Webdesign

Software und Services für eigene Usability-Tests – eine Übersicht

17. August 2009
von

Usability = Wichtig. Das weiß jeder. Wie man benutzbare Websites baut, ist dann aber schon kein allgemeines Wissen mehr. Viele Webschaffende verlassen sich auch ihre Erfahrung und aufs Bauchgefühl. Ob das reicht, sei dahingestellt. Nötig wäre es nicht, denn es gibt eine Fülle unterstützender Werkzeuge und Services. Die müssen nicht zwangsläufig umständlich oder teuer sein – und helfen dann vielleicht doch.

Es lassen sich im Groben drei Verfahren unterscheiden:

  • Dem User werden Aufgaben gestellt, die Ergebnisse werden aufgezeichnet und ausgewertet.
  • Man schaut dem Nutzer beim Surfen zu, die Aktionen werden aufgezeichnet und ausgewertet.
  • Man sammelt direktes Feedback von den Nutzern ein.

Diese Dienste nutzen entweder das so genannte Crowdsourcing, das heißt die Hilfe der User, oder arbeiten auf Basis einer Software. Das eigene Usability-Labor entfällt. Mit einer Ausnahme sind alle Dienste englischsprachig.

fivesecondtest
In fünf Sekunden ist alles vorbei. Der Tester lädt einen Screenshot der zu testenden Website hoch. Und die Probanden erhalten nämliche fünf Sekunden, um Elemente zu benennen, die ihnen bei der Betrachtung in Erinnerung geblieben sind. Den Link zum Test kann man auch weitergeben, zum Beispiel an die Besucher der eigenen Site. Das Ganze gibt es auch als “Klick-Test”. Hier wird nichts benannt, hier klickt der Tester. Der Dienst ist kostenlos.

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Open Hallway
will seit Mai 09 ein virtuelles Usability Labor sein. Die Tester besorgt man sich selbst. Die sitzen allerdings nicht vor Ort, sondern am Rechner, und folgen definierten Aufgaben. Der Rechner muss mit Java ausgerüstet sein. Als Video aufgezeichnet werden die Aktionen des Probanden ebenso wie seine Sprache. Ist der Test komplett, erfolgt die Benachrichtigung. Open Hallway kostet zwischen 49,- und 199,- US Dollar pro Monat. Ein kostenloser Testzugang steht bereit.

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UserTesting
Für 29,- US Dollar erhält man einen Screencast (Flash Video) eines Users. Der Tester führt verschiedene zuvor definierte Aufgaben durch und kommentiert diese. Man kann ihn anschließend zuhören und Mausbewegungen sowie Eingaben sehen. Ein solcher Test dauert rund 15 Minuten. Dazu gibt es eine schriftliche Zusammenfassung. Diesen Test habe ich schon im Jahr 2007 einmal durchgeführt im Artikel Ein echter Usability-Test für den schmalen Geldbeutel.

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Chalkmark
Auch hier wieder: Wohin klickt der User, wenn man ihm eine bestimmte Aufgabe stellt? Die Resultate kommen als Heatmap. Das klappt übrigens auch mit Entwürfen und Zeichnungen. Chalkmark ist kostenlos für bis zu drei Aufgaben.

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Wer es probieren möchte: Zuerst gilt es, (im HTML-Format) drei Texte zu verfassen, die im späteren Verlauf an die Probanden ausgesandt werden. Man erhält eine URL zur Weitergabe. Nun gilt es, ein Bild hochzuladen. Hierbei handelt es sich um einen Screenshot der zu testenden Webseite – man kann später zu jedem Task einen weiteren auswählen. Anschließend werden die Aufgaben definiert. Ist das Projekt erst einmal live geschaltet, können keine Änderungen mehr daran vorgenommen werden. Als Ergebnis erhält man eine Heatmap. Wer den Test einmal machen will.

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Wer mehr braucht, zahlt 109,- US Dollar für 30 Tage oder 559,- pro Jahr. Siehe auch Treejack IA Testing vom gleichen Anbieter.

Usabilla
gibt es offiziell noch nicht, heißt, man beta-testet noch. Hier werden ebenfalls Screenshot hochgeladen und nach vorgegebener Aufgabenstellung von den Probanden mit Klicks versehen, die sich hoffentlich aufschlussreich auswerten lassen. Preise sind noch nicht bekannt.

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Loop 11
Auch dieser Dienst befindet sich noch im Beta-Stadium. Wer mag, kann versuchen, eine Einladung zu ergattern. Das Ganze funktioniert wiederum auf Basis eines Screenshots. Im Unterschied etwa zu Usabilla wird hier im nächsten Schritt eine spezielle Gruppe von Testern zusammengestellt. Wer das nicht will oder niemanden kennt, kann mit Zufallspersonen arbeiten. Der eigentliche Test besteht aus konkreten Aufgaben wie “Finde das Impressum” oder “Benutze die Suchfunktion”. Loop 11 misst Zeiten, Erfolgsraten und Klickpfade. Die Testergebnisse werden zu einem attraktiven Dashboard aufbereitet. Preise stehen noch nicht fest.

Screenshot
Loop 11 Dashboard. Der Screenshot stammt aus der Rezension des SeoAlchemist

Wer wissen will, was die Nutzer tun, der setzt sie vor einen Rechner und schaut zu. Wer professionelle Usability Tests veranstalten möchte, braucht deshalb nicht nur Kameras und lebensechte Probanden, eine Software hilft, die Daten aufzubereiten. Techsmiths Morae bietet sich für rund 1500,- US Dollar dafür an.

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Aus dem Morae “Overview” Video

Please Critique Me
Tolle Sache. Wer Glück hat, dessen Projekt wird ausführlich besprochen – mit allem drum und dran – möglicherweise sogar von einer bekannten Netzpersönlichkeit. Diese Rezensionen sind wiederum kommentierbar, wovon augenscheinlich auch Gebrauch gemacht wird. Die Sache ist komplett kostenlos. Angaben darüber, wer letztlich in den Genuss einer Kritik kommt, werden leider nicht gemacht.

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Feedbackarmy
Website URL angeben, Fragen stellen, Anzahl der Tester wählen und das Feedback erwarten (soll um die 3 Stunden dauern). Die Tester werden über Amazons Mechanical Turk eingebunden. 10 Tester kosten 10,- Dollar, 25 kosten 23,- Dollar und 50 Tester sind für 40 Dollar dabei.

Als Beispiel für einen Test wird die folgende Fragestellung gezeigt:

  1. What does this site do?
  2. What aspect of the site confused you?
  3. What would improve this site?
  4. How does it work?

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Clickdensity
Spuckt Heat- und Clickmaps aus. Dazu werden die zu beobachtenden Seiten mit einem Javascript-Snippet geimpft. Man sieht, sofern genug Klicks zusammen gekommen sind, wo die Besucher besonders gern geklickt haben oder wo der Mauszeiger sich häufig befand. Man hat die Möglichkeit, einen Datumsbereich auszuwählen. Die Preise bewegen sich zwischen Null für eine einzige Seite und maximal 5000 gezählt Klicks und 300 Euro für beliebige Seiten und bis zu 5 Millionen Klicks.

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Clickdensity als Heatmap im Overlay

Crazyegg
ist bereits ein alter Bekannter. Der Dienst ist vergleichbar mit Clickdensity, bietet jedoch mehr Features. Dafür gibt es keine Gratisversion. Die Preise bewegen sich zwischen 9,- US Dollar und 99,-, damit lassen sich dann 100 Seiten überwachen. Zu den Features gehört die Konfettiansicht.

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Die verschiedene Farben der jeweiligen Klicks symbolisieren die Herkunft (Referrer) des Besuchers. Außerdem gibt es eine nüchterne tabellarische Ansicht mit Prozentwerten. Wir haben Crazyegg mehrfach beim Smashing Magazine eingesetzt, um Menüleisten zu sortieren.

Vistrac
Vistrac (früher TapeFailure) liefert gewöhnliche Statistiken, Heatmaps, ermittelt die tatsächliche Größe des Browserfensters und misst Mausbewegungen. Besonderes Augenmerk liegt auf Formularen. Wie oft wird vollständig ausgefüllt und wie lange brauchen die User dazu? Aus dem Verhalten der Leute lassen sich entsprechende Schlussfolgerungen ableiten.

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Der Preisplan stellt sich von der gratis Testversion bis hin zu 109 US Dollar im Monat auf.

Clixpy
zeichnet auf, was der User macht. Mausbewegungen, Scrolling, Formulareingaben – das Ganze gibt es dann als Flash-Video zurück. Damit Clixpy arbeiten kann, ist auch hier der Einbau von ein wenig Javascript in die zu testenden Seiten notwendig. Clixpy nennt unverständlicherweise (oder ich konnte sie nicht finden) keine Preise. Deshalb hier: Die ersten 10 Sitzungen gibt es gratis bei der Anmeldung, 100 davon kosten 5 US Dollar und für 30 US Dollar bekommt man 1000.

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m-pathy
ist ein deutschsprachiges Pendant aus Dresden. Der Testaccount ist 10 Tage lang gültig. Heat-, Movement- und Clickmaps sind nicht im Testaccount zu finden, weil die erlaubte Datenmenge im Testaccount nicht ausreicht. Ein Original-PDF von m-pathy (PDF), das wir von m-pathy erhielten, beschreibt, was man erwarten kann und zeigt auch die interessanten Maps. Der einzige Deutsche Dienst im Feld möchte Preise nach individueller Analyse ermitteln. Wer nur die Mousetracking-Technologienutzen will, zahlt ab 840,- Euro pro Monat (inkl. 5.000 Sessions).

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Auswahl der aufgezeichneten Filme im Browser

Userfly
gehört in dieselbe Gewichtsklasse. Es gibt einen Gratisaccount zum Ausprobieren, der für 10 Sitzungen reicht. Wer mehr benötigt, zahlt zwischen 10,- und 200,- (für 10.000) US Dollar.

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Clicktale
wie Clixpy werden User-Sessions aufgezeichnet. Interessant sind die Scroll-Heatmaps (unter anderen), die zeigen, in welche Bereiche einer Seite die Nutzer vordringen und wie viele am Ende den Fußbereich erreichen.

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Es gibt einen Gratisaccount, der bis zu 400 Pageviews aufzeichnet. Wer mehr benötigt, muss zwischen 99,- und 790,- US Dollar kalkulieren.

Clickheat
schon vorgestellt, erzeugt Heatmaps auf dem eigenen Server. Das spart Geld. PHP und die GD Graphics Library sind die Voraussetzungen dafür.

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Feng GUI
ist einfach zu nutzen. Man kann einen Screenshot hochladen. Das System sagt voraus, wohin sich der Blick des Publikums in den ersten 5 Sekunden wenden wird. Das ist keine Kaffeesatzleserei, sondern wird über einen Algorithmus ermittelt. Das gilt, wie beschrieben, für das erste Bild. Wer mehr will, muss bezahlen. Ab 50 US Dollar.

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Heatmap generation from attention map

UserVue
Techsmiths Online-Dienst ist derzeit leider nur in den USA und Kanada erhältlich.

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Silverback
Den markanten Gorilla haben Sie vielleicht schon einmal gesehen. Silverback ist im Gegensatz zu den hier vorgestellten Services eine Software – und zwar exklusiv für Mac OS X. Was macht die Software? Sie zeichnet Surfsitzungen auf, die im Quicktime-Format gespeichert werden. Man benötigt dazu eine angeschlossene Kamera. Auf diese Weise schaut man auch mit Silverback dem Benutzer beim Surfen zu. Und guckt sich die Filme hinterher in aller Ruhe an. Quicktime liefert logischerweise eine bessere Qualität als die Online Dienste. Wer die Software nach dem 30 Tage-Testzeitraum dauerhaft in seinen Besitz bringen möchte, reicht 49,95 US Dollar rüber. ™

Screenshot
Die Software selbst ist nicht mehr so prächtig wie die oft gelobte Website

Links zum Thema

Sven ist der Erfinder des Dr. Web Magazins, Autor und Herausgeber diverser Fachbücher. Als Webdesigner und Texter früher freiberuflich für verschiedene Unternehmen und Verlage tätig. Jetzt Vorstand und Mitgründer der Smashing Media AG.

13 Kommentare zu „Software und Services für eigene Usability-Tests – eine Übersicht
  1. DiBo am 17. August 2009 um 09:28

    Ich weiß ja, daß Ihr mittlerweile den Focus auf das engl. Web habt.

    Deshalb ist der Artikel für engl. Seiten auch recht interessant – für deutsche Webseiten sind US-Dienste mit engl. Testern für die Katz!

    Der eine dt. Dienst reißt das dann auch nicht raus.

  2. blackfox am 17. August 2009 um 10:53

    google analytics bietet zwar nicht so stark ausgebrägte Funktionien wie hier gezeigt, jedoch auch eine kleine Ansicht wo die User hingeklickt haben.

  3. […] Software und Services für eigene Usability-Tests – eine Übersicht | Heatmaps, Screencasts, Service…drweb.de […]

  4. Christoph am 17. August 2009 um 12:42

    Stimme DiBo teilweise zu: Heatmaps, Clickmaps usw. aus dieser Zusammenstellung sind auch für deutschsprachige Websites nutzbar, alle Dienste mit Feedback-Funktionen bieten entweder überhaupt keine nicht-englischen Dienste oder eine nur zufällige Bewertung an.

  5. Dieter am 17. August 2009 um 19:47

    Danke für diesen interessanten Überblick.

    Für kleine private Websites scheinen mir diese aber zu teuer zu sein und die Testaccounts nur bedingt geeignet.

    Google Analytics ist zwar kostenlos, kommt für mich aber nicht in Frage, schließlich will ich der Datenkrake nicht noch mehr Daten in den Rachen werfen und das JavaScript möchte ich auf Dauer auch nicht auf meinen Seiten einbinden.

    Mein persönliches Fazit:
    Freunde und Bekannte fragen, ob sie die Website mal testen und Verbesserungsvorschläge machen könnten, ist für kleine private Projekte wohl die einzig gute und finanzierbare Alternative.

  6. DiBo am 18. August 2009 um 07:18

    Freunde und Bekannte, soso.
    Ob da wirklich objektive Meinungen rauskommen, wage ich zu bezweilfeln. Aus Erfahrung ist eher “Ohhh, Tolll, Super, fein gemacht, etc. ” die Regel.

    Nicht falsch verstehen, nett gemeint. Aber dient nicht der Sache ;-)

  7. JaeklChristian am 18. August 2009 um 12:25

    @DiBo
    Genau aus diesem Grund lasse ich meine Seite zum Beispiel in Foren von Leuten überprüfen und Testen die sich auskennen.

    z.B.: der-webdesigner.net

  8. Niko am 19. August 2009 um 12:34

    Vielen Dank! Sehr gute sammlung. Ich finde aber keine Tool kann je eine hochwertige Umfrage ersetzen!

  9. Ludwig K. am 19. August 2009 um 17:08

    Danke für diesen überaus hilfreichen, überaus ausführlichen Beitrag. Der eine oder andere Dienst ist mir durchaus bekannt und vertraut gewesen. Doch vieles war mir dann doch neu.
    Für eine detaillierte Analyse muss man eben etwas berappen. Andererseits sind die Dienste dennoch nicht zu kostenintensiv. Da zahlt man für weniger woanders mehr. Eine Agentur mit einem Test zu beauftragen ist allemal teurer. Natürlich steht ein solcher Dienst immer in Relation zu den Zielen, die mit diesem erreicht werden wollen. Google Analytics ist eine Alternative. Aber wer es noch detaillierter benötigt als GA, der hat Größeres vor. Und der ist sich dann auch zumeist über entstehende Kosten im Klaren. Oder als pragmatisches Beispiel dazu: im Grunde genommen genügt ein Fahrrad um von A nach B zu kommen. Aber eine ganze Schulklasse nimmt dann wohl doch besser den Reisebus um in die Sommerferien zu fahren. Und ist sich damit über die entstehenden Kosten im Klaren. Und dass der größte Teil genannter Dienste englischsprachig sind kann nur von Vorteil für unsere Schulklasse sein, oder?

  10. […] Software und Services für eigene Usability-Tests – eine Übersicht | Heatmaps, Screencasts, S… […]

  11. Sabrina am 21. August 2009 um 13:31

    Vielen Dank für diesen Bericht. Ein paar Sachen kennt man schon, manche halt noch nicht. Man lernt ja auch nie aus. ;)

    Gruß
    Sabrina

  12. Kathreen am 24. August 2009 um 21:56

    Danke auch für diese Übersicht. Ich werde mal einige Tools austesten!

  13. […] andere Programme für die eigene Usability-Forschung findet Ihr in einem Artikel des Online-Magazins Dr.Web. Hinweise, wie Ihr Euch gegen diverse Tracking Tool schützt, findet man […]

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