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von Johannes Klockenhoff
“Schreiben, um gefunden zu werden” nannte Jakob Nielsen das Hauptziel eines Internettextes. Dankenswerterweise folgen die meisten Autoren dem Grundsatz “Schreiben, um zu überzeugen”. Wie aber sieht ein Text aus, der benutzer- und suchmaschinenfreundlich zugleich ist?
Ein Negativbeispiel: “Beim Lesen verknüpft ein Leser visuelle Informationen graphischer Gebilde mit gelernten Bedeutungen. So entstehen beim Lesen eines Satzes Beziehungen zwischen Wortfolgen, die beim weiteren Aufnehmen des Textes in Bedeutungseinheiten integriert werden.”
Suchmaschinen machen nichts dergleichen. Für sie ist der vorangegangene Absatz kein akademisches Geschwafel, sondern schlichtweg Grundlage für das Ranking der Webseite.
Menschliches und googeliges Lesevehalten
Im Internet gelten dieselben redaktionellen Grundsätze wie für Print-Medien, doch die gesamte Lesesituation im Internet ist anders:
- Konventionen gelten nicht im Netz: Der Aufbau eines Buches (vorne Inhaltsverzeichnis, hinten Klappentext, dazwischen Spannung) ist immer gleich, auf einer Internetseite muss man sich stets neu zurechtfinden.
- Es gibt keine Qualitätssicherheit.
- Am Monitor wird meist nicht gelesen, sondern der Text wird überflogen, gescannt.
- Webseiten sind multimedial. Texte werden durch andere attraktive Inhalte begleitet, die den Text unterstützen, aber den Leser auch ablenken.
- Gedruckte Texte sind linear, Webseiten multilinear, jeder Einzeltext muss für sich selbst verständlich sein.
In dieser Lesesituation wird ein Leser nicht einfach nur lesen, sondern laufend Entscheidungen fällen müssen. Verspricht der Text, meine Erwartungen zu erfüllen? Ist er seriös und aktuell? Soll ich jetzt erst mal diesem Link folgen oder bis unten weiterlesen?
Suchmaschinen treffen auch Entscheidungen. Seiten, die der Crawler findet, werden indiziert und gerankt. Ausschlaggebend sind dabei unter anderem Titel, Meta-Keywords und Meta-Description, Keyword-Dichte, Überschriften und Position des Suchworte im Text. Auch Textmarkierungen und sprechende Links werden bei der Entscheidung über das Ranking berücksichtigt
Schreiben für Menschen und Maschinen
Da die Aufnahme von Texten durch die Notwendigkeit, ständig Entscheidungen zu treffen, erheblich erschwert ist, muss die Motivation, einen Internettext wirklich zu lesen, deutlich höher sein. Gleichzeitig muss der Text von einer Suchmaschine als relevant eingestuft werden.
Die folgenden “Gebote” helfen bei diesem Spagat:
- Was kennzeichnet die Zielgruppe Deines Textes? Welche Interessen/Vorkenntnisse hat sie?
- Was ist das Ziel Deines Textes?
- Gib Deinen Texten mit Überschriften Struktur.
- Vermittele nur einen Gedanken pro Sinnabschnitt.
- Gib jedem Abschnitt eine plastische Überschrift.
- Schreibe das Wichtigste zuerst.
- Strukturiere mit sprechenden Verlinkungen im Text: [Weitere tolle Artikel bei Dr. Web] statt [Mehr dazu hier].
- Arbeite mit Fettungen, um wichtiges zu kennzeichnen.
- Verwende Deine Keywords ausgewogen, ruhig auch Synonyme, Suchmaschinen sind schlau.
- Schreibe bildlich und kraftvoll: Ein “Sturm der Stärke 12 auf der Beaufort-Skala zerstört zwar weite Landstriche”, hinterlässt aber weniger Eindruck als “ein wütender Orkan, der die Heime zahlreicher Familien vernichtet”.
- Verwende eine einfache, geläufige Sprache.
- Schreibe anschaulich und belege, was Du schreibst, mit Fakten und Quellenangaben. Der Leser kennt Dich nicht, Du musst ihn mit Deinem Text von Deiner Glaubwürdigkeit überzeugen.
- Vermeide Worthülsen aus der Marketing-Abteilung.
- Schreibe Super-Kommentare zu diesem Artikel, damit ich diese Tipps in weiteren Beiträgen auch erläutern darf.
(sl), ™
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Die Kunst besteht darin, einen Text für Menschen und Suchmaschinen zu optimieren, wobei der Mensch natürlich im Vordergrund steht. Ich sehe bei einigen auch großen Sites immer noch in den Suchergebnissen, dass sie lauter Keywords in die Meta-Descripton gepackt haben, wo eigentlich Fließtext stehen sollte. Der Kunstgriff aus dem Journalismus: Neben einer Überschrift einen Teaser verwenden, der ruhig 2 – 3 kurze Sätze umfassen kann und dort die Keywords unterbringen. Der Teaser ist eine kurze Zusammenfassung des Artikels.
Der Text ist zwar nicht sachlich Falsch, macht aber den Eindruck, nicht in sich abgeschlossen, sondern nur eine Einleitung für weitere (vielleicht noch folgende) Texte, zu sein, weil er vieles nur am Rande anreisst.
Lustig geschrieben. Erinnert mich an Mario Fischers Buch, das ich gerade fertig gelesen habe.
Ja, das ist in der Tat ein “Spagat”. Zumal ein gut strukturierter Text auch einfach Platz auf der Seite kostet. Und dann musst Du dem Kunden ja auch klar machen, dass seine detailverliebten Äusserungen keinen interessieren (Das ist etwas hart formuliert, ich weiss) und er sich auf das Wesentliche beschränken soll.
Ich bin der Meinung, man sollte sich vom SEO nicht so sehr beeinflussen lassen, journalistisch gute Texte schreiben, den Leser überzeugen, dann kommt er wieder, empfiehlt die Seite vielleicht. Das ist nachhaltiger.
Mein Favorit bisher!
Flüssig geschrieben, mit Tipps nicht gespart und die redaktionelle Spannung zwischen Mensch und Crawler angemessen skizziert.
Danke für die Tipps.
Ich bin ein Internetneuling und kann viel mit dieser praktischen Anleitung anfangen, um meinen eigenen Internet-Stil zu finden. Ich finde es schlüssig, übersichtlich und praktisch.
Kompakter, gleichzeitig umfassender und flüssig geschriebener Text – mehr ist zu diesem Thema wirklich nicht nötig. Jeder Online-Autor sollte sich diesen Text ausdrucken und als Checkliste an den Monitor kleben. Mein Dank wäre ihm sicher.
Es ist einfach, gut zu schreiben. So einfach, dass ich mich manchmal frage, warum die Leut’ absichtlich dröge oder verklausuliert schreiben. So nach dem Motto: “Wenn mich jeder versteht, dann sind meine Botschaften nicht wichtig genug.” Das nervt!
Die 13 Klockhoffschen Gebote – klarer kann man es nicht auf den Punkt bringen! Danke für diese pointierte und gut lesbare Analyse!
würde mich freuen wieder Artikel von diesem Author zu lesen
“Ausschlaggebend sind dabei unter anderem Titel, Meta-Keywords und Meta-Description, Keyword-Dichte, Überschriften und Position des Suchworte im Text.”
Das ist leider inhaltlich komplett daneben.
META Keywords, Description haben gar keinen Einfluß auf das Ranking einer Seite, Überschriften nur bedingt und in sehr geringem Maße. Keyworddichte und Position der Suchworte im Text spielen ebenfalls keine Rolle mehr, entscheidend ist die sog. Content DNA eines Dokumentes.
In sofern ist das Schreiben für Menschen und Suchmaschinen gar nicht so schwer zu vereinbaren.
Der Artikel ist wirklich interessant, im Internet sollte man den Schreibstil an das Leseverhalten anpassen.
Was ich auch noch wichtig finde zu erwähnen, dass neben all den Geboten und Regeln vor allem der Inhalt stimmen muss. Man muss von seinem Thema überzeugt sein und sollte sich auskennen. Es bringt nichts, von irgendetwas zu schreiben, nur damit man von Suchmaschinen gefunden wird und der Traffic möglichst hoch ist.
Ein anderer Punkt, der mich noch interessieren würde ist Textkonzeption und Schreibstil für bestimmte Zielgruppen.
Herzlichen Dank, sehr guter Artikel. Fehlt nur noch Punkt 15: Schreibe Deutsch und vermeide (wo es eben geht) Denglisch! Dann kann man das ausdrucken und neben den Monitor hängen.
Habe letztens erst wieder eine Speisekarte Online stellen müssen und durfte daran nichts ändern. Ich frage mich, welcher Leser weiß, dass mit “Cole Slaw” der gemeine Krautsalat gemeint ist? Ja, da krempelt es einem die “Footnails” hoch!
LG,
Turicon
PS: Dr.Web zu lesen macht ja wieder richtig Spaß. Weiter so!
Sehr gut beobachtet(!), wie sich die meisten Internetbenutzer verhalten. Das, was Johannes Klockenhoff beschreibt, sollten sich alle zur Regel machen, die Seiten ins Netz stellen:Es wird so viel geschrieben und davon von den meisten Usern dann nichts oder kaum was tasächlich zuende durchgelesen. Ständig wird man durch links auf andere Seiten geschickt. Und wie es hier im Artikel bei J.Klockenhoff steht, Text wird oft nur “gescannt”. Das Internet scheint bisweilen tasächlich dazu beizutragen, Menschen darin zu trainieren an einander immer mehr vorbeizureden.
Die Regeln, die Johannes Klockenhoff, aufführt, sind schon fast trivial und dennoch geraten sie allzu oft in Vergessenheit. Autoren vergessen im Internet oft, dass sie nicht für sich schreiben, sondern für andere Leser. Und dabei ist es wichtig, die berühmten W-Fragen zu beantworten, den Leser durch eine bildhafte und leicht verständliche Sprache für das Thema zu interessieren und sich dabei nicht hinter Fachtermini zu verstecken. Autoren sollten daher die von J. Klockenhoff aufgestellten Tipps als Korrekturschleife ihrer Texte verwenden. Wenn sie alle Punkte mit einem Häckchen versehen können, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen interessanten Beitrag.
Was sind “Worthülsen aus der Marketing-Abteilung”?
Ich finde den Text gut, allerdings fehlt der 2.Teil…
Danke Johannes klockehoff. Diese 13 “Regeln” sollten viel mehr Leute beachten und befolgen. Das würde die Qualität im Web verbessern.
Ist wirklich sehr schön geschrieben, allerdings befasse ich mich zur Zeit mit dem Thema Keyworddichte (über dieses Keyword bin ich auch auf eure Seite hier gelandet)
Es wäre echt Super wenn ihr darüber etwas schreiben könntet, man liest viel darüber, aber leider auch sehr viel unterschiedliches, ich weiß nicht so recht wem man Glauben schenken darf und wem nicht.
Gruß
Sehr schöner und hilfreicher Artikel für die Texter und Verantwortlichen von Webseiten.
Mit diesem Artikel ist mir Johannes Klockenhoff zuvorgekommen. Habe einen solchen Artikel in der Planung für meine Website. Macht aber nix. Werde diesen guten Artikel einfach einfließen lassen und verlinken.