von Frank Puscher
Studien beweisen: Es gibt inzwischen feste Regeln für die Gestaltung von Webseiten. Wer dagegen verstößt, muss wissen, warum.
Intuitiv wussten es Webdesigner schon immer: Die großen Sites wie Amazon, eBay, Google und Konsorten haben für den User so viel Bedeutung, dass sie in der Lage sind, Standards für die Gestaltung von WebSeiten zu definieren. So erwarten heutzutage acht von zehn Benutzern, dass die Suchmaske für die Eingabe von Suchbefehlen, zentral im Kopf einer Seite untergebracht wird. Google sei dank.
Bei Bild.de sitzt die Suchmaske fast zentral
Inzwischen liegen drei wichtige Studien vor, die deutlich machen, dass es tatsächlich Webdesign-Standards gibt. Sites, die sich daran halten sind für den User leichter verständlich und daher benutzbarer als andere. Wer sich für andere Gestaltungskriterien entscheidet, muss wissen, warum er das tut, und er sollt tunlichst durch Tests überprüfen, wie die Benutzbarkeit einer Seite ist.
Eine Studie von Michael Bernard (Wichita State University) aus dem Jahr 2002 hatte eben diese Erwartungen zum Gegenstand. 302 Probanden wurden befragt, an welcher Stelle im Browserfenster sie welches Element vermuten würden. Zu diesem Zweck erhielten die Teilnehmer kleine Kärtchen mit den Bezeichnungen der Elemente wie etwa „Suchmaschine“ oder „Warenkorb“ und mussten diese auf einem 8 x 7 Raster in einem leeren Browserfenster platzieren.
Gegenstand der Befragung war eine fiktive eCommerce-Site und alle Probanden mussten mindestens einmal eine Online-Bestellung aufgegeben haben. 57 Prozent der Teilnehmer waren weiblich.
Unverständlich: Worin besteht der Unterschied zwischen Mein Konto und Meine Quelle?
Die Ergebnisse waren in der Interpretation von Bernard überraschend eindeutig. Bei allen Elementen tauchten signifikante Häufungen auf. So erwarten die User beispielsweise den Homepage-Link stets links oben, wogegen die Suchmaske oben in der Mitte zu finden sein sollte. Informationen zum eigenen Account und der Warenkorb hingegen sollten rechts zu finden sein. Das LogIn zum Account dagegen links.
| Element | Platzierung |
| Einkaufswagen | Oben rechts |
| LogIn | Oben links |
| Hilfe | Oben rechts |
| Acount | Oben rechts |
| Suche | Oben mitte |
| Homepage-Link | Oben links |
Quelle: Bernard eCommerce Studie 2002
Gerade angesichts der andauernden Diskussion um Barrierefreiheit wird der Ruf laut nach verlässlichen Regeln für die Gestaltung von Websites. Usability-Guru Jakob Nielsen formulierte in einer Kolumne vom September 2004: „Viele Seiten sind schwer zu bedienen, weil sie von den erwarteten Normen abweichen.“
Der User, das Gewohnheitstier
WebUser achten immer wieder auf die gleichen Dinge auf WebSeiten. Auch wenn sie eine Seite mehrfach besuchen, bilden sich Blickverläufe heraus, die immer wieder eingesetzt werden. Eine Auswertung verschiedener Eyetracking-Studien durch Thorsten Wilhelm von eResult aus Göttingen ergab, dass User sowohl innerhalb einer Seite, als auch Seiten-übergreifend Blickverläufe lernen und wiederholen. Die Tests zeigen, dass Benutzer exakt die gleichen Blickverläufe zeigen, wenn Sie eine Site zum ersten und zum zweiten Mal besuchen. Dieses Verhalten funktioniert ungeachtet der Effizienz.
Klassisch: Amazon war einer der Begründer der Register-Navigation
„Dieses Verhalten legt die These nahe, das die User auf Site-übergreifend ähnliche Blickverläufe zeigen, vor allem dann, wenn die Sites ähnliche Grundlayouts haben. Bei Spiegel und Focus Online beispielsweise ist eine Übereinstimmung wahrscheinlich,“ erklärt Wilhelm.
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