Webdesign

TinEye: Bildersuche rückwärts hilft Lizenzprobleme vermeiden

22. Februar 2013
von

Bilder sind stets ein heikles Thema. Wenn man Fotograf im Broterwerb ist, will und muss man seine Werke schützen. Wenn man Fotos verwenden will, muss man sich wiederum vor den Schützern schützen. Denn unter diesen finden sich bekanntlich nicht wenige, die das Schützen als eigenständiges Geschäftsmodell für sich erkannt haben. Insofern ergibt es stets Sinn, sich über die vermeintlich harmlose Herkunft eines Bildes Klarheit zu verschaffen. Sowohl der einen, wie der anderen Interessenlage will TinEye eine Lösung anbieten.

tineye-04-robot

TinEye: Wie es funktioniert…

Der Dienst TinEye wird von der Firma Idée Inc. entwickelt. Er steht in der Form einer Web App für jedermann zur kostenlosen Verwendung unter den später noch zu nennenden Einschränkungen bereit und folgt dem simplen Bedienkonzept der Google UI. Anders als in der Google Bildersuche werden jedoch nicht Suchbegriffe und Parameter verwendet, um Bildmaterial aufzuspüren.

tineye-broetchen-result

TinEye übergibt man vielmehr Bilder. Das geschieht entweder in der Form des Uploads vom lokalen Rechner oder in der Form der Übergabe einer Bild-URL aus dem Weltennetz. Danach startet TinEye die Suche über den indexierten Bildbestand. Der Dienst verwendet nicht Metadaten oder Dateinamen, um Ähnlichkeiten zu ermitteln, sondern erkennt tatsächlich die Inhalte der übergebenen Bilder und gleicht sie mit ähnlichen Bildern im Bestand ab. Das funktioniert sehr gut, sofern ähnliche Bilder im Bestand vorhanden sind.

Das folgende Video gibt einen guten Einblick in Verfahren und Funktionsweisen, ist aber in manchen Bereichen nicht mehr ganz aktuell. So befinden sich mittlerweile deutlich mehr als 2 Milliarden Bilder im Index, nicht nur eine halbe, wie noch im Video behauptet. Zudem sieht das modale Fenster, das genutzt wird, um Original und Fund visuell zu vergleichen jetzt etwas anders aus:

Sind Bildresultate vorhanden, werden diese als Thumbnails in einer Suchergebnisliste angezeigt. Diese Liste lässt sich filtern nach “Best Match”, also dem Ähnlichkeitsgrad, nach “Most Changed”, womit die am stärksten veränderten Bildvarianten nach oben rutschen und nach “Biggest Image”, was für die absteigende Sortierung nach Dateigröße sorgt.

tineye-7eleven-result

An jedem Thumbnail findet sich ein “Compare”-Link. Klickt man diesen, öffnet sich ein modales Fenster, in welchem man per Klick auf “Switch” die Möglichkeit erhält, das eigene, respektive übergebene Bild mit dem jeweiligen Fund optisch zu vergleichen. Das zeigt sehr eindrucksvoll, in welchen Bereichen Veränderungen vorgenommen wurden und welche vollkommen unverändert geblieben sind.

tineye-7eleven-result-orig

tineye-7eleven-result-match

Derzeit konzentriert sich der Dienst nach eigenen Angaben vor allem darauf, Bildersammlungen zu indexieren. Es sollen also zunächst gezielt die Haupt-Bildgeber des Web in den Bestand aufgenommen werden. Das ist sicherlich sinnvoll, um schnell große Mengen Vergleichsmaterial anbieten zu können, führt jedoch im Ergebnis tendenziell dazu, dass Resultate eben auch darauf limitiert sind. Sprich: Ob jemand mein Foto XY unberechtigt nutzt, erfahre ich nur, wenn er so “intelligent” war, es in eine andere Bilddatenbank einzustellen. Ausnahmen bestätigen die Regel und Versuch macht kluch.

Plugins und Bookmarklet: TinEye direkt aufrufen

Lange Zeit bestanden lediglich zwei Möglichkeiten, im Web verfügbare Bilder der Rückwärtssuche auszusetzen. Zum einen konnte das bereits vorgestellte Verfahren, eine Bild-URL in das Suchfeld zu kopieren und die Suche zu starten, genutzt werden. Zum anderen konnte und kann ein Bookmarklet in die Lesezeichenliste des eigenen Browsers gezogen werden. Klickt man diesen LInk dann auf einer beliebigen Website, versucht TinEye, die dort zu findenden Bilder zu extrahieren und an die Suchfunktion zu übergeben.

Das ist bei sehr bildlastigen Seiten natürlich keine gute Option und führte in meinen Tests zudem nur selten zu brauchbaren Ergebnissen. Vermutlich aus einem der beiden genannten Gründe oder einer Kombination beider, entschieden sich die Macher von TinEye Plugins und Extensions für die gängigsten Browser, namentlich Firefox, Chrome, Safari, Internet Explorer und Opera zur Verfügung zu stellen.

Diese Plugins fügen sämtlich eine direkte Suchmöglichkeit hinzu. Es genügt, einen Rechtsklick auf das zu suchende Bild auszuführen und im Kontextmenü “Search Image On TinEye” zu wählen. In einem neuen Tab führt TinEye die Suche so aus, als wäre die URL per Copy and Paste übergeben worden. Das erleichtert die Handhabung natürlich ungemein.

tineye-rightclick-search

Nicht unerwähnt bleiben soll die weitere Möglichkeit, ein zu suchendes Bild per Drag and Drop auf die TinEye Website zu ziehen. Das funktionierte in meinen Tests allerdings nur im Chrome zuverlässig.

TinEye: Bestehende Limitierungen

TinEye kann Bilder in geschützten Bereichen des Web nicht indexieren, also nicht in den Suchbestand aufnehmen. Das ist insbesondere deshalb relevant, weil etwa Facebook, wie auch die meisten anderen sozialen Netzwerke genau zu dieser Gruppe nicht indexierbarer Sites gezählt werden dürfen. Ob Ihr Meisterwerk tausendfach auf Facebook geteilt wird, können Sie mit der Hilfe von TinEye demnach nicht herausfinden. Ebenso unauffindbar sind Bilder innerhalb von Flash-Sites.

Zudem hält sich TinEye an entsprechende Anweisungen in der robots.txt. Wer also quasi gewerbsmäßig Bilder klaut und ausstellt, der verbietet in seiner robots.txt schlicht dem TinEye-Bot den Zugriff. Umgekehrt können gewünschte Indexierungsvorgänge beschleunigt werden, indem man dem TinEye-Bot eine XML-Datei, ganz ähnlich der Sitemap, die man heutzutage dem Google-Bot vorlegen kann, anbietet. Imagemap heißt das Konstrukt naheliegenderweise.

Kostenlos darf TinEye nur zu nicht-kommerziellen Zwecken genutzt werden. Zudem ist die Suche auf 50 Suchen pro Tag und 150 Suchen pro Woche beschränkt. Der letztgenannte Wert ist allerdings bei der Nutzung dynamischer IP-Adressen eher ein theoretischer, denn die Begrenzung wird seitens TinEye über die IP-Adresse gesteuert. Nutzer, deren Provider die Verbindung mindestens einmal in 24 Stunden trennen und neu aufbauen, können dieses Limit nicht erreichen.

TinEye empfiehlt, ein Nutzerkonto anzulegen. So würden alle Suchen über den Account geführt und nicht über die IP begrenzt. Ich soll Ihnen diese Vorgehensweise aber nicht ernsthaft ans Herz legen, oder?

Kommerzielle Heavy-User können Suchen kaufen und sogar via API auf die Funktionalität zugreifen. Zielgruppe dürften hier klar Fotoverkäufer mit großen Datenbeständen sein, die schon aus eigenem wirtschaftlichen Interesse die unberechtigte Verwendung ihres Materials im Auge behalten müssen.

Die Blogger unter uns, die lediglich herausfinden wollen, wo ihr jüngstes Mashup überall auftaucht oder verhindern wollen, dass man ihnen aus einem angeblich frei verwendbaren Bild doch noch einen Strick dreht, sind mit der kostenlosen Variante gut bedient.

Zu guter Letzt muss erwähnt werden, dass nicht zuletzt aufgrund der genannten Limitierungen mit TinEye keine absolute Sicherheit garantiert werden kann. Wer sicherstellen will, dass sein Bild nicht doch irgendwo unberechtigt genutzt wird, der darf sich nicht etwa beruhigt zurücklehnen, bloß weil es bei einer Suche in TinEye nirgends sonst auftaucht. Umgekehrt darf sich derjenige, der ein Bild verwenden will, nicht darauf verlassen, dass es nicht doch ursprünglich aus einer anderen Lizenzumgebung kommt, bloß weil TinEye es nicht anzeigt.

Dienste wie TinEye (oder Googles eigene Rückwärtssuche für Bilder) bieten stets lediglich Indizien und Anhaltspunkte für weitere Recherchen und sollten im eigenen Interesse stets so verstanden werden.

Links zum Beitrag:

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit fast 30 Jahren in der IT daheim. Seit 2008 schreibt er für Dr. Web, seit 2012 ist er Chefredakteur des Magazins. Man findet ihn auch auf Twitter und Facebook, aktiver ist er allerdings auf Google+.

Tags: , , ,

Ein Kommentar zu „TinEye: Bildersuche rückwärts hilft Lizenzprobleme vermeiden
  1. Muffinator am 24. Februar 2013 um 19:31

    Sehr schön, dass es nun auch eine Alternative zu Googles Rückwärtssuche gibt. Leider konnte ich bei einigen Versuchen noch nichts finden, wo Google bereits fündig wird. Allerdings wurden wahrscheinlich bislang auch vorrangig .com-Domains gecrawlt.

Ein Kommentar? Schön!

Wir freuen uns immer über Leser, die durch nützliche und konstruktive Beiträge zum Thema eine Diskussion anstoßen oder den Artikel mit weiteren Informationen anreichern. Alle Kommentare werden in diesem Sinne moderiert. Zum Kommentar-Fairplay gehört für uns auch der Einsatz von rel="nofollow". Bitte verwenden Sie zudem als Namen weder eine Domain noch ein spamverdächtiges Wort. Vielen Dank!