Bildbearbeitung

Täuschend echte Unterwasserfotos – Photoshop sei dank

19. Juli 2010
von

Die Wunder der Meere im Bild festhalten – nur etwas für professionelle Fotografen mit Taucherfahrung? Mitnichten. Auch ohne sündhaft teure Unterwasserausrüstung und das notwendige Know-how im Umgang mit Taucherflasche und Neoprenanzug lassen sich die Schönheiten der Tiefsee ablichten. Dazu genügt eine einfache SLR-Kamera, ein eigenes oder ein öffentliches Aquarium und – für den letzten Schliff – eine bisschen Nachbearbeitung am Computer.

hering foto
Hier saust ein Hering mit seinem Schwarm an der Kamera vorbei.

Dennoch gibt es einige weitere Kleinigkeiten zu beachten. Zunächst suche man sich ein Aquarium in der Nähe mit möglichst großer Artenvielfalt und guten Begehmöglichkeiten aus. In diesem Beispiel musste das SeaLife Aquarium in Oberhausen, dort wo auch der berühmte Tintenfisch „Paul“ zuhause ist, herhalten. Fotografieren ist dort, solange man auf Blitzgeräte verzichtet, durchaus erlaubt.

Kameraeinstellungen

Die Lichtverhältnisse sind das größte Problem bei der Unterwasserfotografie. Da hilft auch ein beleuchtetes Aquarium nur bedingt weiter. Je nach Größe wird das Licht recht schnell schummrig und die Belichtungszeiten müssen zwangsläufig heraufgesetzt werden. Unterhalb einer 60stel Sekunde wird es bei agilen Tieren jedoch schnell unscharf. Um die Lichtempfindlichkeit zu steigern lässt sich natürlich auch die ISO-Zahl heraufsetzen, aber je nach Kamera macht sich ab ISO 800 ein deutliches Bildrauschen bemerkbar. Daher unbedingt die Bilder im RAW-Modus aufnehmen, um später die besten Möglichkeiten zu haben, Helligkeit, Schärfe, Farbtonalität und Bildrauschen zu bearbeiten. Wer den Fisch im Becken ‘verfolgt’, sollte die Servo-Fokussierung einstellen.

einstellungen foto

Da sich Fische unter Wasser nun mal gerne schnell bewegen, empfiehlt es sich, grundsätzlich im Serienmodus zu arbeiten und mit einem Knopfdruck gleich eine ganze Reihe von Fotos zu schießen. So geschehen bei dem Heringsschwarm im ersten Bild, bei dem es darum ging, einen Hering aus dem schnell vorbeiziehenden Schwarm scharf abgezeichnet hervorzuheben. Kein leichtes Unterfangen, das Geduld erfordert. Der Serienmodus hilft, je schneller die Kamera, desto besser.

In unserem Fall kam ein recht günstiges Sigma Zoomobjektiv 28-70mm mit durchgängiger Blendenöffnung von maximal f2.8 an einer Canon 20D Digitalkamera zum Einsatz. Also mitnichten eine „State-Of-The-Art“-Ausrüstung. Auf ein Stativ wurde mit Rücksicht auf die anderen Besucher im Aquarium bewusst verzichtet. Man macht sich vor allem bei Kindern und Familien unbeliebt, wenn man ein interessantes Becken mit kompletten Kameraaufbauten blockiert. Die Benutzung eines Blitzes ist schon allein mit Rücksicht auf die Tiere tabu und hilft ohnehin vor einer Glasscheibe nicht weiter.

Beim Fotografieren durch eine Glasscheibe unbedingt darauf achten, dass keine Reflexionen von Lichtquellen des Raumes im Bildbereich zu sehen sind. Es hilft auch, immer ein Taschentuch parat zu haben, um die Glasscheibe von fettigen Fingerabdrücken zu befreien.

Nachbearbeitung der Bilder

Sind die Bilder erstmal “im Kasten”, geht es an die Nachbearbeitung. Zunächst einmal können Helligkeit, Farbton und Bildschärfe angepasst werden. Wer im RAW-Modus fotografiert hat, bekommt hier die besten Möglichkeiten, noch mehr aus dem Foto herauszuholen und eventuelle Fehlbelichtungen zu korrigieren.

Mittels Belichtung können Sie zu dunkle Bilder etwas nachbelichten, hierbei wird das Bildrauschen unter Umständen jedoch deutlicher. Der Regler Reparatur dunkelt überbelichtete, oder “ausgefressene” Bildbereiche wieder etwas ab. Mit dem Regler Fülllicht heben Sie zu dunkle Bildbereiche wieder etwas an, ohne die hellen Bildbereiche zu beeinträchtigen. Mit dem Regler Schwarz werden dunkle Bildpunkte in reines Schwarz umgewandelt. Das Bild wirkt wieder kontrastreicher. Wenn Sie dabei die ALT-Taste gedrückt halten, zeigt ihnen Photoshop im Schwellenwertmodus an, in welchen Bildbereichen die Farbkanäle ihre Schattierung aufgeben. Die ALT-Taste funktioniert auch bei anderen Reglern um Schwellwerte anzuzeigen.

Der Regler Klarheit ins positive Verschoben lässt Mitteltöne schärfer und konstrastreicher erscheinen. Das Bild wirkt damit insgesamt etwas “knackiger”. Die Farbsättigung ändern Sie über die Regler Dynamik und Sättigung. Wobei es sich empfiehlt, zunächst die Dynamik auszuprobieren, da diese die Farben nur in nicht stark gesättigten Bereichen anhebt oder senkt.

bildanpassung raw 1 foto

Wer im RAW-Modus fotografiert, hat später die besten Möglichkeiten der nachträglichen Bearbeitung von Farbton, Helligkeit, Schärfe et cetera

Rauschwerte reduzieren

Bei hohen ISO-Werten aufgenommene Fotos haben einen gewissen Rauschwert. Der lässt sich auch bei der RAW-Bearbeitung gut reduzieren. Das geht zwar ein wenig auf Kosten der Schärfe, aber auch hier sollte man ruhig mal mit den Reglern “herumspielen”, um den besten Kompromiss zwischen Bildschärfe und Rauschen herauszuholen.

Tipp: Bei Photoshop darauf achten, dass diese Einstellungen nur dann korrekt angezeigt werden, wenn das Bild im Vorschaufenster in 100% Originalgröße angezeigt wird. Wenn das Bild jedoch Nachbearbeitung im Sinne von Bildkorrekturen wie die Beseitigung von Flecken, Kratzern oder Reflexionen benötigt, sollte man das Schärfen nach Möglichkeit erst als letzten Schritt der Bildbearbeitung in Betracht ziehen.

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Schärfe, Details und Bildrauschen lassen sich im RAW-Modus optimal einstellen, ist weitere Bildbearbeitung notwendig, sollte man hier aber noch nicht übertreiben und erst nach den letzten Arbeitsschritten nachschärfen.

Störende Bildelemente beseitigen

Dreckige Scheiben, Kratzer, Reflexionen, all das muss jetzt beseitigt werden. Manchmal ist es wirklich eine Sisyphusarbeit, doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Bei einigen Bildern waren stark verschmutzte Scheiben ein echtes Ärgernis. Doch, wer die Mühen nicht scheut, bekommt mit dem Stempelwerkzeug [S]-Taste viele kleine Punkte wegretuschiert. Die Pinselgröße sollte entsprechend angepasst werden, um beim Stempeln nicht andere Flecken zu übertragen.

stempel foto

Schmutzigen Glasscheiben kann man nur mühselig mit dem Stempelwerkzeug bearbeiten. Aber es lohnt sich.

Die Ergebnisse sprechen für sich. Die unschönen Punkte auf der Glasscheibe treten nach der Bearbeitung mit dem Stempelwerkzeug deutlich weniger hervor als vorher.

piranha vorher nachher foto

Pfauenaugenbuntbarsch (korrigiert) - links vor und rechts nach der Bildbearbeitung

clownfisch vorher nachher foto

Auch der Clownfisch sieht nach der Bildbearbeitung viel 'knackiger' aus. Der Schmutz der Glasscheibe ist verschwunden.

Auch unschöne Kratzer auf dem Plexiglas können die Unterwasseraufnahme stören. Besonders bei Lichtquellen fallen die Kratzer auf. Hier empfiehlt es sich, zunächst mit dem Weichzeichner aus der Werkzeugleiste die harten Kratzer aufzulösen und anschließend mit dem Wischfinger fast unsichtbar zu machen. Da hier keine Objekte im Hintergrund waren, fällt der Weichzeichner im Bild später nicht auf.

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Unschöne Kratzer verraten den trockenen Standort des Unterwasserfotografen. Weichzeichner und Wischfinger schaffen Abhilfe.

kratzer vorher nachher foto

Links das Originalbild mit Kratzern im Plexiglas, rechts wirkt es schon eher nach echtem Unterwasserfoto.

Für Impressionen wie aus dem Meer braucht’s lichtstarke Objekte

Unterwasserfotografie stellt den Fotografen vor einige, nicht ganz leicht zu meisternde Hürden. Die doch recht schwierigen Lichtverhältnisse schreien geradezu nach besonders lichtstarken Objektiven, darüber hinaus ist im Wasser alles ständig in Bewegung. So muss ein Unterwasserfotograf nicht nur die Kamera absolut blind beherrschen, sondern auch die eigene Körperbeherrschung unter Wasser perfekt meistern. Dann liegt es in der Natur der Sache, dass Meereslebewesen nun mal die Angewohnheit haben, selten auf einer Stelle zu verharren. Es ist schon ein Unterschied, ob man einen vorbei schwimmenden Hai oder ein gemütlich grasendes Zebra fotografiert.

Aber auch ohne Tauchkenntnisse und mit vergleichsweise günstiger Fotoausrüstung lassen sich faszinierende Unterwasseraufnahmen machen. Wenn man selbst trockenen Fußes in Ruhe vor einem Aquarium stehen kann, ist das bereits ein großer Vorteil. Diese und weitere, teilweise noch unbearbeitete Aquarien-Bilder gibt es vom Autor auch in seiner Flickr-Galerie “Beyond The Sea”.

clownfisch foto

Spätestens seit 'Findet Nemo' ein beliebtes Fotoobjekt: der Clownfisch

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Oops ... keine Wasserpflanze, sondern doch ein Fisch - leider hat der Autor den Namen nicht notiert.

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Hai und Rochen ziehen um das Korallenriff ihre Runden. Die Sonne ist in diesem Fall nur ein Scheinwerfer.

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Eine Muräne lauert in einem alten Tontopf. Die schlierige und nach außen gewölbten Glasscheibe sorgt für einen Schleier, der die schummerige Atmosphäre noch verstärkt. Manchmal ist es also gar nicht so tragisch.

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Von ganz klein bis ganz groß: Das Seepferdchen braucht sich vor diesem Hai nicht zu fürchten, schwimmt es doch in einem anderen Becken.

(mm), ™, (sl)

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Dennis Knake

Dennis Knake schreibt seit Beginn seiner journalistischen Laufbahn 1996 für verschiedene Online- und Printmedien und ist sozusagen seit den frühen Tagen des World Wide Web mit dabei. Sein privates Blog betreibt er seit 2005 und ist auch sonst im Internet "gut unterwegs". Heute ist er neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als PR-Manager bei der QSC AG auch als freier Autor für den DATA BECKER Verlag tätig.

7 Kommentare zu „Täuschend echte Unterwasserfotos – Photoshop sei dank

  1. Stefko am 19. Juli 2010 um 12:25

    Bei dem unbekannten Fisch handelt es sich um eine weibliche Geistermuräne :-)

  2. Rainer Brettner am 20. Juli 2010 um 11:39

    Interessanter Bericht! Beim fünften Bild handelt es sich aber nicht um einen “roten Piranha” sondern um einen “Astronotus ocellatus” (Pfauenaugenbuntbarsch) den man in Aquarianer-Kreisen auch “Roter Oskar” nennt.

  3. Dennis Knake am 21. Juli 2010 um 10:27

    Ich gebe zu, in Sachen Aquarienkunde habe ich wohl noch etwas Nachholbedarf. Stimmt natürlich, dass das kein Piranha ist. Ich hätte aber schwören können, das Schild ganz in der Nähe dieses Beckens gelesen zu haben. Asche auf mein Haupt! Danke für den Hinweis.

  4. [...] Anregung, mal wieder ins Aquarium zu [...]

  5. Adrian am 25. Juli 2010 um 15:11

    Hi,

    ein großes Aquarium ist schon ein schöner Platz zum Entspannen. Wenn Euch die Tiere im Aquarium faszinieren, dann versucht es doch mal mit dem Tauchsport. Der Anblick in freier Natur ist nochmal eine gigantische Steigerung – versprochen!

    Liebe Grüße,
    Adrian

  6. Günter am 8. Mai 2012 um 02:29

    Wirklich beeindruckende Arbeit in Photoshop. Die Vergleiche unbearbeitet vs. bearbeitet zeigen, was man mit etwas Übung in Photoshop alles machen kann.
    Ich bin leider oft zu faul… aber diese Bilder sind wirklich tolle Motivation.
    LG, Günter

  7. Dennis Knake am 14. Mai 2012 um 16:33

    Freut mich zu lesen! Auch, dass der Artikel nach fast zwei Jahren immer noch gelesen wird! Ich sollte mal wieder ins SeaLife und ein paar neue Fotos ausprobieren. Diesmal mit einem etwas lichtstärkeren Objektiv. Macht auf jeden Fall Laune!

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