eCommerce

Video im Onlineshop: Bewegtbildverkauf

21. Juli 2009
von

Neue Technologien und innovative Konzepte zeugen von der Dynamik im Markt für kommerziell eingesetzte Online-Videos.  Auch wenn die Produkte selbst nicht TV-tauglich sein sollten, möglicherweise gibt es im Umfeld filmbares.

„Der Aufbau eines eigenen Studios hat sich für uns gerechnet. Die Lösung ist viel effizienter, als wenn wir extern produzieren würden.” Diese Aussage stammt nicht von einem Fernsehsender oder einer Filmgesellschaft sondern von René Marius Köhler, Chef der InternetStores AG und Online-Fahrradhändler auf Fahrrad.de. Da die Hersteller keine Videos ihrer Fahrräder zur Verfügung stellten, ging der findige Schwabe dazu über, die Produktfilme selbst zu produzieren. Mit klar messbarem, kommerziellem Erfolg, wie er während des InternetWorld-Kongress 2009 seinen Zuhörern erläuterte.


Ratgeber und Workshop-Ideen finden sich fast zu jedem Produkt oder Themenbereich

„Als wichtigsten Trend im E-Commerce sehen Shop-Betreiber wie andere Marktteilnehmer eindeutig und übereinstimmend den verstärkten Einsatz von Produktvideos.” Treffender als der eCommerce-Trendbericht des BVDW aus dem letzten Jahr könnte man die Stimmung in Deutschlands digitaler Händlerlandschaft kaum beschreiben. Fünf Prozent mehr Gesamtumsatz bis 2012 prognostizierte Goldmedia darin dem Onlinehandel, allein durch den Einsatz von Videos. Und auch die Stuttgarter Agentur DMC kam in einer Kundenumfrage zu dem Schluss, dass sich die Hälfte aller Onlinekäufer mehr „Inspiration durch multimediale Darstellung wie Video und Audio” wünscht.


Die Bedeutung von Videos bei der Google-Anzeige steigt

Der Videoboom ist in vollem Gang. Nachdem Unterhaltungsplattformen wie YouTube und MyVideo den Weg bereiteten und das Marketing der großen Brands den Trend aufgegriffen hat, dringt Bewegtbildtechnik nun mit Macht in den Onlinehandel vor. Neue Shopping-Plattformen wie Pauldirekt machen das bewegte Bild zum Rückgrat der Produktpräsentation und haben durchaus das Potential, etablierten Shops den Rang abzulaufen, wenn diese nicht reagieren.

Universal Search

Ein Grund für den Erfolg von Online-Video ist die hohe Durchschlagskraft auf den Google-Index. Im Rahmen von “Universal Search” erhalten Videos zu einem Suchbegriff einen festen Listenplatz auf der ersten Trefferseite des Suchgiganten. Der Treffer wird mit einem Vorschaubild angezeigt, das natürlich hohe Aufmerksamkeitswerte erzielt. Die entsprechend gute Klickrate fließt in Googles Relevanz-Bewertung ein – eine selbsterfüllende Prophezeiung also.

Und auch indirekt fördern populäre Videos die Sichtbarkeit bei den Suchmaschinen. Meistens lassen sich die digitalen Filmchen in eigene Facebook-Profile oder Blogs einbauen und erzeugen dadurch Backlinks. Die Kommentare und Diskussionen in deren Umfeld beliefern die Suchmaschinen mit keywordreichen und aktuellen Texten.

Sechs Konzepte für mehr Klebrigkeit

„Kein Mensch bindet einfache Produktvideos in sein Facebook-Profil ein”, meint Blogger und Branchenbeobachter Stephan Randler. Nur die großen Marken haben die entsprechende Popularität und das nötige Kleingeld, um entsprechend populäre Werke zu schaffen. Dells neuer Touchscreen  „Studio One” könnte das Zeug dazu haben.

Wer beim Thema “Shop-Video” nur an Produktvideos denkt, übersieht, dass der Boom auch viel Platz lässt für neue inhaltliche Konzepte. Online-Weinhändler haben wahrlich kein Produkt, dass sich im Bewegtbild mehrwertfähig präsentieren lässt, also zeigen Bottleplot oder Delinat Filmchen von Weinproben, als moderne Form des Testimonials.


Auch vermeintlich banale Produkte lassen sich durch Video (hier 3D-Simulaiton auf Dazz) besser in Szene setzen

Noch einen Schritt weiter geht der US-Spielzeughersteller Pleo, der einen vollautomatischen Dinosaurier-Roboter im Programm hat. Man stellte mehrere dieser putzigen Tierchen einfach in eine beliebige Fußgängerzone und filmte die Reaktion der Passanten. Authentischer kann Werbung kaum sein, vor allem dann, wenn die Nutzer selbst beim Spiel mitmachen und 1500 Videos zum Spielzeug-Dino auf YouTube veröffentlichen.

Das dritte Konzept nutzt ebenfalls Community-Effekte, hier allerdings, ohne dass einzelne Produkt in den Mittelpunkt zu stellen. Fahrrad.de betreibt eine sehr lebendige Community, in der die Nutzer vor allem Videos von neuen Routen veröffentlichen. Das befriedigt natürlich die Selbstdarstellungsbedürfnisse der Fahrer und erzeugt sehr viel Stickyness. Geschäftsführer René Marius Köhler kann an seinen Analytics-Zahlen sehen, dass viele Nutzer aus der Community in den Produktbereich wechseln, um dort dann zu kaufen.

Die Varianten vier und fünf sind die Innovationstreiber. Da wäre zunächst der Einsatz von Video im Umfeld von Mass Customization. Ulf Unbehaun hat nach Personello nun eine weitere Plattform namens Dazz ins Leben gerufen. Dort verkauft er auch personalisierte Fotogeschenke, erzeugt aber vorher 3D-Videos, die die soeben persönlich gestalteten Produkte in einem realistischen, emotional ansprechenden Umfeld zeigen.

Ebenfalls neu sind interaktive Videos, die per Mausklick zum Warenkorb führen. Einige Dienstleister produzieren solche Filmchen in Flash-Technik und kombinieren so zum Beispiel ein Musik-Video mit Links zu entsprechenden Merchandising-Angeboten oder zum Ticket-Store. Jana Ullsperger, Pressesprecherin der Social Shopping Plattform Edelight, erkennt hier gerade im Umfeld “Mode” viel Entwicklungspotential. Auf die Spitze treibt es Overlay.tv. Dort können Nutzer jedes YouTube-Video mit Kaufprodukten und Sprechblasen versehen.

Die sechste Strategie für verstärkten Video-Einsatz ist keineswegs neu, aber vermutlich der beste Einstig: Ratgeber. Plattformen wie Viewdo, Sutree oder ehow erleben in den USA derzeit einen regelrechten Ansturm. Hausgemach.TV oder Spotn.de eifern dem nach. Auch auf Expli.de sind erste Videos zu sehen. Der Mehrwert der Inhalte für den Nutzer ist offensichtlich. Erfolgreiche Ratgeber-Unternehmen wie der Münchner Verlag Gräfe & Unzer zeigen zum Beispiel auf kuechengoetter.de, wie das funktionieren kann. Interessanterweise haben die großen Baumärkte das Thema bisher ziemlich verschlafen, mit Ausnahmen von Obi.

Wer Inspiration sucht, durchpflüge einfach die gängigen Foren oder Dienste wie wer-weiss-was.de nach passenden Hilferufen von Nutzern. Man darf gespannt sein, wann der erste Autohändler Videoanleitungen für Reparaturen oder die Nachrüstung von elektrischen Fensterhebern anbietet.

Links zum Thema:

HowTo-Videos

Video-Flash-Overlay

Video-Rohmaterial

Webvideo Produktion

Produktvideo-Plattformen

Eine gute Recherchequelle ist Videos im eCommerce.

Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der Internet Künstler". Frank Puscher ist nicht nur ein angesehener Autor, der für zahlreiche Fachzeitschriften tätig ist, er ist auch als Schulungsleiter und Berater erfolgreich.

Ein Kommentar? Schön!

Wir freuen uns immer über Leser, die durch nützliche und konstruktive Beiträge zum Thema eine Diskussion anstoßen oder den Artikel mit weiteren Informationen anreichern. Alle Kommentare werden in diesem Sinne moderiert. Zum Kommentar-Fairplay gehört für uns auch der Einsatz von rel="nofollow". Bitte verwenden Sie zudem als Namen weder eine Domain noch ein spamverdächtiges Wort. Vielen Dank!