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Schlagbaum: Twitter API v1.1 offiziell vorgestellt, bringt weitere Änderungen

6. September 2012
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Das ging schnell. Gestern stellte Twitter die im August vage für den Herbst angekündigte Version 1.1 ihrer API (Application Programming Interface) offiziell vor. Wie zu erwarten war, wurden alle angekündigten Beschränkungen umgesetzt. Dr. Web berichtete darüber. Die neu hinzugekommenen Klarstellungen im Detail dürften dennoch viele Entwickler überraschen. Denn, wie immer, steckt der Teufel genau darin, im Detail.

Twitter: Strenge Kontrolle des eigenen Markenzeichens

Beginnen wir mit einer Klarstellung aus dem Hause des Zwitscherdienstes, die Entwickler eher besänftigen denn aufregen wird. Viel diskutiert wurde nämlich die Beschränkung der API-Verwendung auf maximal 100.000 Token (lies: Kunden) pro Client, die einmalig um maximal das Doppelte dessen überschritten werden dürfe, basierend auf den tatsächlichen aktuellen Zahlen. Instapaper-Erfinder Marco Arment sah hierin eine Einschränkung, die zwar harmlos wirke, aber tatsächlich einen massiven Impact auf viele Twitter verwendende Apps haben werde. Schon das kleine Teilfeature “Liked By Friends” seines eigenen Dienstes benötige nämlich mehr als 100.000 Token, wie solle es dann erst bei Apps aussehen, die Twitter stärker im Kern ihrer Anwendung hätten?

Twitter stellt hierzu klar, dass sich die Beschränkung auf 100.000 Token ausschließlich auf solche Apps beziehe, die die Kernfunktionalität Twitters replizieren, mithin also Nachbauten der Twitter-Clients ohne weiteren Mehrwert darstellen. Alle anderen Applikationen seien von der Einschränkung nicht betroffen. Arment und andere können sich entsprechend beruhigen. Ebenfalls nicht betroffen sind Applikationen, die unter dem Programm “Twitter Certified Product” laufen, darunter beispielsweise Hootsuite. Letztgenannte App ist insofern besonders interessant, weil sie zumindest zu großen Teilen exakt die Twitter-Kernfunktionalität repliziert. Es scheint auch hier zu sein, wie es überall ist: Alle sind gleich, nur manche sind gleicher.

Ebenfalls wie erwartet umgesetzt wurde die exakte Definition, wie ein Tweet anzuzeigen ist. Hierfür sind entsprechende Anforderungen gleichsam erlassen worden. Unterteilt nach der Darstellung in Desktop-Anwendungen und Mobil-Apps legt Twitter genauestens die Anzeige des Tweets fest. So sieht das auf einem Desktop künftig durchgängig aus:

Hinsichtlich der möglichen Aktionen Follow, Reply, Retweet und Favorite wird klar gestellt, dass diesen keine weiteren Aktionen Dritter hinzugefügt werden dürfen, die den Kernfunktionen ähneln. Damit dürften auf den ersten Blick Befürchtungen, man könne keine weiteren sozialen Netze per Button integrieren, nicht einmal mehr Tweets zu Späterlesediensten senden, ausgeräumt sein. Schaut man allerdings in das neue “Rules of the Road Summary“, so findet man dort die unmissverständliche Anweisung:

Wenn Ihre Anwendung mit Twitter-Daten arbeitet, nehmen Sie diese Daten nicht und machen sie über eine API verfügbar, senden Sie sie nicht an andere Cloud-Dienste und so weiter.

Auf das Branding, die Wahrung des eigenen Markenzeichens indes, legt Twitter allergrößten Wert. So muss auch in Drittanwendungen stets sichergestellt bleiben, dass dem Nutzer deutlich ist, er schaut gerade auf einen Tweet und dieser Inhalt stammt von Twitter. Das Twitter-Logo muss stets angezeigt werden und auch auf den Dienst verlinkt sein. Übrigens: Die Display-Richtlinien treten, anders als die API 1.1 bereits am 5. Oktober 2012, also in einem knappen Monat, in Kraft.

Twitter wirft XML, RSS und Atom aus dem Programm

Twitter-Content konnte bislang in mehreren Formaten aus dem Dienst gezogen werden. Klar war, dass Twitter JSON aufgrund vielfältiger Vorteile bevorzugt. XML wurde bereits vor einiger Zeit fallen gelassen. Jetzt aber beendet der Dienst den Support für alle übrigen Protokolle und beschränkt sich komplett auf JSON. Damit stehen keine Twitter-RSS- oder Atom-Feeds mehr zur Verfügung. So wird die einfachste Möglichkeit der Inhalteverarbeitung gekappt.

Wer also in API 1.1 Inhalte aus dem Twitter-Stream beziehen will, muss das mittels JSON und unter entsprechender Einzelauthentifizierung via OAuth tun. Das ist in etwa vergleichbar mit der Schließung der Grenzen zwischen Frankreich und Deutschland und der Ermöglichung des Übertritts vom einen ins andere Land nur noch durch eine Schranke unter Vorzeigen des Personalausweises.

Technisch ist JSON die bessere Lösung, das soll gar nicht in Frage stehen. In dem aktuellen Blogbeitrag “More Tweets across the Web” zeigt Produktmanager Brian Elin die Benefits der Lösung auf. Ein zugehöriges Beispielwidget in der rechten Sidebar des Twitter-Blogs lässt die Vorteile erkennen.

Auch nach der weitgehenden Klarstellung der kommenden Änderungen in verschiedenen Dokumenten bleibt der schlussendliche Impact der Änderungen auf das Ökosystem unklar. Am 5. März 2013, wenn die API 1.1 endgültig in Kraft tritt, werden wir sehen, was von den lieb gewonnenen Diensten der vergangenen Jahre noch übrig geblieben sein wird.

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Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit fast 30 Jahren in der IT daheim. Seit 2008 schreibt er für Dr. Web, seit 2012 ist er Chefredakteur des Magazins. Man findet ihn auch auf Twitter und Facebook, aktiver ist er allerdings auf Google+.

2 Kommentare zu „Schlagbaum: Twitter API v1.1 offiziell vorgestellt, bringt weitere Änderungen

  1. [...] sich mit den Änderungen an der API beschäftigen muss, findet bspw. unter drweb.de einen Überblick über einige Änderungen sowie Links zu den relevanten [...]

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