Wer bei der Webseitengestaltung Wert auf die Benutzerfreundlichkeit legt oder intensiv nach potenziellen Kunden sucht, stößt auf wesentliche Fragen. Wie verhalten sich meine Besucher? Wie stellt man fest, ob die Struktur der Seite übersichtlich genug ist und ob ihre Inhalte für die Zielgruppe attraktiv sind? Und überdies: Werden die gesuchten Inhalte einer Seite gefunden? Und wenn ja, auf welche Hindernisse stoßen die Besucher am häufigsten?
Sind diese Fragen bisher offen geblieben, so werden die Antworten wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wir stellen Ihnen neue Dienste vor, die Ihnen helfen, auf die Spuren Ihrer Besucher zu kommen und erklären, wie man mit diesen Spuren am sinnvollsten umgeht.
Gibt es nicht genug Analyse-Dienste?
Um die oben gestellten Fragen konkret zu beantworten, musste man bisher zu kostspieligen Eye Track Studien und seltenen Analysen greifen. Eine sinnvolle dynamische Alternative zu solchen Studien wäre der Einsatz php-basierter Logging-Scripts, professioneller Analyse-Systeme oder die zum Teil langwierige Analyse der „mitgelieferten” Server-Logfiles. Doch trotz Ausführlichkeit der Daten verfehlen die meisten Scripts häufig die Aufgabe, die Interaktionen – also das Verhalten – der Benutzer zu analysieren. Zwar lassen sie die einzelnen Seitenaufrufe bis ins Detail erfassen, präsentieren aber zum Teil allzu allgemeine (gesamte Anzahl der Besucher pro Tag), abstrakte (geographische Herkunft der Besucher) und deshalb für eine detaillierte Analyse kaum brauchbare Informationen.
Beim Einsatz solcher Tools erhält man mit einem einzelnen Klick sämtliche Informationen über die Länder, aus denen Besucher kommen, Browser, die sie benutzen, Seiten, die sie gerade besucht haben und sogar die Bildschirmauflösungen, unter denen sie die Seite angeschaut haben. Aber wie relevant ist dies für einen Webseitenbetreiber, der sich eigentlich für etwas ganz anders interessiert. Nämlich, welche Inhalte aus der kommerziellen Sicht profitabel sind und wie gut die Besucherrate durch verschiedene Marketing-Szenarios gestiegen ist? Wohl kaum.
Dabei lassen sich die hochgeschätzten Daten nicht nur effizienter und umfangreicher, sondern auch – und vor allem – zugeschnitten auf die Interessen des Web-Entwicklers sammeln. Die Abhilfe liefern neue Analyse-Dienste, die auf der Welle des Web 2.0-Trends „mitgeschwommen” sind und neue Tracking-Methoden präsentiert haben. Seit Anfang des Jahres wurden diese Dienste eifrigen Web-Entwicklern zum Beta-Testing freigegeben; die offiziellen Releases sollen bald folgen.
Clicktracks Appetizer
Als eine vereinfache Version von Google Analytics könnte man das kostenlose Clicktracks Appetizer ansehen. Wie Analytics kann das Tool Daten zu einer bestimmten Zielseite sammeln und analysieren und bietet sogar darüber hinausgehende Möglichkeiten an. Bei der Navigationsanalyse kann man zum Beispiel einen direkten Vergleich der Linkpopularität vor und nach dem Redesign anfordern. Vor allem aber lassen sich mit diesem Tool die Profile der Besucher mit vielen Kriterien präzisieren, und ihr Verhalten genau beobachten und analysieren. So lässt sich feststellen, welche Schlüsselwörter sich als besonders effizient erwiesen haben und zu einer Bestellung auf Ihrer Seite geführt haben.

Verschiedene “erfolgreiche” Besucherprofile können mit dem Profil eines durchschnittlichen Besuchers verglichen werden und helfen, das Verbesserungspotential zu finden. Auch das genauere Wissen darüber, wie die Besucher über die Suchmaschinenanfragen (Schlüsselwörter oder Werbung) zu einer Bestellung der Produkte kommen, kann für einen Seitenbetreiber nützlich sein.

Clicktracks Appetizer Dashboard
Im Großen und Ganzen beinhaltet Clicktracks Appetizer die wichtigsten Funktionen, die man bei Google Analytics findet; diese werden jedoch anschaulicher und zum Teil sogar detaillierter präsentiert. ClickTracks Appetizer benutzt keinen eigenen Datentracker, sondern die Log-Dateien vom Server (typischerweise Apache oder IIS), auf dem die Web-Seite sich befindet. Das Programm wurde zum „Best Web Site Analytics Tool” des Jahres 2005 gekürt.
Crazy Egg
Eine beinahe revolutionäre Idee zum Klicktracking stellte der Service Crazy Egg vor wenigen Wochen vor. Das auf RubyOnRails basierte Tool setzt wie seine Konkurrenten auf die sorgfältige Analyse ausgehender Links, die Ergebnisse werden aber durch das sog. “Heatmap” visuell angezeigt. Dabei handelt es sich um eine simple grafische Illustration der gesammelten Daten.
Jedem einzelnen Bereich der Web-Seite wird – gemessen an der Popularität der “outbound links” – eine Farbe zugeordnet; die populärsten Elemente der Seite erscheinen in roter Farbe (“hot spots”), während weniger angeklickte Inhalte entsprechend durch gelbe, grüne oder blaue Farbe gekennzeichnet werden. So erhält man anschauliche Information darüber, welche Inhalte und Rubriken die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich lenken. Crazy Egg macht also im Gegensatz zu anderen Analyse-Diensten eine konkrete Aussage über die wichtigsten Inhalte und Bereiche einer Seite.

Crazy Egg ist einfach, intuitiv und sehr benutzerfreundlich. Der Analyse-Dienst beobachtet alle Seiten, die mit einem bescheidenen (unaufdringlichen) Javascript-Snippet verliehen sind. Die gesammelten Daten werden sofort auf der aktuellen Seite präsentiert, wobei das so genannte “Dashboard” neben “Heatmap” zwei weitere Ansichten ermöglicht – “Overlay View” and “List View”. Mit der ersten erhält man eine konkrete Übersicht der angeklickten Links, die wiederum in farbigen Kästchen (in Abhängigkeit von der Zunahme bzw. dem Rückgang der Klicks in den letzten Tagen) dargestellt werden. “List View” gibt eine Liste mit sämtlichen gesammelten Daten an.

Crazy Egg Overlay
Wichtig ist zu bemerken, dass der Service sich eher für statische Web-Seiten eignet, deren Inhalte sich kaum verändern und sich über längere Zeiträume untersuchen lassen. Bei dynamischen Seiten, bei denen die Position der Links sich immer wieder verändert, werden die Ergebnisse der Analyse nur in einzelnen Fällen brauchbare Informationen liefern. In der Regel werden sie verzerrt sein und somit keine sinnvollen Schlussfolgerungen ermöglichen.

Crazy Egg Heatmap
Die kostenlose Variante ist nicht mehr als ein Test. Sie erlaubt 5000 Visits im Monat für zwei Seiten und gibt Daten nur verzögert heraus. Wer mehr will, muss zahlen. Die Preise dafür bewegen sich zwischen 19,- und 99,- US Dollar – bei 25.000 bis 250.000 Visits. In einer kommenden Version soll die Funktionalität des Tools durch einen “Ad Performance”-Tracker, RSS-Integration und detaillierte Berichterstattung über die Besucher erweitert werden.
Opencube Mousetrends
Eigentlich ist Opencube Mousetrends kein Statistik-Tool, liefert aber Informationen, die man von übrigen Datensammlern nicht mal zu erwarten wagt. Ein kleines Javascript-Programm (weniger als 5K) registriert sämtliche Mausbewegungen der Besucher einer Web-Seite. Daraus lassen sich die Gewohnheiten der Besucher ableiten und die Besucher interessierenden Inhalte finden.

Mousetrends Einstellungen
Anhand gespeicherter Daten erstellt Mousetrends ein “Heatmap” für die Mausbewegungen und der geklickten Elemente einer Seite. Dadurch erhält man ein Bild, das dem von Crazy Egg ähnelt und genaue Erkenntnisse über das Verhalten der Besucher ermöglicht. So lassen sich die Aufnahmen der Mausbewegungen mehrmals abspielen und in Echtzeit beobachten. Außerdem zeigt das Tool an, welche Links besonders populär sind oder aber überhaupt nicht angeklickt werden. Log-Dateien werden in einer XML-Datei gespeichert und können somit per RSS abonniert werden.

Mousetrends Pixelprofil eines Menüs
Mousetrends lässt sich nur auf Microsoft IIS installieren und benötigt die ASP-Unterstützung vom Server. Das Skript benutzt Ajax, um die Daten auf dem Server zu speichern. Um sich die gesammelten Informationen anschauen zu können, muss die Seite im Internet Explorer ab Version 6.0 geladen werden. ™
Die Links zum Thema:
- Clicktracks Appetizer
- Crazy Egg
- Crazy Egg Demo
- Opencube Mousetrends
- Index Tools Analyse-Systeme
Erstveröffentlichung 26.04.2006
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