennt. Wie schnell Angreifer genau diese blinden Flecken nutzen, zeigt die CISO-Studie 2026. Auch der Tätigkeitsbericht der Datenschutzaufsicht dokumentiert, dass Bußgelder zunehmend an mangelnder Kontrolle der Datenverarbeitung hängen.
Bevor Sie über neue Sicherheitswerkzeuge nachdenken, sollten Sie eine Bestandsaufnahme Ihrer sensiblen Daten erstellen und festhalten, welche Cloud-Dienste und KI-Tools darauf zugreifen. Erst danach lohnt der Blick auf spezialisierte Plattformen. Die wichtigsten Schritte für kleinere Budgets fasst unser Leitfaden zu den Cybersecurity-Grundlagen zusammen.
Mehr Newshunger?
